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Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black Series

Erster Test: Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black Series

Gestern und morgen

01.03.2013

Sie könnten unterschiedlicher nicht sein und sind sich gleichwohl so ähnlich: Der eine folgt dem alten Prinzip reinrassiger Sportwagen, der andere gewährt einen Blick in die Zukunft. Und doch vermitteln der Mercedes-Benz SLS AMG Black Series und E-Cell beide das gleiche: maximalen Fahrspaß.

Der Wind pfeift über das Land, heute Morgen schneite es noch. Jetzt ist es zum Glück wieder trocken, aber immer noch bitterkalt. Wir stehen in Mitten des Circuit Paul Ricard, einer Rennstrecke bei Le Castellet in der Provence. Genauer gesagt sind wir am West-Ende des fast sechs Kilometer langen Kurses. Auf dem abgesteckten Teilstück, mit acht von insgesamt einundzwanzig Kurven, heizen zwei 750-PS-Boliden um uns herum. Doch hören tun wir nichts.

Nichts als Ehrfurcht

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesDie beiden Renner, die hier Runde um Runde ihre Bahnen ziehen, sind Jan Feustels ganzer Stolz. Viele Jahre, viel Energie und vor allem viel Herzblut hat er als Projektleiter in die Entwicklung des Mercedes-Benz AMG SLS Electric Drive gesteckt, und präsentiert jetzt zu Recht mit Stolz das Ergebnis dieser Anstrengung, dessen nackte Zahlen allein schon Ehrfurcht einflössen können.  

Die vier Elektromotoren leisten zusammen 552 Kilowatt, das sind 750 PS, und entwickeln ein mordsmäßiges Drehmoment von 1.000 Newtonmeter. Mehr Power hatte noch kein Serien-Mercedes zuvor. Und teurer war auch noch keiner: 350.000 Euro nimmt Daimler für den bei AMG in Affalterbach gefertigten Hochspannungssportler - plus Mehrwertsteuer.

Vierfache Kraft

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesFür die Summe, die ein stattliches Häuschen hergeben würde, bekommt man einen Sportwagen der Superlative. Jedes Rad wird von einem eigenen E-Motor angetrieben, gespeist aus einem 60-Kilowattstunden-Akku, der in der Fahrzeugmitte in einem Karbongehäuse schlummert. Genau diese vier Motoren sind es, die den Elektro-SLS zum ersten Auto machen, welches tatsächlich über Torque Vectoring verfügt.  

Denn während dieser in jüngster Zeit häufig verwendete Begriff bisher immer bedeutet hat, dass an eines der Räder einer angetriebenen Achse mehr Kraft geht als ans andere - sei es durch Bremseingriffe oder ein Differential - ist erst der SLS in der Lage, für jedes Rad tatsächlich ein eigenes Drehmoment aufzubauen. Übrigens auch ein negatives; ein einzelner E-Motor kann auch als Generator arbeiten und die Drehbewegung des Rades umwandeln, während an der anderen Seite der E-Motor Kraft ans Rad schickt.

Unvergleichliche Fahrdynamik

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesWas diese Technik ermöglicht, kann sich jeder, der sich ein wenig mit Fahrphysik auskennt, ausmalen. Alle anderen müssen es ausprobieren, am besten auf einem Handlingkurs. Denn hier, in engen Kurven, spitzen Kehren und einem extra aufgebauten Hütchenslalom zeigt der Elektro-SLS, was Torque Vectoring in der Praxis bedeutet: noch nie dagewesene Fahrdynamik.

Beeinflussen kann der Fahrer die Unterstützung durch die Physik per Tastendruck. Im Normalmodus fährt sich der E-SLS kaum anders als seine konventionellen Brüder und schiebt ob seines Gewichts von deutlich über zwei Tonnen (mehr als 500 Kilogramm wiegt allein die Batterie) dezent über die Vorderachse. Schaltet man den Torque-Vectoring-Modus aber auf Angriff, wird der SLS zum reinrassigen Kurvenräuber, der nach der nächsten Biegung giert und sich auf der Geraden fast schon langweilt.

Blitzschnelle Wechsel

Gesteuert wird das Zauberwerk vor allem vom ESP, und sobald das erkennt, dass der Fahrer ums Eck will, gibt es vor allem mit den kurvenäußeren Rädern Gummi und da insbesondere mit dem Hinterrad. Das Ergebnis: ein phänomenales Einlenkverhalten. Der SLS stürzt sich mit unglaublichem Elan in die Kurve, wie ein Raubtier auf die Beute. Ein klein wenig gehen dabei die Pferdchen sogar mit ihm durch, was er mit einem kecken Heckschwung quittiert.

Allerdings ist der Stromer so gut kontrollierbar, dass man kein Profi sein muss, um ihn wiselflink um die Hütchen zu zirkeln: Blitzschnell jongliert die Elektronik im Slalom mit den Drehmomenten, links nachlegen, rechts abbauen und umgekehrt. Im ständigen Wechsel, so dass man der eigens dafür eingebauten Anzeige gar nicht folgen kann.

Volle Ladung

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesDass diese Gangart den Stromspeicher schnell leert, ist kein Geheimnis. Ein wenig Strom lässt sich immerhin mit der Rekuperation zurückgewinnen, die man über die Schaltpaddles steuern kann. Wer das trainiert hat, wird die mechanische Bremse nur noch selten verwenden. Um den Akku richtig voll zu bekommen, reicht die Rückgewinnung aber freilich nicht. Dafür muss der SLS an die Stromleitung, bei ziviler Fahrt soll das nach 250 Kilometern der Fall sein.

Wie lange das Aufladen dann dauert, hängt von der Stromquelle ab. Mit einer eigens dafür installierten Wallbox, die die Elektronen mit Hochspannung in die 864 Zellen der Batterie pumpt, soll es drei Stunden dauern. An der haushaltsüblichen Steckdose sollte man dagegen eher knapp einen Tag einplanen, bis der SLS wieder vollgetankt ist.

Voluminöser Fuel-to-Sound-Converter

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesDass Auftanken geht mit der zweiten SLS-Neuheit deutlich schneller. Rund fünf Minuten an der Zapfsäule und der Black Series ist wieder voll. Nicht mit Elektronen - nein, damit könnte der voluminöse Fuel-to-Sound-Converter gar nichts anfangen - sondern mit feinstem Sprit, den der V8 nicht nur in Kraft, sondern eben auch in brachialen Klang verwandelt. Allerdings wird der Kraftstoff bei ambitionierter Fahrt genauso schnell aufgebraucht, wie der Strom im E-Cell. Denn die 13,7 Liter Normverbrauch dürften die meisten Black-Series-Kunden wohl nur selten nachstellen können.

Schließlich ist dieser SLS auf höchste Fahrdynamik getrimmt. Er hat auf 1,55 Tonnen abgespeckt (minus 70 Kilogramm) und dafür bei der Leistung noch einmal zugelegt (plus 60 PS). 631 PS entwickelt der 6,2-Liter-Sauger, die gut dafür sind, in 3,6 Sekunden die Tempo-100-Grenze zu überschreiten und G-Kräfte zu erzeugen, die den Fahrer in die engen Schalensitze pressen und ihm ein Dauer-Grinsen ins Gesicht zeichnen; der E-Cell braucht übrigens drei Zehntel länger.

Auf Rundenzeiten optimiert

Galerie: Erster Test Mercedes-Benz SLS AMG E-Cell und Black SeriesDie Kur, die der Black Series gemacht hat, macht sich auf der Rennstrecke bemerkbar. Noch leichtfüßiger als der „normale“ SLS lässt sich der Flügeltürer bewegen, noch höher dreht Motor, noch schneller wechselt das Doppelkupplungsgetriebe die sieben Gänge. Dass der Benz dabei nicht die Bodenhaftung verliert, dafür sorgen ein großer Flügel und ein Diffusor, die ihn mit Nachdruck auf den Asphalt pressen.

So heftig, dass der der Rundenzeit so dienliche Abtrieb sogar die Vmax beeinflusst. Während der zivile SLS 317 km/h schafft, ist beim Black Series bei Tempo 315 Schluss. Auf der Rennstrecke freilich spielt das keine Rolle - und der langsamste in der Familie ist er damit auch nicht: Sein Elektro-Bruder darf aus Effizienzgründen nur 250 km/h fahren.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Im Vergleich zum E-Cell ist der Black Series ein Schnäppchen: Gerade mal 249.900 Euro werden für den durchtrainierten Sportler fällig. Welcher der beiden aber die bessere Wahl ist, lässt sich kaum beantworten.

Am besten, man hat genügend Geld übrig, um einfach beide zu nehmen.   
 
 

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