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Galerie: Erster Test Lexus RX 450h

Erster Test: Lexus RX 450h

Geräuschlos genießen

08.05.2009

Sie waren die ersten und sind hierzulande noch immer die einzigen. Toyota und Edeltochter Lexus haben bis heute keine Hybrid-Konkurrenz, die rein elektrisches Fahren über kurze Distanz ermöglicht. Dabei zeigt der neue Lexus RX 450h wie selbstverständlich diese Technik funktioniert.  

Und das selbst ohne moderne Lithium-Ionen-Batterien. Denn Toyota und Lexus setzen nach wie vor auf die alten Nickel-Metall-Hydrid-Akkus, denn die seien effizient, alltagstauglich und man habe eben gute Erfahrungen damit gemacht. Dennoch sind die Japaner nun an der Entwicklung der neueren Lithium-Ionen-Batterien dran, vielleicht weil Mercedes gerade seinen S 400 Hybrid mit den modernen Akkus vorstellte. Bis die Japaner marktfähig sind, wird noch eine Weile vergehen und so lange übernimmt man die bekannte Technik des RX 400h in sanft evolutionierter – spricht verkleinerter – Form auch in den Neuen RX.

Crossover mit Elektroherz

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hDer heißt 450h und ist ab 29. Mai 2009 in den 43 Lexus Foren (so heißen die Lexus-Händler) deutschlandweit zu bestaunen. Ein allradgetriebenes SUV, das von Lexus als Crossover tituliert wird. Wahrscheinlich mit der weisen Voraussicht, dass sich niemand mit dem RX ins Gelände verirren soll. Da hat er nämlich schon allein wegen 17,5 Zentimeter Bodenfreiheit nicht viel verloren. Die Prachtstraßen der Metropolen sind eher sein Metier, dort kann er dank Hybridantrieb sein Sparpotenzial voll ausspielen.

Wer dagegen mit dem RX 450h primär über die Autobahn brettern möchte, sollte doch gleich zum RX 350 greifen. Das „Normal-Pendant“ zum Hybrid, das Lexus fast ausschließlich in Osteuropa an dem Mann bringt. Denn 95 Prozent aller westeuropäischen RX-Käufer entscheiden sich bislang für den „h“, der sich vor allem bei bewusster Fahrweise rechnet. So verbraucht der 299 PS starke Allradler (meist werkelt aber nur der Frontantrieb) extrem schlanke 6,3 Liter nach Norm. Der RX 350 (277 PS) benötigt mehr als zehn. Enttäuschend: Beide erfüllen bloß die Euro-4-Norm.

Drei Kilometer rein elektrisch

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hVon der Theorie zur Praxis: Auf den ersten 300 Kilometern konnten wir uns vom Sparpotenzial des über 2,1 Tonnen schweren Koloss‘ überzeugen. Denn 7,8 Liter sind ein Wort, auch wenn das bislang nur der Bordcomputer auswies. Geholfen haben dabei die vortreffliche Aerodynamik (Cw-Wert 0,32) und der EV-Mode, der rein elektrisches und damit lautloses Gleiten bis zu drei Kilometern mit maximal 40 km/h ermöglicht und einem ein Wahnsinns-Gefühl dabei gibt. Schade, dass der RX das nicht bis 50 km/h schafft.

Wer die Kuh fliegen lässt und damit zu den zwei Elektromotoren (je einer zwischen Vorder- und Hinterachse) häufig die volle Kraft des Verbrennungsmotors nutzt, wird dennoch selten mehr als elf Liter verbrauchen. Respektable Werte, die es bei einem Test mit einem vergleichbar starken Diesel zu validieren gilt. Wie dem auch sei, der Antrieb ist angenehm, die Akustik unter normalen Bedingungen dezent. Erst beim Ausdrehen des 3,5-Liter-V6-Aggregats nervt die stets hohe Motor-Drehzahl aufgrund des stufenlosen Automatikgetriebes. Aber da sind wir wieder bei der Ansage: Der RX 450h ist nix für juvenile Heizer. Eher die Genusskundschaft wird hier angesprochen.

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hDrei Fahrwerke, nur eins ist gut

Diese Klientel sollte sich allerdings weder für die optionale Luftfederung noch für die 2.350 Euro teuren aktiven Stabilisatoren entscheiden. Beide Systeme können der Serien-Abstimmung nicht das Wasser reichen. Das Standard-Fahrwerk ist zwar tendenziell straff abgestimmt, passt aber zum „Crossover-Anspruch“ am besten. Verblüffend ist auch – vor allem im Hinblick auf den lethargischen Vorgänger – die Agilität des neuen Lexus RX 450h und mit welcher Präzision er sich dirigieren lässt, auch wenn die Lenkung gerne mehr Gefühl vermitteln dürfte und bei Unebenheiten stößig wirkt.

Audio Streaming ist der Hammer

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hEin geniales Feature ist der serienmäßig integrierte Bluetooth-Audio-Livestream. Hier besteht die Möglichkeit, die Musik von seinem Mobiltelefon via Bluetooth über die Fahrzeuglautsprecher zu hören. Nachteil: Der Akku des Mobiltelefons wird schneller als gewohnt leergesaugt.

Überhaupt ist das Bedien-System des RX ausgeklügelt. Remote-Touch nennt sich die an eine Computer-Maus angelehnte Bedieneinheit, die tatsächlich intuitiv nutzbar ist. Wäre die Auflösung und die Darstellung auf dem Display hochwertiger, wäre es perfekt. Tatsächlich perfekt ist hingegen das nur in den beiden Top-Lines vorhandene Mark-Levinson-7.1-Surround-Sound-System. Die im Fahrzeug verteilten 15 Lautsprecher garantieren ein vorzügliches Musik-Erlebnis. Es zaubert vor allem bei CD- oder DAB-Musik (Digital-Radio) einen glasklaren Klang in den Innenraum, wobei der Sound vorne hörbar besser ist als auf den Rücksitzen.

Hinten König

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hDabei sind gerade die Fond-Sessel des Lexus RX 450h ausgesprochen gemütlich. Die Platzverhältnisse entsprechen den Erwartungen an ein knapp 4,80 Meter langes, 1,90 Meter breites und rund 1,70 Meter hohes Automobil. Vorne werden hingegen vor allem Design-liebende Menschen die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Denn die Lexus-Innenarchitekten verfehlen den europäischen Geschmack deutlich. Wie bitte kann man Echt-Holz wie Plastik aussehen lassen? Wieso schafft es Lexus nicht, den Kunststoff der Mittelkonsole hochwertig wirken (und sich anfassen) zu lassen? Warum ist noch immer eine Digital-Uhr im 1980er Jahre Look installiert? Weshalb verströmt das Armaturenbrett den Charme einer Video-Spielekonsole in einer Spiel-Hölle. Sorry Lexus, bei einem bis zu 80.000 Euro teuren Luxus-Fahrzeug erwartet man in Europa Anderes.

Exzellente Verarbeitung

Galerie: Erster Test Lexus RX 450hNicht, dass die Verarbeitung unsauber wäre, ganz im Gegenteil. Sie ist nahezu perfekt, aber die Materialien passen bestenfalls in ein Auto der 40.000-Euro-Klasse. Vielleicht ist das aber auch die Krux an der Geschichte. Denn der alte RX 400h kostet in den USA, dem Hauptmarkt des Hybrid-RX, lediglich 42.000 US-Dollar, was nach heutigem Umrechnungskurs rund 32.000 Euro entspricht. In Deutschland kostet der RX 400h zuletzt mindestens 51.500 Euro.

Und der neue? Der fängt hierzulande gar erst bei 60.000 Euro (mit Bi-Xenon, elektrisch verstellbaren Ledersitze, Rückfahr-Kamera etc.) an. Wer zur gehobenen Executive-Variante greift (unter anderem mit LED-Abblendlicht, Festplatten-Navigations-System), wird um 66.000 Euro erleichtert. Wer die noch noblere Ambience-Line inklusive Sound-System und Luft-Federung wählt, muss 72.000 Euro auf den Tisch legen. Die sportliche Impression-Line kostet mit mindestens 74.000 Euro am meisten. Nach typisch japanischer Sitte hat der Kunde jedoch kaum Individualisierungs-Möglichkeiten. Nach dem Motto „friss oder stirb“ gibt es lediglich ein Head-Up-Display, ein Schiebedach sowie eine Pre-Crash-Einrichtung á la Mercedes, allerdings nicht für die Basis-Version.

Fazit

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Wer ein ökologisch korrekteres Auto fahren möchte, braucht sich den Lexus RX 450h trotz sparsamer Hybrid-Technik genauso wenig näher ansehen wie einen Q7 oder X5.

Aber: Die Werksangabe von 6,3 Liter auf 100 Kilometer beeindruckt tief, denn das schafft ein Golf 1.4 TSI nicht besser. Wer aber wirklich der Umwelt so wenig wie möglich Schaden zufügen will, kauft sich das Auto oder das und bewegt es entsprechend zurückhaltend.

Für alle, die den RX 450h einfach nur klasse finden sei gesagt: Der Bluetooth-Audio-Livestream begeistert genauso wie das neue Remote-Touch-Bedien-Konzept und der „Hinten-Sitz-Komfort“. Enttäuschend sind hingegen das optionale Luft-Fahrwerk und die aufwändigen und teuren Wankstabis. Außerdem passt der billig wirkende Materialmix im Innenraum genauso wenig zu einem Luxus-Automobil wie die nicht vorhandenen Individualisierungs-Möglichkeiten.

Galerie: Erster Test Lexus RX 450h

 
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