Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMG

Erster Test: Mercedes S 63 AMG

Aus weniger mach mehr

20.07.2010

Nein, wir wollen nicht wieder die Geschichten rund um die rote Sau aufrollen, mit der Heyer und Schickentanz 1971 das 24-Stunden-Rennen von Spa gewonnen haben und damit den Mythos AMG begründet haben. Zwar ist der Name S 63 AMG noch eine Reminiszenz an den 300 SEL 6.3, doch steckt unter der großen Haube des Über-Benz modernste Technik aus Affalterbach.

Mit der Neuauflage des S 63 AMG nimmt Mercedes Abschied von den 6,2 Liter Hubraum, aus denen noch beim Vorgänger die Kraft geschöpft wurde. Downsizing macht eben auch vor der Speerspitze des Automobilbaus keinen Halt. So reichen dem doppelt aufgeladenen Acht-Zylinder fortan fünfeinhalb Liter Brennraum, um bis zu 46 PS mehr Leistung zu generieren.

Serien-V8 als Basis

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMGAls Basis für den intern M157 genannten Motor dient der neue Acht-Zylinder aus Sindelfingen, der in seiner zivilen Ausführung allerdings nur aus 4,7 Liter Hubraum schöpft und ab Herbst etwa im 435 PS starken S 500 seinen Dienst tun wird. Nach der Kur in der affalterbacher Edelschmiede leistet der direkteinspritzende V8, dessen beide Zylinderbänke von jeweils einem Turbo mit bis zu 1,3 bar  zwangsbeatmet werden, satte 544 PS und entwickelt bis zu 800 Newtonmeter Drehmoment.

Und es geht sogar noch mehr: Wer sich für das optionale, 9.400 Euro teure Performance-Package entscheidet, darf sich neben Alcantaraleder am Lenkrad und einer Motorabdeckung in Carbon-Optik auch über nochmals stärkere 571 PS und 900 Newtonmeter freuen. Ein Leistungsplus, das man beim Standardsprint allerdings nicht merkt: Nur eine zehntel Sekunde wird der AMG dadurch schneller und reist die 100 km/h Marke nach 4,4 Sekunden.

Bis zu 300 km/h

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMGSpürbar ist der Unterschied bei der Höchstgeschwindigkeit. Mit Performance-Package endet der Vortrieb nämlich erst bei Tempo 300, während der normale S 63 AMG schon bei den üblichen 250 km/h elektronisch abgeregelt ist. Schneller könnte auch er, wenn er nur dürfte. Übrigens: Auf den Kraftstoffverbrauch hat die Extra-Power keine Auswirkung, beide Modelle gönnen sich im EU-Zyklus 10,5 Liter und sind damit fast vier Liter sparsamer als der schwächere Vorgänger. Dass das Triebwerk in der Praxis deutlich mehr süffeln wird, überrascht nicht.

eVote

 

Doch wie in diese Liga üblich, dürfte auch beim S 63 der Verbrauch wohl keine Rolle spielen, schließlich muss die solvente Kundschaft erst einmal 144.000 Euro auf den Tisch legen; die Tankrechnung sollte das kleinere Übel sein. So ist es auch eine Farce, sowohl aus finanzieller wie auch aus umweltpolitischer Sicht, dass der S 63 AMG serienmäßig eine Stopp-Start-Automatik besitzt, die den Motor beim Ampelstopp abstellt. Immerhin kann, wer sich dabei veräppelt fühlt, diese Funktion auch deaktivieren.

Sport-Getriebe

Die Kraftübertragung auf die Hinterräder übernimmt das von E 63 und SL 63 bekannte AMG Speedshift MCT-7-Gang-Sportgetriebe, bei dem eine nasse Anfahrkupplung den Drehmomentwandler ersetzt, was ebenfalls der Verbrauchsoptimierung dient. Blitzschnell wechselt das Getriebe die Gänge und hinterlässt damit häufig Verwirrung beim Fahrer, der oft gar nicht nachkommt, wenn er auf der AMG-exklusiven Anzeige verfolgen will, welche Übersetzungsstufe gerade gewählt wird.  

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMGIn der Regel geschehen die Gangwechsel sanft und unspürbar, nur bei niedrigem Tempo oder beim Wechsel zwischen Vorwärts- und Rückwärtsgang, beim Rangieren etwa, ruckelt es ein wenig. Standardmäßig fährt der Benz im „C“-Modus – das steht für Controlled Efficiency – im zweiten Gang an. Per Tastendruck kann der Fahrer in den dynamischeren Sportbetrieb wechseln oder alternativ über die Schaltpaddel am Lenkrad die Gangwechsel selbst in die Hand nehmen, was selten bis nie Not tut. Den zum Beispiel vom SL bekannten Sport-Plus-Modus gibt es in der S-Klasse übrigens gar nicht.

Antreiber

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMGNatürlich kann man mit dem S 63 AMG genauso gemütlich durchs Land gleiten, wie mit einem V6-Diesel. Dafür muss sich der Fahrer allerdings gehörig zusammenreisen oder die elektronische Tempolimit-Funktion nutzen. Denn der Über-Benz darf zweifelsohne zu jenen Fahrzeugen gezählt werden, die ihren Fahrer antreiben und zu einer flotten Gangart animieren.

Langsam fahren fällt schlichtweg schwer, schließlich reicht schon ein sanfter Tritt aufs Gas ehe der Mercedes nach dem obligatorischen Turbo-Gedenk-Sekundenbruchteil los hechtet. Und wenn dann die Passagiere in den Sitz gedrückt werden, stellt sich unvermeidbar ein Grinsen auf des Fahrers Gesicht ein. Und er steigt wieder aufs Gas.

Nur am Auspuff zu erkennen

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMGGleichzeitig mit der imposanten Beschleunigung, die jedes Überholmanöver zum Kinderspiel macht und zu reichlich Ermahnungen von Seiten der Ordnungshütern führen dürfte, geht das tiefe, kraftvolle Achtzylinder-Blubbern in ein prolliges Dröhnen über, das wie auch die beiden eckigen Doppel-Endrohre eher weniger zu dem eleganten Auftritt der S-Klasse passt.

Dabei ist die Auspuff-Anlage, abgesehen vom Schriftzug am Heckdeckel und exklusiven Rädern das einzige offensichtliche Indiz dafür, dass es sich um den potenten Bi-Turbo-V8 handelt. Auf auffälliges Chromdekor oder einen besonderen Kühlergrill haben die Schwaben ebenso bewusst verzichtet wie auf exklusives LED-Geplänkel. Schließlich hat schon die normale S-Klasse reichlich der kleinen Leuchtdioden im Gesicht.

Fazit

Rationale Kaufgründe für den ab September erhältlichen S 63 AMG gibt es nicht. Selbst das er jetzt fast vier Liter weniger verbraucht als vorher ist in Anbetracht von einem Praxiskonsum um die 13 bis 15 Liter kein Argument. Wieder einmal sind es Fahrspaß, Exklusivität und der Wunsch nach handgemachter Technik, die den Absatz ankurbeln dürften. Denn auch der neue 5,5-Liter-Motor wird wie bisher jeweils von einem AMG-Mechaniker von Hand montiert und mit einer unterschriebenen Plakette versehen. Und allein das ist vielen Kunden gut 150.000 Euro Wert.

Galerie: Erster Test Mercedes S 63 AMG

 
3
127

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.