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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell

Erster Test: Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell

Schluckfreudiger Sparkombi

16.07.2014

Der Kombi ist enorm wichtig – vor allem in Hinblick auf die Verkaufszahlen. Wohl deshalb lädt Mercedes zu einer neuerlichen C-Klasse-Fahrveranstaltung ein, obwohl bereits mit der Präsentation der Limousine im Frühjahr 2014 alles Wichtige zur neuen C-Klasse gesagt war - wenn man einmal von den Kofferraum-Details absieht. Und wie zu erwarten, ist auch das T-Modell zutiefst in der daimlerschen Wertewelt verankert und bietet somit gediegenste Autokultur als auch eine Reihe von tollen Innovationen. Von diesen mochten allerdings nicht alle überzeugen.

Mit gehobenem Innovationskino empfängt uns zunächst der Innenraum, der mit großen Flächen und schwungvollen Linien eine kompositorische Eleganz bietet, die Ihresgleichen sucht. Nicht nur die feine Anmutung beeindruckt, vor allem auch die Funktionalität dahinter, denn trotz der vielen Möglichkeiten, Einstellungen vorzunehmen, kommt die Mittelkonsole mit angenehm wenig Tasten aus, ohne dabei allerdings auf einen derzeit bei vielen Herstellern angesagten Touchscreen zu setzen. Zu den bemerkenswerten Neuerungen der C-Klasse zählen ein Head-up-Display, eine GPS-gesteuerte Klima, LED-Beleuchtung, ein Panoramaschiebedach oder ein Parfum-Spender im Handschuhfach. Zudem gibt es das über dreieinhalbtausend Euro teure Comand-Online-System mit 8,4-Zoll-Display, Nasa-Satellitenbildern, Internetzugang, WLAN-Hotspot und einen Handschmeichler mit Touchpad als zentrale Bedieneinheit in der Mittelkonsole.

Auf Nummer sicher

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-Modell

Außerdem profitiert die besonders crashsicher konstruierte C-Klasse von vielen neuen Helferlein, wie Abstands-Tempomat, Totwinkel-, Lenk-, Spurhalte- und Kreuzungsassistent, Pre-Safe-Bremse mit Fußgängererkennung, Rückfahrkamera und automatischer Einparkhilfe. Diese kosten allerdings Aufpreis, während ein Kollisionswarner mit Notbrems-Assistent, der bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h Auffahrunfälle vermeiden kann, und der Kaffeetassensymbol-Müdigkeitswarner bereits zur Serienausstattung gehören.

In Hinblick auf Funktionalität und Raumangebot wurde zudem der Kofferraum optimiert. Beim Öffnen der großen Heckklappe präsentiert sich eine im Vergleich zum Vorgänger leicht gewachsene Nutzwert-Pracht: 490 Liter gehen in den normalen, 1.510 Liter in den maximal erweiterten Laderaum und damit fünf respektive zehn Liter mehr als bisher. Eine nur kniehohe Ladekante ohne störende Schwelle macht das Beladen zudem angenehm leicht. Allerdings bewegt sich das 4,70 Meter lange C-Klasse T-Modell volumentechnisch damit weiterhin im Mittelfeld und sind einige Mitbewerber, wie zum Beispiel der kommende VW Passat (650 bis 1.780 Liter), mit deutlich mehr Stauraum gesegnet.

Klappe mit dem Fuß öffnen

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellAufgewertet wurde bei der C-Klasse zudem die Öffnungs-Choreografie der Heckklappe, die optional nicht nur voll elektrisch auf- und zuklappen kann, sondern sich außerdem der Sesam-Öffne-Dich-Prozess mit einer Fußgeste initiieren lässt. Wer diese Hands-Free-Option geordert hat und den Schlüssel in der Hosentasche trägt, kann also mit vollen Händen ans Heck herantreten und mit einer kurzen Fußbewegung unter der Heckschürze die Klappe öffnen und anschließend bequem die Fracht einladen.

Über den Druck eines Knopfes in der Heckklappe schließt die übrigens dank Alubauweise um 3,5 Kilogramm leichtere Klappe auch wieder selbsttätig, während ein weiterer Knopf in der Heckklappe auf Druck eine Anhängerkupplung aus der Heckschürze fallen lässt. Ein störender Agrarhaken wird künftig also nicht mehr das Auge des Ästheten beleidigen müssen und auch nicht für Verdruss beim Einparken in Längsparklücken sorgen, da sich dieser bedarfsgerecht aus- beziehungsweise einklappen lässt.

Drei-Elemente-Klapp-Lehne

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellBesonders erfreulich für Kombi-Fans dürfte zudem der Umklappmechanismus der Rückbank sein. Serienmäßig wird dieser nämlich einfach per Knopfdruck elektrisch ausgelöst und fällt die Rückbanklehne wie von Geisterhand flach nach vorne. Praktisch: Jeweils zwei Umklappknöpfe befinden sich auf jeder Fahrzeugseite einerseits im Kofferraum und andererseits direkt neben der Rückbanklehne selbst. Drückt man beiderseitig die Knöpfe, fällt die Lehne im Verhältnis 60 zu 40 zweigeteilt nach vorne. Zusätzlich – und das ist ein weiteres Novum – kann man händisch auch das Mittelstück der Rückbank umlegen, also erstmalig in der C-Klasse die Lehne im Verhältnis 40:20:40 umlegen. Schön ebenfalls: Der erweiterte Laderaum ist nahezu topfeben.

Damit ist es der praktischen Details aber noch nicht genug: Beim Öffnen der Heckklappe geht das nunmehr auch flexibel sich über hohes Ladegut schmiegende Abdeckrollo automatisch mit nach oben und muss man dieses folglich nicht vorsätzlich in die Kassette verbannen. Die Kassette selbst lässt sich selbstverständlich leicht herausnehmen, um so maximal dachhohe Beladung zu ermöglichen. Man kann alternativ die Kassette an Schienen am oberen Ende der Rückbanklehnen-Rückseite arretieren und von dort aus alternativ das Gepäckraum-Trennetz herausziehen, welches sich in zwei verschiedenen Positionen in der Decke arretieren lässt.

Und dann noch ein Hingucker

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellIn Hinblick auf seine Transport-Kompetenz hat das C-Klasse T-Modell also gewonnen. Und auch optisch ist sie ganz eindeutig auf Überholspurkurs, denn mit ihrer eleganten und erfrischend neuen Aura vermag sie viele begeistern und auch in überzeugender Weise den Eindruck vermitteln, mehr Qualitäten als der Vorgänger bieten zu können. Der Schritt von der alten zur neuen C-Klasse ist groß und eigentlich lassen sich nur an der seitlichen Fenstergrafik noch Ähnlichkeiten mit dem Vorgänger erkennen. Eine gewisse Übereinstimmung bietet auch das Heckdesign, allerdings mit dem seligen Jaguar X-Type Estate, der ebenfalls mit rundlichen Heckleuchten und einer großen Chromspange dazwischen einen distinguiert-aristokratischen Schein vermitteln wollte.

Apropos Optik: Wie schon die Limousine, so gibt es auch das T-Modell in den beiden Designversionen Exclusive und Avantgarde. Während erstere mit klassischer Kühlergrill-Optik und Stern auf der Haube konservativere Käufer ansprechen will, sorgt der Riesenstern im kühn inszenierten Kühlergrill der Avantgarde-Variante vor allem in Kombination mit einem AMG-Styling für eine progressivere Note. Und die macht etwas mehr her.

Zweifelhafte Doppelherz-Kompetenz

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellMit Kraft der AMG-Division wird es den Kombi allerdings erst im Februar 2015 geben, während die im September startende Baureihe zunächst mit vier Diesel- (116 bis 204 PS) und vier Benzinmotoren (156 bis 333 PS) sowie dem von uns getesteten Dieselhybrid C 300 starten wird. Dieser konnte mit seiner Kombination eines 204 PS starken 2,1-Liter-Diesels und einer 27 PS starker E-Maschine trotz der eigentlich verheißungsvollen Datenblattwerte und dem vorbildlichem Normverbrauch von 3,8 Litern nicht so recht überzeugen.

Das lag vor allem an dem nicht immer ganz harmonisch wirkendem Zusammenspiel von Diesel und der in der 7G-Tronic-Getriebe integrierten, scheibenförmigen E-Maschine. Zumindest gelegentlich haben wir in dem verschärften Vortriebsmodus Sport+ einen unfeinen Ruck beim Hochschalten verspürt. Und auch die Übergänge vom Diesel- zum Elektroboost (500 plus 250 Newtonmeter) wirkten bisweilen nicht perfekt und geschmeidig ineinandergreifend, wobei der Elektroboost auch hier unbestritten seinen Reiz hat.

Sanfter Gleiter

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellBesonders gut: Der zurückhaltende Fahrer kann mit dem Dieselhybrid vorbildliche Ruhe genießen, sofern er es gelassener angeht. Dank der guten Aerodynamik sind einerseits die Windgeräusche gering und bleibt der Diesel dank der Hilfe des E-Motors ebenfalls kaum hörbar im Hintergrund, denn will man etwas Schub, muss sich der Verbrenner dank des E-Motors weniger als sonst anstrengen. Sanft aber bestimmt schiebt der Wagen voran, verblüffend lässig kann der akustisch unscheinbare Antrieb zudem heftig beschleunigen. Das passt auch gut zum breiten Spagat des Fahrwerks, welches feinsten Federkomfort bieten kann, aber auch gehobene Kurvenagilität zulässt.

Bei sanftem Gaspedaldruck fährt die C-Klasse alternativ auch geräuschlos, denn einige 100 Meter und bis zu 35 km/h schnell ist sogar rein elektrisches Fahren möglich. Dank der Rekuperation kann sich der Mercedes seine 0,8-Kilwattstunden-Antriebsbatterie stets selbst laden und mit der dabei gespeicherten Energie, die etwa 0,1 Liter Kraftstoff entspricht, beim Beschleunigen zudem etwas Sprit sparen.

Praktisch kaum Sparpotenzial

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse T-ModellDie Werte sprechen eigentlich für sich: Der Sprint dauert rund sieben Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 240 km/h und soll der Mini-Verbrauch bei theoretisch 3,8 Litern liegen. An diesen Verbrauchswert sind wir allerdings praktisch deutlich vorbeigeschrammt: Selbst bei zaghafter Fahrweise mit viel Landstraße und Autobahn stieg der Konsum auf 5,1 Liter. 6,7 Liter waren es dann bei normaler Fahrweise. Und damit lag der Hybrid auf etwa gleichem Niveau mit dem C 250 BlueTec, den wir anschließend fuhren und der mit seiner konventionellen Antriebstechnik im Autobahneinsatz sogar leicht sparsamer war. Insofern bietet der Dieselhybrid vor allem im städtischen Einsatz Verbrauchsvorteile, die laut Mercedes bei immerhin rund 20 Prozent liegen können. Taxi-Unternehmer könnte das gefallen. Doch die Spareffekte fallen im normalen Autofahreralltag bei einem Dieselhybriden im Vergleich zu Hybriden mit Ottomotoren gering aus, das hat bereits die Praxis mit dem Dieselhybrid von PSA gezeigt

Mit dem konventionellen Diesel C 250 BlueTec mit 204 PS ist die C-Klasse in jedem Fall eine Wucht, das hat sich auch beim T-Modell wieder gezeigt. Der Motor ist angenehm kultiviert, durchzugsstark, und gibt seine Leistung gleichmäßig ab. Ganz so eindeutig positiv war unser Eindruck von der elektrifizierten Version C 300 hingegen nicht, so dass wir empfehlen, die 3.000 Euro Mehrkosten für den Hybrid in einige der vielen optionalen Ausstattungsdetails zu stecken. Von denen gibt es bei der C-Klasse reichlich und wird man deshalb wohl auch kaum mit dem Basispreis von 35.000 Euro für den 156 PS starken C 180 auskommen können. Ein bisschen Mehr Leistung, ein paar Extras und der Spaß dürfte 50.000 bis 60.000 Euro teuer werden. Auch hier setzt sich Mercedes von seinen ebenfalls teuren Mitbewerbern Audi A4 und BMW 3er etwas ab. Mercedes fahren – und da bleibt sich der C-Klasse Kombi besonders treu – ist noch immer eine Spur teurer und in einigen Punkten auch eine Spur besser.

 
Fazit

Mario Hommen

Außen wie innen hat das C-Klasse T-Modell an Überzeugungskraft zulegt. Entscheidend beim Kombi: Auch der Kofferraum bietet im Vergleich zum Vorgänger in mehrfacher Hinsicht Verbesserungen. Mehr Platz und mehr den Alltag erleichternde Funktionalität machen den kommenden Laster begehrlicher denn je. Insofern dürften sich traditionelle Fans der Baureihe bedenkenlos für das Modell begeistern.

Beim Dieselhybrid C 300 ist das mit dem Fortschritt allerdings so eine Sache: So richtig harmonisch und effizient hat sich die Doppelherztechnik bei einer ersten Ausfahrt nicht präsentiert. Wer einfach auf einen klassischen Diesel wie dem C 250 in Kombination mit der angenehmen 7G-Tronic setzt, wird für weniger Geld den stimmigeren Antrieb bekommen. Teuer wird die C-Klasse aber in jedem Fall.
 
 

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