Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GT

Erster Test: Kia Ceed GT, Pro Ceed GT

Respekt

20.06.2013

Kia dürstet es nach emotionalen Autos, damit die Marke bei Kunden als jung und dynamisch wahrgenommen wird. Bei Konzernschwester Hyundai blieb dieser Aufpolierungsversuch mit Veloster und Genesis Coupé eher kraftlos. Kia hingegen ist mit dem neuen GT-Ableger der drei- und fünftürigen Ceed-Modelle ein zwar noch zaghafter, dafür aber überzeugender Vorstoß gelungen, sich künftig stärker als fahrspaßorientierter Hersteller mit lustfördernden Modellen zu etablieren.

Die GT-Version des Ceed will mit dem Namenszusatz bereits verdeutlichen, kein Testosteron-gesteuerter Kraftmeier sein zu, denn solche Unholde schmücken sich mit Kürzeln wie R, RS oder OPC. Vielleicht fehlt den Koreanern auch das nötige Technikarsenal oder die Expertise, um einen aggressiven Heißsporn à la Megane RS oder Astra OPC aufzulegen. Egal, ob Strategie oder Unvermögen, der Ceed GT bietet ein erfrischend flottes Naturell und darüber hinaus ein gerüttelt Maß an Alltagstauglichkeit.

Da wäre zunächst das üppige Platzangebot, welches den Ceed GT zur uneingeschränkt familientauglichen Allzweckwaffe qualifiziert. Zugleich ist auch das Thema Dynamik innen präsent: Rote Ziernähte an Lenkrad und Schaltknauf sowie spezielle Teilleder-Recarositze stimmen auf das gehobene Lustpotenzial ein. Die Sitze sind, wie der GT selbst, ein Kompromiss, der den Anforderungen an Fahrspaß und Alltag gleichermaßen gerecht werden will und wird: Trotz guter Seitenführung fühlt man sich nicht eingeengt und die Polsterung ist zwar verbindlich straff, doch keineswegs unbequem.

Flackernde Balken

Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GTDer Fahrersitz lässt sich manuell ebenso wie das Lederlenkrad in die gewünschte Position manövrieren und blickt der Fahrer durchs Lenkrad auf ein großes Farbdisplay im breit aufgefächerten und gut ablesbaren Kombiinstrument. Die schmucke Display-Lösung gehört bei den GT-Modellen zum Serienprogramm, während es bei den normalen Ceeds allein den höheren Ausstattungen vorbehalten ist. Dieses optisch und technisch ansprechende Kombiinstrument hat noch ein besonderes Schmankerl zu bieten: Den GT-Modus, bei dem die Geschwindigkeit digital angezeigt wird und diese Zahl von zwei hektisch ausschlagenden Balken flankiert wird, die über Ladedruck und Drehmomentaufbau informieren. Nett.

Per Startknopf wird der im Innenraum überraschend leise wirkende 1,6-Liter-Benziner zum Leben erweckt. Obwohl Hubraumgröße und Säuselsound nicht sonderlich vielversprechend sind, hat es dieses kultivierte Kraftpaket in sich: Ein Twinscroll-Turbolader und eine Benzindirekteinspritzung kitzeln stolze 204 PS und 265 Newtonmeter aus dem 1.6er heraus. Letzeres steht bereits bei 1.750 Touren voll zur Verfügung. Und damit bietet der GT in seiner Hubraumklasse eine Leistungsausbeute auf Top-Niveau. Lediglich der Opel Corsa OPC Nürburgring-Edition (210 PS), der Citroën DS3 Racing (207 PS) und die JCW-Versionen der vielen Mini-Karosserievarianten (218 PS) mobilisieren etwas mehr Power aus ebenso kleinen Motörchen.

Kleines Kraftwerk

Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GTObwohl ein hochgezüchtetes Kraftwerk, kann man ganz ohne Macho-Attitüde entspannt losfahren, hat man zunächst kaum das Gefühl, einen Krawallmacher zu bewegen, sofern man das Gaspedal sanft streichelt. Doch einem beherzten Tritt auf selbiges folgt ein ebenso beherzter Schub nach vorne, der Ceed zeigt sich spritzig und mit kühnem Vorwärtsdrang. Die Antriebseinflüsse auf die Vorderachse sind dabei gering und der Lustfaktor hoch. Allerdings: Fordert man aus dem Schiebebetrieb spontan die volle Leistung, kommt der Kraftaufbau stets mit kurzer Vorzögerung, doch sonst stört das Turboloch eigentlich nicht.

Der Motor dreht zudem sehr willig bis in den Begrenzer bis kurz vor 7.000 U/min, ohne dabei gequält zu wirken. Haben Kia-Aggregate bisher in der Regel einen eher zugeschnürten Eindruck hinterlassen, scheinen diesem Motor die über 200 PS auch wirklich zur Verfügung zu stehen. Die Fahrwerte können sich sehen lassen: 7,7 Sekunden dauert der Sprint, 230 km/h sind maximal möglich. Der Klassenprimus Golf GTI steckt den Ceed mit nur 16 PS mehr dennoch locker in die Tasche (6,5 Sek./246 km/h).

Zackig auch ums Eck

Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GTUnd auch in Biegungen vermag der Koreaner nicht ganz das lässig-souveräne Niveau des Wolfsburger Kurvenkönigs erreichen, und doch ist der sportliche Ceed bereits sattsam fürs Spaßräubern geeignet. Eine Fahrwerkstieferlegung, 18-Zoll-Alus, Karosserieversteifungen und eine sportlicher abgestimmte Lenkung qualifizieren den GT im Zusammenspiel mit einem erfreulich toleranten ESP zu einer lustbetonten Pistensau, die man reuelos in Kurven werfen und dann mit reichlich Schmackes wieder heraus beschleunigen kann. Auch wenn dabei der Motor für die Insassen wenig sportlich klingt, bekommen Außenstehende einen durchaus kernigen Sportsound um die Ohren gehauen.

Ein elektronisches Sperrdifferenzial an der Vorderachse, wie es VW beim Golf GTI bietet, haben wir beim Kurvenräubern nicht vermisst. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit, die man mit etwas Anlauf problemlos erreicht, liegt der Wagen angenehm satt und ruhig auf der Straße. Die Karosserie ist steif, die Rückmeldung der Lenkung trotz ihrer bisweilen etwas teigigen Art präzise und die Bremsen verrichten ihre Energievernichtungsarbeit ebenfalls souverän. Zwar ist der Ceed GT nicht ganz so feinnervig und Letzte-Rille-orientiert wie sein Golf-Pendant, dafür ist der Fahrwerkskomfort trotz der strafferen Auslegung immer noch hoch. Auch dieser Umstand ist der eingangs erwähnten Alltagstauglichkeit des GT zuträglich.

Lässt sich sparsamer fahren als angegeben

Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GTVerblüfft hat uns bei unserer Testfahrt vor allem auch der Verbrauch, der mit 7,4 Liter kein sonderlich großes Effizienzversprechen macht, aber praktisch nicht in absurde Sphären abdriftet. Im Gegenteil: Auf einer normal gefahrenen Landstraßentour zeigte der Bordcomputer lediglich 6,4 Liter an und stieg der Wert auf einer beherzter gefahrenen Etappe - selbstverständlich im Rahmen der Verkehrsordnung - auf lediglich 9,4 Liter. Hier entwickelt so manches aufgeladene Downsizing-Aggregat deutlich mehr Naschcharakter. Doch es gibt auch zwei Wermutstropfen: Ein Start-Stopp-System bietet der GT nicht und für eine Euro-6-Zertifizierung hat es auch nicht gereicht.

eVote

 

Doch nicht nur der Wagen an sich, sondern vor allem auch sein Preis ist heiß: Ab 22.990 Euro geht es für den Pro-Ceed genannten Dreitürer los, der dann wie alle Kia-Modelle bereits mit einer 7-Jahres-Garantie gesegnet ist. Neben der modifizierten Außenoptik, die über ein hohes Überholprestige und sogar schicke LED-Lichttechnik vorne und hinten verfügt, sind es 18-Zoll-Alus, Lederlenkrad, Recaro-Sportsitze, ein CD-Radio mit Freisprecheinrichtung, Klimaanlage, Tempomat und die TFT-Display-Anzeige im Kombiinstrument, die bereits für dieses Geld zur Serienausstattung zählen.

Deutlich günstiger als die üblichen Verdächtigen

Galerie: Erster Test Kia Ceed GT, Pro Ceed GTWie bei Kia üblich, hat der Kunde lediglich die Wahl zwischen verschiedenen Ausstattungspaketen; im Fall der Top-Version GT-Track werden 26.990 Euro fällig, hinzu können dann noch ein großes Navisystem und Panorama-Glasschiebedach kommen, die den Maximal-Preis auf knapp über 29.000 Euro treiben – egal ob Drei- oder Fünftürer. Damit liegt der Kia Ceed GT preislich rund 20 Prozent unterhalb vom VW Golf GTI und ist immer noch rund 10 Prozent günstiger als ein vergleichbarer Ford Focus ST.

Wer sich allerdings nach einigen besonderen Ausstattungsoptionen sehnt, muss sich bei anderen Herstellern umschauen. Kia bietet weder ein adaptives Fahrwerk, noch eine automatischen Abstandshalter oder Assistenzsysteme wie Spurhalter und Tot-Winkel-Warner. Auch Antriebsoptionen gibt es keine, sprich: Man kann nur diesen einen Motor allein in Kombination mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe bestellen, welches zwar sehr leichtgängig durch die Gassen flutscht, dabei aber kein knackig-sportliches Schaltgefühl vermittelt.

 
Fazit

Mario Hommen

Jetzt haben wir die Gewissheit: Kia kann nicht nur preiswerte, sondern auch fahrspaßorientierte Autos bauen. Der Ceed GT ist das erste Modell der Koreaner mit gehobenem Lustfaktor, welches diesen auch auf überzeugende Weise vermittelt.

Darüber hinaus bietet der Rabauke ein hohes Maß an Alltagstauglichkeit, denn Kia hat es zunächst einmal vermieden, eine radikal sportliche Richtung einzuschlagen und sind es vor allem das Platzangebot, der trotz einer sportlicheren Abstimmung weiterhin angenehme Fahrwerkskomfort und die verbindlich gepolsterten Recaro-Sitze, die den Stark-Ceed zu einer ausgewogenen Allzweckwaffe machen.

Und dann ist der Ceed GT auch noch konkurrenzlos günstig, denn für die meist potenteren Mitbewerber werden zum Teil deutlich höhere Preise abgerufen. Wer auf das letzte Quäntchen Dynamik und Prestige verzichten kann, ist mit dem Kia Ceed GT sehr gut beraten.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.