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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMG

Erster Test: Mercedes-Benz C63 AMG

Zahmer Kraftprotz

26.09.2007

Fast beiläufig hat Mercedes zusammen mit der Kombiversion der neuen C-Klasse ein weiteres Derivat des Mittelklasse-Modells vorgestellt. Doch für das nötige Aufsehen sorgt der Supersportler C63 AMG selbst: 6,3-Liter-V8, 457 PS und in 4,5 Sekunden von Null auf Hundert sprechen Bände. Und doch geht es auch anders …

Verchromter Kühlergrill, ausgestellte Radhäuser, große Lufteinlässe, Seitenschweller, Kiemen, Powerdomes auf der Motorhaube und zusätzlich zu den vier ovalen Endrohren auch noch ein kleiner Heckspoiler. Egal von welcher Seite man den C63 AMG auch betrachtet: Selbst der Laie erkennt, dass es sich hier nicht um eine normale C-Klasse handelt.

Anders im Innenraum. Sieht man von den straffen Sportsitzen ab, die Fahrer und Beifahrer fest im Griff haben, gibt es wenige Indizien für das Top-Modell. Gut, der Fahrer blickt auf einen 320-km/h-Tacho. Doch sonst gibt sich der AMG elegant bescheiden, wie seine zivilen Brüder. Und die in ein paar Monaten folgende Kombiversion geht sogar als voll familientauglich durch.

Von wegen Bescheiden

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMGVorbei mit der Bescheidenheit ist es, sobald der massige V8 zum Leben erweckt wird und anfängt kraftvoll zu blubbern. Mit 6,3 Liter Hubraum steht der C63 AMG in seinem Segment allein an der Spitze der Rangliste. BMW M3 und Audi RS4 schöpfen ihre Kraft aus jeweils nur 4,2 Liter Hubraum.

Auch in puncto Leistung platziert sich der Benz vor den bayerischen Konkurrenten, wenn auch nicht mehr ganz so deutlich. BMW und Audi entlocken ihren Hochdrehzahl-Aggregaten jeweils 420 PS bei rund 8.000 Touren, Mercedes kitzelt schon bei 6.000 Umdrehungen satte 457 PS aus dem Achtender.

Hubraum ist durch nichts zu ersetzen …

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMGBaulich bedingt größere Unterschiede gibt es wieder beim Drehmoment. Der Mercedes stemmt dem Hubraum sei dank 600 Newtonmeter auf die Kurbelwelle und übertrifft damit seine Mitstreiter um gut 180 Newtonmeter. Die Folge: Den Standartsprint bewältigt der C63 in nur 4,5 Sekunden und nimmt den beiden Bayern 0,3 Sekunden ab. Und das bei einem höheren Gewicht. Der Stuttgarter bringt knapp über 1,7 Tonnen auf die Waage, Audi und BMW bleiben etwas darunter.

Doch Schluss mit den Vergleichen, wir wollen den Mercedes in der Praxis testen. Bevor wir die Freiheit der fast leeren Autobahn genießen können, steht aber noch der Stadtverkehr auf dem Programm.

Sanfter Kraftprotz

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMGErstaunlich sanft, fast unspektakulär schiebt sich die C-Klasse durch die Straßen. Die sehr gut dosierbare Gasannahme erlaubt gemütliches Cruisen, im Komfortmodus schaltet die Siebengang-Automatik weich und ruckfrei. Aus dem Drehzahlkeller heraus steht genügend Kraft bereit und zum Erschrecken von Passanten reicht ein halbherziger Gasstoß, schon bollert der Achtzylinder lustvoll vor sich hin, in der Erwartung endlich richtig loslegen zu dürfen.

Darf er auch, sobald wir das Autobahnschild erreichen. In Windeseile wandert die Tachonadel nach oben, kaum hat sie die 100-km/h-Grenze überschritten, zieht sie an der 200er-Marke vorbei. Ziemlich abrupt endet der Vortrieb bei angezeigten 260 km/h und beim Fahrer kommt ein Hauch Enttäuschung auf: Man spürt, dass der C63 AMG noch schneller könnte, Tempo 300 ist sicher machbar. Ein kleiner Lichtblick: Nach einem Fahrsicherheitstraining und der Zahlung von 2.500 Euro darf man 280 km/h fahren.

Kurvenräuber

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMGNach einer halben Stunde und gut 100 zurückgelegten Kilometern verlassen wir die Autobahn, um den Mercedes über die Landstraße zu scheuchen. Jetzt kommt es nicht auf Topspeed an, sondern auf die Kurventauglichkeit. Während das Fahrwerk auf Kopfsteinpflaster und Autobahn-Querfugen noch mit harten Schlägen nervte, gibt diese Abstimmung jetzt viel Anlass zur Freude.

Im Kurvengeschlängel erweist sich das Fahrwerk als zuverlässiger Partner, der selbst hohe Querbeschleunigungen souverän meistert. Als Helfer in der Not hat Mercedes erstmals ein dreistufig abschaltbares ESP verbaut, mit dem sich ambitionierte Fahrer immer näher an den Grenzbereich rantasten können.

Allerdings kann das Deaktivieren des Helfers schnell im Straßengraben enden. Wenn die 600 Newtonmeter zusammen mit der nicht ganz ausgeglichenen Gewichtsverteilung (53:43) ungezügelt über die Hinterachse mit ihren 18-Zoll-Pneus herfallen, fängt der Benz nur zu gern zum Kreiseln an. Wohl dem, der damit umzugehen weiß.

Spaß an der Präzision

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz C63 AMGDoch selbst bei voll aktivierter Elektronik bietet der C63 seinem Fahrer Spaß im Überfluss. Die gegenüber dem Serienmodell deutlich direktere und präzisere Lenkung sorgt für exakte Kurvenstriche, der sportliche Automatikmodus wählt jederzeit den richtigen Gang und hält den Motor auf Drehzahlen. Bei Bedarf erledigt der Fahrer die Gangwechsel per Schalttasten am Lenkrad selbst. Ein Schmankerl gefällig?! Der Automat gibt beim manuellen Runterschalten Zwischengas und lässt somit den Motor aufheulen und das Herz des Fahrers aufgehen.

Allerdings muss bei zukünftigen C63-AMG-Fahrern zunächst etwas anderes aufgehen. Richtig, das Portemonnaie. Mit einem Einstiegspreis von 67.235 Euro positioniert Mercedes die Rennsemmel über dem BMW M3, aber immerhin deutlich unter dem Audi RS4. Der Abstand zum teuersten Serien-C beträgt aber trotzdem über 20.000 Euro. Ohne Sonderausstattung - wobei die meisten Annehmlichkeiten beim C63 AMG im Preis dabei sind.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Kann es einen ausgeglichenen Sportler geben? Ja, der C63 AMG ist zweifelsohne einer! Er ist zahmer als der M3 oder der RS4 und trotzdem eine echte Rennmaschine. Auf der einen Seite bietet er ein in der Mittelklasse bisher unbekannten Durchzug ob des überdimensionierten Hubraums, die Fähigkeit zur Kurvenhatz und das wohlklingende V8-Bollern. Auf der anderen Seite ist der C63 eine gemütliche Limousine, zum Einkaufen und für die Reise, die sich gutmütig wie ein Diesel fahren lässt. Einzig ein adaptives Fahrwerk würde dem Mercedes noch gut stehen, dann wäre auch der Fahrkomfort in der Stadt perfekt. Ach ja, eine gut gefüllte Tankkarte wäre auch noch hilfreich, die angegebenen 13,4 Liter wird wohl kaum jemand erreichen.
 
 

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