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Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)

Erster Test: Mercedes R-Klasse (US-Version)

Double Cheese XL

20.07.2005

In Amerika hat man's lieber etwas üppiger. Vor allem bei Autos. Folgerichtig wird die für den amerikanischen Markt konzipierte R-Klasse von Mercedes dort auch mit einem extra-langen Radstand verkauft. Auch sonst ist einiges an der US-Version anders. Was bei uns als Hamburger verkauft wird, ist in den USA eben ein extragroßer Double-Cheeseburger.

Bevor wir uns im Oktober der schlanken Europa-Version zuwenden können, soll uns die weichere US-Schwester ihre Tugenden enthüllen. Bei ihr fallen die Stabilisatoren schlanker aus, das Fahrwerk ist weniger straff gedämpft und die Servolenkung leichtgängiger. Außerdem standen uns ausschließlich die für den US-Markt relevanten Benziner R 350 (3,5-Liter V6, 272 PS) und R 500 (5-Liter V8, 306 PS) für Tests zur Verfügung. Der in Deutschland wichtigste Motor im R 320 CDI (3-Liter V6 Commonrail-Diesel, 224 PS) wird in den USA zunächst nicht angeboten.

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Die Serienversion des R ist seit dem Genfer Salon bekannt, doch in Wirklichkeit und außerhalb einer Messehalle wirkt er ganz anders. Trotz seiner über fünf Meter Außenlänge wirkt der R nicht massig, vor allem nicht protzig. Die Mercedes-Designer haben einen hervorragenden Job gemacht, die Größe eines Riesen-Autos effektiv zu kaschieren.

Der Langstrecken-Express wirkt sehr elegant, vor allem in der Seitenansicht: Die nach hinten abfallende Dachlinie und die langen Fensterflächen strecken den Wagen vom Van zur Limousine. Von hinten betrachtet wirkt der neue R sehr breit und entschlossen, auch die Rückleuchten mit den runden Elementen fügen sich harmonisch in die elegante Linie ein. Einzig die Frontansicht kommt wegen der Kulleraugenscheinwerfer und der kurzen Fronthauben-Stupsnase eher etwas unbekümmert und harmlos daher.

Groß und zügig

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Die schiere Größe der von Mercedes neu interpretierten Limousine kommt voll den Insassen zu Gute: Mit 3,2 Metern Radstand bietet der R Platzverhältnisse wie in der Business-Class und das "in drei Sitzreihen - und alles Fensterplätze!", wie die Mercedes Mannen nicht müde werden zu betonen.

Tatsächlich ist das Raumgefühl in den bequemen Einzelsitzen in Zweierreihe luxuriös. Lediglich die hinterste Reihe ist eher als eine Option auf sechs Passagiere zu betrachten, allein schon wegen des etwas kniffeligen Zustiegs.

Der Laderaum erreicht dann auch nur ein Volumen von etwas über 300 Liter, was für etwa drei kleinere Reisetaschen und ebenso viele Handtaschen reicht. In Vierer-Konfiguration sind es schon gut 600 Liter (bis Unterkante Fenster) beziehungsweise 1067 Liter nach VDA, um ganz genau zu sein. Werden alle vier hinteren Sitze umgeklappt, entsteht ein respektabler, 2.400 Liter messender Stauraum.

Business-Class

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Auch Fahrer und Beifahrer sitzen Business. Allein die weit nach hinten gezogene Frontscheibe trübt das Raumgefühl - zwar nicht optisch, denn den Dachholm sieht man nicht - aber haptisch, wenn bei aufrechter Sitzposition schon mal Kopfkontakt zu diesem Bauteil hergestellt wird.

Der Armaturenträger ist Mercedes-typisch solide geraten. Die hängende Mittelkonsole erinnert noch an die erste M-Klasse, ist jedoch mittlerweile zum Erkennungszeichen der Sportstourer und der A-Klasse avanciert. Lenkrad, Tachoskalen und Gestaltung des wählhebelfreien Getriebetunnels lehnen sich an die neue M-Klasse an.

Dass der Kopfraum auf allen Plätzen unserer Testautos nicht First-Class war, lag am beeindruckenden Panorama-Sonnendach. Es ist zweigeteilt, bietet eine lichtdurchlässige Fläche von 1,2 Quadratmetern und dehnt sich bis weit hinter die mittlere Sitzreihe aus. Beide Rauchglashälften lassen sich durch ein elektrisch bedienbares Sonnenrollo abdunkeln, die vordere lässt sich aufstellen und schiebt sich bei Bedarf komplett nach hinten. Windabweiser und Glasdach sind dabei aerodynamisch derart ausgefeilt, dass selbst bei Tempo 130 keine störenden Windgeräusche zu vernehmen sind und die vorderen Passagiere absolut zugfrei sitzen.

Kraftvoller Auftritt 

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Motorisch stehen R 350 und R 500 sehr gut im Futter. Beide Motoren haben wir mit dem gleichen 7-stufigen Automatik-Getriebe (7G-Tronic) auch schon in der M-Klasse gefahren und waren vom Leistungspotenzial dieser Triebwerke voll überzeugt gerade der M 500 mit über 300 PS schien uns fast schon übermotorisiert. Die R-Klasse teilt sich neben Motoren und Getriebe auch viele Fahrwerkskomponenten mit dem M, weshalb wir entsprechend beeindruckende Fahrwerte erwarteten.

Doch nichts da. Der 270 PS starke V6-Benziner muss gehörig und bis über 5.000 Touren drehen um die gegenüber der M-Klasse bis zu 250 Kilo schwerere Fuhre zum Überholen animieren zu können. Die V-Motoren kommen irgendwie nicht aus dem Knick, was an der anderen Gaspedalkennlinie liegt, die im M spürbar agressiver eingestellt ist.

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Zwar sind die erreichbaren Geschwindigkeiten von R 350 und R 500 an sich beeindruckend (0-100 km/h in 8,4 bzw. 7,0 Sekunden, 230 bzw. 245 km/h Spitze). Doch werden sie eher unspektakulär erreicht, wodurch sich der R eindeutig zum gelassenen Cruisen empfiehlt. Die für flotte Beschleunigung notwendigen hohen Drehzahlen passen jedoch nicht zum sonst so souveränen Auftritt des R.

Dem Faible für die gepflegte Gangart sehen sich auch Lenkung und Fahrwerksauslegung verpflichtet: Neben der sehr leichtgängigen und dadurch teigig-wirkenden Lenkung und der weichen Dämpferabstimmung fehlt es dem R an zackiger Kurvenpräzision - wenn auch der permanente Allradantrieb sehr hohe Kurventempi selbst bei Platzregen ermöglicht. Obendrein sind die Achsstabilisatoren deutlich schmächtiger ausgefallen, so dass die gesamte Karosserie sich in Kurven ordentlich zur Seiten neigt.

Fazit

Galerie: Erster Test Mercedes R-Klasse (US-Version)Im ersten Kontakt mit der neuen Mercedes R-Klasse haben wir mächtig Appetit bekommen. Der Double-Cheeseburger schmeckt köstlich und fast sind wir schon ein bisschen satt und faul geworden, so einlullend-cruisig fährt er sich, der R-"American Style". Doch neben der extragroßen Kalorienbombe für Cowboyland arbeitet Mercedes bereits an der schlanken Version für den bewegungsorientierten Mitteleuropäer.

Dass die Stuttgarter bisher ein durchaus glückliches Händchen bei der sportlicheren Abstimmung von M-Klasse und SLK bei deren Modellwechsel hatten, lässt uns daher frohen Mutes sein. Denn die R-Klasse hat noch genügend Spielraum, um bis zum Jahreswechsel den europäischen Ansprüchen an einen eleganten Dynamiker gerecht zu werden, dann auch mit einem modernen, kräftigen Diesel als R 320 CDI.
Alles andere ist schon an Bord.

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