Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDI

Erster Test: Mercedes GL 420 CDI

Darf's ein wenig mehr sein?

27.06.2006

Weshalb man ein Auto unbedingt auf Island vorstellen muss wird denjenigen niemals einleuchten, die noch nicht dort waren. Allen anderen wird schnell klar, dass ein Auto wie der neue Mercedes GL eigentlich nur auf einer Vulkaninsel am Polarkreis präsentiert werden kann.

Aktive Vulkane stehen überall, dampfende Quellen und ein latenter Schwefelgeruch in der Luft verstärken die Unwirtlichkeit dieses Wikinger-Vorpostens. Hier führte einst die männermordende Brunhilde ihr Regiment und Thor höchst selbst scheint auf jedem zweiten Berg ein Wochenendhaus zu haben.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIIn der endlosen Weite der Geröllfelder und Basalt-Halden, die nur durch rauschende Gletscherbäche oder kilometerlange Schotterpisten miteinander verbunden sind, fühlt man sich als Mensch ganz schnell ganz klein - mit Hut.

Beruhigungsfaktor

Auf so einer Feuer-Insel ist es dann doch beruhigend, ein Fünf-Meter-Auto mit Permanent-Allrad zu haben. Noch dazu mit höhenverstellbarem Fahrwerk, grobstolligen Geländereifen und einem 300 PS Diesel unter der Haube, der mit seinen acht Zylindern jederzeit und ansatzlos die Fuhre durch Thors Gärten powert.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIDoch nicht nur die natürliche Umgebung Islands spielt ins Kalkül der Mercedes-Mannen, hier ihr neuestes Dickschiff zu präsentieren. Auch die typischen Geländewagen auf der Insel sprengen den üblichen Rahmen und lassen den GL vergleichsweise zierlich wirken - Björns 400 PS Ford Excursion ist hier noch nicht einmal der größte.

Der M-Van

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDINeben dem 30 Zentimeter kürzeren und 235 Kilo leichteren ML dagegen wirkt der GL vor allem durch sein kantiges Heck eher wie ein Kleinbus oder eine (groß geratene) Kombiversion.

Genau das ist der GL: eine aufgeblasene M-Klasse. Cockpit und Innenraummaße vorne entsprechen exakt dem ML, ab Reihe zwei findet sich mehr Platz dank längerer Karosserie und größerem Radstand. Die dritte Reihe mit zwei elektrisch versenkbaren Sondersitzen gibt es nur im GL.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIUnser Testwagen hat so ziemlich alles an Bord, was die Aufpreisliste hergibt: Belüftete Ledersessel, Navisystem, Keyless-Go, Klimaanlage im Fond, Xenonlicht und so weiter. Lediglich das Navi kann uns mangels digitalisierter Karten auf Island nicht weiterhelfen.

Offroad-Reisebus

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIDer Rest des Autos also verspricht - in Verbindung mit dem gut drei Meter messenden Radstand - ermüdungsfreies Abspulen hunderter Kilometer Schotterstrecken, die trotz moderater Geschwindigkeiten zwischen 60 und 80 km/h viel Konzentration erfordern.

Sitz und Lenkrad im GL lassen sich perfekt einstellen, die Unübersichtlichkeit der großen Karosserie ist dank Parksensoren verschmerzbar. Der durch das Spiegeldreieck teilweise verdeckte rechte Außenspiegel könnte allerdings gerne etwas größer ausfallen.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIPassagiere der zweiten Sitzreihe finden einen ordentlichen Beinraum vor, der Zustieg zu Reihe drei erfolgt nach Umlegen der jeweiligen Außensitze der mittleren Reihe. Auf den billigen Plätzen sitzt man zwar nicht wie ein Tollpatsch, doch die Reisetauglichkeit ist hier für Erwachsene eingeschränkt.

Flinker Riese

Trotz seiner Ausmaße ist der GL erstaunlich behände zu fahren und weiß mit einem vergleichsweise kleinen Wendekreis von zwölf Metern zu gefallen.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIDer von uns getestete, brandneue V8-Diesel im 420 CDI ist mit 306 PS die goldene Mitte im Motorenangebot für den GL. Die Einstiegsvariante stellt der sechszylindrige 320 CDI (224), als Benziner stehen ausschließlich V8-Motoren zur Wahl (GL 450 mit 340 PS und GL 500 mit 388 PS ab 78.000,- beziehungsweise 86.000,- Euro). Der 3,5-Liter-V6 spielt in dieser Fahrzeugkategorie laut Mercedes weder in Amerika noch in Europa eine Rolle und wird daher nicht im GL angeboten.

Antrittstark

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIDer permanente Allradantrieb 4-Matic ist ebenso aus dem ML bekannt wie die dort optionale Luftfederung. Auch das Offroadpaket mit Geländeuntersetzung, bis zu 30 Zentimeter Bodenfreiheit und sperrbaren Differentialen für Verteilergetriebe und Hinterachse gibt es in beiden Modellen. Im GL ist diese Technologie serienmäßig verbaut.

Bei flotter Überlandfahrt und auf Schotterstrecken bewährt sich die Komfortstellung der Luftkissen-Federung. Seidenweich schnürt der 2,5 Tonner dann an den isländischen Steinmännchen entlang, lässt seine Passagiere schwebend über jedwede Art von Straße gleiten und dabei kaum das etwas lautere Abrollgeräusch der 275er Geländestollen vernehmen.

Fahrwerk ist Einstellungssache

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIDie Sportstellung der Dämpfer kann man dagegen getrost vergessen: Die damit zu erreichende, sportliche Verbindlichkeit des Fahrwerks fördert zwar das präzise Lenkverhalten, widerspricht jedoch dem Charakter des Wagens.

Auch der Motor liebt das unauffällige Säuseln. Zwar kann er brutal zuschlagen und den GL in weniger als acht Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen. Doch nimmt man diese Möglichkeit eigentlich nur für unvermeidliche Überholmanöver wahr und freut sich ansonsten an den sanften Gangwechseln der 7-Gang Automatik.

V8 mit Bumms

Ansonsten gefällt der V8 durch unauffälligen Schub und Abwesenheit im akustischen Sektor. Schade nur, dass zwischen Bummeln und Brachialbeschleunigung ein deutlicher Druckpunkt im Gaspedal fehlt. Möchte man also untertourig und souverän das hohe Drehmoment ausnutzen, gelangt man unwillkürlich in den Kick-Down Modus der eher basisdemokratisch schaltenden Automatik. Im manuellen Modus scheint sie die Schaltpunktvorgaben des Fahrers nur als unverbindliche Vorschläge zu empfinden und legt die Schaltzeitpunkte nach Gutdünken fest.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIWas das Fahrwerk auf grobem Geläuf und in heftigen Felspassagen zu meistern in der Lage ist, wird kaum einer der GL-Kunden auszunutzen bereit sein. Da kann man es verschmerzen, dass die serienmäßige Automatik in üblen Felsverwerfungen nicht des Puristen erste Wahl wäre, ganz zu schweigen vom beachtlichen Leergewicht des GL.

Fazit

Am Ende des Tages ist der GL eine große M-Klasse, doch als eine Einschränkung darf man das nicht verstehen. Denn das faszinierende bei beiden Autos ist der Moment, wenn man einen halben Meter tiefen Bach durchquert, eine 40-Grad Geröllstrecke bewältigt und sonstiges herumstehendes Gelände gemeistert hat - um danach auf die Autobahn einzubiegen und mit 180 Sachen entspannt gen Heimat zu brausen. Das machen dem GL nur ganz wenige nach.

Laut Mercedes gibt es in Europa auch nur einen ausgemachten Konkurrenten: den Range Rover (in Kürze ebenfalls mit neuem V8-Diesel). Doch auch im deutschen Angebot steht noch einer parat: Der Audi Q7. Der GL platziert sich mit ausgewogenen Stärken im Gelände und auf der Straße zwischen diesen beiden.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDIAlles keine Schnäppchen, die da im feinen Segment der Luxus-SUV angeboten werden. Da macht der GL erwartungsgemäß keine Ausnahme. Der Mercedes Kunde und seine Bank müssen mit einem Einstiegspreis von rund 64.000 Euro für den GL 320 CDI umzugehen wissen. Der von uns getestete GL 420 CDI steht ab cirka 80.000 Euro in der Liste.

Wenn Mercedes nun auch noch - statt der montierten 19-Zoll Bereifung - mindestens 35-Zoll Gummis für den GL offerierte, dann hätte er auch im SUV-vernarrten Island eine echte Chance. Aber ob Björn für einen voll inseltauglichen GL seinen 400-PS-Excursion in Zahlung geben würde, wage ich dennoch zu bezweifeln.

Galerie: Erster Test Mercedes GL 420 CDI

 
3
40

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

AutoWelten

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.