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Galerie: Erster Test Lexus LS 600h

Erster Test: Lexus LS 600h

Strom für die Oberklasse

21.08.2007

Dass man mit Hybrid die Welt nicht retten kann, ist mittlerweile weitgehend anerkannt. Allerdings sind sich die Experten auch einig, dass es zumindest momentan der effizienteste Weg ist, den Erdölverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Mit dem Lexus LS 600h hat der Hybridantrieb nun erstmals Einzug in ein Oberklasse-Serienfahrzeug gehalten.

Hybrid hat etwas mit „zwei“ zu tun - nämlich mit zwei Antriebsarten. Der Lexus LS 600h erfordert aber auch zwei Betrachtungsweisen: Zum einen, das Fahrzeug an sich als Oberklasse-Limousine, zum anderen die technische Seite, also den Hybridantrieb.

Zweiseitig

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hBetrachten wir den Lexus also zuerst als beliebige Limousine. Mit 5,03 beziehungsweise 5,15 Meter Länge (je nach Radstand) spielt der Japaner in einer Liga mit Karossen wie Audi A8, Mercedes S-Klasse, oder VW Phaeton. Selbstredend wartet der LS auch mit den entsprechenden, klassenüblichen Standards auf.

Jede Menge Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen, schwere, zigfach verstellbare Ledersessel und vier Klimazonen, Sensoren für Licht und Scheibenwischer, Rollos an den Fondscheiben - der LS hält jeden erdenklichen Luxus bereit. Lexus bietet für die viersitzige Version mit langem Radstand ein Wellness-Paket an, mit Ottomanen-Funktion für den Sitz rechts hinten inklusive diverser Massage-Programme von zart bis hart.

Nicht ganz so filigran

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hAlles schön und gut, doch was das Wohlfühlambiente anbelangt reicht der Lexus nicht ganz an die vorwiegend deutsche Konkurrenz heran. Zu viele Schalter machen den Innenraum unübersichtlich, die Echtholz-Einlagen wirken weniger hochwertig. Kurz gesagt: Dem Lexus fehlt das filigrane, alles ist etwas gröber, vielleicht auch hausbackener - wenngleich das dem Komfort keinen Abbruch tut.

Was unter der großen Haube des Fünf-Meter-Schiffes arbeitet, stellt die Mitbewerber wiederum problemlos in den Schatten. Zum ersten Mal findet der Hybrid-Antrieb Verwendung in einer Oberklasse-Limousine und sorgt für Einsparungen, die neidlos als vorbildlich anzuerkennen sind.

Acht als Basis

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hDie Basis des Antriebs-Komplexes bildet ein fünf Liter großer Achtzylinder. Der Verbrennungsmotor alleine realisiert 394 PS und verfügt schon über ein ausreichendes Drehmoment von 520 Newtonmetern. Assistiert wird der V8 von einem Elektromotor, der seinerseits zusätzliche 224 PS und weitere 300 Newtonmeter beisteuert.

In Summe entwickeln die beiden Aggregate zwölfzylinder-ähnliche 445 PS, geben sich aber mit dem - zugegeben immer noch recht hohen - Verbrauch eines Achtzylinders zufrieden. In der Praxis heißt das: Der Lexus LS 600h konsumiert im Stadtverkehr zwischen 13 und 16 Liter Superbenzin. Die leistungsmäßig ebenbürtige Konkurrenz würde die 20-Liter-Grenze nur schwer unterschreiten. Der Lexus spart also rund 30 Prozent Energie und CO2 ein.

Wenig Vorteil auf der Autobahn

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hAuf der Autobahn ist der Unterschied weniger drastisch, im Schubbetrieb laufen moderne Verbrennungsmotoren ohnehin äußerst sparsam. Im Durchschnitt gibt sich der Lexus bei moderater Fahrt mit knapp zehn Litern zufrieden und emittiert somit rund 220 Gramm CO2 pro Kilometer.

Das Prinzip des Hybridantriebs ist mittlerweile bekannt: Während des Bremsens und im Schubbetrieb wird Energie gewonnen und in einer Nickel-Metallhydrid-Batterie eingelagert. Damit wird im Bedarfsfall der Elektromotor gefüttert. Beim Anfahren und langsamen Tempo bewegt der E-Motor im Idealfall den 2,4 Tonnen schweren Lexus alleine, sonst unterstützt und entlastet er den Benziner.

Bestens informiert

Eine Anzeige, entweder im großen, zentralen Navi-Touch-Screen oder im Bordcomputer zwischen den Rundinstrumenten informiert den Fahrer über die momentanen Energieflüsse von und zur Batterie. Ein weiteres Diagramm gibt Aufschluss darüber, wie viel Energie man bereits zurückgewinnen konnte und wie sich der Verbrauch verändert hat.

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hDas Lexus noch auf Ni-Mh-Akkus setzt, hat eine einfach Begründung: Lithium-Ionen-Batterien könnten zwar bei gleicher Größe deutlich mehr Energie speichern - oder kleiner und damit leichter gebaut werden - doch gibt es noch kaum Langzeiterfahrung. Und schließlich soll der LS 600h länger als ein paar Jahre halten.

Genug der Theorie: Wir wollen testen, ob der Hybridantrieb den Ansprüchen an eine Luxuslimousine wirklich gewachsen ist. Unabhängig vom Elektromotor fällt die nahezu perfekte Geräuschdämmung des Motorraums auf. Zusammen mit den doppelt verglasten Fenstern dringen kaum Geräusche, weder vom Motor noch von der Umwelt ins Fahrzeug ein.

Keine Schockmomente

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hÜberhaupt hat Lexus versucht, die Gemüter der feinen Passagiere aufs äußerste zu schonen. Die Erklärung seitens des Marketings, warum der Lexus über Servomotoren verfügt, die die leicht angelehnte Tür ins Schloss ziehen, hört sich dann etwas so an: „Jedes Zuschlagen der Tür ist für den Passagier ein Schockmoment, das wir unseren Kunden ersparen wollen.“

Doch zurück zum Antriebsstrang. Bunte Linien zeigen untrüglich, wie oft der Elektromotor um Hilfe gebeten wird - Im Stadtverkehr quasi ständig. Unser Versuch, nur mit Strom zu fahren scheiterte allerdings: Die Wellness-Edition verfügt über so viele elektrische Verbraucher, dass das Bordsystem wohl Angst hatte, ihm könnte der Saft ausgehen.

Sanfter Gleiter

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hDie unterstützenden Eingriffe des E-Motors sind für den Fahrer nicht wahrnehmbar, auch der V8 verhält sich dank seines seidig kultivierten Laufs extrem unauffällig. Nur ein nachdrücklicher Tritt aufs Gaspedal entlockt ihm ein leises Brummeln, begleitet von spürbarem Vorwärtsdrang.

Sanft gleitet der riesige Japaner durch enge Großstadt-straßen, schnell vergisst der Fahrer den Trubel. Nur beim Einparken kommt eventuell Stress auf. Zum Glück bietet Lexus einen Parkassistenten der den LS 600h gekonnt in jede noch so enge Parklücke lotst.

Hybrid plus Allrad

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hAuf der Autobahn gefällt der souveräne Geradeauslauf. Sanft federt der Lexus ein, per Tastendruck lässt sich die Dämpferrate des adaptiven Fahrwerks verstellen. Für die Version mit kurzem Radstand bietet der Hersteller optional aktive Fahrwerksstabilisatoren an.

Nicht nur, dass der LS 600h der erste V8-Hybrid ist, nein er ist auch der erste, der mit einem permanenten, mechanischen Allradsystem gekoppelt ist. Im Normalfall verteilt das System die Kraft im Verhältnis 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse. Je nach Fahrsituation variiert die Aufteilung zwischen 30:70 und 50:50.

Teurer Umweltschutz

Galerie: Erster Test Lexus LS 600hVor allem auf kurvigen Nebenstraßen spielt der Allradantrieb sein Können voll aus. Zielgenau zieht der LS um die Kurve, weicht trotz des hohen Gewichts kaum von der vorgegebenen Ideallinie ab. Die Lenkung könnte einen Tick direkter ausfallen, vermittelt dem Fahrer aber besten Kontakt zur Straße. Und geht die Kontrolle doch einmal verloren, schützen zahlreiche Sicherheitssysteme die Insassen im Crash-Fall.

Dass es den Lexus nicht für einen Appel und ein Ei gibt, liegt auf der Hand. Mindestens 99.850 Euro kostet der LS 600h, die Langversion liegt bei 107.350 Euro. Die erwähnte Wellness-Edition ist nur für den langen Lexus erhältlich und kostet inklusive der besseren „Ambience hl“-Ausstattung 18.650 Euro Aufpreis. Die Liste der Extras fällt dagegen kurz aus: Die aktiven Stabilisatoren kosten 2.500 Euro, die adaptive Geschwindigkeitsregelung 3.500 Euro und ein erweitertes Sicherheitspaket 2.600 Euro. Unverständlich: Metallic-Lackierung und Schiebedach kosten ebenfalls extra.

Fazit

Der Lexus LS 600h arbeitet vorbildlich, und ist dennoch weit weg von sparsam. Die Hybrid-Technik hilft, den immensen Verbrauch herkömmlicher Oberklasse-Limousinen deutlich zu drücken - doch auch 13 Liter sind noch zu viel. Jetzt müssen die Ansprüche der Kundschaft sinken: Erst wenn im LS ein Sechszylinder-Hybrid arbeitet, werden richtig niedrige Verbräuche realistisch. Der LS 600h ist ein Vorzeigeobjekt, dass die Klimaproblematik aber nicht lösen wird. Zumal die Hybrid-Technik nur eine Übergangs-Lösung darstellt auf dem Weg zum Fahren mit regenerativer Energie.

 
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