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Galerie: Erster Test Lexus LS 460

Erster Test: Lexus LS 460

Der fahrende Vollautomat

12.12.2006

Er hält selbstständig die Spur und den nötigen Abstand zum Vordermann. Er parkt von alleine ein, und zwar längs wie quer. Er überwacht den Verkehr genauso wie den Fahrer, warnt vor drohenden Unfällen und hilft aktiv bei Ausweichmanövern. Das neue Lexus-Flagschiff LS 460 ist ein fahrender Vollautomat, nebenbei auch noch mit jedem erdenklichen Luxus vollgepackt. Stellt sich nur die Frage: Macht so ein Auto noch Spaß?  

Der Reihe nach, und die Sicherheit zuerst. Weil Lexus, die Nobelmarke von Toyota, vor allem gegen Mercedes konkurriert, braucht der Edeljapaner mindestens so viele Assistenzsysteme wie eine S-Klasse: VDIM, APCS, LKA, AODS, ESA, DMS - hat er alles, der neue Lexus.

Praktisch bedeuten die Kürzel folgendes: Die Regelsysteme reagieren im Normalfall so frühzeitig und sanft, dass die Insassen nichts vom Eingriff mitbekommen (VIDM). Ein Mikrowellenradar und eine Infrarotkamera scannen das Wagenumfeld weiträumig (AODS). Im Falle eines drohenden Zusammenstoßes warnt das System den Fahrer, strafft die Gurte, bringt die Kopfstützen in Position und bereitet sich auf eine Vollbremsung vor (APCS).

Big Lexus is watching you

Galerie: Erster Test Lexus LS 460Der Notfall-Lenkassistent (ESA) hilft beim Ausweichen, indem er die für die jeweilige Situation optimale Lenkübersetzung bereitstellt. Schließlich noch DMS, der Gesichtsfeldmonitor: Eine Kamera hat den Fahrer stets im Blick. Schaut dieser nun just zu einem Zeitpunkt nicht auf die Straße, während die Außenüberwachung eine drohende Gefahr ausmacht, piepst und blinkt es wild.

Einparken kann das Fünfmeterschiff von alleine. Beim Vorbeifahren an einer Parklücke - dabei ist es egal, ob diese parallel oder im rechten Winkel zur Straße liegt - misst ein Sensor die Länge. Anhalten, Rückwärtsgang einlegen und losrollen lassen, die Lenkbewegungen werden wie von Geisterhand ausgeführt.

LKA schludert

Galerie: Erster Test Lexus LS 460Funktioniert alles prächtig, davon konnten wir uns bei Testfahrten auf einem abgesperrten Gelände überzeugen. Schwächen hat allerdings ein anderes Hightech-System, auf das Lexus ziemlich stolz ist: der Spurhalteassistent LKA. Die Theorie: die Infrarotkamera erkennt die Fahrbahnbegrenzungslinien, die elektrische Servolenkung hält den Wagen selbstkorrigierend auf Kurs.

Bei optimalen Bedingungen macht sie das dann auch, wenngleich das Auto mitunter zwischen den Linien hin und her schlingert, als säße ein betrunkener am Steuer. Zu geringe Kontrastumfänge zwischen der Fahrbahn und den Linien bringen den Quasi-Autopiloten jedoch schnell an seine Grenzen. Bei Gegenlicht, verursacht etwa von der tief stehenden Sonne, erblinden die Kameraaugen. Wir für unseren Teil haben das System pflichtgemäß eingehend getestet, zum „richtigen“ Fahren dann aber ausgeschaltet.

Ruhe und Kraft

Galerie: Erster Test Lexus LS 460Der Lexus LS 460 ist durchaus auch für Selbstfahrer gemacht. Der Motor ist eine Pracht, ein 4,6-Liter-V8-Benziner mit kombinierter Saugrohr- und Direkteinspritzung, 380 PS, fast 500 Nm Drehmoment, gesegnet mit einer herausragenden Laufruhe und hoher Drehfreude. Gas geben macht Spaß, zumal die Achtstufen-Automatik - ein Schelm, wer auch hier ein Wettrüsten mit Mercedes-Benz unterstellt - spontan und blitzschnell reagiert und dabei supersanft zu Werke geht. Keine sechs Sekunden nach dem Start ist Tempo 100 erreicht, bei 250 Sachen wird elektronisch der Hahn zugedreht. Gute Werte gibt Lexus auch beim Verbrauch an: durchschnittlich 11,1 Liter je 100 Kilometer und damit einen Liter weniger als der Vorgänger.

Keine rechte Freude kommt bei der Lenkung auf. Die arbeitet zwar elektromechanisch und mit variabler Lenkübersetzung, fühlt sich aber synthetisch und unpräzise an. BMWs Aktivlenkung ist da um Längen besser. Das Fahrwerk mit serienmäßiger Luftfederung lässt sich von ausgesprochen komfortabel bis sportlich verstellen und beinhaltet einen automatischen Wankausgleich, der die Seitenneigung der Karosserie bei Kurvenfahrten wirkungsvoll eindämmt. Nur Querfugen mag das Fahrwerk nicht, selbst im Sänftenmodus poltert der Luxusliner steifbeinig darüber.  

Der Preis des Luxus

Galerie: Erster Test Lexus LS 460Ansonsten bietet der LS 460 jenen überbordenden Luxus, den die Kundschaft erwartet von einer Oberklasselimousine für 82.000 Euro. Oder besser gesagt für 100.000 Euro, denn mit allen Paketen und Sonderausstattungsposten - also so, wie ihn laut Prognose rund 70 Prozent der Käufer ordern werden - kommt der edle Japaner auf einen sechsstelligen Anschaffungsbetrag.

Dafür gibt es dann neben außergewöhnlich viel Platz, bester Verarbeitung und den genannten Technikfeatures unter anderem auch Bi-Xenonscheinwerfer mit Kurvenlicht, feinstes Leder inklusive Alcantara am Dachhimmel, DVD-Navigation mit Touchscreen und Spracheingabe, eine exquisite Audio-Anlage von Mark Levinson, eine Vierzonen-Klimaautomatik, Liegesitze und elektrische Sonnenrollos im gesamten Fond. Ausstattungsbereinigt kommt der große Lexus dann zehn bis 15 Prozent günstiger als die entsprechend motorisierten deutschen Konkurrenten Audi A8, BMW 7er und Mercedes S-Klasse.

Fazit  

Galerie: Erster Test Lexus LS 460Der Lexus LS 460 ist der Inbegriff einer modernen Luxuslimousine. Was bedeutet, dass er nicht nur schnell, leise, geräumig, teuer und mit allen erdenklichen Komfortgimmicks ausgestattet ist. Auch in Sachen Sicherheit, besonders was die Assistenzsysteme betrifft, lässt er keine quantitativen Wünsche offen. Qualitative allerdings schon, die lenkkorrigierende Spurhaltehilfe etwa funktioniert nur eingeschränkt, was die Debatte über Sinn und Unsinn von fahrenden Vollautomaten weiter anheizen dürfte. Wer echten Fahrspaß sucht, schaltet einen Großteil der Helferlein ohnehin aus.

 
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