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Galerie: Erster Test Land Rover Freelander Facelift

Erster Test: Land Rover Freelander Facelift

Der praktische Evoque

17.12.2012

Geländegängigkeit zahlt sich aus, auch wirtschaftlich. Vor gar nicht allzu langer Zeit schrieb Land Rover noch rote Zahlen, doch inzwischen hat die mittlerweile zum indischen Tata-Konzern gehörende Jaguar-Schwester wieder festen Boden unter den Rädern. Nicht zuletzt das neue Einstiegsmodell, der Evoque, hat den Karren aus dem Dreck gezogen. Erst kürzlich legten die Briten schließlich ihr Flaggschiff, den Range Rover, neu auf und nun bekommt auch der kleine Freelander ein Facelift mitsamt neuem Motor verpasst.

Ungeachtet seiner durchaus veritablen Offroad-Fähigkeiten ist der Evoque ein Lifestyler par excellence, der auf der Maximilianstraße oder der Kö deutlich häufiger anzutreffen ist als auf Forstwegen. Sein etwas ruraleres Pendant ist der Freelander, der schon optisch deutlich mehr auf Naturbursche macht. Konkurrenz machen sich die beiden ungleichen Geschwister kaum, im Gegenteil: Der längere Zeit ein wenig in Vergessenheit geratene Freelander profitiert vom Evoque-Hype, der zahlreiche Käufer in die Schauräume lockt, die dort zum ersten Mal dem Freelander begegnen und sich schließlich auch für dieses praktischere und geräumigere Modell entscheiden.

Glatt gebügelt

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander FaceliftAb 2013 dürfte diese Entscheidung noch leichter fallen, dann nämlich glätten gezielte Eingriffe die ein oder andere Altersfalte im kantigen Freelander-Blechkleid; auch das Mediasystem wurde aufgemöbelt und ein neuer Turbobenziner sorgt für frischen Wind in der Antriebspalette. Obwohl die Designer nur sachte Hand angelegt haben, lässt der neue Freelander die Vor-Facelift-Modelle alt aussehen. Die neuen Rückleuchten wirken edler, das neue LED-Tagfahrlicht moderner; insgesamt kommt der Freelander nicht mehr ganz so hemdsärmelig daher, sondern nähert sich seinem großen, hochpreisigen Bruder Range Rover an.

Der Innenraum blieb weitgehend unberührt, neu ist eine fünf Zoll große Multifunktionsanzeige im Kombiinstrument. Dass auch das Navigations- und Entertainmentsystem neu ist, merkt man dagegen nicht wirklich. Das Multimediasystem ist ein Klotz am Bein des Jaguar-Land-Rover-Konzerns und dürfte die Fahrer der verschiedensten Modelle zur Verzweiflung bringen. Quer durch alle Baureihen, vom Jaguar XF bis zum Land Rover Range Rover, wird das System verbaut, das in seiner Bedienlogik und Funktionalität schlicht ein bis zwei Generationen hinter der Konkurrenz her trottet. 3D-Karten von Google-Maps, Online-Staumeldungen, Internetzugang, Twitter- oder Facebook-Anbindung oder Steuerung per App sind dem System ebenso fremd wie eine intuitive Bedienung.

Angenehm auf allen Wegen

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander FaceliftSchade eigentlich, dass es ausgerechnet an diesem immerhin 1.850 Euro teuren Ausstattungsextra hakt, mit dem Fahrer und Beifahrer tagtäglich Kontakt haben. Denn ansonsten gibt es keinen Grund zur Kritik und man fühlt sich im Freelander auf Anhieb wohl. Die Sitzheizung erwärmt die gemütlichen Ledersitze, der Platz ist auf allen Plätzen ausreichend und die ordentliche Verarbeitung von Holz, Tierhäuten und angenehm anzufassendem Kunststoff schafft ein wohliges Ambiente.

Um das Fahren abseits der festen Wege zu erleichtern, hat auch der kleinste Land Rover das Terrain-Response-System an Bord, mit dem der Fahrer verschiedene Modi für Fahren auf Gras, Schotter und Schnee, Schlamm und Spurrillen oder Sand vorwählen kann. Der Allradantrieb, der seine Kraft per Haldex-Kupplung an die Hinterachse, wird dann auf die bevorstehende Aufgabe ebenso vorbereitet wie die Gaspedalkennlinie und das Stabilitätsprogramm und schon wühlt sich der Freelander mit Leichtigkeit durch unwegsames Geläuf, ohne dass der Lenker umfangreiche Kenntnisse im Offroad-Fahren vorweisen müsste.  

Kaum Fronttriebler

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander FaceliftDie Offroad-Fähigkeit scheint den Kunden auch ein wertvolles Gut zu sein, gerade mal fünf Prozent aller Käufer greifen zu der ebenfalls angebotenen Frontantriebsversion. Ebenso wenig Beachtung fand in Deutschland der bislang angebotenen Sechszylinder-Benziner: Über 90 Prozent der Freelander-Kunden entschieden sich für den 2,2-Liter-Diesel mit 150 oder 190 PS.     

Der 3,2-Liter-V6 wird mit dem Facelift allerdings in Rente geschickt und durch ein kleineres Aggregat ersetzt, einen Zwei-Liter-Vierzylinder-Turbo, den Land-Rover-Fans bereits aus dem Evoque kennen und der in China auch in den Jaguar-Limousinen XF und XJ arbeitet. Obwohl er 1,2 Liter weniger Hubraum hat als das Vorgänger-Triebwerk, steigt die Leistung geringfügig auf 240 PS. So kann er problemlos mit dem V6 mithalten, nur das direkte Ansprechverhalten des Saugers geht dem Selbstzünder ein wenig ab und dauert es beim Tritt aufs Gaspedal einen kleinen Moment, bis der Turbo-Motor gut hörbar kräftig durchatmet und die serienmäßige, etwas angestaubte Sechsgang-Automatik von Aisin aufwacht.

Teuer und durstig

Galerie: Erster Test Land Rover Freelander FaceliftLiegen die 340 Newtonmeter Drehmoment (bei 1.750 Umdrehungen) schließlich an der Kurbelwelle an, beschleunigt der immer über vier Räder angetriebene Freelander Si4 in 8,8 Sekunden auf Tempo 100 und ist damit der Flotteste aller; auch fährt keine andere Motorvariante schneller als seine 200 km/h. Dafür verbraucht er allerdings auch am meisten. So liegt der Turbo zwar einen Liter unter dem alten V6, doch ist er mit 9,6 Litern je 100 Kilometer immer noch recht trinkfest.

In der Anschaffung ist der Benziner genauso teuer wie der 170-PS-Diesel, nämlich 37.300 Euro. Wer allerdings auf elektrisch anklappbare Außenspiegel, Tempomat, Parksensoren, die Automatik und den Regensensor verzichten kann, für den ist der 150-PS-Diesel eine Alternative: Ihn gibt es auch in der Basisausstattung und dann für nur 29.900 Euro. Der zusätzliche Verzicht auf den Allradantrieb spart dagegen nur 1.700 Euro. Wer sich nicht lange mit der Preisliste aufhalten will und gleich zur Vollausstattung greift, muss 41.400 Euro für den schwächeren Diesel beziehungsweise 44.600 Euro für die 170-PS-Version und den Benziner auf den Tisch legen.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Das Facelift macht den schon seit 2006 (in Deutschland seit 2007) angebotenen Freelander II attraktiver und zu einer dem Evoque ebenbürtigen Alternative. Wer auf den Lifestyle-Bonus des kleinen Range verzichten kann, bekommt mit dem Freelander den praktischeren und geräumigeren Offroader. Nicht nur, dass die Passagiere mehr Freiraum genießen, auch für das Gepäck hält der Freelander mit 775 bis 1.670 Liter über 200 Liter mehr Stauraum bereit.

Zusammen mit dem Terrain-Response-System ist auch der Einstiegs-Landy für mittelschweres Gelände gut gerüstet, auch wenn er das wohl nur selten unter die Reifen bekommt. Dass die meisten trotzdem zum Vierradantrieb reifen, ist verständlich. Ein Land Rover ohne Allradantrieb ist wie ein Mercedes ohne Stern.

Der neue Turbo-Benziner allerdings empfiehlt sich nur ausgesprochenen Diesel-Gegnern, denen es auf die schnellste Beschleunigung und die höchste Vmax ankommt; ansonsten ist man mit den beiden bekannten Selbstzündern mindestens genauso kommod und dazu noch günstiger unterwegs. Unabhängig vom Motor ist die etwas langsame Sechsgang-Automatik als einzige Alternative zum selber schalten. Und auch mit dem veralteten Navigationssystem muss man sich anfreunden, will man auf den ADAC-Reiseatlas verzichten.
 

 

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