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Galerie: Erster Test Kia Rio

Erster Test: Kia Rio

Größer, besser, billiger

24.08.2011

Einst galt er als Biedermann im Kleinwagensegment, mit schlichter Karosserie und Hartplastik-Cockpit. Doch damit ist jetzt Schluss: Die Neuauflage des Kia Rio hat sich zum schmucken, hochwertigen Kleinwagen gemausert und rückt mit seinem günstigen Preis ganz nebenbei dem Klassenprimus VW Polo zu Leibe.

Kleinwagen verkaufen sich, neben dem Preis, in erster Linie nach optischen und praktischen Gesichtspunkten; Leistung und Fahrdynamik spielen in diesem Segment eher die zweite Geige. Das weiß auch Kia und schickt den neuen Rio, ganz anders als seinen unscheinbaren Vorgänger, mit einer vielleicht nicht unbedingt extravaganten, aber durchaus schicken und äußerst gefälligen Außenhaut ins Rennen.

Dem aus Bayern stammenden Designer Peter Schreyer, der zuvor für Audi und VW zeichnete, ist es gelungen, dem Kleinwagen ein fesches Lächeln ins Gesicht zu zaubern, ohne ihn lächerlich wirken zu lassen. Klare Linien, gezielt gesetzte Akzente und der Verzicht auf zu sehr verkünstelte Schnörkel verhelfen dem Rio zu einem zeitlosen und massentauglichen zugleich, keinesfalls aber langweiligem Auftritt. Schade nur, dass die dynamischere Karosserie deutlich unübersichtlicher ist als die des Vorgängers.

Plastikwüste ade

Galerie: Erster Test Kia RioDie Abkehr von der biedern Optik des Vorgängers setzt sich erfreulicherweise auch im Interieur fort. Statt in einer tristen Hartplastik-Landschaft findet man sich, auf kommodem Gestühl, in wohnlichem Ambiente wieder; Chromdekor, Hochglanzlack und angenehm anzufassende Soft-Oberflächen rücken den Rio ziemlich nahe an den vom Polo diktieren Qualitäts-Maßstab in der Kleinwagen-Klasse.

Bei aller Kreativität sind die Koreaner, glücklicherweise, nicht dem Spieltrieb erlegen, so dass man sich nach wie vor schnell zu recht findet und den Überblick behält. Eine kleine, humoristische Einlage gibt es dennoch: Die Kippschalter für die Klimaanlage erinnern recht stark an die eines Lamborghini. Ob’s der Rio-Fahrer erkennt, sei dahingestellt.

Praktische Tugenden

Galerie: Erster Test Kia RioZwar ist der Rio einige Zentimeter in der Länge gewachsen, doch hat er mit 4,05 Metern immer noch parklückenfreundliche Abmessungen. Die Passagiere profitieren vor allem vom längeren Radstand, den Kia auf 2,57 Meter gestreckt hat. So lässt es sich auch, nicht zuletzt dank schmalerer Vordersitze, auf der Rückbank angenehm sitzen, während vorne ohnehin reichlich Platz vorhanden ist. Zum Marktstart im September 2011 gibt es den Rio übrigens nur als Vier-Türer, die etwas sportlichere Variante mit nur zwei Zugängen folgt im Jahr 2012; bestellt werden kann sie aber ab sofort.

Ein wenig zugelegt hat auch der Kofferraum, der jetzt 288 Liter Gepäck schluckt; und damit den VW Polo um immerhin acht Liter oder eine Einkaufstüte übertrifft. Die große Heckklappe erleichtert das Beladen, die hohe Ladekante stört dagegen ein wenig. Braucht man doch mal mehr Platz, so kann man den Stauraum durch umklappen der zweigeteilten Rückbank auf 923 Liter erweitern.

Knauserig

Galerie: Erster Test Kia RioIn noch einer Disziplin kauft der Rio dem Polo den Schneid ab, und das dürfte für VW deutlich schmerzlicher sein als die acht Liter Kofferraumvolumen. Der Koreaner hat nämlich beim Spritsparen die Schnauze vorn. Sein neu entwickelter, 1,1-Liter großer Drei-Zylinder-Diesel mit Stopp-Start-Automatik, konsumiert als Zwei-Türer nur 3,2 Liter auf 100 Kilometer – und damit deutlich weniger als ein Polo BlueMotion; er ist mit einem CO2-Ausstoß von 85 Gramm pro Kilometer sogar das derzeit sauberste Auto überhaupt. Und mit 75 PS und 170 Newtonmetern ist der Rio, auch wenn er kein Sprint-Star ist, weit davon entfernt, ein ökologisch-sinnvolles Verkehrshindernis zu sein.

Allerdings erkauft man sich die Lizenz zum Sparen durch den Verzicht auf Ausstattung; die sonst übliche Längsverstellung des Lenkrads oder eine Klimaanlage etwa sind gar nicht an Bord, denn allein ihr Gewicht würde den Konsum nach oben treiben. Ersteht man den 1.1er-Diesel nicht in der Basisversion, liegt der Konsum bei 3,8 Litern.

Bekannte Motoren

Galerie: Erster Test Kia RioWer für mehr Durchzug einen um circa einen Liter höheren Verbrauch in Kauf nimmt, dem sei der unter anderem aus dem Konzernbruder Hyundai i20 bekannte, 90 PS starke Vier-Zylinder-Selbstzünder ans Herz gelegt, der mit 220 Newtonmetern antritt und zügiger vom Fleck kommt. Bei höheren Drehzahlen geht allerdings auch ihm die Puste aus, was man dem kleinen Spardiesel eher verzeiht als dem stärkeren Bruder. 14,2 Sekunden gönnt sich dieser für den Sprint auf Tempo 100 und bis die Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h erreicht ist, vergeht eine Weile.

Fast drei Sekunden weniger für den Standardsprint braucht der stärkere der beiden, ebenfalls nicht neuen, Benziner: ein 1,4-Liter-Vier-Zylinder mit 109 PS. Doch trotz der nominell besseren Werte wirkt der Ottomotor mit seinen nur 137 Newtonmeter Drehmoment weitaus weniger spritzig als der Selbstzünder und kommt aus dem Stand bei weitem nicht so zügig in die Gänge. Dass es der schwächere, 85 PS starke 1,2er – übrigens der einzige mit fünf statt sechs Gängen – nicht besser kann, überrascht nicht. Immerhin: Selbst der stärkste Motor braucht nicht mehr als 5,3 Liter Benzin.

Solider Kompromiss

Galerie: Erster Test Kia RioDen eher moderaten Fahrleistungen gerecht werdend hat Kia auf eine übertrieben sportliche Fahrwerksabstimmung verzichtet und sich stattdessen für einen soliden, komfortablen Kompromiss entschieden. Für übereifrige Kurvenwechsel empfiehlt sich der Rio damit zwar nicht, doch dürften diese kaum Muttis Ansinnen auf dem Weg zum Kindergarten sein. Übertreibt man es doch, beginnt der Koreaner frühzeitig und gutmütig zu Untersteuern; das bei allen Rios serienmäßige ESP bringt ihn dann auf den rechten Kurs zurück.

Auf den Alltags-Fahrten im Stadtgebiet fällt auch die indirekte Lenkung nicht sonderlich ins Gewicht; im Gegenteil, hier macht sie mit ihrer Leichtgängigkeit den Rio eher noch handlicher. Jenseits des Ortsschildes fällt dagegen die nur geringe Rückmeldung an den Fahrer deutlicher negativer auf. Das kann der VW Polo besser. Ob das allerdings ein kaufentscheidender Grund ist, sei dahingestellt.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Kia Rio   Kia Rio
Motor / Ausstattung   1.1 CRDi Attract   1.4 CRDi Spirit
Motor        
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   1.120 / R3   1.396 / R4
Leistung (kW (PS) / U/min)   55 (75) / 4.000   66 (90) / 4.000
Drehmoment (Nm / U/min)   170 / 1.500 - 2.750   220 / 1.750 - 2.750
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   6-Gang-Schaltgetriebe   6-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.045 / 1.720 / 1.455   4.045 / 1.720 / 1.455
Radstand (mm)   2.570   2.570
Wendekreis (m)   k.A.   k.A.
Leergewicht  (kg)   1.155   1.239
Kofferraum (Liter)   288 - 923   288 - 923
Serienbereifung   185/65 R 15   195/55 R 16
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   3,2 (höhere Ausstattung: 3,8)   4,3
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   85 (99) / Euro5   113 / Euro5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.   k. A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   16,2   14,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   158   172
Preise        
ab (Euro)   13.490 (4-Türer: 14.190)   17.690 (4-Türer: 18.390)
Ausgewählte Extras (Euro)   Metallic-Lack (390), Technik-Paket mit schlüssellosem Zugangs-System, Tempomat und Sitzheizun (710, nur für Ausstattung Spirit), Navigations-System mit Rückfahrkamera (990, nur für Ausstattung Spirit)   Metallic-Lack (390), Technik-Paket mit schlüssellosem Zugangs-System, Tempomat und Sitzheizun (710, nur für Ausstattung Spirit), Navigations-System mit Rückfahrkamera (990, nur für Ausstattung Spirit)
 
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Deutlich günstiger

Denn wie Anfangs schon erwähnt, ist die Fahrdynamik nicht das Argument, mit dem man Kleinwagen verkauft. Und seinen stärksten Trumpf hat der Rio noch im Ärmel: den Preis. Kia ist es nicht nur gelungen, den Einstiegspreis im Vergleich zum Vorgänger um satte 2.000 Euro zu senken, sondern sie unterbieten auch den Wolfsburger Rivalen damit deutlich. Der günstigste Rio, der 1.2 Benziner als Zwei-Türer, ist schon ab 9.990 Euro zu haben, was den VW-Vertrieblern die Tränen in die Augen treiben dürfte. Ihr Polo kostet, mit weniger Leistung, nicht weniger als 12.450 Euro und bei gleicher Motorisierung mehr als das anderthalbfache des Kias. Für den Spar-Diesel werden übrigens mindestens 13.490 Euro fällig, dreitausendfünfhundert Euro weniger als für den vergleichbaren Polo BlueMotion.

Galerie: Erster Test Kia RioIm Kia-Preis ist neben einer kompletten Sicherheitsausstattung das Wichtigste inkludiert, allem voran ein CD-Radio mit USB- und Aux-Anschluss, das oft, auch bei VW, extra bezahlt werden muss. Elektrisch einstellbare Außenspiegel oder die Zentralverriegelung gehören ebenfalls zum Standard.

Extra ankreuzen sollte man auf dem Bestellschein dagegen unter anderem das Navigationssystem, das mit 990 Euro zwar etwas mehr kostet als ein mobiles Standalone, dafür ohne die lästigen Kabel nicht nur schicker aussieht, sondern auch die Rückfahrkamera mitbringt. Und die ist angesichts der schmalen Heckscheibe eine durchaus willkommene Hilfe beim Einparken. Allerdings gibt es dieses Schmankerl nur in der Top-Ausstattung, die dafür, unter anderem, auch noch mit einer klassenunüblichen Lenkradheizung aufwartet.

Fazit

Dass der Rio den Polo vom Thron des Klassenprimus stürzt, daran wird auch Kia, bei allen Vorzügen ihres neuesten Wurfs, selbst nicht glauben. Doch die Koreaner dürfen zurecht stolz auf ihren neuen Kleinwagen sein und haben mit dem schicken Rio eine empfehlenswerte Alternative für all die geschaffen, die sich mehr an sparsamen Motoren als an ausgeprägter Fahrdynamik erfreuen und für ein paar tausend gesparte Euro getrost auf das VW-Logo am Kühlergrill verzichten können.

 
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