Cabrio-Special 2011
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Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)

Erster Test: Mercedes SL (Facelift)

Reifeprozess

14.03.2008

Gut drei Jahre muss der Mercedes SL noch den Ansprüchen seiner zumeist wohlhabenden Klientel gerecht werden. Dann erst löst die nächste Generation den seit 2001 erhältlichen Flitzer ab. Ein umfangreiches Facelift soll jetzt dafür sorgen, dass die Roadster-Ikone auch gegen Ende ihrer Bauzeit nichts an Attraktivität einbüßt.

Kaum ein Facelift kommt ohne Modifikationen an Front- und Heckpartie aus. Im vorliegenden Fall aber präsentiert sich zumindest die Schnauze weit mehr als nur überarbeitet: Der SL ist sichtbar gereift, die Designer haben dem Roadster ein komplett neues, markanteres Gesicht ins Blechkleid gezaubert.

Weg vom Vier-Augen-Gesicht

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Mit der neuen Front verabschiedet sich nach CL, S- und C-Klasse eine weitere Mercedes-Baureihe vom mittlerweile doch so vertrauten Vier-Augen-Gesicht. Ein großer, weit in die Kotflügel ragender Scheinwerfer ersetzt die beiden Rundleuchten. Vorbei die Zeit des juvenilen Augenaufschlags, der SL ist erwachsen und blickt fortan forsch und selbstbewusst nach vorne.

Doch nicht nur in den Scheinwerfern zeigt sich die fortgeschrittene Reife des Roadsters. Die stärkere Pfeilung der Front, eine dominante Kühlermaske mit nur noch einer Strebe, zwei Powerdomes auf der Motorhaube und kiemenartige Lufteinlässe an den Seiten unterstreichen den neuen, aggressiveren Auftritt. Mehr noch sind sie eine Reminiszenz aus früheren SL-Generationen.

Generationenproblem

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)So sehr sich die Front verändert hat, so wenig hat sich am Heck getan. Die dreieckigen Rückleuchten blieben unangetastet, neu ist der Stoßfänger mit Diffusor-Optik und trapezförmigen Endrohrblenden. Sieht schick aus, doch wäre hier der ein oder andere größere Eingriff ins Design angebracht gewesen. Front und Heck wollen nicht mehr so recht zu einander passen, fechten einen kleinen Streit der Generationen aus.

Nach dem Facelift zeigt sich auch der Innenraum einen Tick markanter: Sowohl das neue Dreispeichenlenkrad als auch die jetzt weiß hinterlegten Rundinstrumente sollen Sportlichkeit vermitteln. Nettes Detail: Die roten Zeiger von Tacho und Tourenmesser starten nach Einschalten der Zündung aus der Sechs-Uhr-Position zu einer Runde über die komplette Uhr. Ach ja, die Uhr - Leider hat auch die an einen wenig hochwertigen Radiowecker erinnernde Digitaluhr über der Mittelkonsole den Sprung in die neue Version geschafft.

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Einzug hat das aus S- und C-Klasse bekannte Entertainment-System „Comand“ gehalten. Allerdings kommt es im SL ohne Dreh-Drück-Schalter aus und wird herkömmlich über Tasten bedient. Wer sich einmal an den Edelstahl-Knubbel gewöhnt hat, tut sich mit der Umstellung im ersten Moment etwas schwer. Neulingen allerdings erschließt sich das System intuitiv.

Neuer Basismotor

Der SL hat sich nicht nur optisch deutlich gemausert, auch auf technischer Seite gibt’s das ein oder andere Novum. Allen voran steht ein neuer Motor in der Preisliste, der die Palette nach unten erweitert. Mit 231 PS tritt der SL 280 an die Stelle des 350er als Basisaggregat. Grund: Der SL 350 erfuhr eine Leistungssteigerung um 16 Prozent auf jetzt 316 PS und ist somit als Einstiegsmotor doch ein wenig zu potent.

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Ob der Neuling der bislang volumenstärksten Version den Rang abläuft, sei zu bezweifeln. Bei der ersten Ausfahrt durch den kalifornischen Frühling aber erwies sich der kultivierte V6 als durchweg adäquater Antrieb für den doch 1,8 Tonnen schweren SL. Der Wert für den Standardsprint liegt mit knapp unter acht Sekunden zwar nicht ganz auf dem Niveau eines reinrassigen Sportlers. Doch kommt es immer darauf an?

Zum Cruisen

Gerade zum entspannten Cruisen empfiehlt sich die neue Basis, die aus ihren drei Liter Hubraum ein Drehmoment von 300 Newtonmeter schöpft (zwischen 2.500 und 5.000 Umdrehungen). In Kombination mit der serienmäßigen Siebengang-Automatik gleitet der SL unangestrengt über den Hollywood Boulevard in Richtung Berge. Auf den steilen Serpentinen zeigt er sich dann allerdings doch angestrengt und giert nach Drehzahlen um einigermaßen Flott den Hang zu erklimmen. Wem der Sinn nicht nach heißen Verfolgungsjagden steht, wird auch hier mit dem Sechszylinder glücklich. Ein Lob geht zudem an die Soundingenieure, die dem 280er einen satten, harmonischen, ja fast V8-ähnlichen Klang beigebracht haben.

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Mit einem Verbrauch von 9,4 Litern braucht der 280er einen halben Liter weniger als der überarbeitete SL 350. Der wiederum konsumiert trotz Leistungssteigerung sogar 0,4 Liter weniger als sein schwächerer Vorgänger. Mit maximal 360 Newtonmeter beschleunigt er den Roadster in 6,2 Sekunden auf Tempo 100 und danach nachdrücklich weiter bis auf elektronisch abgeregelte 250 km/h - die schafft übrigens auch das schwächste Aggregat problemlos. Neuerdings gibt der Motor beim Runterschalten Zwischengas. So sollen neben dem sportlicheren Feeling die Schaltvorgänge noch harmonischer ablaufen.

Weniger Verbrauch im Topmodell

In ihrer Leistung unberührt blieben die beiden Topversionen: Der Achtzylinder im SL 500 bringt es wie gehabt auf 388 PS, der doppelt aufgeladenen V12 im üppig ausgestatteten SL 600 gar auf 517 Pferdestärken. Allerdings konnten die Ingenieure auch hier den Verbrauch um bis zu 0,4 Liter auf 11,9 beziehungsweise 13,9 Liter drücken. Der Zwölfzylinder ist wegen seines enormen Drehmoments von 830 Newtonmeter als einziger SL noch mit der bewährten Fünfgang-Automatik gekoppelt.

Serie bei jeder Version ist seit dem Facelift das Bi-Xenon-Licht, auf Wunsch bietet Mercedes nun das aus anderen Modellen bekannte Intelligent Light System an. Je nach Fahrzustand wird so die Leuchtweite und -stärke reguliert, um die optimale Lichtausbeute zu erzielen.

Heiße Luft

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Ebenfalls gegen Aufpreis ist jetzt der aus dem SLK bekannte Airscarf erhältlich, der den Passagieren warme Luft in den Nacken pustet. Damit sollen Oben-ohne-Fahrten auch bei kälteren Temperaturen ohne Schnupfen enden. Fahrer und Beifahrer können dabei die stärke des Luftschals in drei Stufen variieren.

Mit Ausnahme des SL 280 ist für alle Modelle die „Active Body Control“ (SL 350: 3.927 Euro, SL 500/600: Serie) lieferbar. Das System wirkt Wank- und Nickbewegungen des Fahrzeugs entgegen und verhindert so auch bei flott angegangenen Kurven das Einknicken des Wagens. Eine Sportfunktion strafft die komplette Dämpferabstimmnung. Unabhängig davon ist der generell komfortable SL kein Freund von Querfugen. Die kleinen Unebenheiten dringen auch im Komfortmodus deutlich spürbar zu den Bandscheiben der Insassen vor.

Neue Lenkung

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Mehr Dynamik und Fahrspaß verspricht Mercedes mit der gegen Aufpreis (150 Euro) erhältlichen Direktlenkung. Das System arbeitet geschwindigkeitsunabhängig mit einer auf den Lenkwinkel abgestimmten Übersetzung der Zahnstange. In der Mittellage reagiert der SL demnach weniger direkt auf Lenkradbewegungen. Ab einem Winkel von fünf Grad nimmt die Übersetzung von 15:1 bis auf 12:1 zu, so dass ein geringerer Einschlag eine größere Drehung des Rades nach sich zieht.

In der Praxis erfordert das System ein wenig Gewöhnung, um zu wissen, wann der Wagen wie stark einlenkt. Hat man sich dieses Gespür aber antrainiert, lässt sich der heckgetriebene SL präzise wie ein Zirkelstrich um die Kurve manövrieren.

Gestiegene Preise

Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)Wer Kunden wie die SL-Käufer hat, braucht nicht zu klagen: Die Klientel ist nur wenig preissensibel. Immerhin gibt es mit dem neuen SL 280 den Roadster knapp unter 80.000 Euro. Für den überarbeiteten 350er werden 86.572,50 Euro fällig und mit dem SL 500 überschreiten Käufer die Hunderttausend-Euro-Marke. Er steht mit 108.706,50 Euro in der Preisliste. Der Hauptmarkt für den Zweisitzer ist traditionell USA, dort fängt die Motorenpalette erst beim 500er an. On Top rangiert mit 146.846 Euro der SL 600, der dafür immerhin nahezu komplett ausgestattet ist.

Die Betonung liegt auf „nahezu“: Selbst im SL 600 lässt sich Mercedes den Abstands-Tempomat mit 2.472 Euro bezahlen, das Intelligent Light System kostet 390 Euro und der Airscarf schlägt mit 500 Euro zu Buche. Im SL 500 (und darunter) müssen die Parksensoren noch mit 690 Euro bezahlt werden, das Navigationssystem steht mit 1.960 Euro auf der Rechnung.

Fazit

Ja, der SL ist fit für die nächsten Jahre. Mit dem Facelift hat Mercedes den Roadster für die Zeit bis zur Ablösung gerüstet, die neue Optik lässt den Zweisitzer erwachsener und markanter wirken. Mit der neu aufgestellten Motorenpalette decken die Stuttgarter nun alle Ansprüche bestens ab - egal ob man einen geschmeidigen Gleiter oder einen potenten Sportler sucht. Ob die neue Direktlenkung ihr Geld wert ist, liegt in der persönlichen Vorliebe, der Airscarf dagegen ist es allemal! Und für alle, die nicht genug bekommen können, hält Mercedes zwei AMG-Versionen bereit - mit bis zu 612 PS und teurer als 220.000 Euro. Mehr zu unserer ersten Ausfahrt mit den Power-Modellen SL 63 und 65 AMG lesen Sie nächste Woche - natürlich bei AutoScout24.Galerie: Erster Test Mercedes SL (Facelift)

 
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