Elektromobilität-Special
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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive

Erster Test: Mercedes-Benz B-Klasse Electric Drive

B-lektrisch

09.05.2014

So langsam, scheint es, kommt die Elektromobilität in Schwung. Dass man den Alltag ohne Benzin meistern kann, beweist nicht zuletzt unser E-Smart-Dauertest und mit einer steigenden Zahl an verfügbaren Modellen wächst auch der Variantenreichtum; vom Kleinstwagen bis zur Oberklasse-Limousine reicht inzwischen das E-Mobil-Spektrum. Nachdem Mercedes bereits den eingangs erwähnten Smart und die neongelbe Fingerübung Elektro-SLS zur Serienreife gebracht hat, folgt nun die Strom-Variante der B-Klasse, die gleichzeitig den US-Start des Kompaktvans markiert.

Mit Benziner oder gar Diesel wird es die B-Klasse in absehbarer Zeit nicht in den USA zu kaufen geben, hier soll sie ganz klar Daimlers Elektro-Image prägen. Die Marketingstrategen hoffen auf den i3-Effekt; der BMW fällt durch seine eigenwillige Karosserie auf und entwickelt sich zum Hingucker, den jeder sofort mit Elektromobilität verbindet. Ähnliches könnte Mercedes mit der B-Klasse schaffen, ist die hochbauende Karosserie eben in den USA gänzlich unbekannt und auch nicht mit anderen Konzernmodellen verwechselbar.

Praktisch wie seine Benzin-Brüder

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric DriveDie Vorteile, die dieser Aufbau mit sich bringt, bleiben auch der E-B-Klasse, die sich kaum zu erkennen nur durch eine leicht veränderte Front von ihren Brüdern unterscheidet, erhalten: leichter Einstieg, etwas erhöhter Sitz, und geräumiger Kofferraum. Letzter ist unverändert groß (501 bis 1.456 Liter), denn die Akkus befinden sich im Sandwichboden, Mercedes spricht vom „Energy Space“, unter den Sitzen und nicht im Gepäckabteil. Diese platzsparende Anordnung sorgt gleichzeitig für einen tiefen Schwerpunkt, der der Fahrdynamik zuträglich ist. Dazu hat Mercedes eine - vor allem für Amerika - äußerst straffe Feder-Dämpfer-Abstimmung gewählt, die es zwar erlaubt, die B-Klasse flott ums Eck zu scheuchen, aber auch auf jede Anregung durch Gullideckel, Schlaglöcher und sonstige Unebenheiten reagiert und die Insassen daran teilhaben lässt. Daran werden sich die komfortverwöhnten US-Kunden erst gewöhnen müssen.

Diese kommen schon ab Sommer 2014 in den Genuss des elektrischen B-Klasse-Fahrens, während in Westeuropa der neue Antrieb erst mit der Modellpflege zum Ende des Jahres Einzug halten wird. Ob sich dann am Fahrwerkssetup noch etwas ändert, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass auch bei uns die gleiche Antriebstechnik zum Einsatz kommt - und die stammt vom Kooperationspartner Tesla, an dem Mercedes neben Toyota noch einen kleinen Anteil hält.

Schnelle Umsetzung dank Tesla-Kooperation

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric DriveDer Elektropionier, der selbst mit der Limousine Model S äußerst erfolgreich unterwegs ist, hat Akkus, Motoren und Controller spendiert. Nur so war es möglich, die elektrische B-Klasse in kurzer Entwicklungszeit auf die Räder zu stellen; hätte Daimler alles selbst gemacht, wären ein bis zwei Jahre mehr nötig gewesen.

Herzstück ist der rund 33 Kilowattstunden Strom speichernde Akku, der den 132-kW-Motor, der an der gleichen Stelle wie üblicherweise der Verbrenner sitzt, mit Energie versorgt. Die reicht, nach europäischem Normverfahren gemessen, für rund 200 Kilometer, was im Alltag vollkommen genügt; selbst die in der Realtität wohl rund 150 machbaren Kilometer sind ausreichend. Wie unser E-Smart-Dauertest belegt, sind selbst dessen maximal 145 Kilometer Reichweite für den tagtäglichen Gebrauch ausreichend.

In drei Stunden voll

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric DriveLaden lässt sich die B-Klasse an jeder üblichen Haushaltssteckdose, dafür allerdings gibt Mercedes die Ladezeit derzeit nur mit „über Nacht“ an. Diese Methode läuft auch eher unter dem Punkt Notfall-Programm, geplant ist, dass die Kunden an einer hauseigenen Wallbox, die es zukünftig direkt beim Mercedes-Händler für rund 1.500 bis 2.000 Euro geben wird, auftanken, oder aber an öffentlichen Ladesäulen. Serienmäßig haben die B-Klassen ein 11-Kilowatt-Bordlader verbaut, der bei entsprechender Stromversorgung (400 Volt, 16 Ampere) ein Auffüllen der Akkus in knapp drei Stunden ermöglicht.

Zeigt die E-Cell-Anzeige an, dass die komplette E-Power zur Verfügung steht, was in der Regel der Fall ist, außer die Akkuladung neigt sich dem Ende zu oder es herrschen extreme Temperaturen, bietet die B-Klasse einen ziemlich flotten Antritt und beschleunigt in 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Bauartbedingt fallen die 340 Newtonmeter Drehmoment bereits auf dem ersten Meter über die Vorderräder her und man lässt die meisten anderen Verkehrsteilnehmer beim Ampelstart entsprechend locker stehen. Und mit bis zu 160 km/h kommt man selbst auf der Autobahn ausreichend flott voran; mehr Geschwindigkeit wäre möglich, wird aber aus Effizienzgründen von der Elektronik nicht erlaubt.

Gut gedämmt

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric DriveDas Beste aber ist nicht die flotte Beschleunigung an sich, sondern dass all das völlig lautlos geschieht. Zumindest der Antrieb gibt keinen Ton mehr von sich, auch nicht das straßenbahnähnliche Surren des Spannungswandlers, das etwa beim Smart noch zu hören ist; einzig Reifen- und Windgeräusche bleiben. Damit es dabei keine bösen Überraschungen gibt, gibt die B-Klasse in den USA bis Tempo 30 ein künstliches Brumm-Geräusch von sich, das aber nur außen hörbar ist. In Deutschland wird es diesen Tonerzeuger optional geben, es sei denn, gesetzliche Regelungen schreiben ihn auch bei uns vor.

Serienmäßig verfügt die B-Klasse über zwei Fahrmodi. Im Eco-Betrieb stehen dem Fahrer “nur” 98 Kilowatt Leistung zur Verfügung, die übrigen 34 werden erst nach dem Kickdown freigesetzt. Dieser Modus überzeugte bei unserer ersten Testfahrt und gibt es eigentlich keinen Grund, in den Sportbetrieb zu wechseln, in dem das Gaspedal etwas spontaner reagiert und sich die vollen 132 kW auch ohne Kickdown voll entfalten.

Mehrere Rekuperations-Modi

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz B-Klasse Electric DriveWas die B-Klasse natürlich beherrscht, ist das Rekuperieren, also die Energierückgewinnung. Standardmäßig tut sie das, wenn der Fahrer bremst: Bevor mechanisch die Bremssscheiben zum Einsatz kommen, wird die Rekuperation maximiert und somit eine bereits deutlich negative Beschleunigung erreicht. Erst wenn diese nicht ausreicht, um den per Bremspedal mitgeteilten Verzögerungswunsch zu erfüllen, greifen die Stopper ein. Darüber informiert, ob der Strom gerade raus oder rein in die Batterie fließt, wird der Fahrer übrigens über eine Extraanzeige, dem Power-Display, welches den herkömmlichen Drehzahlmesser ersetzt; da die B-Klasse ohnehin nur einen Gang hat, ist dieser mehr als überflüssig.

Optional können die Kunden Schaltwippen am Lenkrad ordern, über die sich die Rekuperationsstärke beeinflussen lässt, oder - ebenfalls gegen Aufpreis - man überlässt dies dem Radarsystem, das auch die Kolissionswarnung übernimmt. Hat die B-Klasse freie Fahrt und der Fahrer geht vom Gas, rollt sie im Leerlauf vor sich hin; kommt jedoch ein vorausfahrendes Fahrzeug in das Sichtfeld des Radarsensors, beginnt sie von alleine zu Rekuperieren und reduziert somit die Geschwindigkeit. Das System arbeitet quasi als „Abstandstempomat light“ und konnte auf den ersten Kilometern vollends überzeugen.

Extra Reichweite gegen Aufpreis

Nicht ausprobiert haben wir dagegen das „Range Plus“-Paket. Wer sich für diese in den USA rund 800 Dollar teure Ausstattung entscheidet, bekommt nicht nur eine beheizte Windschutzscheibe, einen teilverkleideten Kühlergrill und besser isolierte Türen, sondern auch die Möglichkeit, die Reichweite um bis zu 15 Prozent zu erhöhen. Dafür allerdings muss man sich vor dem Aufladen per Tastendruck entscheiden; dann wird die normalerweise aus Schonungsgründen nicht komplett genutzte Akkukapazität weiter ausgereizt. Das kann sich auf die Lebensdauer der Batterie auswirken, allerdings gibt Mercedes auch mit Range-Plus-Option sieben Jahre Garantie.

Wie auch beim Smart, können Fahrer einer Elektro-B-Klasse ihr Auto über eine sogenannte „Fahrzeug-Homepage“ überwachen. Unter einer eigenen Internetadresse gelangt man, mit Benutzername und Passwort gesichert, zu einer Übersichtsseite, die dem Nutzer Akkuladestand, Reichweite und weitere Daten präsentiert, und über die sich das Fahrzeug zum Beispiel auch vorklimatisieren lässt, solange es am Kabel hängt, um dafür nicht unnötig Strom während der Fahrt zu verbrauchen. Eine ähnliche Seite soll es übrigens zukünftig für alle Mercedes-Modelle geben, bei der die Kunden dann vom Sofa aus sehen können, ob die Bremsscheiben noch gut sind oder wieviel Luft sich in den Reifen befindet.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Elektromobilität ist längst kein Hexenwerk mehr, dass beweist nicht erst die B-Klasse Electric Drive. Und so wartet der Benz auch mit keinen großen Überraschungen auf. Er fährt so entspannt und unkompliziert, wie es ein E-Auto eben tut; kraftvoll im Antritt und dazu ausgesprochen leise. Mit bis zu 200 Kilometern ist der Stuttgarter außerdem im oberen Drittel der Reichweiten-Skala angesiedelt und dürfte damit fast alle Anforderungen erfüllen, die man von einem Alltagsauto erwartet.  

Ein Highlight der B-Klasse ist dagegen zweifelsohne die Rekuperations-Automatik, bei der mithilfe des Radarsensors die Technik entscheidet, wie starkt rekuperiert wird, um so zum einen den Leerlauf, also das Dahinrollen, zu nutzen und bei Bremsbedarf nicht auf die mechanischen Stopper zurückgreifen zu müssen.

Bleibt nur noch der Preis: Der ist, wie bei E-Autos derzeit noch üblich, deutlich höher als für einen Benziner oder Diesel. In den USA startet die B-Klasse für 41.450 US-Dollar, was sie in Europa kosten wird, steht noch nicht fest; 40.000 Euro wird man aber bei uns mindestens kalkulieren müssen. Zum Vergleich: Der BMW i3 kostet rund 35.000 Euro.  
 
 

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