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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 63 AMG

Erster Test: Mercedes-Benz SL 63 AMG

Kaschiermeister

11.05.2012

Es gibt Dinge, die anders sind als sie scheinen. Es gibt Autos, die sehen sehr schnell aus und sind tatsächlich doch etwas beleibt. Und es gibt welche, die agiler sind als man erwarten kann. Beides trifft auf den Mercedes SL 63 AMG zu: Er ist ein Meisterstück an Ingenieurskunst.

Ola Källenius, Chef von AMG, bezeichnet den offenen V8-Turbo-Cruiser als die ultimative Interpretation der Legende SL. Nach 60 Jahren feinster Sport-Cruiser ist der neueste SL die Basis für die Ausbaustufe AMG und die hat es in sich. 125 Kilogramm Gewicht wurden eingespart, der Verbrauch um 30 Prozent auf unter zehn Liter gesenkt.

Downsizing

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 63 AMGDas ist das Resultat von konsequentem Leichtbau in Verbindung mit Downsizing beim Motor: Statt eines 6,2-Liter Saugmotors kommt im "63" ein 5,5-Liter Turbo zum Einsatz. Nun ist Downsizing, also kleinerer Hubraum bei mindestens gleicher Leistung, kein Hexenwerk, auf der Strecke bleibt jedoch meist das Ansprechverhalten. Das ist bei Turbomotoren naturgemäß schlechter, als bei Saugern: Die Turbolader müssen über die Abgase erst Druck aufbauen, bevor sie diesen an den Ansaugtrakt zwecks Luftkompression und Leistungssteigerung weiter geben können. Turboloch nennt man das und es ist das wichtigste Argument für ein automatisiertes Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung.

Überraschender Turbo

Wir haben diesen Downsizing-Ansatz in der leistungsgesteigerten Variante des SL 63 AMG mit 564 statt 537 PS (und 900 statt 800 Newtonmeter Drehmoment) testen können. Und die erste Überraschung ist: Dieser Turbo hat kein Turboloch, er spricht spontan an, wie man das vom besten Sauger erwarten kann. Das Stichwort ist Impulsladedruck statt Abgasladedruck. Oder anders ausgedrückt: Garrett bietet die derzeit besten, weil effizientesten Turbolader am Markt und AMG weiß offensichtlich technische Briefings für die Garrett-Ingenieure zu formulieren.

Noch ein Trick

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 63 AMGDoch der ambitionierte Sportfahrer zückt möglicherweise ein zweites Argument gegen den SL: Gewichtseinsparung hin oder her, der Motor ist mittig auf der Vorderachse platziert, so etwas macht auch einen Hecktriebler kopflastig; Kurvenspaß ist so nicht zu machen. Doch zum zweiten Male ist man überrascht: Dank bremsinduziertem Torque-Vectoring erhält der schnellste SL eine durchaus leichtfüßige Hinterhand. Der Trick besteht darin, dass durch Bremsimpulse am kurveninneren Rad das Sperrdifferenzial angewiesen wird, mehr Kraft an das Rad an der Kurvenaußenseite zu leiten. Dieses hat mehr Traktion, bringt mehr Grip auf die Straße und bewirkt einen Eindreheffekt. Normalerweise würde also der frontlastige SL 63 AMG (52% des Fahrzeuggewichts liegen auf der Vorderachse) eher untersteuern, im forcierten Fahrbetrieb jedoch stellt sich ein agiler Kurvenräuber vor.

Feine Lenkung

Das Kurvenräubern wird nicht zuletzt durch eine überzeugend straffe, direkte jedoch nicht zu nervöse Lenkung realisiert. Die lineare Kennlinie ermöglicht ein präzises Einlenkverhalten und unterstützt auch eine betont sportliche Fahrweise. Und am Lenkrad platziert ist der Schlüssel zur nächsten Überraschung: Die Schaltwippen der AMG-Siebengang-Automatik.

Im Gegensatz zu den anderen 7-Gang-Automaten aus dem Hause Daimler-Benz, bietet die AMG Version durchaus Gangwechsel auf Befehl und mit kürzesten Schaltzeiten die nur im Zehntelsekundenbereich zu messen sind. Doch von der ersten Aktion am Paddel zum gefühlten Gangwechsel vergeht ein Moment zu lang, ein Wimpernschlag nur, doch in der schnellen Kurve ein Wimpernschlag zu viel: Während die Konkurrenz bereits auf den ersten hundertstel Millimetern einen Gangwechselimpuls einleitet, geschieht dies beim SL 63 AMG erst beim Anschlag, also am Ende des Schaltwippenweges.

Der letzte Kick

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 63 AMGAuch die in seiner Direktheit an ein Doppelkupplungsgetriebe erinnernden Gangwechsel selbst könnten, vor allem in den sportlicheren Schaltmodi, durchaus etwas ruppiger ausfallen, Porsche macht das so und auch AMG selbst, im SLS; dem SL 63 fehlt dieser letzte Biss. Den Komfortmodus beim Schalten jedoch beherrscht er wie wohl kaum ein zweiter.

Was wir nicht testen konnten, ist die auf 300 km/h limitierte Topspeed, die übrigens mit beiden Varianten machbar ist. Hintergrund ist der zu wahrende Respektabstand zum SLS.

Sympathisch, statt synthetisch

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SL 63 AMGDie mittlerweile vierte Überraschung ist das Fahrwerk. Basierend auf dem Active Body Control der Mercedes Modelle realisierten die AMG-Mannen das AMG Ride Control Sportfahrwerk, das einerseits ausgesprochen dynamische G-Kräfte realisieren hilft, die Karosserie um fünf Millimeter absenkt und wirksam Wankbewegungen entgegenwirkt. Ein befürchtetes synthetisches Fahrgefühl stellte sich nicht ein, das elektronisch geregelte Fahrwerk vermittelt, nicht zuletzt über die neu entwickelten Federbeine und steifere Querlenkerlager, einen direkten Kontakt zur Straße und verbindet Komfort und Sportlichkeit auf sehr überzeugende Art.

Den Umstand, dass Komfort nicht völlig ohne Gewicht zu haben ist, können auch die AMG-Ingenieure nicht wegzaubern. Bei einer beachtlichen Gewichtsreduktion von -125 Kilogramm bleiben immer noch 1.845 Kilogramm zu bewegen. Doch dies wirkt sich weder deutlich negativ auf die Agilität, noch auf den Verbrauch aus: Fahrleistungen und Normverbrauch lassen einen fast sprachlos.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

AMG Chef Ola Källenius sieht den SL 63 AMG als die Essenz hochklassiger Sport-Cruiser und betont die Fortschritte bei Leichtbau, Fahrdynamik und Effizienz. Sein Co-Chef Tobias Moers ergänzt:  "Er ist der stärkste und verbrauchsgünstigste Sportwagen in seinem Segement."

Nicht weniger als vier Überraschungen hatte der SL 63 AMG für uns parat. Er ist für sein Fahrzeuggewicht überraschend agil, trotz Frontmotor über der Vorderachse leichtfüßig in der Kurve, bei den realisierbaren Fahrleistungen überraschend verbrauchsarm und der Turbo reagiert spontan wie ein Sauger. Unter dem Strich liefert er eine beeindruckende Performance ab.

Bei knapp 160.000 Euro beginnt der überzeugende Fahrspaß. Die Optionsliste des SL 63 AMG ist, weniger überraschend, lang.
 
 

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