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Galerie: Erster Test Mercedes CLS 63 AMG

Erster Test: Mercedes CLS 63 AMG

Nur keine Eile

17.01.2011

Auf der Autoshow im tief verschneiten Detroit hielt sich Mercedes in Sachen Neuheiten mit dem C-Klasse Facelift und der Zusage zur Serienproduktion des Elektro-SLS weitestgehend zurück. Doch fünf Flugstunden westwärts steht in San Diego der CLS 63 AMG zur ersten Testfahrt des Jahres bereit. Und überzeugt uns davon, dass man mit einem Spitzensportler nicht nur heizen, sondern auch ganz entspannt cruisen kann.  

Kalifornische Sonne und 20 Grad hin oder her, die USA sind mit ihren restriktiven Tempolimits nicht wirklich prädestiniert für die Präsentation eines 525 PS starken Sportwagens; doch setzt Mercedes in den Vereinigten Staaten die meisten AMG-Modelle ab. Und während auf deutschen Autobahnen mitunter gerne sinn- und kopflos geheizt wird, reicht es dem Amerikaner zu wissen, dass er schier grenzenlose Kraft unter der Haube hat. Ramp-Performance ist das Stichwort, also die Fähigkeit, die Highway-Auffahrt hinauf zu preschen und als erster die erlaubten 65 Meilen pro Stunde auf dem Tacho zu haben. Um danach wieder gemütlich dahin zu gleiten – eine Disziplin, die der CLS vorbildlich beherrscht.

Sparsam - auf dem Papier

Galerie: Erster Test Mercedes CLS 63 AMGHätten wir in Deutschland ähnlich streng reglementierte Geschwindigkeitsbeschränkungen, so wären sicher auch die Praxisverbräuche nicht teils exorbitant höher als die Normangaben; schließlich wird bei der EU-Zyklus-Messung auf dem Prüfstand auch ganz manierlich gerollt. 32 Prozent weniger Benzin verbrennt der neue CLS 63 AMG gegenüber seinem Vorgänger in diesem Verfahren und bleibt sogar ganz knapp unter der magischen Zehn-Liter-Marke; nach alemannischer Gangart darf aber wohl weiterhin mit 15 bis 20 Litern auf 100 Kilometer gerechnet werden.       

Hauptgrund für den geringeren Konsum ist der neuentwickelte AMG-Acht-Zylinder, der dem Downsizing-Konzept folgend nur noch 5,5 statt etwas mehr als 6,2 Liter Hubraum hat, dafür aber von zwei Turboladern zwangsbeatmet wird. Genau diese beiden Abgas-Turbinen dürften allerdings schuld sein an den hohen Realverbräuchen bei flotter Gangart – kurzum: Turbo läuft, Turbo säuft.

K(l)eine Verzögerung

Galerie: Erster Test Mercedes CLS 63 AMGUnd noch etwas darf den beiden Schaufelrädern angekreidet werden: Wie schon in der S-Klasse und dem Luxus-Coupé CL, die als 63 AMG ebenfalls von dem neuen Triebwerk befeuert werden, vermisst man auch beim CLS den spontanen, unmittelbaren Antritt des Vorgänger-Saugmotors, der einer Turbo-Gedenksekunde zum Opfer gefallen ist.

Ist dieser Moment der Ruhe vor dem Sturm verstrichen, prescht der CLS 63 AMG freilich nach vorne als gäbe es kein Morgen mehr und reißt nach nur 4,4 Sekunden die 100-km/h-Latte. Lässt man ihm freien Lauf, marschiert er weiter, bis ihm der elektronische Begrenzer bei Tempo 250 jäh Einhalt gebietet. Und trotzdem: Die winzige Verzögerung, bis der Tritt aufs Gaspedal umgesetzt wird, lässt sich nun mal nicht wegdiskutieren; sei es beim Kavalierstart oder beim Zwischensprint. Da kann auch der tief dröhnende Klang aus vier Endrohren nicht drüber hinwegtäuschen, der zwar mit dem uramerikanischen Acht-Zylinder-Blubbern nicht mithalten kann, dafür aber tief dröhnend eindeutig von der Kraft des CLS zeugt.

Auf höchstem Niveau

Galerie: Erster Test Mercedes CLS 63 AMGDass wir hier auf höchstem Niveau jammern, dürfte nicht nur denen klar sein, die mit ihrem Ein-Liter-Drei-Zylinder-Kleinwagen verzweifelt versuchen, von der Stelle zu kommen und die zur Messung des Standardsprints statt einer Stoppuhr auch einen Kalender bemühen könnten. Doch bleiben nur diese Lappalien, die an einem quasi perfekten Auto moniert werden können. Das ist der CLS 63 AMG zweifelsohne, und das darf bei einem Preis von rund 115.000 Euro auch erwartet werden. Und schließlich sind wir ja auch zum Cruisen in Kalifornien, und nicht, um Bestzeiten einzufahren.

Damit auch jeder sieht, dass hier der Gegenwert einer Eigentumswohnung investiert wurde, haben die Designer dem eleganten Vier-Türer eine martialischere Optik verpasst, die sich vom Serienkleid durch bullige Schürzen, breite Reifen, Voll-LED-Scheinwerfer und Diffusor unterscheidet. Wer den Kaufvertrag zeitnah unterschreibt, kann sich die Edition 1 sichern, dann rollt der CLS noch auffälliger in der Mattfarbe Manganitgrau vor und die Passagiere nehmen auf Designo-Ledersitzen in einem mit reichlich Alcantara ausgeschlagenen Interieur Platz. Doch auch die nicht Editions-Modelle verwöhnen Fahrer und Gäste mit reichlich Luxus, feinsten Materialien und bester Verarbeitung.

Wahlmöglichkeiten

Galerie: Erster Test Mercedes CLS 63 AMGDamit die enorme Leistung auch bestmöglich in Fahrdynamik umgesetzt werden kann, wurde die Vorderachse modifiziert und die Spur für mehr Stabilität um 24 Millimeter verbreitert. Vorne kommen Stahlfedern zum Einsatz, an der Hinterachse eine variable Luftfederung; per Knopfdruck kann der Fahrer zwischen drei Fahrwerksmodi wählen. Allerdings: Auch wenn Mercedes zur Cruising-Testfahrt ludt, ein alle Unebenheiten neutralisierender Gleiter wird der AMG-CLS auch im Komfort-Modus nicht. Dafür lässt sich mit ihm höchstpräzise um die Kurve zirkeln und folgt der Wagen unverzüglich jeder Bewegung des dicken, belederten Lenkrads.

Die 700 Newtonmeter Drehmoment – mit Performance Package sind es übrigens 800 Newtonmeter und sogar 557 PS, was dem Fahrer aber lediglich einen psychologischen Vorsprung bringt – werden von der bekannten Sieben-Gang-Sportautomatik – erstmals mit neu gestaltetem Wählhebel – verwaltet, deren Manier der Fahrer ebenfalls in mehreren Stufen beeinflussen kann. Vom sanften Schalten bis zum harten Gangwechsel mit Zwischengas ist alles dabei. Außerdem beherrscht das AMG Speedshift MCT genannte Getriebe sowohl den Race-Start, also die Möglichkeit maximaler Beschleunigung, wie auch die Stopp-Start-Technik. Während der Rennstart allerdings gut zum CLS 63 AMG passt, wirkt das Abschalten des Motors bei einem Boliden wie diesem eher befremdlich. Immerhin lässt sich diese Funktion auch deaktivieren.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes CLS 63 AMG
     
Motor    
Hubraum (Kubikzentimeter / Bauart)   5.461 / V8, Bi-Turbo
Leistung (kW (PS) / U/min)   386 (535) / 5.250
Drehmoment (Nm / U/min)   700 / 1.750 - 5.000
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   7-Gang-Sportautomatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.996 / 1.881 / 1.406
Radstand (mm)   2.874
Wendekreis (m)   11,3
Leergewicht  (kg)   1870
Kofferraum (Liter)   545
Bereifung Testwagen   vorne: 255/35 R 19, hinten: 285/30 R !9
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   213 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k. A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,4
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250 (abgeregelt)
Preise    
ab (Euro)   115.846,50
Ausgewählte Extras (Euro)   Performance-Package (7.735 Euro)
 
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Fazit

Vielleicht sind es ja diese vielen Einstellmöglichkeiten von Fahrwerk, Automatik und Gaspedalkennlinie, die wahren Sportwagenpuristen den CLS 63 AMG verleiden. Doch machen sie den Straßenrenner auch zum Rund-um-glücklich-Auto, mit dem man auch die Kinder von der Schule abholen oder die Oma zum Kaffekränzchen fahren kann, ohne dass sie einen Bandscheibenvorfall davon trägt. Und ist diese Alltagstauglichkeit bei aller Leistung, Präzision und der Möglichkeit zu formidablen Rundenzeiten auf der Nordschleife nicht eine schöne Dreingabe, für 115.000 Euro?

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