Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Lexus IS

Erster Test: Lexus IS

Wieder einmal

26.06.2013

Weder mangelndes Durchhaltevermögen noch zu wenig Selbstbewusstsein kann man Toyotas Nobeltochter Lexus vorwerfen. Wieder einmal bringen die Japaner eine neue Modellgeneration mit hehren Zielen an den Start. Der neue IS soll Mercedes-Benz C-Klasse, BMW 3er und Audi A4 - wieder einmal - ernsthaft Konkurrenz machen. Doch selbst wenn es der dritten Generation gelänge, die Verkaufszahlen von 2012 zu verhundertfachen, würde Lexus – wieder einmal – nicht halb so viele Autos verkaufen, wie die vorgenannten deutschen Hersteller.

Gerade einmal 260 Käufer haben sich vergangenes Jahr in Deutschland für den fast sieben Jahre alten Vorgänger-IS entschieden; zum A4 griffen 57.000, zum 3er 62.000 und zur C-Klasse stolze 64.000 Kunden. Angst vor der Neuauflage des Japaners werden die deutschen Premium-Hersteller also nicht haben, denn auch die in vielen Belangen deutlich verbesserte dritte Generation wird ihnen nicht in die Parade fahren können. Eine Alternative für Individualisten ist sie trotzdem.

Deutlich extrovertierter

Galerie: Erster Test Lexus IS So kommt der IS schon äußerlich deutlich extrovertierter als die deutschen Mittelklässler daher, die vor allem ein Ziel verfolgen müssen: möglichst vielen Kunden zu gefallen. Der angriffslustige Diabolo-Grill, die spitz zulaufenden Scheinwerfer und die scharfen Kanten des IS polarisieren deutlich mehr und verleihen dem Japaner viel mehr Eigenständigkeit; sie machen ihn auf jeden Fall zum Hingucker im Straßenverkehr.

Auch der Innenraum kann sich sehen lassen: Das Ambiente ist sportlich-stylish und das Cockpit ergonomisch, mit zahlreichen Tasten ist es allerdings etwas unübersichtlich. Auf den straffen Sitzen vorne kann man sich nicht über mangelnden Platz beschweren, im Fond geht es allerdings ähnlich eng wie in den meisten Mittelklasse-Limousinen zu und der Kofferraum ist mit 450 Liter ebenfalls nur durchschnittlich.

Kein Kombi, kein Diesel

Galerie: Erster Test Lexus IS Apropos Limousine: Eines von zwei großen Mankos des IS dürfte seine Karosserieform sein, ihn gibt es ausschließlich als klassisches Stufenheck. Der zweite Nachteil: Ein Diesel ist nicht verfügbar. Schlechte Vorzeichen für einen Selbstzünder-Kombi-Markt wie den deutschen. Als Alternative zum sparsamen Diesel will Lexus den Kunden den neuen Hybrid IS 300h schmackhaft machen, der mit nur 4,3 Liter Normverbrauch auf 100 Kilometer und 99 Gramm CO2 pro Kilometer im EU-Zyklus vorbildliche Verbrauchswerte erreicht.

Die Kombination aus 181 PS starkem 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner und einer E-Maschine mit 105 Kilowatt verspricht mit einer kombinierten Systemleistung von 223 PS durchaus sportliche Fähigkeiten, zumal der Elektroantrieb seine 300 Newtonmeter bekanntlich aus dem Stand weg an die Hinterachse schickt und schon bei 1.500 Umdrehungen zusätzlich die vollen 221 Newtonmeter des Verbrenners bereitstehen.

Klang aus dem Lautsprecher

Galerie: Erster Test Lexus IS In der Praxis allerdings ist der Hybrid, der auch ein Stückchen rein elektrisch fahren kann, weitaus weniger sportlich unterwegs als man meinen könnte. Nach einem durchaus kraftvollen Antritt bleibt von der Macht der zwei Herzen nicht mehr viel übrig, auf spontane Gasbefehle reagiert der Lexus eher mit gleichmäßiger Beschleunigung als mit einem sportlichen Zwischensprint.

Verwaltet wird das reibungslose Zusammenspiel der beiden Motoren wie etwa auch im Prius von einem stufenlosen Automatikgetriebe, dass zwar mit der Mehrleistung eine bessere Vorstellung liefert als in Toyotas Vorzeige-Hybrid, in Sachen Fahrspaß und Komfort aber nicht mit einem Wandlerautomaten mithalten kann. Immerhin: Der dröhnende Klang des aufgrund des Getriebes beim Beschleunigen gleichbleibend hochdrehenden Ottomotors lässt sich auf Wunsch mit künstlichem Sound aus den Lautsprechern übertönen – inklusive akustischer Gangwechsel bleibt dies aber ein fragwürdiger Hörgenuss.

Nicht immer sparsam

Galerie: Erster Test Lexus IS Dafür, dass der Hybrid nicht wirklich sportliche Fahrleistungen an den Tag legt, steigt der vorbildliche Normverbrauch bei ambitionierter Fahrweise gut und gern auf sechs bis sieben Liter und damit auf einen deutlich höheren Wert als ähnlich starke Diesel der Mitbewerber; ein BMW 320d etwa nimmt sich laut Werksangabe viereinhalb Liter und ist auch in der Praxis mit einer fünf vor dem Komma zu fahren. Außerdem dürfen andere Mittelklässler so schnell fahren, wie sie können – der Hybrid wird elektrisch bei 200 km/h abgeregelt, um das Getriebe nicht zu überlasten. Das mag zwar in der Regel immer noch mehr als genug sein, ist aber nicht wirklich wettbewerbsfähig.

Durchaus auf Augenhöhe mit der Konkurrenz ist der IS dagegen in Sachen Fahrdynamik; sowohl die präzise Lenkung als auch die sensible Feder-Dämpfer-Abstimmung und die paritätische Achslastverteilung fördern den Fahrspaß, ohne Komforteinbußen zur Folge zu haben. Wer sich für das F-Sport-Modell entscheidet, bekommt – neben einer noch aggressiveren Front – außerdem ein adaptives Fahrwerk, das sich im Sport-Plus-Modus spürbar straffen lässt. Auf der anderen Seite des Drehreglers steht der Eco-Modus, der alle Systeme auf Effizienz einstellt.

Nur ein Benziner

Galerie: Erster Test Lexus IS Wem die 36.700 Euro für den ordentlich ausgestatteten Basis-Hybrid-Lexus (Bi-Xenon-Licht, Klimaautomatik, CD-Radio mit Bluetooth-Freisprecheinrichtung) zu viel sind, oder wer lieber auf einen klassischen Benziner zurückgreift, kann als einzige Alternative den IS 250 mit 208 PS starkem V6-Benziner und Sechsgangautomatik zum Preis von 34.200 Euro ordern. Der IS mit Otto-Motor legt ähnliche Fahrleistungen an den Tag, darf aber 225 km/h rennen – nimmt sich dafür aber auch rund neun Liter im EU-Normtest.

Für beide Varianten steht neben der Basis die Executive-Line zur Wahl, mit Tempomat, Parksensoren, 17-Zoll-Alurädern, schlüssellosem Zugang und Sitzheizung. Darüber rangiert die bereits erwähnte F-Sport-Ausführung (für IS 250 allerdings ohne adaptives Fahrwerk) mit besonderem Design, Sportsitzen und Voll-LED-Scheinwerfern für den Hybrid. Die sind auch in der alternativen Luxury-Version dem 300h vorbehalten, dazu kommen hier noch Komfortstize und spezielle Dekoreinlagen.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Sorgen um ihren Absatz brauchen sich die deutschen Hersteller gewiss nicht machen, das weiß auch Lexus und plant im Jahr 2013 auch „nur“ 600 IS zu verkaufen. Ob selbst dieses Ziel allerdings zu erreichen ist, bleibt fraglich, schließlich fehlen mit Kombi und Dieselantrieb die zwei in diesem Segment hierzulande wichtigsten Varianten.

So dürfte der IS – wieder einmal – vor allem die ansprechen, die sich unbedingt vom Einerlei abheben wollen, beziehungsweise partout einen Hybrid fahren wollen. Der ist bei Mercedes-Benz, Audi und BMW noch nicht in der Mittelklasse angekommen. Allerdings steht der 300h vergleichbar eingepreisten Selbstzündern gegenüber, die mindestens genauso sparsam sind – wenn nicht sogar sparsamer.

Und die dabei in der Regel noch mehr Schwung bieten als die etwas träge Kombination aus Benziner, E-Motor und stufenlosem Getriebe. In Sachen Fahrwerk braucht sich der Lexus dagegen nicht zu verstecken und bietet einen tollen Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Komfort, der absolut auf Augenhöhe mit den Mitbewerbern ist.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.