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Galerie: Erster Test Kia Ceed

Erster Test: Kia Ceed

Ceed gut aus

13.04.2012

Dem VW Golf droht neue Konkurrenz aus Rüsselsheim. Doch handelt es sich bei dem Angreifer nicht um Opel, sondern um Kia. Die Koreaner haben in Rüsselsheim ihr Entwicklungszentrum; dort ist der neue Kia Ceed entstanden, der dem Wolfsburger Klassenprimus ab Juni 2012 zu Leibe rücken soll.

Böse Zungen behaupten, die Kia-Mannen sähen jeden Tag so viele Opels an ihrem Entwicklungszentrum vorbei fahren, dass die gewisse optische Nähe des neuen Ceed zum Astra nicht von ungefähr käme. In der Tat erinnert der Koreaner vor allem in der Heckansicht ein wenig an den deutschen VW-Konkurrenten. Doch Ähnlichkeiten hin oder her, Kias Chefdesigner Peter Schreyer hat es geschafft, dem bisweilen eher biederen Ceed ein schickes, dynamisches Blechkleid auf den Leib zu schneidern.

Hohe Qualität

Galerie: Erster Test Kia CeedMit scharf gezeichneten Scheinwerfern blickt der 4,31 Meter lange Ceed, der zunächst als Fünftürer in den Handel kommt, selbstbewusst nach vorne und trägt stolz den markentypischen, hantelförmigen Kühlergrill prominent vor sich her. Der Kombi SW ist zeitgleich bestellbar, kommt aber erst im Herbst. Die stark ansteigende Fensterlinie verleiht dem Kompakten Schwung und die horizontalen Heckleuchten, hier sind die Astra-Anleihen am deutlichsten, strecken den Koreaner optisch in die Breite.   

Große Mühe haben sich die Entwickler auch im Innenraum gegeben, der schon auf den ersten Blick zum Wohlfühlen einlädt. Die saubere Verarbeitung und die Auswahl an hochwertigen Materialien bezeugen, wie ernst es Kia meint, dem Premium-Rivalen VW Golf auf den Leib zu rücken. Der mag zwar im direkten Vergleich noch den ein oder anderen Pluspunkt auf seine Seite holen, in Summe braucht sich der Kia aber nicht zu verstecken. Auch in Sachen Bedienbarkeit nicht:  Alles ist logisch angeordnet und selbsterklärend, wie zum Beispiel das optionale Touchscreen-Navigationssystem. Nur die vielen Lenkradtasten können auf den ersten Blick etwas verwirren.

Display statt Tacho

Galerie: Erster Test Kia CeedSehr schick: Das mittlere der drei gut ablesbaren Rundinstrumente ist ein TFT-Display, auf dem, neben einer bunten Multifunktions-Anzeige der pseudo-analoge Tacho dargestellt wird. Daneben glänzt der Ceed mit weiteren technischen Spielereien wie einem Spurverlassenswarner, der allerdings etwas nervig piepst, oder einer Lenkradheizung und praktischen Qualitäten wie ausreichend Ablagemöglichkeiten. Altmodisch ist dagegen der Umklappmechanismus der Rückbank: Will man eine ebene Ladefläche, muss man erst die Sitzpolster hochklappen. Dann wächst das Kofferraumvolumen von 380 auf 1.318 Liter - das istetwas mehr, als die aktuelle Generation bietet. Der Kombi soll übrigens bis zu 1.664 Liter fassen.

Obwohl der Ceed auf einer völlig neuen Plattform basiert, ist der Radstand mit 2.650 Millimetern gleich geblieben. Demnach hat sich auch am Platzangebot nicht viel geändert: das ist nach wie vor okay, aber nicht weltbewegend. Vier Passagiere können aber jederzeit bequem reisen. Auch am Gewicht hat sich kaum etwas geändert, mit rund 1,3 Tonnen bewegt sich der Kia auf dem Niveau des Vorgängers.

Mehr Leistung könnte noch kommen

Galerie: Erster Test Kia CeedAuch die vier zum Marktstart verfügbaren Motoren sind nicht unbekannt: Kia bietet je zwei Diesel und Benziner mit 1,4 und 1,6 Liter Hubraum an. So wird ein Leistungsspektrum zwischen 90 und 135 PS abgedeckt. Das ist recht eng gesteckt und will Kia den Wolfsburgern ernsthaft in die Parade fahren, müssen sie hier noch nachlegen. Noch will man dazu nichts verraten, doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein fast 200 PS starker Turbo auch im Ceed Einzug halten könnte, ist groß.

Bis es soweit ist, ist man mit den vier Triebwerken trotzdem gut bedient, zumal Kia sowieso davon ausgeht, dass sich die meisten Käufer für den 100 PS starken Basisbenziner entscheiden werden. Der kommt mit seinen 137 Newtonmetern bei 4.200 Umdrehungen zwar nicht ganz so flott in die Gänge (12,8 Sekunden auf Tempo 100), doch ist er mit maximal Tempo 182 – wenn auch mit reichlich Anlauf – auch für die Autobahn geeignet und gefällt durch seine leise Art.

Doppelkupplung für den Benziner

Galerie: Erster Test Kia CeedWer allerdings vor hat, öfters lange Strecken zu fahren, dürfte sich über die 35 PS und knapp 30 Newtonmeter, die der direkteinspritzende 1.6er mehr hat, freuen. Sie geben ihm etwas mehr Reserven für Überholvorgänge. Ein Sprintmeister ist aber auch der stärkste Motor nicht und flotte Fahrt erfordert auch hier reichlich Schaltarbeit mit dem gut abgestimmten Sechsgang-Getriebe, das alle Modelle serienmäßig haben. Für diesen Motor bietet Kia auch ein Doppelkupplungsgetriebe an, das zwar ruckfrei schaltet, aber etwas langsam agiert und beim Standardsprint fast eine Sekunde kostet (9,9 zu 10,9 Sekunden). Der Verbrauch ist mit 6,1 Litern dagegen unabhängig vom Getriebe; der 1.4er braucht glatte sechs Liter.    

Für den 1.6er – und auch für den großen Diesel – gibt es das EcoDynamics-Paket mit Stopp-Start-Automatik, Leichtlaufreifen und weiteren vebrauchssenkenden Maßnahmen, die den Konsum auf 5,2 Liter drücken. Allerdings verhindert die Spritsparversion unter anderem 17-Zoll-Räder, das Glaspanoramadach oder das Doppelkupplungsgetriebe. Nicht das ganze Paket, sonder nur die Stopp-Start-Automatik soll es zukünftig auch für die 1.4 er geben, beim Benziner sinkt der Verbrauch damit auf 5,8 Liter.

Automatik für den Diesel

Sparsamster Ceed ist mit 3,8 Litern Diesel je 100 Kilometer der 128 PS starke 1.6 CRDi mit EcoDynamics-Paket. Er ist gleichzeitig der schnellste. Mit 197 km/h überbietet er den großen Benziner um zwei Zähler. Dank 260 Newtonmetern, die ab 1.900 Umdrehungen anliegen, ist er zudem der antrittstärkste und glänzt mit spürbar mehr Durchzug als die Ottomotoren. Wer nicht selber schalten will, kann hier das Sechsgang-Getriebe durch eine sechsstufen Wandlerautomatik ersetzen, die den Spritverbrauch allerdings in die Höhe treibt.

Daneben gibt es noch den kleineren Diesel mit 90 PS und 220 Newtonmetern. Die liegen allerdings bereits bei 1.500 Umdrehungen an und sorgt für einen ruhigen Lauf und guten Antritt bei niedrigen Touren. Nur im höheren Drehzahlbereich geht ihm schnell die Puste aus. Wie bei den Fremdzündern gilt auch hier die Devise: für häufige Autobahnfahrten lieber zum Großen greifen. Den Verbrauch beziffert Kia auf knapp über vier Liter.

Variable Lenkung

Galerie: Erster Test Kia CeedVom Schwestermodell Hyundai i30, mit dem sich der Kia Ceed einen Großteil der Technik teilt, hat man eine neue Spielerei übernommen. Flex Steer nennt sich das System, mit dem der Fahrer per Tastendruck die Lenkkraftunterstützung in drei Stufen variieren kann, zwischen leichtgängig - zum Beispiel beim Rangieren - und sportlich straff für eine dynamischere Gangart. Die Unterschiede sind allerdings gering und das System bräuchte es bei einem ordentlichen Standardsetup nicht unbedingt, zumal die meisten Fahrer wohl eh nur auf den ersten Kilometern damit spielen und fortan im Normalmodus fahren werden.

Auf ein adaptives Fahrwerk, wie es etwa VW für den Golf anbietet, verzichtet Kia dagegen. Das braucht es aber auch nicht, denn der gewählte Kompromiss zwischen Komfort und Fahrdynamik hat uns auf unserer ersten Ausfahrt überzeugt. Zwar ist der Kia straff gefedert, doch bringen auch grobe Unebenheiten im Asphalt die Passagiere nicht zur Verzweiflung.

Noch nicht eingepreist

Ob die Verzweiflung vielleicht im Autohaus kommt, ist momentan noch nicht geklärt, denn Preise will Kia frühestens Ende April verraten. Der neue Ceed werde sicher nicht der billigste im Segment sein, hieß es bislang nur, doch soll der Preis bei vergleichbarer Ausstattung ein paar Prozentpunkte unter den Mitbewerbern liegen. Den günstigsten Ceed dürfte es für rund 15.000 Euro geben, bislang müssen für den etwas schwächeren 90-PS-Benziner 14.430 Euro bezahlt werden.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Der alte Kia Ceed war gut, der neue ist noch besser. Mit guter Qualität und jetzt auch frischem Design arbeitet sich der Koreaner Schritt für Schritt an die deutsche Konkurrenz heran und misst sich mittlerweile nicht mehr nur mit anderen Importeuren sondern selbstbewusst mit dem VW Golf. Was ihm fehlt, um dem Klassenprimus das Wasser zu reichen, sind neue Motoren.

Die 1,4- und 1,6-Liter-Aggregate tun ihren Dienst zwar ordentlich, doch sind sie weder besonders sparsam noch ausgesprochen stark. Kleinere Downsizing-Triebwerke oder potentere Sportmodelle fehlen im Kia-Angebot noch. Außerdem sollten die Koreaner die Abstimmung ihres Doppelkupplungsgetriebes noch einmal überarbeiten und ihm ein wenig Beine machen. Nicht verstecken hingegen braucht sich das tadellose Fahrwerkssetup.

Noch in diesem Herbst allerdings bringt Volkswagen die Neuauflage des Golf auf den Markt. Dann werden die Karten im Kompaktsegment sicher neu gemischt und dann muss der Kia beweisen, wie gut er wirklich ist.
 
 

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