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Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMG

Erster Test: Mercedes S63 AMG

Noch böser

24.06.2009

Nach etwas über drei Jahren hat Mercedes seine Luxus-Ikone S-Klasse aufgefrischt und das Modell-Portfolio unter anderem um eine sparsame Hybridversion erweitert. Von den meisten Neuerungen hat auch die AMG-Version S63 profitiert, die allerdings antriebsseitig ganz die alte bleibt. Entsprechend kann der Nobelschlitten mit neuen Extras und weiterhin überbordender Kraft faszinieren.

Optisch sind die Neuerung dezent. Front- und Heckleuchten wurden mit LED-Technik aufgehübscht, vier Auspuffendrohre lugen aus einer neu gestalteten Heckschürze mit angedeutetem Diffusor. Weiter vorne fallen noch der modellierte Kühlergrill, ein neuer Frontstoßfänger und neue Außenspiegel auf.

Wesentlich beeindruckender ist hingegen der Mattlack unseres Testexemplars. Noch vor wenigen Jahren verliehen Hinterhof-Bastler ihren Autos mit solchen Farbakzenten eine böse Endzeit-Aura. Mittlerweile ist matter Look auch beim Establishment gefragt und wird ab sofort von Mercedes als teure Sonderfarbe angeboten. Der vornehm Designo Magno genannte Lack bietet zwar eine matte Optik, seine Oberfläche ist jedoch glatt und widerstandsfähig. Im Fall der AMG-S-Klasse kostet die Hightech-Farbe satte 4.000 Euro, die zusammen mit den serienmäßigen 19-Zoll-Felgen in Titangrau die S-Klasse etwas verrucht wirken lässt. Der „Schwiegervater“ in der neuen E-Klasse-Werbung würde den Fahrer der düsteren AMG-S-Klasse bereits beim Vorfahren als Hippie bezeichnen.

Ein Display, zwei Blickwinkel

Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMGDoch genug der gewagten Äußerlichkeiten: Innen verwöhnt die S-Klasse ihre Gäste in gewohnter Weise mit sehr ansprechendem, gediegenem Luxus-Ambiente und diversen Hightech-Spielereien. So ist auch für die AMG-Version der neue Blickwinkel-abhängige Navigationsbildschirm bestellbar. Während der Fahrer hierbei die Navigationskarte sieht, kann sich der Beifahrer auf dem gleichen Bildschirm einen Spielfilm anschauen – auch während der Fahrt. Die hervorragend funktionierende, Split-View genannte Technik kostet im Paket mit Soundsystem und Sechsfach-DVD-Wechsler allerdings über 2.000 Euro.

Ansonsten gefällt das aufgeräumte Interieur mit diversen Chrom- und Aluakzenten, schicken Klavierlack-Oberflächen und Leder, Leder, Leder. Recht dezent bleiben die AMG-spezifischen Dynamik-Details. Etwas Karbon in der Mittelkonsole, Alu-Pedale und das Sportlenkrad mit Schaltwippen für die Automatik künden von besonderer Stärke.

Kein Spielraum fürs große Highspeed-Kino

Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMGDiese bekommt man dafür im Übermaß zu spüren. Der 6,2-Liter-V8-Sauger mobilisiert 525 PS und wuchtet das Flaggschiff der Mercedes-Flotte weit nach vorn in die Königsklasse leistungsstarker Automobile. Per Knopfdruck kann man bei der Sieben-Gang-Automatik vom Komfort- in den Sportmodus wechseln, mit dem Effekt, dass die Gasannahme dann noch spontaner erfolgt und die Gänge länger ausgedreht werden. Egal ob zwei, vier oder sechstausend Touren: Stets sorgt der V8 für mühelosen, fast brutalen Vorwärtsdrang des 2,1-Tonners.

Ausfahren konnten wir die starke S-Klasse im öffentlichen Straßenverkehr allerdings nicht. Zwar waren wir auf der Autobahn unterwegs, doch dichter Verkehr ließ hier kaum Spielraum für das ganze große Highspeed-Kino. Um dieses zumindest ansatzweise zu erleben, fragten wir bei Zwischensprints immer wieder aufs Neue den enormen Schub ab. Das heißt: Gaspedal lupfen, dem herrlichen Donnergrollen aus den vier Auspuffrohren lauschen und mit Schmackes wieder nach vorne stürmen. Und wieder und wieder und wieder.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mercedes S63 AMG
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.076/ 1.871 / 1.473
Radstand (mm)   3.035
Wendekreis (m)   11,8
Leergewicht (kg)   2.070
Kofferraum (Liter)   520
Bereifung Testwagen   255/45 R 18 vorne, 275/45 R 18 hinten
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   6.208 / V8
Leistung (PS)   525
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   630 / 4.000
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   7-Gang-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   14,4
CO2-Emissionen (g/km)   344
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,6
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k. A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k. A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250
Preise    
ab (Euro)   137.683
Empfohlene Extras   Mattlackierung (rund 4.000 Euro), Split-View-Bildschirm (im Entertainment-Paket für 2.140 Euro)
 
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Verkleinern
 

Sportlichkeit mit Widersprüchen

Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMGKlar, das einige Verkehrsteilnehmer an unserer sittlichen Reife zweifeln mussten, doch sind die anderen ja auch nicht in einem faszinierendem Über-Auto unterwegs. Nur, wer den gewaltigen Power-Kick des S63 kennt, wird unsere Gier nach Beschleunigung nachvollziehen können. Ebenfalls als übertrieben schnell mögen Beobachter unsere Geschwindigkeit in Kurven empfinden. Der AMG-Riese wirkt dabei auf den Fahrer allerdings recht entspannt. Die Lenkung verhärtet angenehm, der Sitz verstärkt automatisch seine Umklammerung, die Karosserie wankt kaum.

Dank des straffen, doch nie unkomfortablem Fahrwerks, den besonders groß dimensionierten Super-Stoppern und den elektronischen Regelsystemen bleibt unsere S-Klasse stets gut beherrschbar. Angesichts des hohen Gewichts beeindruckt das Fahrzeug sogar mit seiner Agilität und relativen Leichtigkeit. Zweifelsohne: Einige Kilo weniger wären dem sportlichen Fahrspaß zuträglich und ist ein Porsche Panamera für die Rennstrecke wohl die bessere Wahl. Doch gehört eine betont dynamische Auslegung nicht zu den Kernwerten einer S-Klasse, um die es sich im Fall des S63 ja trotz aller Dynamik auch noch handelt.

Es bedarf großzügiger Finanzen

Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMGDem Leistungsniveau entsprechend war der Verbrauch auf unserer Testfahrt recht hoch. Wer den Wagen ruhigen Gasfußes durch den Verkehr dirigiert, kann den Normverbrauch von etwa 14 Litern erreichen. Im Wettbewerb ist das übrigens ein guter Wert. Das verführerische Leistungspotenzial macht selbstredend Verbräuche auch um 20 Liter möglich. Am Ende belasteten wir unser Umweltgewissen mit 17 Litern je 100 Kilometer.

Wer sparen will, der wird sich ohnehin nicht für einen S63 AMG interessieren. Allein die Anschaffungskosten sind mit fast 140.000 Euro enorm hoch und lassen sich dank langer Optionsliste problemlos um weitere 30.000 Euro steigern. Immerhin ist man hinsichtlich Leistung, Komfort und Prestige fast am Ende der Nahrungskette angelangt.

Fazit

Die S-Klasse für sich bietet Automobilität auf höchstem Niveau. In der AMG-Variante S63 gesellt zu gehobenem Luxus, Hightech und Sicherheit noch eine Extra-Portion Leistung hinzu. Zusammen mit dem neuen Mattlack strahlt die Starkversion neben viel Prestige außerdem noch einen Hauch Verruchtheit aus. Für beides muss der betuchte Kunde allerdings einen hohen Kaufpreis und einen kaum noch zeitgemäßen Spritdurst akzeptieren.

Galerie: Erster Test Mercedes S63 AMG

 
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