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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLA

Erster Test: Mercedes-Benz CLA

Brandstifter statt Biedermann

08.03.2013

Der Mut der Verzweiflung hat schon so manchen über sich selbst hinaus wachsen und ungewohnte Schritte gehen lassen. Zwar wollen wir beim Daimler nicht von Verzweiflung sprechen, doch hinken die Schwaben unbestritten seit einiger Zeit der Konkurrenz aus Bayern hinterher. Neue Ideen mussten her, um wieder als tonangebend wahrgenommen zu werden. Gar nicht so einfach, denn schließlich darf die Stammkundschaft auch nicht verprellt werden.

Ein Auto zu entwerfen, das dem doch eher konservativen Mercedes-Kunden genauso taugt, wie den jungen, zu erobernden, Wilden, ist schwer. Vielleicht sogar unmöglich. Um bei diesem Vorhaben nicht über den eigenen Modernisierungswillen zu stolpern, und mit einem vermeintlichen Kompromiss beide Seiten zu verprellen, bietet Daimler einfach zwei Modelle mit völlig unterschiedlicher Ausprägung an.

Vorgemacht haben sie diese Strategie mit der A-Klasse, die sich in der jüngsten Generation radikal vom Vorgänger unterscheidet; wem das zu hipp ist, der kann/muss/soll zur konservativer gezeichneten B-Klasse greifen; da verdient Mercedes auch gleich noch ein paar Euro mehr dran. Hat man sich vergangenes Jahr über diese Taktik noch gewundert, so erscheint sie nun mit der Einführung des CLA nur logisch. Denn mit der Limousine auf A-Klasse-Basis bietet Mercedes jetzt auch eine stylische Alternative zur C-Klasse an.

Für junge Wilde

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLADass sich beide Modelle kannibalisieren, glaubt man bei Mercedes nicht. Wahrscheinlich greift zukünftig zwar der ein oder andere Geschäftswagen-C-Klasse-Fahrer zum CLA, in Summe aber zielt die 4,63 Meter lange Limousine auf eine ganz andere Kundschaft; eine, die sich nie eine biedere C-Klasse zulegen würde. Gleichzeitig sichert der CLA den Traditionalisten die Zukunft: Weil es ihn gibt, kann/darf/muss die nächste C-Klasse nicht avantgardistischer werden.

Ist die C-Klasse also der Biedermann unter den Mittelklasse-Limousinen, so ist der CLA ganz klar der Brandstifter. Sein Design, mit zahleichen bekannten Elementen von der A-Klasse, polarisiert. Nicht jeder wird sich mit den zahlreichen Lichtkanten, Linien und Knicken, Lufteinlässen, Luftauslässen und Abrisskanten anfreunden können. Wem das aber gefällt, der bekommt einen Hingucker, einen Farbtupfer, der das Straßenalltagsgrau aufmischt.   

Aerodynamik-Meister

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLADas Beste: Das Design ist nicht nur erfrischend anders, es dient auch noch der Aerodynamik. Zwar hat der VW XL1 sogleich den gerade erst aufgestellten Cw-Wert-Rekord des CLAs unterboten, doch ist der Benz abgesehen von Volkswagens Wunderflunder mit 0,22 der derzeitige Spitzenreiter im Segment. Das senkt an der Tankstelle spürbar den Verbrauch und im Auto merklich die Windgeräusche.

In der Stadt, auf Landstraßen und bei gemütlichem Autobahntempo geht es im CLA leise zu, und auch die Dämmung des Antriebsstrangs funktioniert prima: Der bei unserem ersten Ausritt gefahrene 2,2-Liter-Diesel im 220 CDI lässt nur unter Volllast von sich hören und surrt ansonsten dezent vor sich hin. Bei den Leistungsdaten schlägt er dagegen gar keine leisen Töne an: 170 PS sind nicht wenig und 350 Newtonmeter bei niedrigen 1.400 Umdrehungen erst recht nicht.

Sparsame Motoren

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLAÜbers Selberschalten oder nicht brauchen sich Kunden im Falle des derzeit einzigen Diesels (der CLA 200 CDI folgt Ende 2013) keine Gedanken machen, der CLA 220 CDI kommt immer mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge schnell, präzise und meistens sanft wechselt; manuelle Eingriffe sind auf Wunsch freilich möglich, nicht aber nötig.

So reicht es also, den rechten Fuß zu senken und der CLA sprintet in 8,2 Sekunden auf Tempo 100. 230 km/h Höchstgeschwindigkeit sind ein ordentliches Reisetempo und nur 4,2 Liter im Durchschnitt ein erfreulich niedriger Verbrauch. Aber auch die drei Benziner (122, 156 und 211 PS) gönnen sich im Normtest nicht mehr als 6,1 Liter. Besonders sparsam ist der Einstiegs-Otto in der Blue-Efficiency-Ausführung. Die üblichen Spritsparmaßnahmen kosten nichts extra, senken aber den Verbrauch von 5,4 auf glatte fünf Liter; die Vmax allerdings auch von 210 auf 190 km/h.

Spaßmotor und Sportfahrwerk

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLAWer größtmöglichen Fahrspaß sucht, muss - bis Mercedes den 360 PS starken AMG nachschiebt, zum CLA 250 greifen. Der ebenfalls serienmäßig mit 7G-DCT ausgestattete Topbenziner bietet mit 350 Newtonmeter Drehmoment genauso viel Kraft wie der Diesel, stellt sie aber sogar schon bei besten Durchzug ermöglichenden 1.200 Umdrehungen bereit. Nur 6,7 Sekunden vergehen bis Tempo 100, Schluss ist bei 240 km/h.

Perfekt dazu passt das optionale Sportfahrwerk, dass zwar spürbar straffer ist, aber nicht knochenhart; Mercedes scheint aus der Kritik an der für viele zu holprigen A-Klasse gelernt zu haben. Zusammen mit der bei allen CLAs serienmäßigen Direktlenkung durcheilt der Benz Kurven mit großer Präzision und offenbart nur selten mit leichtem Untersteuern, dass er - anders als die C-Klasse - die Kraft über die Vorderräder auf die Straße bringt. Im Alltag fällt dieser Unterschied überhaupt nicht auf und wer will, kann auf den ebenfalls erhältlichen Allradantrieb zurückgreifen.

Nichts für Hintensitzer

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz CLAWer es lieber etwas rückenschonender mag, belässt es besser beim Standard-Komfortfahrwerk und erfreut sich an der trotzdem ausreichend vorhandenen Agilität der knapp 1,4 Tonnen schweren Limousine. Und schließlich bietet die Preisliste zahlreiche andere Möglichkeiten, sein Geld zu investieren. Der Grundpreis von 29.000 Euro für den CLA 180 ist eine reine Pro-Forma-Zahl, tatsächlich wird niemand weniger als 30.000, eher 35.000 Euro zahlen. Zu verlockend ist das Angebot an gängigen Sicherheits- und Komfortextras.

Was die Preisliste aus gutem Grund nicht vorsieht ist ein Rear-Seat-Entertainment-System: Auf der engen Rückbank wird nur selten jemand sitzen, den es zu unterhalten gilt. Nach vorne beschränken die Vordermänner den Platz, nach oben das stark abfallende Dach. Für kurze Strecken ist der Platz ausreichend, bei Fahrten über die Stadttore hinaus aber sollte man den Fond nur Kindern anbieten. Wer oft zu viert reist, ist mit B- und C-Klasse besser bedient.

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Zwei CLA-Passagiere werden sich dagegen über das üppige Platzangebot in der ersten Reihe und den großzügig bemessenen Kofferraum freuen: 470 Liter sind mehr als in die C-Klasse reinpassen, und da hinten ja eh keiner sitzt, lässt sich die Rückbank zur Stauraumerweiterung umklappen. So steht weder dem Ikea-Einkauf noch der Urlaubsreise etwas im Weg.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Nicht wenige Kritiker meinten, Mercedes würde sich mit der A-Klasse verrennen. Spätestens mit dem CLA aber erscheint die Strategie sinnvoll. Mit CLA und C-Klasse haben die Schwaben zwei ähnlich große Autos für zwei völlig verschiedene Zielgruppen im Angebot, die sich kaum in die Quere kommen werden. So kann Mercedes seine Stammkundschaft weiterhin ungehindert bedienen, und zeitgleich neue Kunden, die vorher vielleicht eher zum BMW 3er oder Audi A4 griffen, begeistern. Zumal der CLA ein paar Tausender billiger ist als eine C-Klasse.

Mit stylischem Design und hoher Qualität, ausgeprägter Fahrdynamik und sparsamen Motoren ist der CLA ein rundum gelungenes Angebot, dass kaum Kritikpunkte bietet. Und wer meint, den geringen Platz auf der Rückbank bemäkeln zu müssen, der hat den CLA nicht verstanden, und kann getrost weiterhin zur C-Klasse greifen.    
 
 

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