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Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black Series

Erster Test: Mercedes SL 65 AMG Black Series

Feuerwalze

14.11.2008

Strahlkraft demonstrieren: Unter diesem Motto macht Mercedes gerne Fahrvorstellungen in San Francisco. Nach dem Smart Fortwo Ende 2007 präsentierten die Stuttgarter nun den Überflieger SL 65 AMG Black Series in Frisco. Ob Autozwerg oder PS-Gigant: Beide Benz-Abkömmlinge sorgen bei den Westküsten-Amis für viel Aufsehen. Aber auch fahrerisch konnte uns der Stark-SL auf der Rennstrecke Laguna Seca von den Socken hauen.

Apropos Socken: Allein mit diesen beeindruckt der Testosteron-SL. In den Dimensionen 265/35 R 19 vorne und 325/30 R 20 hinten füllen die Räder die deutlich vergrößerten Radkästen fast vollständig aus. Dahinter befinden sich ebenfalls üppig dimensionierte und besonders standfeste, gelochte Riesenstopper. Außerdem wurde an beiden Achsen die Spur stark verbreitert.

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesZusammen mit umfangreichen Änderungen an der Karosserie steht ein sehr breiter und tiefer Muskel-SL mit überraschend eigenständiger Bulldoggen-Aura vor uns. Die Verwandtschaft mit seinen filigranen Brot-und-Butter-Brüdern lässt sich nur noch erahnen.

Stahlgewitter-Akustik

Besonders markant sind auch die riesigen Luftöffnungen der Frontschürze und der neuartige Verlauf des Festdachs aus dem Kohlefaser-Verbundstoff CFK. Mit dieser Dachkonstruktion ist der Black Series übrigens seit vielen Jahren wieder einmal ein SL, der sich nicht öffnen lässt. Am Heck befindet sich ein ab 120 km/h automatisch ausfahrender Heckflügel und den unteren Teil der Heckschürze in Diffusoroptik rahmen zwei trapezförmige Auspuffendrohre ein.Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black Series

Diesen Power-Töpfen entweicht ein voluminöser, kraftvoller Sound. Dabei handelt es sich nicht um ein schrilles Kreischen oder Sägen – die Klaviatur des gigantischen Triebwerks kennt nur bassiges Hämmern und hartes Bollern. AMG verspricht, dass sich diese Stahlgewitter-Akustik im legalen Bereich bewegt. Mag sein, dass dies bei ziviler Fahrweise zutrifft, unter Volllast scheint sich der Klang allerdings über Lärmvorschriften hinwegzusetzen.

Unter vier Sekunden

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesQuell dieser Aufmerksamkeit heischenden Basswellen ist der aus dem SL 65 AMG bekannte V12-Biturbo. In der bisherigen AMG-Ausführung leistet dieser 612 PS. Für die Black Series wurden neue Turbolader mit höherem Luftdurchsatz eingebaut. Mercedes verspricht so ein spontaneres Ansprechverhalten und dank eines verringerten Abgasgegendrucks der Auspuffanlage eine Leistungssteigerung auf 670 PS. Das ebenfalls enorme Drehmoment wird, wie auch beim SL 65 AMG, elektronisch auf 1.000 Newtonmeter begrenzt.

Damit qualifiziert sich der SL Black Series ganz nebenbei zum bislang stärksten Modell aus dem Hause AMG. Zudem wurden viele Blechteile durch das bereits erwähnte CFK ersetzt und somit das Gewicht gegenüber dem normalen SL 65 AMG um 250 auf 1.870 Kilo reduziert. Leistungskur und Diät zusammen drücken die Zeit für den 100-km/h-Sprint auf unter vier Sekunden. Die 200 km/h sollen nach elf Sekunden erreicht werden, bei 320 km/h ist endgültig Schluss.

Anfahren mit Respekt

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesDiese Ansage beeindruckt, ebenso wie die tiefe Sitzposition im Black Series. Statt der Schalensitze der Euro-Version nehmen wir auf den bequemeren Sport-Komfortsitzen der US-Version Platz. Der ganz in Schwarz gehaltene und mit Karbonapplikationen aufgewertete Innenraum bietet den nahezu kompletten Luxus der Baureihe. Zu den speziellen AMG-Insignien gehören neben diversen Schriftzügen noch ein besonders gut zur Hand liegendes Sportlenkrad.

Per Schlüsseldreh oder Knopfdruck lässt sich der Zwölfender zum Leben erwecken. Danach legt man einfach den Schalter der Fünfgang-Automatik auf D. Neben dem automatischen Schaltmodus bietet der Super-SL auch für den sportlichen Fahreinsatz zwei manuelle Schaltmodi. Im Straßenverkehr von San Francisco verzichten wir auf Experimente und den beherzten Tritt aufs Gaspedal. Der Respekt vor den Urgewalten des SL und der hiesigen Polizei überwiegt.

Rennstrecke mit Tücken

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesGanz zivil manövrieren wir also den Black Series Richtung Highway. Hier spüren wir, wie das Sport-Gewindefahrwerk den SL oft zur Schlaglochsuchmaschine qualifiziert. Auch die Lenkung ist superdirekt. Doch abgesehen vom kraftvollen Klang und vielen neugierigen Blicken gleiten wir in einem ansonsten bemerkenswert alltagstauglichen Supersportler entspannt über US-Highways zum Racetrack Laguna Seca.

An der Rennstrecke steigen wir auf SL in der ECE-Ausführung mit Rennschalensitzen um. Trotz optimaler Witterungsbedingungen werden wir eindrücklich vor den Tücken des Rundkurses gewarnt. Laguna Seca bietet zwei Schlüssel-Passagen für die man viel Mut braucht, um diese mit möglichst viel Speed sicher zu bezwingen. Kurz nach der Zielgeraden – und in der Korkenzieher genannten steilen Doppelkurve – sind die Chancen für einen Abflug relativ hoch. Besonders unangenehm: Diese Passagen befinden sich hinter Anhöhen und sind erst sehr spät einsehbar.

Kein einfacher Gegner

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesMercedes geht deshalb auf Nummer sicher und lässt die angereisten Journalisten nur mit vorfahrendem Pacecar auf die Rennstrecke. Immerhin sind die Tempogeber keineswegs zaghaft unterwegs und bringen zumindest unerfahrene Laguna-Seca-Befahrer doch mächtig ins Schwitzen.

Doch nicht allein die Strecke, auch der Black Series verlangt ein besonderes Maß der Konzentration. Irgendwie ist der Wagen trotz seiner Karbon-Abspeckkur dennoch kein Leichtgewicht, kämpft in Kurven trotz der besonderen Fahrwerksoptimierungen mit der Schwerkraft. Beim Rausbeschleunigen zerrt hingegen trotz Sperrdifferenzial mit irrsinniger Gewalt das hohe Drehmoment bedrohlich an der Hinterachse. Der Könner darf sich den Luxus erlauben, in einen toleranteren ESP-Modus oder auch ganz ohne Regelelektronik in herrlichen Heckdrifts um Kurven zu fegen. Hier sind aber eine besonders präzise Hand und ein sensibler Gasfuß gefragt.

Galerie: Erster Test Mercedes SL 65 AMG Black SeriesWir huldigen lieber dem Sicherheitsgedanken. Auch bei eingeschaltetem ESP neigen immer mal wieder die Hinterreifen beim Beschleunigen zum Quietschen und tänzelt das Heck leicht nervös, wird aber stets von der Regelelektronik eingefangen. Muss das ESP in Kurven eingreifen, fehlt es beim Rausbeschleunigen allerdings oft an Motormoment. Insgesamt waren es nur einige wenige Runden, in denen der SL Black Series vor allem zeigte, dass es sich um einen extremen Muskelprotz handelt, der dem Ungeübten ein Gefühl von überbordender Kraft vermittelt.

Fazit

Das Label „Schwarze Serie“ bezeichnet das Edelste vom Edlen. Eine höhere Stufe lässt sich in der SL-Familie definitiv nicht mehr erklimmen. 670 PS und 1.000 Newtonmeter sind definitiv genug des Guten, vielleicht sogar ein Bisschen zu viel. Viel Geld verlangt Mercedes für den Black Series überdies. Mehr als 300.000 Euro muss die besonders exklusive Klientel aufbringen.

Nur halbwegs verrückte PS-Narren oder betuchte Sammlernaturen dürften einen Kauf des auf 350 Exemplaren limitierten Black Series in Erwägung ziehen. Immerhin verspricht Mercedes, dass es sich beim Super-SL um eine Wertanlage mit Steigerungspotenzial handelt.

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