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Galerie: Erster Test Nissan 370Z Nismo

Erster Test: Nissan 370Z Nismo

Mit Vollgas in den Garten

26.06.2013

Laut einer Volksweise kommen nur die Harten in den Garten. Wenn dem so wäre, dann hätte der neue Nissan 370Z Nismo einen besonders schnellen Priority-Zugang zu dieser botanischen Kulturlandschaft. Denn der eigentlich schon sportlich ausgelegte Gran Turismo kommt nun als scharf gemachte Version im Hardcore-Trimm und empfiehlt sich damit eher für Hobby-Rennstreckenfahrer denn für den Alltag.

Für letzteres hat Nissan seinem schon etwas betagten 370Z mit Namenszusatz Nismo nämlich eine Spur zu viel Kraftmeier-Gene mit auf den Weg gegeben. Bereits optisch hebt sich der Dicke-Hose-Japaner im Straßenbild ab, die 19-Zoll-Riesenwalzen mit 285er-Gummis an der Hinterhand und der Wakeboard-artige Heckspoiler sind fast so was wie eine Provokation, wenn auch beide Modifikationen gleichzeitig echte Vorteile in Hinblick auf die Straßenlage bieten.

Zusätzlich sorgen an der Front Aerodynamik-Verfeinerungen zusammen mit einer Tieferlegung und einer leichten Verbreiterung für einen satteren und martialischeren Stand und einen geglätteten Auftritt. Schade: Die neuerdings die 370Z-Front schmückenden LED-Tagfahrlichter fielen der radikaleren Nismo-Optik zum Opfer. Understatement sieht auf jeden Fall anders aus, die Spoiler-Fraktion darf sich hingegen auf ein neues Objekt der Begierde freuen.

16 PS Aufschlag

Galerie: Erster Test Nissan 370Z NismoUnterm Blechkleid fällt das Tuning hingegen bescheidener aus. Zumindest das Leistungsplus ist von moderater Natur, denn der an sich schon potente 3,7-Liter-V6-Benziner kann jetzt 344 statt der sonst 328 PS mobilisieren und als Sahnehäubchen gibt es 5 Newtonmeter obendrauf, also derer 371. Die Endgeschwindigkeit bleibt dennoch unverändert bei abgeregelten 250 km/h, während die Sprintzeit sich lediglich um eine Zehntel von 5,3 auf 5,2 Sekunden verkürzt.

Freilich wird man von dieser Leistungsspritze im Fahreinsatz wenig zu spüren bekommen, doch dafür unterstreicht der geschärfte Motorensound mit kernigeren und grummeligeren Noten die gehobene Kraft. Dieser Klanggewalt ist unter anderem den dicken zwei Auspuffrohren geschuldet. Zum Brüller wird der Sixpack aber nicht, selbst wenn man ihn in Richtung Drehzahllimit hochjubeln lässt. Das muss man auch, denn so richtig Feuer gibt es erst oben rum. Wer gerne das volle Potenzial des Saugmotors ausschöpfen will, wird ihn häufiger jenseits der 4.000 Touren treiben, um das Gefühl zu bekommen, auch wirklich einen deutlich über 300 PS starken Dampfhammer zu pilotieren.

Zwischengasfanfaren

Bisweilen kann der harte Klang sogar aufdringlich werden, vor allem wenn im Stadtverkehr beim Gangwechsel kurze Gasstöße der Außenwelt signalisieren, hier sei ein selbst im turbulenten Fahreinsatz immer noch feinfühlig agierender Könner am Volant, der mit Zwischengas für besonders geschmeidige Gangwechsel sorgt. Wirklich nötig wäre diese akustische Showeinlage nicht, doch ein wenig soll der Ausgleich bei den Drehzahlsprüngen laut Nissan beim Schalten sogar helfen. Doch keine Sorge, diesen Synchro Rev Control genannte Macho-Sound kann man einfach per Knopfdruck deaktivieren.

Eng anliegende Sitze, ein wulstiges Lenkrad, drei Zusatzinstrumente zentral auf dem Armaturenbrett und ein tiefe Sitzposition stimmen ihrerseits auf das betont sportliche Ansinnen ein. Schön wäre es, wenn man noch das Lenkrad nicht nur in Höhe, sondern auch in Länge verstellen könnte. Dennoch kann man hier eine sportliche Sitzhaltung einnehmen und darf sich das sensible Popometer sogleich daran gewöhnen, besonders viel vom Fahrbahnzustand verklickert zu bekommen.

Ganz schön hart

Galerie: Erster Test Nissan 370Z NismoDer mit härteren Federn und strafferen Dämpfern gesegnete 370Z ist hier äußerst mitteilsam und in der Konsequenz auch mit einer phantastisch satten Straßenlage geheiligt. Wer ohne nennenswerte Wankneigung und zudem dank einiger Extraverstrebungen mit einer extrasteifen Karosserie möglichst verwindungsarm unterwegs sein will, wird hier sein großes Aha-Erlebnis haben. Hinzu kommen eine fein ansprechende, neutrale Lenkung, der kesse Heckantrieb mit Lamellen-Sperdifferenzial und sensationell zupackende, sehr spontan und vehement reagierende Bremsen – das Querpotenzial ist also hoch.

Eigentlich beste Voraussetzungen für höchste Pistengaudi-Freuden und ein verlockendes Paket für ambitionierte Fahrer, die allerdings sich mit dem Umstand arrangieren müssen, einen 1,6-Tonner zu bewegen, dem man in mancher Kurve dann doch eine kleine Diät wünschen würde, wenngleich die Nismo-Weihen doch ihre Wirkung entfalten, die den 370Z zu einem gleichwohl doch heißen Feger qualifizieren. Doch konsequenter wäre es wohl gewesen, den 370Z weniger luxuriös und dafür vor allem leichter zu bauen.

Nix für Sparnaturen und doch ein Schnäppchen

Galerie: Erster Test Nissan 370Z NismoEine andere Kehrseite der Medaille ist ein satter Verbrauch, denn der Prüfstand-Konsum des Nismo-Z wird mit 10,6 Liter angegeben, was allerdings von theoretischer Natur sein wird. Den ein oder anderen Liter wird man in der Praxis noch obendrauf rechnen dürfen, was selbstredend vom Gaspedal-Einsatz abhängt.

Grundsätzlich sollte man aber ohnehin eine gewisse Investitionsbereitschaft mitbringen, sofern man sich mit dem 370Z Nismo verbandeln will. Der eigentlich schon ganz ordentlich bestückte und ausgestattete 370Z in der Basisversion ist mit rund 33.000 Euro eigentlich ein echtes Schnäppchen. Für die sehr gut ausgestattete Nismo-Version (mit Bose-Soundsystem, Navigation, Klimaautomatik und Bi-Xenon-Licht) steigt der Preis um weitere 12.000 Euro. Ein durchaus stolzer Aufpreis. Wobei preislich dieses ausschließlich als Coupé erhältliche Modell keinen vergleichbar günstigen und rennstreckentauglichen Konkurrenten fürchten muss. Würde man bei Porsche ein ähnlich starken Sportwagen kaufen, müsste man gut 20.000 Euro mehr investieren.  

 
Fazit

Mario Hommen

Nissan versucht sich noch stärker als bisher als eine sportliche Marke zu positionieren. Eine neue Nismo-Division soll dabei helfen. Den Anfang machte der Juke Nismo, bei dem es sich allerdings nicht um eine ernstzunehmende Sportalternative als vielmehr um eine fast schon übertrieben martialisch geschmückte Ausstattungsvariante handelt.

Der 370Z Nismo scheint sich da etwas konsequenter und glaubhafter als interessantes Angebot für diejenigen zu empfehlen, die gerne auch mal auf der Nordschleife ein wenig Spaß am Limit erleben wollen. Für den Alltag dürfte der 370Z den meisten hingegen etwas zu hart und zu effekthascherisch sein.
 
 

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