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Galerie: Erster Test Mercedes CL 600

Erster Test: Mercedes CL 600

Sternengleiter

11.09.2006

Eine Ausfahrt mit dem Mercedes CL ist immer etwas besonderes. Doch „fahren“ ist eigentlich noch untertrieben. Gleiten lautet die Devise des Stuttgarter Luxus-Coupés. Wir waren mit dem 5,07-Meter langen Viersitzer auf Mallorca unterwegs.

Mit 5,07 Meter Länge übertrifft der neue CL seinen Vorgänger um 75 Millimeter und verdient zu Recht die Bezeichnung großes Coupé. Diese sind seit 50 Jahren das Aushängeschild der Marke mit dem Stern.

Der selbstbewusste Auftritt des jüngsten Spross ist in Anbetracht dieses Status nur folgerichtig. Im Vergleich zu den weichen Formen seines Vorgängers wirkt der Neue deutlich markanter und aggressiver.

Klassische Merkmale

Galerie: Erster Test Mercedes CL 600Was ihn mit all seinen Ahnen verbindet ist die nach unten verjüngte C-Säule sowie die geschwungene, riesige Heckscheibe. Wie die üppigen Dimensionen vermuten lassen, stammt die Plattform für den CL von der S-Klasse. Von ihr hat er auch die ausgestellten Radkästen geerbt, die ihm die nötigen Muskeln verleihen.

Das Heck überrascht auf den ersten Blick. Die weit nach innen gezogenen Rückleuchten erinnern eher an britische Nobelkarossen, denn an Mercedes. Trotzdem: Sie stehen dem CL gut. Genau so wie die bullige Front mit den lang gestreckten Scheinwerfern.

Durch den Verzicht auf die B-Säule dominiert eine mächtige Fensterfront die Seitenansicht. Obwohl die Designer diese noch zusätzlich mit einer scharfen Kante unterhalb der Türgriffe betonen, wirkt der CL im Profil gar nicht so lang, wie er eigentlich ist. Agil und dynamisch tritt das Coupé auf.

Rundum-Sorglos-Paket

Galerie: Erster Test Mercedes CL 600Wie dynamisch das Coupé wirklich ist, hat uns ein CL 600 eindrucksvoll demonstriert. Für einen Preis von knapp 150.000 Euro bekommt der Kunde alles, was das Herz begehrt. Bis auf den radargesteuerten Tempomaten Distronic Plus, Nachtsichtassistent und TV-Empfänger ist alles serienmäßig, was sich sonst auf den Mercedes-Preislisten finden lässt.

Auch unter der Haube geht es großzügig zu. Der - abgesehen von den AMG-Aggregaten - stärkste im Programm sollte es sein. Und so warten 517 Pferde und 830 Newtonmeter maximales Drehmoment im V12 darauf, losgelassen zu werden. Ein einziges Wort genügt, um dieses Aggregat zu beschreiben: Souverän.

Voller Schub

Galerie: Erster Test Mercedes CL 600Der Motor schiebt den CL an, als wären seine 2.185 Kilogramm Leergewicht ein Schreibfehler im Datenblatt. Eindrucksvoll demonstriert er, was Elastizität bedeutet. Egal bei welcher Geschwindigkeit man aufs Gas tritt, man wird stets noch ein Stück tiefer in die komfortablen Sessel gedrückt. Die Fünfstufen-Automatik könnte allerdings eine Spur schneller reagieren.

Der Zwölfzylinder hält sich, ganz Gentleman, akustisch so dezent zurück, das man nach dem Druck auf den Startknopf besser einen Blick auf den Drehzahlmesser wirft, um zu sehen, ob er wirklich läuft. Mehr als 2.000 U/min sind selten nötig. Nur ein flotter Sprint lockt ihn dann doch an die 4.000er Marke, begleitet von einem angenehmen schnurren.

Wanken verboten

Die neuste Generation des Active Body Control-Fahrwerks (kurz ABC) verleiht dem CL eine für solch ein Schiff unglaublich gute Straßenlage. Das ausgeklügelte System lässt kaum Wank- oder Nickbewegungen zu. Selbst scharfe Kurven zwingen den komfortabel gefederten Mercedes nicht in die Knie.

Die alte Weisheit, dass Länge läuft, wird beim CL besonders deutlich. Das Flaggschiff mit einem Radstand von 2.955 Millimeter gleitet seelenruhig über die Autobahn und macht den CL damit zur perfekten Reiselimousine. Auch der Kofferraum ist mit 490 Liter Volumen diesem Anspruch gewachsen.

Bekanntes Interieur

Galerie: Erster Test Mercedes CL 600Komfort regiert den Innenraum. Durch die dicke Verglasung des Coupés dringen kaum Fahrgeräusche nach innen. Dort wird die Verwandtschaft zur S-Klasse deutlicher. Instrumententafel, Mittelkonsole und -tunnel, Schalter, Tasten und Hebel, ja quasi das gesamte Cockpit stammt aus der Luxuslimousine.

Keine Frage also, dass auch das Bedienkonzept Comand im CL Einzug gehalten hat. Leider hat es auch seine Tücken mitgebracht. Noch immer bleibt es ein Rätsel, warum man die Massagefunktion in drei Untermenüs verstecken muss. Früher tat’s eine Taste am Sitz.

K(l)eine Tücken

Galerie: Erster Test Mercedes CL 600Abgesehen davon bleibt wenig Anlass zur Kritik. Vielleicht, wie auch bei der S-Klasse, an den Fensterhebern. Mittlerweile sieht Mercedes ein, dass man ohne hinzusehen nur schwer den richtigen Taster in der breiten Armauflage der Tür erahnen kann. „Die Fensterheber waren ein Fehler“, gesteht Designer Hartmut Sinkwitz unumwunden. Doch schließlich braucht man ja potential für die Modellpflege.

Keine Veränderung bedürfen die beiden Integralsessel für Fahrer und Beifahrer. Mit den integrierten Gurten erleichtern sie zum einen den Einstieg zur für ein Coupé üppig ausgefallenen Rückbank. Zum anderen trägt das System zur Sicherheit bei, da der Gurt stets in der optimalen Position sitzt.

Sicherheit fährt mit

Sicherheit ist ein großer Aspekt. So verfügt der CL in Kombination mit der Distronic Plus über einen neu entwickelten Bremsassistenten. Erkennt das System einen drohenden Crash, baut es, quasi im Hintergrund, den maximalen Bremsdruck vorsorglich auf. Ein kleiner Tritt aufs Bremspedal löst diesen dann aus und die Bremsklötze fallen über die Scheibenbremsen her.

Noch einen Schritt weiter geht die neue Presafe-Bremse. 1,6 Sekunden vor einem Crash bremst sie den Wagen mit 40 Prozent der maximalen Kraft ab. So gibt sie dem Fahrer mehr Zeit zu reagieren oder verringert im unvermeidbaren Fall eines Unfalls die Aufprallenergie drastisch.

Fazit

Der Preis für den CL 600 ist happig, doch dafür bekommt man das beste Luxus-Coupé der Welt. Seine beiden Konkurrenten, Bentley Continental GT sowie Jaguar XK übertrifft der CL in fast allen Wertungen. Und wer rund 45.000 Euro sparen möchte, kann zum CL 500 greifen. Mit 388 PS aus acht Zylindern macht auch der kleine CL eine gute Figur.

 
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