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Galerie: Erster Test Mercedes GL

Erster Test: Mercedes GL

"S" geht ins Gelände

14.03.2006

Mercedes bringt neben dem sportlich positionierten ML und dem unersetzlichen Alleskönner G-Klasse nun einen dritten großen Geländewagen. Im September kommt die GL-Klasse auf den heimischen Markt, schon im Juni startet das Full-Size-SUV in den USA. Dort konnten wir bereits erste Fahreindrücke sammeln.

San Francisco, Hotel Four Seasons, 7.30 Uhr: Zwei Motorrad-Cops brechen mit Blaulicht aus der Tiefgaragen-Ausfahrt und stoppen den Verkehr. Langsam rollen wir mit unserem GL auf die Straße. Was für ein Auftritt! Kein Wunder, dass die Leute auf den Wagen glotzen, als säßen vier nackte Mädels auf dem Dach. Doch auch ohne Polizei-Eskorte - und weiterhin ohne nackte Mädels - sorgt der neue Stern unter den Geländewagen für den einen und anderen verrenkten Hals. 5,09 Meter lang, 1,92 Meter breit und im niedrigsten Fahrwerksniveau bereits 1,84 Meter hoch ist dieser Mercedes selbst für amerikanische Verhältnisse wirklich „big“.

Galerie: Erster Test Mercedes GLDas Design unterstreicht den King Size-Anspruch: Kantige Front, gerade Linien, wuchtige Radhäuser, riesige Räder und jede Menge Chrom lassen ihn stattlich und souverän erscheinen. Als Zierde für Rap-Videos taugt er nicht, dazu ist er zu gediegen, fehlt ihm der Proll-Faktor. Gut so, schließlich hat der GL eine andere Zielgruppe: Menschen, denen ein ML schlicht zu klein ist. Ja, solche Leute gibt es. Vor allem in den USA „müssen“ immer mehr Muttis nicht nur die eigenen Kinder, sondern auch deren Freunde zur Schule oder ins Training fahren. Eine dritte Sitzbank ist damit unerlässlich, für den ML jedoch nicht zu haben.

Der GL hat diese zusätzlichen zwei Sitze. Erwachsene werden darauf auf Dauer zwar nach wie vor nicht glücklich werden, doch bieten Sitz 6 und 7 im GL durchaus mehr Komfort als die der (auch in Europa erhältlichen) direkten Konkurrenten Audi Q7, Land Rover Discovery oder Jeep Commander.

Auf Knopfdruck flach legen

Galerie: Erster Test Mercedes GLWird die dritte Sitzreihe nicht benötigt, reicht ein Knopfdruck und die Hocker verschwinden eben im Boden. Für fünf Passagiere ist das Raumangebot einfach gigantisch, ebenso der Kofferraum: 1.240 Liter Ladevolumen. Wird die zweite Reihe ebenfalls umgeklappt, steigt die maximale Ladeleistung auf 2.300 Liter. Und selbst in der Siebensitzer-Konfiguration passen noch 300 Liter hinter die dritte Bank. Müßig zu erwähnen, dass der komplette Innenraum bis hinten zum Kofferraumdeckel mit edlen Materialien ausgekleidet ist. Das Interieur-Design, insbesondere das Cockpit, erinnert stark an den ML.

Die Verwandtschaft zum kleineren Kraxler ist plattformbedingt ohnehin näher, als es die äußere Hülle vermuten lässt. Und ähnlich wie bei der ML-Klasse verspricht Mercedes auch beim GL sowohl hohe Straßen- wie Geländetauglichkeit - dank selbsttragender Karosserie, permanentem Allradantrieb 4Matic und allerlei elektronischer Fahrunterstützer.

Galerie: Erster Test Mercedes GLDas Thema Agilität halten wir in diesem ersten Fahrbericht einmal getrost kurz. Fahrwerk wie Lenkung entsprechen in der US-Ausführung nicht dem, was im Herbst nach Europa rollen wird. Zum Glück, denn in der Ami-Ausführung erinnert der GL an einen Ozeanriesen, wechselt behäbig die Richtung und schaukelt auf welliger Fahrbahn gemächlich vor sich hin. Hierzulande unvorstellbar, passt dies hervorragend zu den Verhältnissen jenseits des großen Teichs. Mit maximal 65 Meilen pro Stunde, also etwas über 100 km/h, stur geradeaus - da braucht es keine sportliche Abstimmung.

Und selbst auf kurvigen Strecken wie etwa entlang des berühmten Highway No.1 und im weinbergigen Napa Valley ist man angesichts des mitunter miesen Zustands der Straßen froh sanftes Wippen. Zur Seite neigt sich der GL dagegen - kaum das serienmäßige adaptive Dampfungssystem wirkt Wankbewegungen erfolgreich entgegen. Was stört, und daran wird sich bis zur Europapremiere nichts mehr ändern, sind die zu kleinen Außenspiegel. Zumal der rechte Rücksichtgeber auch noch von der A-Säule beschnitten wird.

Hubraum-Offensive

Galerie: Erster Test Mercedes GLAntriebsseitig werden im Herbst zwei Diesel (GL 320 CDI mit V6 und 224 PS; GL 420 CDI mit neuem V8 und 306 PS) und zwei Benziner angeboten. Topmodell ist der GL 500 mit 388 PS starkem 5,5-Liter-V8, darunter angesiedelt der neue GL 450. Hier ergeben die acht Töpfe zusammen 4,6 Liter Hubraum und 340 PS. Das maximale Drehmoment von 460 Newtonmeter steht im breiten Drehzahlspektrum von 2.700 bis 5.000 Touren bereit. So fährt sich der sehr kultivierte Achtzylinder auch höchst souverän. Vergleichsweise selten greift die in anderen Modellen eher hektische 7-G-Tronic ein, um kaum spürbar einen Gang herunter zu schalten.

Galerie: Erster Test Mercedes GLTritt man das Gaspedal voll durch, reißt der V8 ordentlich an und wuchtet die 2,4 Tonnen Blech in 7,6 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Mercedes mit 235 km/h an, den Durchschnittsverbrauch mit 13,4 Litern Super - an sich ist das nicht wenig, im Vergleich zu den Kontrahenten in dieser Klasse aber unerreicht gering. In die Höhe treibt man Spritkonsum naturgegeben im Gelände.

Ja, im Gelände. Auch wenn sich der GL auf der Straße komfortabel gibt wie eine S-Klasse, ist er durchaus für den anspruchsvolleren Offroad-Einsatz geeignet. Serienmäßig verfügt er über ein Untersetzungsgetriebe und 100-Prozent- Sperren für das Mitten- und Hinterachsdifferenzial. Die Luftfederung erlaubt verschiedene Modi, voll hochgepumpt beträgt die Bodenfreiheit über 30 Zentimeter. Mit einer Steigfähigkeit von 100 Prozent und einer Wattiefe von 60 Zentimeter kommt der GL in der Theorie fast überall hin. Dass in der Praxis eher die Reifen denn die Technik die Grenzen stecken, ließ unser Abstecher auf verschlammte Feldwege in den kalifornischen Weinbergen erahnen.

Fazit

Galerie: Erster Test Mercedes GLBig, bigger, Mercedes GL. Das neue Fullsize-SUV ist die S-Klasse unter den wirklich großen Geländewagen, bietet Platz in Hülle und Fülle, herausragenden Komfort und ein standesgemäßes Auftreten. Die indirekte Lenkung und das leicht wippende Fahrwerk wollen die US-Kunden so. Europäer können damit wenig anfangen, weshalb Mercedes hier auch straffere Abstimmungen ankündigt. Ob das gelingt, darüber klären wir Sie im Juni auf.

Preislich ist der GL ebenfalls auf S-Klasse-Niveau, also mitunter deutlich teurer als die Konkurrenz - und gut 14.000 Euro über der ML-Klasse angesiedelt. Los geht es bei 63.684 Euro für den GL 320 CDI. Der neue V8-Diesel wird ab 79.460 Euro angeboten, der von uns gefahrene 450er-Benziner kommt auf mindestens 77.604 Euro und das Topmodell GL 500 startet bei 85.898 Euro.

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