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Galerie: Erster Test Mitsubishi Space Star

Erster Test: Mitsubishi Space Star

Tante Rosis neues Auto

18.02.2013

Nehmen wir an, Tante Rosi fährt einen alten Kleinwagen von Mitsubishi. Irgendwann, wenn der einmal seinen Geist aufgibt, wird sie sicher nicht zu VW Up oder Co. greifen. Nein, Tante Rosi wird wie selbstverständlich zum Mitsubishi-Händler fahren und dort den neuen Space Star mitnehmen. Ohne groß zu überlegen, denn: Tante Rosi fährt schon immer Mitsubishi. Leute wie Tante Rosi sichern Mitsubishi zwar einen treuen Kundenstamm, längst aber nicht das Überleben. Dazu braucht die Marke neue Kunden, doch ob der Space Star die erobern kann, ist fraglich.

Mitsubishi, einst hoch angesehener Importeur in Deutschland mit einem Marktanteil von deutlich über einem Prozent, krebst mittlerweile bei 0,6 Prozent rum. Aus der ehemals nicht nur für Tante Rosi interessanten, ansprechenden Modellpalette (man denke nur an Galant oder Sapporo) wurde ein Portfolio sowohl zusammenhang- als teilweise auch liebloser Automobile, die den Trends der Zeit hinterher hecheln. Mit der Neuauflage seines Kleinwagens - einmal eine Domäne der Japaner - hätte der Autobauer wieder einiges wett machen können, hat er aber nicht.

Tradition?

Schon bei der Namensgebungen runzelt man die Stirn, zumindest all diejenigen, die noch von Kanzler Kohl regiert wurden. Namen mit Space (Space Star, Space Wagon) haben bei Mitsubishi Tradition. Nur steht die leider für praktische Familienkutschen und nicht für einen Klein(st)wagen. Der hieß bei Mitsubishi schon immer Colt, und warum die Japaner diese etablierte Bezeichnung nun aufgegeben haben (außerhalb Europas heißt er neuerdings Mirage), will sich nicht so recht erschließen.  

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarImmerhin eins hat der neue Space Star mit seinem Namensgeber aus früheren Jahren gemeinsam: Er sieht, vor allem von hinten, kaum moderner aus. Als hätten sich in den vergangenen fünfzehn Jahren Geschmack und Design nicht verändert, setzt Mitsubishi auf eine höchstkonventionelle 90er-Jahre-Karosserie und verzichtet auf moderne Finessen. LED-Technik mit ansprechender Lichtgrafik? Fehlanzeige. Ein kecker Schwung, ein modischer Schnitt? Sucht man vergebens. Selbst eine der Extravaganzen des Space Stars, die optionale Rückfahrkamera, klebt lieblos auf der Heckklappe, als habe man erst nach Fertigstellung des Wagens von ihrer Erfindung erfahren; in Deutschland wird das praktische Extra allerdings gar nicht angeboten.  

Trister Innenraum

Mit kräftigen Farben (Apfelgrün, Amarenarot oder Atollblau), die sich wahrscheinlich mit Tantchens altrosafarbenem Jäckchen beißen, versucht Mitsubishi seinen neuen Kleinwagen aufzupeppen. Das gelingt ein wenig, aber nur äußerlich. Denn auch im Innenraum scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Bei nur 3,71 Meter Länge (23 Zentimeter weniger als der Colt) finden zwar vier nicht allzu große Passagiere kommod Platz, doch reisen sie in einer Welt aus mittelmäßig verarbeitetem Hartplastik und sitzen eher auf dem Sperrsitz denn in der Loge. Kurze Sitzflächen sind in der Kleinwagenklasse keine Seltenheit, ein nicht in der Länge verstellbares Lenkrad aber ist nicht mehr zeitgemäß.

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarDass man bei einem Einstiegspreis von unter 10.000 Euro (genaue Tarife stehen noch nicht fest) Abstriche machen muss, weiß nicht nur Tante Rosi, doch beweist VW mit dem Up zum ähnlichen Preis, dass es auch besser geht. Zwar ist auch der Wolfsburger Winzling kein Paradebeispiel für höchste Qualität, doch kommen scharfe Kanten und ungenaue Spaltmaße dort nicht vor. Auch die kratz- und staubempfindliche Mittelkonsole in (preisgünstiger) Klavierlackoptik vermag das Ambiente im Mitsubishi nicht wirklich aufhübschen.

Leichter, größer, günstiger

Immerhin, und das ist in der Tat eine respektable Leistung, hat es Mitsubishi geschafft, bei geringeren Abmessungen das Platzangebot gegenüber dem Colt zu verbessern und auch das Kofferraumvolumen um 21 auf 235 Liter anzuheben. Bei umgeklappter Rückbank stehen 912 Liter zur Verfügung. Mehr noch: Der Space Star glänzt mit hervorragendem Leichtbau und bringt gerade mal 920 Kilogramm auf die Waage. Und reparaturfreundlicher wurde er auch noch, was die Werkstattkosten senken soll.

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarNicht zuletzt dem leichten Gewicht ist es zu verdanken, dass die beiden Motoren, zumindest im EU-Zyklus, recht sparsam sind; knapp über vier Liter Benzin sollen sie im Durchschnitt konsumieren. Das die Antriebspalette bei Kleinwagen oft keine große Spreizung aufweist, ist nichts Neues. Doch wer meint, die beiden VW-Up-Motoren lägen mit 60 und 75 PS nahe beieinander, lernt bei Mitsubishi, dass es noch enger geht. Gerade einmal neun PS trennen die beiden angebotenen Dreizylinder-Benziner. Das Basisaggregat schöpft aus einem Liter Hubraum 71 PS, der Stärkere entsprechend 80 Pferdestärken. 0,2 Liter mehr Brennraum lassen immerhin sein Drehmoment auf 106 Newtonmeter (plus 18 Newtonmeter) ansteigen, die Sprintzeit sinkt von 13,6 auf 11,7 Sekunden.

Kein großer Unterschied

Während der immer handgeschaltete Ein-Liter-Motor eine Stopp-Start-Automatik nur gegen Aufpreis an Bord hat, ist sie beim größeren Triebwerk serienmäßig. Dieses kann Tante Rosi außerdem mit einem stufenlosen Getriebe kombinieren, falls ihr das Jonglieren mit den fünf Gängen als zu schwierig erscheint. Damit steigt der Verbrauch um weitere 0,1 Liter an.

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarFür wen das Selbstschalten dagegen kein Problem ist, der kann getrost zum schwächeren und günstigeren Motor greifen. Weder auf dem Papier noch auf der Straße fällt ein großer Unterschied zwischen den beiden Aggregaten auf: Keiner der beiden ist ein Quell großer Fahrfreude, beide gieren nach hohen Drehzahlen und werden dann recht laut - und schlucken auch mehr Benzin als angegeben. Zum Glück legt Tante Rosi keinen Wert auf ambitionierte Fahrleistungen und lange Autobahnritte plant sie sowieso nicht; dort würde sie mangels Elastizität wohl nur selten von der Mittelspur runter kommen.

Holpriges Fahrwerk

Tante Rosi fährt schließlich zum Einkaufen und zum Senioren-Treff, und genau dafür ist der Space Star gemacht. Schade nur, dass sich gerade bei langsamer Fahrt das Fahrwerk als wenig kompromissbereit erweist. Was sich im Wagen anfühlt, wie ein Auffahrunfall, war doch nur ein Gullideckel und während der Mitsubishi über Kopfsteinpflaster hoppelt, hat die Tante alle Hände voll zu tun, die Beatrix-Frisur in Form zu halten.   

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarWas selbst Rosi dazu bewegen könnte, den stärkeren Motor zu wählen, ist die damit einhergehende, bessere Ausstattung. Das Ein-Liter-Aggregat gibt es nur in den ersten beiden der vier Ausstattungslinien, den stärkeren in den beiden höchsten. Berganfahrhilfe, beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber hinten (vorne ist immer Serie!), eine Klimaautomatik, Regensensor, Leichtmetallräder sowie lackierte Außenspiegel und Türgriffe oder das Navigationssystem bleiben so dem 1,2-Liter-Modell vorbehalten. Allerdings braucht sich die Tante nur die Ausstattungs-/Motor-Kombination aussuchen und sich nicht über Extras Gedanken machen, denn separat kann nur der Metallic-Lack geordert werden.

Fazit

Mitsubishi hatte die Chance, mit einem schmucken, ideenreichen Kleinwagen seine Modelpalette wieder attraktiver zu machen und sein - zumindest hierzulande - etwas angestaubtes Image aufzupolieren. Doch diese Gelegenheit haben die Japaner verstreichen lassen. Abgesehen von der unglücklichen Namensgebung ist der Space Star ein farbloser Kleinwagen, den die Mitsubishi-treue Tante Rosi bedenkenlos kaufen kann, der der Marke aber kaum neue Kunden bringen wird.

Galerie: Erster Test Mitsubishi Space StarIn ähnlichen Preisregionen gibt es zahlreiche Mitbewerber, die entweder mehr Qualität, bessere Technik oder mehr Pfiff (oder eine Kombination daraus) bieten. Da nützt es auch nicht, dass die Mitsubishi-Ingenieure bei kleineren Abmessungen mehr Platz geschafft haben und der Space Star ein Leichtgewicht ist. Wer sich in VW Up, Opel Adam oder Dacia Sandero wohler fühlt, wird gern ein paar Kilogramm mehr in Kauf nehmen. Zumal die Space-Star-Motoren auch nur auf dem Papier sparsam sind. Wie die meisten kleinvolumigen Aggregate gieren auch sie im Alltag nach Drehzahl und damit nach Kraftstoff.  

 
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