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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-Klasse

Erster Test: Mercedes-Benz C-Klasse

Außen fein, innen klein

13.03.2014

Selten waren die Meinungen zu einem Automobil so einhellig wie bei der neuen Mercedes-Benz C-Klasse: Vom liebevoll Baby-Benz genannten 190er aus dem Jahr 1982 hat sich Daimlers Einstiegs-Limousine über drei Generationen hinweg zur S-Klasse im Kleinformat gemausert, die überall auf Zuspruch stößt. Schon bei der Premiere in Detroit vermochte das Design begeistern, und auch bei der ersten Testfahrt hat die C-Klasse nun überzeugt.

Wer die in 2013 neu aufgelegte S-Klasse toll findet, muss auch ein Fan der neuen C-Klasse werden, denn optisch orientiert sich die Einstiegslimousine klar am Flaggschiff der Stuttgarter und distanziert sich – mindestens genauso deutlich – von der Biederkeit ihrer Vorgängergenerationen. Im Gegenteil, mit langgestreckter Haube und kurzem, knackigen Heck wirkt der Benz äußerst dynamisch. Dem trägt auch der neue Standard-Kühlergrill mit integriertem Stern Rechnung; wer das Markenzeichen lieber klassisch auf der Haube thronen haben will, muss zur Exklusiv-Ausstattung (1.250 Euro) greifen. Und nur dann kann man auch das 119 Euro teure Airpanel bestellen: Lamellen, die den Kühler nach Möglichkeit automatisch schließen und so den Luftwiderstand und damit den Verbrauch reduzieren – um bis zu 0,1 Liter je 100 Kilometer.

Obwohl dank der schnittigen Linienführung nicht augenfällig, wuchs die C-Klasse um fast zehn Zentimeter auf 4,67 Meter Gesamtlänge. Acht Zentimeter gingen davon auf das Konto des Radstands, der mit nun 2,84 Metern auch den Hintensitzenden ausreichend Beinfreiheit beschert; allerdings kommt größergewachsenen Fondpassagieren das Dach relativ nahe. Ein- und Aussteigen geht dagegen problemlos von statten. Und auch das Beladen des Kofferraums stellt keine Hürde dar, zumal mit 480 Litern nun sogar 20 Liter mehr reingehen als bisher. Wer noch mehr Stauraum braucht, muss 600 Euro für die umklappbare Rückbank berappen, oder auf den Kombi warten, der wohl schon im Herbst folgen soll.

Breite Mittelkonsole

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-KlasseDas Platzangebot für Fahrer und Beifahrer ist großzügig – eigentlich. Leider ist die Mittelkonsole derart breit ausgefallen, dass es sich in der ersten Reihe nicht so luftig sitzt wie man meinen könnte. Auch die seitliche Bewegungsfreiheit ist etwas eingeschränkt. In der Länge gibt’s dagegen keine Probleme und dank eines weiten Lenkradverstellbereichs und zahlreicher Sitzjustier-Möglichkeiten dürften Fahrer jeglicher Höhe schnell die passende Sitzposition finden.

Hat man Platz genommen, darf man sich am hochwertigen Interieur erfreuen, das den Mittelklässler tatsächlich auf ein neues Qualitäts-Niveau hievt und mit dem Audi A4 aufschließen lässt; BMW sollte jetzt wissen, was sie beim 3er Facelift zu tun haben. Mercedes gönnt sich sogar den Luxus zweier deutlich differenzierter Mittelkonsolen. Je nachdem, ob man selber schaltet oder die Gangwechsel der Siebengang-Automatik überlässt, ist der gesamte Bereich unterhalb der Klimaanlagensteuerung unterschiedlich gestaltet; inklusive einer Analoguhr, die den Automatik-Versionen vorenthalten bleibt.  

Viele Extras

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-KlasseSerienmäßig haben alle C-Klassen ein sieben Zoll großes Display und einen Dreh-Drück-Steuerknubbel, der gegen Aufpreis (238 Euro) um ein Touchpad erweitert werden kann, auf dem sich verschiedene, von Smartphones bekannte Bediengesten ausführen lassen. So ist das System auch bereit für eine Garmin-Navi-Lösung (circa 900 Euro). High-End-Lösung ist das über dreieinhalbtausend Euro teure Comand-Online-System, dann mit 8,4-Zoll-Display, Nasa-Satellitenbildern, Internetzugang, WLAN-Hotspot und vielen weiteren Spielereien.

Überhaupt bietet die Preisliste der C-Klasse Technikverliebten einen großen Spielplatz, auf dem sie sich nach Herzenslust (und Kaufkraft) austoben können. Neben Komfortextras wie schlüssellosem Zugang, Head-up-Display, LED-Licht, Panoramaschiebedach, Parfum-Spender im Handschuhfach oder beleuchtetem Mercedes-Stern (der nur im Stand funkeln darf), stehen natürlich auch zahlreiche Fahrerassistenzsysteme bereit. So folgt die C-Klasse auf Wunsch im Stau dem vorausfahrenden Auto, leitet bei drohendem Crash automatisch eine Notbremsung ein, parkt von alleine und erkennt Verkehrsschilder; alles natürlich gegen Aufpreis.

Zu Beginn nur drei Motoren

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-KlasseAn den Start geht die C-Klasse ab sofort mit zunächst nur drei Motoren, zahlreiche weitere Varianten stehen aber bereits parat und werden in den kommenden Monaten nach und nach ausgerollt. Schwächste und günstigste C-Klasse wird der C 180 sein, der aus 1,6 Liter Hubraum 156 PS schöpft und ab 33.558 Euro beim Händler steht (5,0 Liter Verbrauch), darüber rangiert der Zweiliter-Vierzylinder mit 184 PS im C 200 zu 36.414 Euro, der vor allem in Verbindung mit der aufpreispflichtigen Automatik einen tadellosen, wenn auch nicht ganz geräuscharmen ersten Eindruck als Brot-und-Butter-Antrieb hinterlassen hat, der die C-Klasse für die meisten Anforderungen wappnen dürfte. Als einziger Diesel steht zunächst der 170 PS starke C 220 BlueTec (Durchschnittskonsum 4,0 Liter) auf dem Plan, den sich Mercedes-Benz mit 38.675 Euro vergolden lässt.

Ergänzt wird das Angebot schließlich noch um weitere Otto-Vierzylinder (C 250 mit 211 PS und C 300 mit 238 PS) sowie den Drei-Liter-Sechszylinder der dem C 400 zu satten 333 PS und 480 Newtonmeter Drehmoment verhilft, die standardmäßig an alle vier Räder gehen. Alle Benziner sind Direkteinspritzer und turbogeladen, bei den drei stärksten ist die 7-Gang-Automatik Serie.

Schwacher Basisdiesel, starker Hybrid

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-KlasseDieselseitig erweitert Mercedes das Program nach unten um den C 180 BlueTec (115 PS) und 200 BlueTec (136 PS), die beide ihre Kraft aus 1,6 Liter Hubraum schöpfen und nach reichlich Schaltarbeit verlangen, will man einigermaßen flott vorankommen; die nimmt einem auch die Technik nicht ab, denn eine Automatik ist nicht vorgesehen. Für Spritsparfreunde dürften die 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch ein Kaufargument sein, allen anderen sei abgeraten, denn der Fahrspaß bleibt – auch beim 200er – leider auf der Strecke; da nützt es auch nicht, dass die C-Klasse dank Leichtbaumaßnahmen an der Karosserie bis zu 100 Kilogramm abgespeckt hat und als Diesel nur noch rund eineinhalb Tonnen wiegt; der leichteste Benziner kommt auf 1.395 Kilogramm Leergewicht.

Selbstzünder-Fans sei also mindestens der bereits erwähnte C 220 BlueTec ans Herz gelegt, oder dessen stärkere Ausbaustufe C 250 BlueTec, die mit 204 PS, 500 Newtonmeter und Allradantrieb glänzt. Das Aggregat dient außerdem auch als Basis für den 300 BlueTec Hybrid, bei dem ihm ein 20 Kilowatt (27 PS) starker E-Motor assistiert, der weitere 250 Newtonmeter Drehmoment beisteuert. Bei der ersten Runde überzeugte das Zusammenspiel der beiden Triebwerke mit ordentlichem Durchzug und rein elektrischem Fahren – wenn auch nur für wenige Kilometer; wer weiter stromern will, muss sich noch gedulden, bis Mercedes die Plug-in-Hybrid-Variante nachreicht. Den Verbrauch gibt Daimler mit 3,6 Liter Diesel im Mittel an. Alle Motoren erfüllen die Euro-6-Abgasnorm.

Komfort oder Sportlichkeit

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C-KlasseStandardmäßig rollt die neue C-Klasse mit 16-Zoll-Rädern und einem komfortabel abgestimmten Agility-Control-Fahrwerk vom Band; hinter der etwas sperrigen Bezeichnung verbirgt sich ein Dämpfungssystem, bei dem die Dämpferkräfte automatisch der Fahrweise angepasst werden. Wer es – deutlich - straffer mag, kann zum tiefergelegten Sportfahrwerk greifen, und wer gerne variiert, ersetzt am besten die Stahlfederung durch die Airmatic (1.416 Euro). Bei der erstmals für die C-Klasse angebotenen Luftfederung kann der Fahrer schließlich zwischen den Modi Eco, Comfort, Sport und Sport-Plus wählen beziehungsweise seine ganz individuelle Abstimmung einstellen; die Spreizung zwischen den Extremen ist dabei gut spürbar.

Egal ob im Sportmodus oder mit Sportfahrwerk ausgerüstet, lässt sich die leichter gewordene C-Klasse, auch dank ihres tieferen Schwerpunkts, deutlich zügiger und präziser ums Eck zirkeln als ihre Ahnen, an die Leichtfüßigkeit eines 3er BMWs reicht der Stuttgarter aber nicht heran – der Komfortfaktor ist im Mercedes, bei entsprechender Konfiguration, jedoch größer. Vor allem die Luftfederung stellt die Mitbewerber komforttechnisch in den Schatten, allerdings nur, wenn man auf allzu große Räder verzichtet.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Dass die neue C-Klasse dem 3er BMW das Wasser in Sachen Fahrdynamik nicht reichen kann, ist nebensächlich; die Stuttgarter haben sich auf ihre Grundwerte besonnen – Komfort und Luxus – und beides in der neuen Einstiegslimousine auf die Spitze getrieben. Der C sieht nicht nur aus wie eine kleine S-Klasse, er gleitet auch fast genauso bequem über die Straßen.

Auch bei der Inneneinrichtung hat Mercedes neue Maßstäbe in der Mittelkasse gesetzt und ein Cockpit geschneidert, dass kaum Wünsche offen lässt – außer den nach etwas mehr Bewegungsfreiheit, denn die Mittelkonsole ist doch recht ausladend geworden. Bei der Gestaltung, Materialauswahl und Verarbeitungsqualität gibt es dagegen keinen Tadel und wer technikaffin ist, wird sich an Spielereien wie dem Touchpad erfreuen können.

Das alles kostet aber ordentlich Geld, bereits der Einstiegspreis ist mit über 33.000 Euro alles andere als günstig. Das Mercedes sich bei den kleineren Motoren auch noch den größeren Tank extra bezahlen lässt (66 statt 41 Liter, 60 Euro), ist zwar ein Thema, dass so manche Gemüter erhitzen dürfte, fällt aber in Anbetracht der reichlichen Auswahl an mitunter teurer Sonderausstattung nicht wirklich ins Gewicht.
 
 

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