Cabrio-Special 2013
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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500

Erster Test: Mercedes-Benz SL 500

Kind of Magic

22.03.2012

Mal Hand aufs Herz: Ein Mercedes SL ist ein teurer, unpraktischer und unvernünftiger Silberlocken-Beschleuniger, den niemand wirklich braucht. Den man aber haben will. Denn das Traditionsmodell fasziniert seit fast 60 Jahren mit divenhafter Aura, zieht Autofreunde jenseits aller Klassen und aller Rationalität in seinen Bann. Von diesem alten Zauber und einigen neuen magischen Momenten haben wir uns bei einer ersten Ausfahrt des neuen SL betören lassen.

Allein der Anblick eines SL im Straßenverkehr, egal ob alt oder neu, animiert viele Passanten zum Kopfverdrehen, so als würde David Copperfield ihnen dies mit seiner Willenskraft und ausgestrecker Hand befehlen. Elegant, schlank, mit endlos langer Haube und weit hinten liegender Fahrgastzelle – auch die Neuauflage kann mit genau diesen besonders verlockenden, SL-typischen Grundform begeistern. Garniert wurde das Ganze noch mit Zitaten vom Ur-SL, wie den seitlichen Kiemen hinter den vorderen Radhäusern oder der von einer Querstrebe gehaltene, besonders plastische Riesen-Stern im prominenten Kühlergrill.

Andere Details der neuen Roadster-Eminenz sind hingegen dem Zeitgeist geschuldet, wie etwa charaktervolle LED-Akzente in den Scheinwerfer-Einheiten und der unteren Frontschürze, die einen etwas hoch bauenden (Tribut an den Fußgängerschutz) und selbstbewusst wirkenden Vorderwagen schmücken. Reichlich Lichtkanten in der Blechhaut sind weitere Feinheiten, an denen im heutigen Autobau kaum ein Weg mehr vorbeiführt und die in reizvoller Weise auch beim SL das Licht brechen.

Aerodynamik-Bestmarke

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Ob diese Komposition nun aus jedem Blickwinkel ihre magischen Reize voll ausspielen kann, sei dahingestellt, doch unterm Strich handelt es sich um einen dennoch durchaus klassisch anmutenden SL, der seine Vorgänger ganz nebenbei ziemlich alt aussehen lässt. Und die neue Außenhaut setzt sogar aerodynamisch Maßstäbe: Der cW-Wert liegt bei nur noch 0,27.

Ebenfalls einen deutlichen Modernisierungsschub kann man im Innenraum erleben und dürfte angesichts der sogar für Mercedes-Verhältnisse herausragenden Verarbeitungsqualität und dem noblen Komfortambiente der SL selbst kritische Fahrgäste gänzlich in seinen Bann ziehen. Feines Leder allerorten, dazu gibt es Zierleisten für die der Kunde verschiedene Edelholz-Dekors oder Metall-Applikationen ordern kann, während sich Zierrat in Alu-Optik ohnehin in fast jedem Winkel der Fahrgastzelle wiederfindet. Die so fein dekorierte und doch sehr aufgeräumt wirkende Mittelkonsole beherbergt zentral ein großes Farbdisplay mit gestochen scharfem Bild für die vielen und zum Teil neuen Funktionen des einfach bedienbaren Multimedia-Alleskönner Comand Online. Während man beim SL 350 für das Comand Online 2.440 Euro hinblättern muss, ist das System beim SL 500 Teil der Serienausstattung.

Klasse Sound

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Das besonders wohnliche Interieur wurde noch um einige Innovationen aufgepeppt, mit deren Zauber die Vorgänger noch nicht protzen konnten. So ermöglicht eine iPhone-Connection den einfachen Anschluss und die funktionale Integration des Telefons mit der hochgerüsteten und online-fähigen Multimedia-Anlage. Eine weitere Besonderheit ist das Frontbass-System. Hierbei nutzt Mercedes Hohlräume in den vorderen Längsträgern der Karosserie als Resonanzraum für die Bässe der Audioanlage. Im Zusammenspiel mit der fast 6.000 Euro teuren Soundinstallation von Bang & Olufsen gehört der Klanggenuss im SL zum Feinsten, was derzeit Luxusautos zu bieten haben. Auch wenn die Insassen wohl nur selten Gebrauch davon machen werden: Selbst bei voller Lautstärke störten keine unfeinen Resonanzen unser Ohr, welches vielmehr mit glasklarem Akustik-Hochgenuss umschmeichelt wurde. Da trumpfen selbst alte Songs der Bombast-Rockband Queen mit neuer Klangtiefe und Dynamik auf.

Ebenfalls für besonderen Fahrgenuss sorgt ein mit dem SLK 2011 bei Mercedes eingeführtes Magic-Sky-Dachsystem (fast 3.000 Euro). Hier besteht der obere Dachbereich über den Fahrgästen aus einer elektromagnetisch verdunkelnden Scheibe, die auf Knopfdruck eine elektrische Spannung anlegt und dann glasklare Sicht ermöglicht und ein Fast-Cabrio-Feeling bei geschlossenem Dach bietet. Alternativ lassen sich die Lichtstrahlen wieder verbannen, dunkelt die Scheibe auf wiederholten Knopfdruck blitzschnell ab. Spannungslos verteilen sich dann elektromagnetische Teilchen gleichmäßig auf der Scheibe.

Magische Momente

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Eine weitere Neuheit ist ein ebenfalls laut Herstellerbezeichnung mit "magischen" Eigenschaften gesegnetes Wisch-Wasch-System. Die serienmäßige Magic Vision Control soll dank der 160 direkt in den Wischer integrierten Düsen für eine besonders feine Dosierung sorgen, die effizient, ohne Sprühnebel und sogar bei offenem Dach funktioniert, ohne dabei die Insassen nass zu spritzen. Für knapp 300 Euro Aufpreis kann man sogar eine Heizung für die 160 Düsen ordern.

Wohl dem Reich der Spielereien muss man den neuen Hands-free-Kofferraumzugang zuordnen, dem kurioser Weise keinerlei Zauberkräfte per Namensgebung unterstellt werden, aber für den im Keyless-Go-Paket stolze 1.827 Euro fällig werden. Wie schon bei einigen VW- und BMW-Modellen kann nun erstmalig auch ein Benz einen wedelnden Fuß unter der Heckschürze erkennen und dann dem mit Schlüssel bewaffneten Einlass-Erbitter die Heckklappe automatisch öffnen. Funktioniert gut, doch wohl nur selten wird man ausgerechnet beim SL davon Gebrauch machen müssen, denn große und schwere Sachen trägt man hier wohl selten an den Kofferraum heran. Und der Golfbag lässt sich ja wunderbar schultern.

Mit Platz und Power

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Dabei sind die Transportqualitäten des über 4,60 Meter langen Zweisitzers durchaus beachtlich: Neben den beiden luftig untergebrachten Passagieren sind maximal 364 Liter bei offenem und 504 Liter Gepäck bei geschlossenem Dach möglich. Zudem gibt es hinter den Sitzlehnen noch Zusatzstauraum, der allerdings im Vergleich zu den Vorgänger-Generationen etwas kleiner ausgefallen ist.

Spätestens beim Fahren ist einem all das zuvor erwähnte Innovations-Hexenwerk egal und begeistert der Zweisitzer mit einer teuflisch guten Beschleunigung. Für den ersten Test hat Mercedes ausschließlich den klassischen SL 500 zur Verfügung gestellt, bei dem traditionell ein V8-Aggregat zum Einsatz kommt und das traditionell leistungstechnisch aus dem Vollen schöpfen kann. Mit der neuen Generation konnte trotz Downsizing und deutlicher Effizienzsteigerung der SL 500 dieses standardmäßig hohe Leistungsniveau noch massiv gesteigert werden, denn dem von 5,5 auf 4,7 Liter reduzierten Hubraum entlocken zwei Turbolader im Zusammenspiel mit einer Benzindirekteinspritzung 435 PS und aberwitzige 700 Newtonmeter.

Gentlemen-Rakete

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Da herrscht nicht nur reichlich Dampf im Kessel, die Power wird zudem noch faszinierend gut in Vortrieb umgesetzt. Kombiniert wurde der laut NEFZ-Messung nur noch 9,1 Liter schlürfende Achtender nämlich mit einer sanft wie angenehm kurzweilig die Gänge wechselnden, serienmäßigen Sieben-Stufen-Automatik. Neuerdings gibt es sogar eine ebenfalls serienmäßige Start-Stopp-Automatik, während eine Launch-Control allein den Performance-Varianten von AMG vorbehalten bleibt. Beim SL 500 muss man für den optimalen Sprint also einfach vom Brems- aufs Gaspedal wechseln – nach dem sofort erfolgtem Motorstart drückt der Hecktriebler die Insassen fest in die  herrlich konturierten Aktiv-Multikontursitze (knapp 2.000 Euro Aufpreis) und lässt deren Grinsen angesichts der Fliehkräfte breiter werden als dies über die Nerven der Gesichtsmuskeln eigentlich angeregt wurde.

4,6 Sekunden lautet die Fabelzeit, die wir nicht nachgemessen haben, aber gerne glauben möchten. Erstaunlich: Zwar kippen die Insassen beim Kickdown unweigerlich nach hinten ab in eine neue Dimension des Vortriebs, doch der Wagen selbst setzt den Vollgasbefehl irgendwie gentlemenlike lässig um. Reifenquietschen, Ausbruchsversuche das Hecks? Zumindest auf trockener Straße sind derartige Reaktionen nur andeutungsweise wahrnehmbar. Die Regelelektronik hat den brodelnden V8-Vulkan fest im Griff, wirkt dabei allerdings nie lusthemmend und schiebt lediglich bei den üblichen 250 km/h einen finalen Riegel vor. Letzteres kann man nicht abstellen, doch wer gerne etwas mehr quer will, kann beim ESP selbstredend einen toleranteren Modus anwählen. Und selbst dann kommt die magische Riesenhand von oben und führt den Wagen trotz gelegentlicher Ausbruchsversuche sanft in die Spur zurück.

Immer noch gewichtiger Leichtbau

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Herrlich fulminant lässt der Motor den 1,8-Tonner auch bei Zwischensprints vorpreschen, hängt der Achtender zwar nicht ganz so feinnervig am Gas wie ein drehfreudiger Sauger, doch sorgt das zwischen 1.800 bis 3.500 Touren anliegende Brachial-Drehmoment von 700 Newtonmetern nach minimaler Gedenksekunde für allerheftigsten Schub. Untermalt wird dieser längsdynamische Gewaltausbruch von einem markigen Grummeln, welches allerdings nie einen ungehobelten, krachledernen Eindruck vermittelt. Das sportliche Ansinnen dieser Kraftmaschine bleibt weder Insassen noch Umwelt verborgen, doch sonst ist höchst entspannte, seidige und sehr gelassene Laufkultur angesagt.

Neben Leistungszuwachs und dem Aerodynamik-Feinschliff verhilft dem SL 500 übrigens noch eine deutliche Gewichtsreduzierung zu einer besseren Performance. Entscheidendes Element der Diät-Kur war eine komplett neue Karosserie, die zu fast 90 Prozent aus Aluminium und Magnesium besteht und bei der Stahl nur noch an strategisch wichtigen Punkten wie den A-Säulen zum Einsatz kommt. Bei der Rohbau-Karosserie wurde so das Gewicht um 110 auf 254 Kilogramm reduziert, insgesamt hat der SL 500 um 125 auf 1.785 Kilogramm abgespeckt.

Drei Fahrwerke stehen zur Wahl

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 500Nein, federleicht ist der SL damit weiterhin nicht und kann er nicht die Leichtbau-Magie des Ur-SL, dessen L im Namenskürzel ja für Leichtbau steht, transportieren, doch meint man bei flotteren Kurvenfahrten zu spüren, das hier weniger gefederte Massen als beim Vorgänger zum Kurvenäußeren drängen. Für mehr spielerische Leichtigkeit soll auch das neue Fahrwerk herhalten, das in seiner Standard-Ausführung sogar die Möglichkeit bietet, per Knopfdruck zwischen einer komfortablen oder sportlichen Abstimmung zu wählen. Doch egal ob sportlich oder komfortabel: Das Basis-Fahrwerk wird dem eigentlich sportlichen Versprechen eines SL nicht so wirklich gerecht als vielmehr dem angegrauten Ruheständler beim entspannten Ausflug zum Golfplatz, der übrigens auch mal viele Kilometer entfernt sein darf, denn ermüdungsfreier wie im SL wird man in kaum einen anderen Roadster reisen können.

Einen verbindlicheren und gelungeneren Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit bietet das überzeugendere ABC-Fahrwerk (rund 3.500 Euro Aufpreis). Auch hier lassen sich verschiedene Szenarien per Knopfdruck abrufen, wobei sowohl im Sport- als auch Komfortmodus die Federung feinfühliger arbeitet und einen besseren Kontakt zur Fahrbahn vermittelt und der SL insgesamt verbindlicher auf die Richtungsbefehle des Fahrers reagiert. Wer’s dann doch lieber noch ein wenig härter hätte, kann ebenfalls optional noch ein Sportfahrwerk als Teil des fast 7.000 Euro teuren AMG Sport-Pakets ordern, wobei dann ein wenig von der Gelassenheit des eigentlich ob seiner Gran-Turismo-Eigenschaften so beliebten SL auf der Strecke bleiben.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes-Benz SL
Version / Ausstattung   500
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   4.663 / V8-Twinturbobenziner
Leistung (kW / PS)   320 / 435
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   700 / 1.800 - 3.500
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Sieben-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.612 / 1.877 / 1.315
Radstand (mm)   2.585
Wendekreis (m)   11
Leergewicht (kg)   1.785
Kofferraum (Liter)   364 - 504
Bereifung Testwagen   255/40 R18 vorne, 285/35 R18 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,1
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   212 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   117.096,00
Empfohlene Extras   Active-Body-Control-Fahrwerk ABC (3.511 Euro), Magic Sky Glasdach (2.975 Euro)
 
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Stolze Preise

Wie eingangs angedeutet: Billig ist beim Mercedes SL ausgeschlossen. Allein das Basismodell SL 350 kostet schlappe 93.500 Euro, der SL 500 steht mit 117.000 Euro in der zudem sehr seitenreichen Preisliste. Viele der magischen Reize der Neuauflage verlangen beim Käufer trotz einer bereits sehr umfangreichen Grundausstattung nach zusätzlicher Investitionsbereitschaft und spült ein zauberhaft ausgestatteter Traum-SL locker weitere 30.000 Euro auf die Konten von Daimler. Vergleiche mit Wettbewerbern erübrigen sich da übrigens, denn wie ebenfalls schon eingangs erwähnt, spielt bei der Kaufentscheidung für einen SL die Ratio eine untergeordnete Rolle.

 
Fazit

Mario Hommen

Wenn schon, denn schon: Wer es sich leisten kann, kann sich mit dem Mercedes SL 500 ein Traumauto der besonderen Art zulegen. Dabei steht der erfrischend eigenständige, weiterhin unvergleichliche Roadster ganz in der Tradition seiner Vorgänger und bietet dabei noch eine Reihe von Optimierungen, die im Vergleich zu den Vorgängern neue Begehrlichkeiten wecken.

Die ganz großen Innovationen bleiben zwar aus, doch mit Leichtbau, Motordownsizing, deutlich mehr Effizienz bei deutlich mehr Power, magischem Glasdach und Scheibenwischern, dem besonders edlen Innenraum, Aerodynamik-Feinschliff, toller Audio-Akustik und dem ABC-Fahrwerk hat ein ikonenhaft verklärtes Traditionsmodell von Mercedes den Sprung in die Gegenwart in sehr eindrucksvoller Weise gemeistert. Ein bisschen Magie schwingt da mit.
 
 

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