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Galerie: Erster Test Mini Countryman

Erster Test: Mini Countryman

Wachsen, wachsen, wachsen

20.07.2010

Profi-Skifahrer und Automobilhersteller haben mindestens eine Gemeinsamkeit: Beide müssen wachsen. Die einen ihr Arbeitsgerät, die anderen mit ihrem Arbeitsgerät. Kostet das Verwachsen beim Sportler im schlimmsten Fall eine Medaille, kann es in der Autobranche schnell den Ruin der Marke bedeuten. Mini startet nun mit dem Countryman in einem Segment, in dem es noch aufwärts geht.

Rund 4,10 Meter misst der bislang längste Mini. Die Cooper S-Modelle des Countryman sind aufgrund einer sportlich akzentuierten Front- und Heckschürze einen Zentimeter länger. In Breite (1,79 Meter) und Höhe (1,56 Meter) sind sich alle Landbewohner, was Countryman übersetzt bedeutet, einig. Egal, ob es sich dabei um eine Front- oder Allradversion handelt.

Erstmals mit Allradantrieb

Richtig gelesen. Allrad gibt es bei Mini ab sofort. Dabei handelt es sich um ein System des britischen Herstellers GKN. Elektromagentisch werden hier die Lamellen des Mittendifferenzials angesteuert und verteilen im Normalfall 50 Prozent der Motorkraft nach vorne und ebenso viel nach hinten. In Extremsituationen könnten gar 100 Prozent an eine Achse geleitet werden, ab 140 km/h wird der Heckantrieb komplett entkoppelt. Das soll zum einen den Verbrauch senken und zum anderen fahrdynamisch keinerlei Relevanz haben.

Galerie: Erster Test Mini CountrymanIm normalen Fahrbetrieb ist das ALL4 genannte System unmerklich an Bord. Erst bei forcierter Gangart merkt man, wie sich die 205er-Reifen in den Asphalt krallen und Geschwindigkeiten erm6glichen, die man zwar von Mini, nicht jedoch von einem Crossover gewohnt ist. Die Kurvenlage ist phänomenal sicher und neutral, die elektromechanische Lenkung arbeitet sehr spitz, zielgenau und mit einer angenehmen Schwere, die wiederum mittels Sport-Taste (130 Euro) verändert werden kann.

Entsteht beim Beschleunigen auf unbefestigten Wegen Schlupf an der Vorderachse, leitet das System die überschüssige Kraft nach hinten. Ein kleines Manko gibt es aber: Empfindliche Gemüter spüren beim Rangieren minimale Verspannungen im Antriebsstrang. Diese sollen laut Mini bis zum Marktstart des Countryman am 18. September 2010 ausgemerzt sein.

Galerie: Erster Test Mini CountrymanDie meisten Kunden werden den Countryman sowieso als Frontantriebs-Version kaufen. Zum einen ist es in diesem Fahrzeugsegment Usus, mit lediglich zwei angetriebenen Rädern zu fahren, zum anderen gibt es den ALL4 (ab 1.600 Euro Aufpreis) nur in den teuren Cooper S und Cooper D zu Preisen ab 25.900 Euro. Den 90-PS-Diesel One D, den 98-PS-Benziner One und den 122-PS-Ottomotor Cooper gibt es nur als Fronttriebler.

Der fairste Mini

Galerie: Erster Test Mini CountrymanIm Kostenkapitel ist der Countryman – mal wieder – ein echter Mini. Zwar muss man sagen, dass der Crossover, gemessen am Gegenwert, wohl noch am fairsten eingepreist wurde, teuer ist er aber dennoch. So beginnt die Preisliste für den Mini One bei 20.200 Euro. Immerhin sind Klimaanlage und Radio dann bereits Serie.

Jedoch ist der Countryman mit 100 Benzin-PS sicherlich nicht der Weisheit letzter Schluss in Sachen adäquater Längsdynamik. Zur ersten Ausfahrt steht uns vielleicht auch deswegen der Cooper S mit Allradantrieb zur Verfügung. Und sogar er fühlt sich trotz seiner 184 PS und 240 Newtonmeter Drehmoment keineswegs übermotorisiert an. Der 1,6-Liter-Turbo zieht zwar souverän von unten durch, hängt recht agil am Gas und kann sogar mit Verbrauchswerten überzeugen (6,7 Liter für den Allrad-Turbo), doch andere Papier-Werte sprechen eine weniger überzeugende Sprache: 210 km/h Höchstgeschwindigkeit schaffen andere Fahrzeuge mit rund 40 PS weniger. 1.455 Kilogramm Gewicht und ein CW-Wert von 0,36 erklären schnell, woran es hapert.

Platz für vier Erwachsene

Galerie: Erster Test Mini CountrymanDafür ist der Countryman aber nicht nur der erste Mini mit vier Türen. Er zeichnet sich außerdem als Langstreckenfahrzeug aus, was bislang eher nicht zu den Tugenden der Marke gehörte. So ist die Fahrwerksabstimmung trotz genetisch bedingter Vorgaben durchaus komfortorientiert. Die vier Einzelsitze (eine Dreier-Rückbank gibt es kostenfrei als Option) sind komfortabel, das Platzangebot entspricht in etwa dem eines VW Golf. Generell ist das Raumgefühl generös, nicht zuletzt bedingt durch die steil aufragende Frontscheibe und das Kasten-Design. Weder an Kopf-, Bein- oder sonstiger Bewegungsfreiheit mangelt es.

Galerie: Erster Test Mini CountrymanLöblich ist auch die Übersicht. Denn die dünnen A-Säulen erleichtern das Parkieren, ebenso wie die gute Übersicht nach hinten und die kompakten Abmessungen. Trotz allem verbleiben im Heck mindestens 350 Liter Stauvolumen. Wer die um 13 Zentimeter verschiebbare Rückbank nach vorne rückt, bekommt 450 Liter in den Kofferraum, bei umgeklappten Rücksitzen gar 1.170 Liter. So gesehen ist der Aufpreis zum Mini Clubman Cooper S von ausstattungsbereinigt rund 700 Euro (für das Frontantriebsmodell des Countryman S) fair.

Internetradio im Mini

Galerie: Erster Test Mini CountrymanNicht ganz so fair ist die Verarbeitungs- und Materialauswahl im Interieur. Billig wirkende Haltegriffe, profanes Plastik und teils grob aneinander gezimmerte Bauteile verströmen keineswegs Premium-Charakter. Dafür versucht der Countryman mit Hightech zu überzeugen. So gibt es erstmals das neue Entertainment-Arrangement Mini Connected. Das System integriert Apples iPhone optimal und auf bislang ungekannte Weise. Eine spezielle Applikation ermöglicht zum Beispiel das Abspielen von zigtausend Internet-Radio-Sendern. Mini Connected kostet 250 Euro, bedingt aber die Bestellung des Radios Mini Visual Boost (1.200 Euro inklusive Freisprecheinrichtung) mit großem 6,5-Zoll-Display, das auch das Abspielen von Video-Filmen ermöglicht.

Bei der Basismotorisierung muss zusätzlich das Lichtpaket und die Interieur-Oberfläche Dark Silver geordert werden. Alles in allem kostet das durchaus geniale Paket 1.850 Euro und führt den Einsatz in den meisten Fällen ad absurdum. Zumal das Internetradio nur störungsfrei funktioniert, wenn der Mobilfunk-Empfang gut ist. Das war bei der ersten Ausfahrt jedoch nur im Hamburger Stadtgebiet der Fall. Bereits auf der Autobahn rund um die Hansestadt ab Tempo 130 versagte das System. Alternativ können Musik-Junkies den USB-Stick anschließen und für 190 Euro den DAB- Empfänger (Digital-Radio) ordern.

Ein clever durchdachtes und schickes Glanzlicht im Interieur ist die durchgehende Befestigungsschiene (Center Rail) auf der verschiedene Ablagemöglichkeiten arretiert werden können. Mit dem Licht-Paket (200 Euro) werden die beiden Alu-Schienen nachts zudem schön illuminiert (nur beim Viersitzer).

Technische Daten
 
Marke und Modell   Mini Countryman   Mini Countryman
Ausstattungsvariante   One   Cooper
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.097 / 1.789 / 1.561   4.097 / 1.789 / 1.561
Radstand (mm)   2.595   2.595
Wendekreis (m)   11,6   11,6
Leergewicht (kg)   ab 1.340   ab 1.340
Kofferraum (Liter)   350 - 1.170   350 - 1.170
Bereifung Testwagen   205/60 R16   205/60 R16
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.598 / 4, Reihe   1.598 / 4, Reihe
Leistung (PS)   72 (98)   90 (122)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   153 bei 3.000   160 bei 4.250
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   6-Gang-Schalter   6-Gang-Schalter
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Super
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6   6
CO2-Emissionen (g/km) laut Werk   149 / Euro 5   149 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)        
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   11,9   10,5
AS24-Sprint 0-100 / 0-160 km/h (s)   k.A   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A   k.A.
AS24-Höchstgeschwindigkeit (km/h)   173   190
Preise        
ab (Euro)   20.200   22.500
         
Empfohlene Extras   17-Zoll-Alufelgen (1.200 Euro), Sportsitze (650 Euro), beheizbare Waschdüsen und Außenspiegel (240 Euro), Fußmatten (80 Euro)   Ausstattungspaket Pepper mit Lederlenkrad, Radio Boost, Bordcomputer, Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer, Lichtpaket und höhenverstellbarem Beifahrersitz (1.550 Euro), 17-Zoll-Alufelgen (700 Euro), Sportsitze (650 Euro), Sitzheizung (290 Euro), beheizbare Waschdüsen und Außenspiegel (240 Euro), Fußmatten (80 Euro), Freisprecheinrichtung (420 Euro)
 
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Fazit

1,7 Millionen Minis konnten seit der Revitalisierung der Marke im Jahr 2001 an Kunden in 80 Ländern verkauft werden. Der Erfolg des Countryman als viertes Modell (aber lange noch nicht letztes Modell) dürfte also keine Frage sein, er gelingt. Zumal Mini beim Countryman das Meiste richtig gemacht hat. Optische Mini-Gene wecken den Haben-Wollen-Effekt, das nach wie vor vorhandene Mini-Fahrgefühl ist ausgeprägt, und dennoch ist der Wagen langstreckentauglich und der Platz lässt die Nutzung als Erstfahrzeug sogar für Kleinfamilien zu.

Leider besitzt auch dieser Mini die bekannten Verarbeitungs- und Materialschwächen der anderen Modelle. Das ist jedoch der einzige Haken am Countryman und hat bei seinen Brüdern wohl auch nicht viele vom Kauf abgeschreckt – und die sind, verglichen mit dem Countryman – hochpreisiger.

Familientauglich? Überteuert? Oder ist Mini Countryman eine mögliche Alternative? Diskutieren Sie mit.

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