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Galerie: Erster Test Kia Carens

Erster Test: Kia Carens

Die Reifeprüfung

25.03.2013

Erinnern Sie sich noch? Vor rund 20 Jahren lächelten die deutschen Autohersteller noch mitleidig über die ersten Autos „Made in Korea“. Klapprig zusammengebaute Billigheimer mit wenig anspruchsvoller Technik und einem Design, welches nur von wenigen Europäern als solches verstanden wurde. Doch die Zeiten haben sich geändert. Ganz unmerklich wurde aus den belächelten Koreanern ein Heer von gut ausgestatteten, modernen Fahrzeugen, die es problemlos mit den etablierten Marken aufnehmen können. Und seit dem Kia so clever war, die Stellenausschreibungen für den Chefdesigner direkt in die Briefkästen der deutschen Autoindustrie einzuwerfen, klappt’s auch mit dem Styling.

Beispiel gefällig? Der neue Carens etwa. Der 4,53 Meter große Viertürer ist dank des von Ex-Audi-Mann Peter Schreyer gezeichneten Aufbaus auffällig unauffällig. Die typischen Kia-Designelemente, wie etwa die Frontgestaltung oder die modellübergreifend einheitlich geformten Scheinwerfer, sollen zwar für einen Wiedererkennungswert sorgen, doch soweit ist die Marke in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht. Nur zu oft verwechselt man den Carens mit Produkten aus Köln oder anderswo.

Aber die in unscheinbaren Erdtönen gewandete Zurückhaltung muss ja kein Nachteil sein, schließlich will der durchschnittliche Carens-Besitzer nicht mit dem Mobil protzen. Er dürfte sich vielmehr an der nachvollziehbaren hochwertigen Machart der Karosse erfreuen, die sich in schmalen Fugen und sauber eingepassten Blechteilen ausdrückt.

Karosserie ohne Funktionsmängel

Galerie: Erster Test Kia CarensMehr Sein als Schein ist dann auch das Motto des Carens. Der Minivan hat alles, was den täglichen Umgang mit ihm erleichtert und angenehm macht. Angefangen bei den weit öffnenden Türen, mit denen auch das Einladen der Babyschale ohne Bandscheibenvorfall gelingt, bis hin zur großzügig dimensionierten Heckklappe und niedriger Ladekante. Keine Frage, der Carens nervt im Alltag nicht mit edler, dem Design geschuldeter Eitelkeit, sondern glänzt mit praktische Talenten.

Zu denen gehört eine gute Übersichtlichkeit, die ein kleines Eckfenster vor dem Außenspiegel zusätzlich befördert. Nach hinten sieht man zwar weniger gut, doch wofür gibt es Parkpiepser und eine optionale Rückfahrkamera? Dass der Carens, wie viele seiner Konkurrenten auch, auf Stoßleisten oder ähnlichen Karosserieschutz für den Großstadtdschungel verzichtet, ist da lediglich eine Randnotiz wert.

Platz ist in der kleinsten Hütte

Galerie: Erster Test Kia CarensDrei Sitzreihen und sieben Plätze bietet der Kia. In Anbetracht seiner kompakten Karosserie eine Tatsache, die zunächst erstaunt, dann aber neugierig macht. Wie haben es die Ingenieure nur gemacht, all diese Sitze in den kompakten Carens unterzubringen? Die Lösung präsentiert sich in Form eines integrierten Sitzkonzeptes, bei dem alle Stühle grundsätzlich an Bord sind und mit entsprechenden Hebeln nur im Wagenboden versenkt werden, sofern sie nicht benötigt werden.

Beginnen wir mit dem Beifahrersitz. Dessen Lehne ist nach vorne umklappbar und ermöglicht so den Transport langer Gegenstände, wie etwa von Surfbrettern oder Teppichrollen. Dafür können auch die Einzelsitze der zweiten Reihe entweder komplett oder partiell umgeklappt werden, während die beiden Sitze der letzten Bank in den Wagenboden versenkt werden. Besonders komfortabel: Die Unterbringung der oftmals gern liegen gelassenen Laderaumabdeckung. Für sie hat Kia ebenfalls ein Plätzchen im Wagenboden reserviert. Zu diesem hohen Maß an Variabilität passen die unzähligen Fächer und Kästchen im Kia für Kleinkram, die nur ein Problem aufwerfen: Man weiß nach wenigen Tagen kaum mehr, wo sich denn nun die verstauten Gegenstände befinden.

Galerie: Erster Test Kia CarensBeim Suchen könnte die Taschenlampe in Form einer herausnehmbaren Kofferraumleuchte helfen. Eines von vielen Details im Carens, mit dem Kia belegt, wie sehr man sich um das Wohlergehen der Kunden bemüht. Mit einer hochwertigen Verarbeitung, ansprechender Haptik der Kunststoffteile im Innenraum und zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten wird der Carens zum Liebling der ganzen Familie, der im Sommer mit gekühlten Getränken aus dem Handschuhfach ebenso punkten kann, wie im Winter mit einer Sitzheizung für die Fondpassagiere. Kleine aber nützliche Spielereien wie der gut funktionierende Parkautomat oder die Lenkradheizung runden den positiven Eindruck ab.

Wenig Qual bei der Wahl - das Motorenprogramm

Galerie: Erster Test Kia CarensDass der Antrieb bei einem Familienvan in der Regel nur eine untergeordnete Rolle spielt, liegt auf der Hand. Schließlich sollen zwischen Kita und Konsumcenter keine Rennen gewonnen werden, sondern nur die Fracht sicher von A nach B gebracht werden – und das möglichst komfortabel und sparsam, bitte. Einen Anspruch, den der Carens nur bedingt einlösen kann, denn vor allem der von Kia als Volumenmotor annoncierte 1,6-Liter-Benziner mit 135 PS ist schlicht eine Nummer zu klein für den knapp 1,6 Tonnen schweren Van. Seine Leistung gibt der Vierzylinder nur sehr ungern und unter lautstarkem Protest ab. Häufiges und durch das mangelnde Temperament leider notwendige Ausdrehen quittiert der mit überschaubarem Aufwand konstruierte Motor mit einem hohen Verbrauch, der im Testmittel bei rund 9,5 Litern lag.

Deutlich angenehmer präsentiert sich da der 1,7-Liter-Diesel mit 136 PS, der mit deutlich kräftigerem Drehmoment von 331 Newtonmeter punkten kann. Das Aggregat passt optimal zum ruhigen Tourencharakter des Carens und bei Bedarf lässt sich mit diesem Motor sogar ein Hauch sportliche Dynamik in den Van hinein zaubern, vorausgesetzt man wählt nicht die inzwischen etwas veraltete Sechsgang-Wandlerautomatik. Der ebenfalls mit diesem Getriebe erhältliche 2,0-Liter-Benzinmotor mit 166 PS macht vor dem Hintergrund des gelungenen Selbstzünderantriebs dagegen kaum Sinn, denn er verbraucht bei ähnlichen Fahrleistungen deutlich mehr Kraftstoff und ist, wie die anderen Motoren auch, lediglich mit einer Euro-5-Einstufung versehen.

Faires Angebot, statt Kampfpreise

Galerie: Erster Test Kia CarensGute Qualität, zeitloses Design und durchdachte Details - all das kostet auch bei den Koreanern mittlerweile Geld. Wenn auch nicht so teuer wie der Platzhirsch Volkswagen Touran, so gibt sich der Kia Carens durchaus selbstbewusst in der Preisgestaltung. Lediglich das Basismodell für knapp unter 20.000 Euro kann da gerade noch als Sonderangebot durchgehen. Wer dagegen eine der drei fein abgestuften Ausstattungstrimms, die dritte Sitzbank (750 Euro) und einen stärkeren Motor wählt, landet schnell bei rund 28.000 Euro.

Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass Kia derzeit jedem bis 30. Juni 2013 bestellten Neuwagen ein siebenjähriges Garantieversprechen samt kostenlosem Karten-Update für die gut funktionierende Navigation mit auf den Weg gibt. Damit bleiben die Fixkosten für den Kunden eindeutig kalkulierbar und auch spätere Gebrauchtwagenkunden erhalten ein höchstmöglichstes Maß an Sicherheit. Eine Maßnahme, die sich zusammen mit dem stetig wachsenden Händlernetz positiv auf die Restwerte gebrauchter Kia-Modelle und somit auch auf den Markenwert auswirken dürfte.

 
Fazit
 

Sven Jürisch

Der Kia Carens bietet im Minivan-Segment eine interessante Alternative. Mit europäischem Design, guter Verarbeitung und vielen pfiffigen Detaillösungen überzeugt er vor allem als Diesel.

Dass der Preis der Koreaner mittlerweile die Niederungen von einst verlassen hat, verwundert angesichts der guten Produkte kaum noch. Da verhält es sich wie mit den Lebensmittelpreisen in Deutschland: Was nichts kostet, taugt eben auch nichts.
 
 
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