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Galerie: Erster Test Lexus GS 300h

Erster Test: Lexus GS 300h

Schön, dass es dich gibt

10.12.2013

Eigentlich hat sich Lexus modellpolitisch bemüht und mit dem CT 200h oder dem neuen GS attraktive Volumenmodelle im Programm. Dennoch: Der Toyota-Ableger verharrt hierzulande im Absatzzahlentief, obwohl gerade der junge GS eine echte Alternative zu den Platzhirschen 5er und E-Klasse ist. Dennoch wird die Baureihe selbst mit der ab Anfang 2014 angebotenen Antriebsvariante 300h kein Renner, da ihr für deutsche Kunden eine entscheidende Eigenschaft fehlt...

Und dieses Mal ist es ganz gewiss nicht das Design, an dem man sich reiben könnte, denn der GS ist ein schicker Brummer, mit austarierten Limousinen-Proportionen und aggressiver Hightech-Front – modern, repräsentativ, hochwertig und mit einer eigenen Lexus-Note. Diese prägt auch den Innenraum, der zudem reichlich Gründe bietet, sich in ihm wohl zu fühlen. Ob die feine Materialwahl, die perfekte Verarbeitungsqualität, das gute Platzangebot oder die vielen Hightech-Gimmicks – Lexus steht für Luxus auf gehobenem Niveau.

Downsizing beim Hybrid

Galerie: Erster Test Lexus GS 300hDas kann auch auf den Antrieb zutreffen, sofern man die ungeliebte Basismotorisierung 250 ausklammert, denn den prestigereichen 450h qualifizieren ein 3,5-Liter-V6 und eine starke E-Maschine zum dynamischen wie effizienten Edel-Öko. Eben jenes Vollhybrid-Prinzip wird jetzt auch eine Nummer kleiner als 300h angeboten. Hier kumulieren ein 2,5-Liter-V6-Atkinoso-Benziner und eine E-Maschine zu einer Systemleistung von immerhin 223 PS, die über ein stufenloses Planetengetriebe allein an die Hinterachse dirigiert werden.

Dieses Leistungsniveau lässt eigentlich gehobene Dynamikfreuden erwarten, doch praktisch, und hier liegt die eigentliche Krux, wollen sich eben genau diese nicht so recht einstellen. Vor allem auch, weil der Hybrid eine Alternative zum Diesel sein will, dabei aber nichts vom Mordsdampf bieten kann, der die heutigen Drehmomentmonster so begehrenswert macht. Vielmehr agiert der 300h kreuzbrav, in höchstem Maß kultiviert und animiert damit zum entspannten Cruisen – eben Luxus à la Lexus. Hilfreich sind dabei auch ein niedriger Cw-Wert (0,26) und eine gute Akustikdämmung.

Erfreulich genügsam

Galerie: Erster Test Lexus GS 300hZusammen mit dem automatischen Getriebe und dem Zusatzschub der E-Maschine vermittelt dieses Aggregate-Konglomerat dem Fahrer vor allem ein herrlich geschmeidiges Fahrgefühl, welches leicht dazu animieren kann, locker zu werden und von den Dingen loszulassen. Und so fällt es auch leicht, sich in besonders effizienzoptimierter Fahrweise zu üben. Im Idealfall soll diese zu Verbrauchswerten um fünf Liter führen, was praktisch sogar machbar erscheint, denn bei entspannter aber noch nicht extrem sparsamer Fahrweise im Umland von Madrid zeigte der Bordcomputer erfreulich niedrige sechs Liter an.

Es geht auch durstiger: Auf Fahrspaß verheißenden, kurvigen Landstraßen sind wir per Fahrdynamik-Regelschalter in den Sportmodus gewechselt; Fahrwerkshärte, Lenkung und Leistungsentfaltung werden so für ambitionierteres Kurvenräubern geschärft. Während der GS im Normal-Modus als supersanfter Komfortgleiter der Kurvenhatz regelrecht abgeneigt zu sein scheint, kommt in der Sport-Einstellung feine Präzision und etwas Härte ins Spiel. Da kann sich bei Kurveneinfahrt sogar Spannung aufbauen, die allerdings beim Rausfeuern wieder etwas abebbt. Was am Kurvenscheitel fehlt, ist nämlich ein vehementer Vorwärtsdrang, welcher bei vergleichbaren Modellen von BMW dem Fahrer ein breites Grinsen ins Gesicht zaubern kann, sofern man denn druckvoll aus den Biegungen rausballern will.

Ansatzweise dynamisch

Galerie: Erster Test Lexus GS 300hMit dem Hybridantrieb kann man derartige Durchzugskraft jedoch nicht abrufen. Dabei scheint die Fahrwerksabstimmung des GS trotz der fast 1,8 Tonnen Gewicht für heiße Landstraßentänzchen durchaus brauchbar und könnte auch deutlich mehr Agilität im Spiel sein. Andererseits: Wirklich nötig wäre ein solches Potenzial im Autoalltag selbstredend nicht.

Ebenfalls nicht wirklich nötig wäre eine höhere Endgeschwindigkeit, denn obwohl noch beim 0-auf-100-km/h-Sprint ordentliche 9,2 Sekunden drin sind, wird es nach oben raus beschaulich. Einerseits ist der Durchzug mäßig und stört bei Zwischensprints unter Volllast zudem noch der Gummibandeffekt mit leichtem Motordröhnen. Und dann geht dem 300h nach oben raus recht bald die Puste aus, denn das Planetengetriebe mit seiner einstufigen Untersetzung kann rein technisch gesehen nicht mehr als 190 km/h zulassen.

Lahm auf der linken Spur

Galerie: Erster Test Lexus GS 300hZumindest auf deutschen Autobahn kann dieser Umstand für Verdruss sorgen. Wer möchte in einer teuren Business-Limousine auf der linken Spur zum willfährigen Mobbing-Opfer von Kleinwagen werden und sich bei nervigen Drängelattacken nicht mit einem satten Tritt auf Gaspedal absetzen können? In allen Automärkten der Welt wird man mit den maximal 190 km/h gut leben können, in Deutschland dürfte dieser Umstand hingegen für die meisten ein Ausschlusskriterium sein, denn Kunden der oberen Mittelklasse wollen ihren gesellschaftlichen Status, den das Auto ja widerspiegeln soll, auch längsdynamisch auf der Autobahn ausleben können.

Wem das dennoch egal ist, der kann sich vor allem auch an den inneren Werten des GS erfreuen, denn ausstattungsseitig bietet er hohes Verwöhnpotenzial. LED-Scheinwerfer, Super-Navi mit 12,3-Zoll-Display, Head-up-Display, Verkehrsschilderkennung, Sitzbelüftung, ein Soundsystem von Mark Levinson, DAB+, Abstandstempomat, Fahrspurassistent mit Gesichtsfeldmonitor, Nachtsichtsystem, Totwinkelwarner, dynamisches Kurvenlicht, oder ganz frisch aus dem Zubehör ein knapp über 400 Euro teurer WLAN-Hotsport, über den bis zu fünf Geräte mit dem Internet verbunden werden können – der Markt der Möglichkeiten wird selbst gehobenen Ansprüchen gerecht.

Soll beim Unterhalt sparen helfen

Freilich hat dieser umfangreiche Ausstattungszauber auch seinen (Auf)Preis: Rund 45.000 Euro kostet beim 300h die schon ordentlich ausgestattete Basis, doch werden für die Topversion Luxury Line 62.300 Euro aufgerufen und wären mit Vollausstattung gut 70.000 Euro möglich. Damit bleibt der GS preislich nur knapp unterhalb des gehobenen Preisniveaus deutscher Mitbewerber. Lediglich im Unterhalt kann der GS 300h ein gewisses Sparpotenzial bieten, da man dank Hybridantrieb zum Beispiel bei Brems- und Reifenverschleiß und bei den Spritkosten bescheidenere Kosten provozieren wird. Auch der Verzicht auf Kupplung, Lichtmaschine und Zahnriemen dürften auf lange Sicht hin Kosten senken.

 
Fazit

Mario Hommen

Eigentlich ist der Lexus GS ein tolles Auto, die neue Motorvariante GS 300h zudem ein technisch anspruchsvoller und erfolgreicher Spritsparer. Und doch wird der Japaner bei den deutschen Kunden auch mit diesem Antrieb der Vernunft kaum einen Stich machen können. Denn die geschmeidige Motorisierung 300h hat ein für deutsche Kunden einen entscheidenden Malus: Sie lässt ihm keine Chance, schneller als 190 km/h zu fahren.

Die ausgefeilte Spritspartechnik, die feine Optik, der luxuriöse Innenraum und die vielen Hightech-Ausstattungsoptionen werden diesen einen Faktor nicht aufwiegen können. Selbst der neue Onboard-WLAN-Hotspot, der schnelles Internet-Surfen während der Fahrt möglich macht, wird die mangelnde Linksspur-Kompetenz nicht wett machen. Es müssen also schon Kunden sein, die ein Auto der Effizienzklasse A+ vor allem ob seiner Sparsamkeit fahren wollen. Eigentlich schön, dass es eine solche Alternative gibt. Doch wer sich ein Auto der gehobenen Klasse zulegt, hegt wohl eher selten einen solchen altruistischen Wunsch.
 
 

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