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Galerie: Erster Test Land Rover Freelander (Facelift)

Erster Test: Land Rover Freelander (Facelift)

Aus und vorbei - Allrad, ade

03.02.2011

Der Freelander ist ein echter Land Rover. Zumindest die zweite Version, die seit Ende 2006 produziert wird, hat es geschafft, das Mädchen-Image abzustreifen und Spaß zu machen, auch Männern, auch abseits befestigter Wege. Ein Land Rover ist eben ein Land Rover. Jetzt aber wackelt der Thron der britischen Legende. Frontantrieb heißt das Stichwort! Was bitte soll das? Wer bitte kauft das?

Jetzt also auch Land Rover. Die CO2-Debatte nimmt immer absurdere Ausmaße an und führt uns zum Land Rover mit Frontantrieb. Mit dem Facelift des Freelander bringen die Briten das erste Modell mit Frontantrieb und das erste, das mit sechs Liter Diesel 100 Kilometer weit kommen soll. Dass die Allradversion nur 0,2 Liter Diesel mehr benötigt, beweist, wie sinnlos in diesem konkreten Fall eine 2WD-Version ist. 0,2 Liter verwaschen ab sofort das Image der Geländewagen-Marke.

Freelander ist ein Offroader

Denn gerade der Freelander gilt in diesem Preissegment um 30.000 Euro als echtes Offroad-Fahrzeug, was sich nur noch sehr wenige Konkurrenten ans Revers heften können. Zu allem Überfluss ist die Kosteneinsparung zwischen Zwei- und Vierradantrieb sehr gering. So ist die verweichlichte 2WD-Version lediglich 1.700 Euro günstiger. Sollte dieser Preisunterschied tatsächlich zur Kaufentscheidung beitragen, bewegt man sich sowieso bereits jenseits seines wirklich vorhandenen Budgets. Und zu einem Landy gehört Allrad, wie die vielbeschworene Krone zum Vereinigten Königreich.

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander (Facelift)Auf der anderen Seite ist der Freelander mit Frontantrieb – das müssen wir eingestehen – besser als erwartet. Klar, vor allem unter den aktuell doch hin und wieder anzutreffenden Witterungsbedingungen hat der Fronttriebler hier und dort Probleme, artgerecht zu beschleunigen, aber er kommt dennoch weiter als viele denken.

Die Bodenfreiheit spielt dabei eine Rolle, und die montierten Winter-Pneus eine weitere. Sind letztere jedoch von guter Qualität, wird man auch auf verschneiten Wegen weit kommen. Bei Bedarf montiert man an der Vorderachse einfach Ketten oder Autosocken und steht einem Allradler ohne Ketten in nichts nach – ganz im Gegenteil.

So gesehen ist es irgendwo vielleicht doch verständlich, dass Land Rover diese Version für die Fahrt zum Kindergarten, zur Schule oder zum nachmittäglichen Sportunterreicht einführte. Bei 95 Prozent aller in Deutschland üblichen Einsatzbedingungen wird man den Allradantrieb wohl nicht vermissen. Dennoch gilt: Land Rover = 4WD.

Zwei erneuerte Diesel, ein alter Benziner

Außer der auf Wunsch nicht angetriebenen Hinterachse gibt es für die Facelift-Version zwei erneuerte Dieselmotoren und einen bekannten Reihen-Sechs-Zylinder-Benziner, der mit seinen 233 PS hierzulande keine Rolle in der Verkaufshitliste spielen wird.

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander (Facelift)Die Diesel sind die Bestseller, das war so und wird jetzt mehr denn je so sein. Gab es bislang nämlich ausschließlich den gut 150 PS starken 2.2, haben die Briten nun zwei technisch vollkommen identische Varianten im Angebot. Sowohl die 150-PS-Version als auch der ausschließlich mit Sechs-Gang-Automatik lieferbare 190-PSler schöpfen ihre Kraft aus dem überarbeiteten 2,2-Liter-Diesel. Beide Maschinen erreichen ein Drehmomentmaximum von 420 Newtonmeter. Mehr vertragen diverse Bauteile (Getriebe/Antriebsstrang) nicht, die eben, wie bereits erwähnt, alle identisch sind.

Die Leistungssteigerung um 40 auf 190 PS schaffen die Ingenieure mittels eines simplen Tricks: Ladedruckerhöhung. Werden dem schwächeren Modell 2,0 bar Überdruck eingehaucht, sind’s beim Top-Diesel 0,5 bar mehr. Das führt zu einer deutlich besseren Sprintzeit (9,5 zu 11,2 Sekunden), aber nur zur einer marginal besseren Endgeschwindigkeit: 181 km/h schafft der kleine, neun mehr sind’s beim starken Bruder, wobei letzterer elektronisch eingebremst wird. Technisch wäre die Limitierung nicht notwendig, aus Marketinggesichtspunkten jedoch schon, denn Disco und Range fahren kaum schneller und irgendwo muss ja die britische Hierarchie gewahrt bleiben. Schade, denn so befindet sich der 190-PS-Diesel auf einem Niveau mit den 140-PS-Diesel-Modellen der Konkurrenz. An der Anhängelast von 2.000 Kilogramm ändert keiner der angebotenen Motoren und Getriebearten etwas.

Besser den schwächeren nehmen

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander (Facelift)Den Top-Diesel können wir aber sowieso nicht empfehlen, und zwar aus folgenden Gründen: Der Motor hat ein Turboloch, das so groß ist, dass man den Buckingham-Palace darin versenken könnte und, die Mehr-PS müssen mit 3.500 Euro zu teuer bezahlt werden. Ein Tuner kann mit wenigen Handgriffen eine ähnliche Leistung zaubern, die sicherlich für unter 2.000 Euro zu haben sein wird. Und technisch wird dann nichts schlechter gemacht, denn auch die Land-Rover-Ingenieure schubsen dafür lediglich Bits und Bytes am PC herum.

Beim Einstiegsdiesel ist das Turboloch kleiner, aber auch noch spürbar, die Laufruhe ist subjektiv besser und ein Rennwagen ist der komfortbetonte Freelander mit keinem der angebotenen Motoren, und das ist gut so. Der Freelander gehört nämlich zu den komfortablen SUVs, und das ist mittlerweile die Ausnahme. Trotzdem kann er mit ordentlichem Speed in die Kurven gedrückt werden und bleibt dabei stets berechenbar und sicher. Mehr braucht’s in der Klasse nicht, ja mehr ist sogar unsinnig.

Schick, aber nicht überkandidelt

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander (Facelift)Im Interieur geht es sachlich zu. Die Kunststoffe sind okay, die Passungen befriedigend. Eine Perfektion wie etwa im Tiguan oder im X3 darf man im Freelander nicht erwarten. Das Platzangebot ist durchschnittlich, in das Heck des 4,50-Meter-Autos passen bei umgelegter Rückbank immerhin 1.670 Liter Gepäck. Nicht ganz optimal sind die vorderen Sitze. Sie sind zu hoch montiert (Beifahrer hat keine Höhenverstellung), zu kurz geschnitten und bieten – vor allem mit Lederbezug – zu wenig Seitenhalt. Dafür aber sind sie irgendwie gemütlich und passen zum Gesamtkunstwerk.

Das gibt es übrigens ab 28.200 Euro für den frontgetriebenen 2.2 eD4 E mit modernisierter Facelift-Frontmaske. Interessanter wird aber für viele die mittlere Ausstattungslinie S sein, die zusätzlich ein Alpine-Soundsystem, einen Tempomat, in Wagenfarbe lackierte Anbauteile, die Klimaautomatik und 17-Zoll-Räder offeriert. Kostenpunkt: plus 3.000 Euro. Wer dann noch den Allradantrieb wählt, erhält für 32.900 Euro einen superben Geländegänger mit exzellenten Komforteigenschaften auf der Straße und einer guten Ausstattung.

Zwei Sonderlinien hat Land Rover zum Start im Portfolio. Elegance und Style nennen sie sich und sind unter anderem an etwas improvisiert wirkenden LED-Tagfahrlichtern und einem Heckklappenanbauteil erkennbar. Zum aktuellen Marktstart gibt es bis 31.03.2011 einen Sonderrabatt in Form einer besseren Ausstattung. Das so genannte Upgrade-Programm kann dem Käufer bis zu 4.100 Euro Preisvorteil bieten.

Fazit

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Land Rover hat den Freelander frisch gemacht, ja. Wirklich signifikant besser wurde er nicht. Der schwächere Diesel, der in etwa dem Vorgänger-Aggregat entspricht, stellt nach wie vor das Optimum dar. Mehr braucht man nicht, und wenn doch, kann man es beim renommierten Tuner für kleines Geld machen lassen. Der Ab-Werk-Aufpreis für das 190-PS-Modell beträgt 3.500 Euro und ist definitiv zu viel für die gebotenen 40 Mehr-PS, die ausschließlich am Computer erzeugt werden.

Die 1.700 Euro Aufpreis für den Allradantrieb sollte hingegen jeder investieren. Denn ein Land Rover hat ganz einfach traditionell einen Allradantrieb, alles andere ist peinlich. Laut Land Rover werden voraussichtlich gut zehn Prozent der Freelander-Kunden den 2WD wählen, und dann aus unserer Sicht nicht standesgemäß unterwegs sein. Unsere Empfehlung in diesem Fall: Den Schriftzug eD4 E am Heck mit dem Heißluftfön ablösen. Dann merkt’s zumindest bei schneefreier Strecke niemand.

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