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Galerie: Erster Test Mazda 6

Erster Test: Mazda 6

Herrlich ehrlich

22.01.2013

Unter anderem dank des Downsizing-Trends purzeln seit Jahren die Verbrauchswerte von Autos – allerdings oft nur auf den Prüfständen, denn allzu häufig klaffen bei den aufgeladenen Motörchen Welten zwischen Norm- und Realverbrauch. Mazda verzichtet bei seiner Neuauflage des 6 auf Downsizing und schafft dennoch eindrucksvolle Tiefststände bei den Normverbräuchen. Auf der ersten Testfahrt rund um Lissabon haben wir die Sparkünste von Diesel und Benziner praktisch auf die Probe gestellt.

Doch bevor wir uns den neuen Tiefständen nähern, empfängt uns in der Tiefgarage des Lissaboner Flughafens ein Großaufgebot an Höhepunkten: Gleich dutzendweise stehen hier Mazda 6 als Kombi und Limousine zur Wahl und obwohl wir den schnittigen Japaner bereits auf mehreren Messen sowie auf einer ersten Testfahrt bei Paris ausgiebig beschnüffeln durften, entlockt uns der Anblick selbst jetzt noch ein leises Wow.

Satt gesehen haben wir uns noch lange nicht. Dabei gefällt uns weiterhin der sechs Zentimeter kürzere Kombi besser als die Limousine, dennoch entscheiden wir uns für den Viertürer mit dem neuen Basisbenziner Skyactiv G, der aus zwei Litern Hubraum 145 PS mobilisiert. Trotz guter Fahrleistungen gibt Mazda seinen Normverbrauch mit bescheidenen 5,5 Litern Benzin auf 100 Kilometer an. Kein anderer Mitbewerber in der Mittelklasse kann da derzeit mithalten.

Wohlfühl-Innenraum

Galerie: Erster Test Mazda 6 Reinsetzen, Spiegel, Sitz und Lenkrad verstellen, Startknopf drücken, losfahren, wohlfühlen. Das Interieur wirkt vielleicht nicht ganz so umwerfend wie noch die Außenhaut, doch hat Mazda auch hier ein gut sitzendes und in seiner Funktionalität zeitgemäßes Interieur geschaffen. Lediglich das einzig verfügbare und einwandfrei funktionierende Entertainment-Navisystem verfügt über einen lieblos integrierten, kleinen Touchscreen. Deutsche Hersteller bieten hier bei neueren Baureihen richtig edel anmutende Lösungen an, die man allerdings im Vergleich zu der im Mazda 6 angebotenen auch für deutlich mehr Geld erkaufen muss. Insofern darf sich der Japaner immerhin eines besonders guten Preis-Leistungs-Verhältnisses rühmen.

Bei den Oberflächen im Cockpit begegnet der 6 hingegen optisch und haptisch deutschen Mitbewerbern auf Augenhöhe. Lediglich wirkt die Verarbeitung setzt keine Maßstäbe, so fielen uns in den Türinnenverkleidungen Spaltmaße zwischen den verschiedenen Bauteilen ins Auge, die man bei einem VW Passat nicht erleben wird. So wirklich trüben kann dieser Umstand unser Wohlbefinden allerdings nicht.

Wirklich nur 5,5 Liter?

Galerie: Erster Test Mazda 6 Doch kommen wir zum eigentlichen Fokus unserer Testfahrt: dem Verbrauch. Mazda hat mit der Skyactiv G genannten neuen Benzinmotoren-Generation mit einem besonders innovativen Maßnahmen-Paket den Motor auf niedrigste Verbrauchswerte getrimmt. Statt mit Downsizing schafft der Zweiliter-Saugbenziner unter anderem dank einer besonders hohen Verdichtung seinen Fabelwert von 5,5 Litern bei 145 PS, in Kombination mit dem manuellen Sechs-Gang-Schaltgetriebe.

Diese Leistung qualifiziert den nur 1,3 Tonnen wiegenden 6 nebenbei noch zu einem spritzigen Zeitgenossen, der den Sprint in 9,5 Sekunden meistert und maximal 208 km/h schnell wird. Auf unserer ersten Testrunde fordern wir den gut ansprechenden Benziner weder sonderlich, noch fahren wir betont sparsam; kurzum wir sind moderat-flott unterwegs. Auf der Autobahn bei rund 120 km/h Reisegeschwindigkeit verliert der Wagen bei Steigungen auch mal an Schwung und wir fühlen uns gelegentlich zum Wechsel in den fünften Gang genötigt. Ähnlich starke Downsizing-Benziner mit Turboaufladung würden dank ihres meist höheren Drehmomentsbin solchen Situationen noch nicht schwächeln. Doch ansonsten fühlt man sich mit dem Basis-6 in allen Lebenslagen mehr als ausreichend gut motorisiert.

Da geht noch was

Nach rund 80 Kilometern, die wir unter normalen Alltagsbedingungen abspulen, wirft uns der Bordcomputer einen respektablen Verbrauchswert von 7,2 Litern aus. Eigentlich ein guter Wert, doch da geht noch was, wie wir meinen. Die folgenden rund 80 Kilometer streicheln wir das Gaspedal mit Bedacht und freuen uns dieses Mal am Ende über 6,3 Liter Durchschnittsverbrauch.

Galerie: Erster Test Mazda 6 Dabei sind wir auf diesem Loop weiterhin mit dem Verkehr mitgeschwommen und fuhren mit aktiver Klimaanlage und eingeschaltetem Licht. Mit Leichtigkeit sollte man also einen Wert mit einer fünf vor dem Komma erreichen können, was für einen Ottomotor enorm sparsam ist und der Skyactiv-Benziner somit sein erstaunliches Effizienz-Versprechen in der Praxis durchaus einhalten kann.

Am zweiten Tag wechseln wir auf den 2,2-Liter-Skyactiv-Diesel, der ebenfalls mit einigen cleveren Technik-Lösungen jenseits des Mainstreams, wie zum Beispiel der weltweit niedrigsten Verdichtung, mit einem Fabel-Normwertverbrauchswert glänzen kann. Zumindest die Limousine mit ihrem länger übersetzten Getriebe und dem i-Eloop genannten Rekuperationssystem soll mit nur 3,9 Liter auf 100 Kilometer auskommen. Bei fast 4,90 Meter Länge, luxuriöser Beinfreiheit im Fond und sehr lebendigen 150 PS eine eindrucksvolle Bestmarke. Doch hat dieser knauserige Wert ebenfalls Praxisbezug?

Wie funktioniert i-Eloop?

Unter vier?

Galerie: Erster Test Mazda 6 Auf den nächsten 120 Kilometern versuchen wir möglichst nah an die 3,9 Liter zu kommen. Da heißt es Licht aus, Klima aus und SlowMo-Modus an. Auf der Landstraße zuckeln wir mit großmütterlichen 90, auf der Autobahn mit 110 km/h auf weitgehend ebener Strecke dahin. Knapp über 50 Kilometer sind wir unterwegs und drücken den Bordcomputer-Wert auf erfreuliche 4,4 Liter. Bei dem dann einsetzenden Regen müssen wir allerdings Klimaautomatik und die schick leuchtenden Scheinwerfer wieder aktivieren, was eine zwischenzeitliche Steigerung des Verbrauch auf 4,6 Liter provoziert, sich dann letztlich nach insgesamt rund 120 Kilometern aber noch auf 4,5 Liter einpendelt. Chapeau.   

Den 6 sparsam zu fahren ist übrigens alles andere als schwierig oder nervenaufreibend, denn der 2,2-Liter-Diesel kommt Effizienz-Jüngern durchaus entgegen. Man kann problemlos den Motor mit nur knapp über 1.000 Touren fahren. Akustisch nimmt man den Selbstzünder dann kaum wahr und ohne Ruckeln oder nervige Trägheitsmomente nimmt der Motor dank seiner zweistufigen Aufladung aus dem Drehzahlkeller zügig Fahrt auf.

Und Spaß macht er auch noch

Galerie: Erster Test Mazda 6 Der Diesel kann aber auch anders: Seine 380 Newtonmeter Drehmoment sorgen ab 2.000 Touren für richtig Schub und dreht der Skyactiv D munter bis weit über 5.000 Touren weiter. Auf den letzten 80 Kilometern zurück zum Lissaboner Flughafen wollen wir noch etwas mehr von diesem Karacho-Potenzial erleben, was dann einen Spritverbrauch von 6,5 Litern provozierte. Es geht sogar noch deutlich mehr, wie uns einige Kollegen verraten haben, die wohl besonders flott unterwegs waren.

Wer flott unterwegs ist, findet zudem im Mazda 6 einen tollen Spielkameraden. Die Limousine ist gewiss einer der fahraktiveren Vertreter der Mittelklasse, der sich beschwingt durch Kurven scheuchen lässt. Manchmal scharren die Vorderräder, die elektromechanische Lenkung verlangt gelegentlich nach leichten Korrekturen – doch sonst ist eitel Sonnenschein angesagt. Zumal sich der Mazda 6, dieses Mal auf bescheideneren 17-Zoll-Rädern, keine Patzer beim Komfort leistete. Im Herbst 2012 gab sich der 6 auf den Testfahrten um Paris auf 19-Zöllern noch etwas hölzern.

Sogar der Preis ist heiß

Galerie: Erster Test Mazda 6 Angesichts der vielen Vorzüge, die der neue Mazda 6 zu bieten hat, muss man seinen Preis als fast schon sensationell niedrig einstufen: Sowohl die längere Limousine als auch der nutzwertigere Kombi kosten in der Basisversion 24.990 Euro. Hier heißt die Ausstattung Prime Line, die bereits eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und Außenspiegel, ein Audio-System, einen Motor-Start/Stopp-Knopf inklusive schlüsselloser Aktivierung, ein Start-Stopp-System sowie 17-Zoll-Leichtmetallräder bietet. Damit bewegt sich der große Mazda fast auf Augenhöhe mit so günstigen Korea-Konkurrenten wie dem Kia Optima oder Hyundai i40. Angesichts von Minderverbrauch und einer guten Restwertprognose sollte er mittelfristig sogar den billigsten Konkurrenten kostentechnisch überlegen sein. Kia und Co. dürfte das ziemlich missfallen.

 
Fazit

Mario Hommen

Sensationell: Der kleine unabhängige Hersteller Mazda traut sich, eigene Technik-Wege zu gehen und scheint damit erfolgreicher als die Konkurrenz zu sein. Zumindest beim Kompromiss aus Dynamik und Effizienz bietet der 6 das neue Referenzniveau. Und dieses ist nicht nur von theoretischer Natur, auch praktisch kann man Mazdas Mittelklasse sowohl mit Diesel als auch Benziner trotz souveräner Fahrleistungen verbrauchsarm fahren. Insofern ist der neue 6 ein besonders ehrlicher Effizienzmeister.

Doch sind das beileibe nicht alle Vorzüge des Japaners: Sein Design setzt ebenfalls Maßstäbe, der Innenraum sitzt wie angegossen, die Fahreigenschaften sind ausgewogen und selbst dynamische Fahrer kommen voll auf ihre Kosten.

Apropos Kosten: Auch hier kann der Mazda 6 die meisten Mitbewerber unterbieten. Selbst wenn man den neuen 6 mit Navi, Leder, Glasdach, modernsten Assistenzsystemen und allerlei Nettigkeiten aufrüstet, driftet dieser herrlich ehrliche Mittelklasse-Vertreter keineswegs in unverschämte Preis-Sphären ab. Ein Erfolg scheint da vorprogrammiert.
 
 

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