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Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6

Erster Test: Nissan Cube 1.6

Abgerundeter Kasten zum Anecken

19.01.2010

Die Karriere des Cube wurde nicht ausgewürfelt: Den kuriosen Kasten hat Nissan in seiner dritten Auflage statt als rein japanisches diesmal als Weltauto entwickelt. Und damit bleibt dem neuen Cube das Bitte-bringt-ihn-nach-Deutschland-Schicksal seiner beiden Vorgänger erspart. Im März 2010 tritt der erfrischend andere Kleinwagen hierzulande an, um Kopfverdrehen und –schütteln zu provozieren. Wir haben beides auf einer Großstadtrunde in und um das hippe Berlin erlebt.

Angesichts von 3,98 Meter Länge möchte man eigentlich einen unscheinbaren Kleinwagen erwarten. Doch sorgen beim Cube ein hoher Aufbau und der relativ lange Radstand bereits für gewisse Präsenz. Das würfelartige Außendesign mit Lieferwagen-Charme fällt zudem mit extrem eigenwilligen Gaga-Akzenten ins Auge. So war bei der Front das Gesicht der Bulldogge Inspirationsquelle, während die Designer beim Heck Ähnlichkeiten mit Jennifer Lopez Allerwertesten proklamieren.

Ja, trotz Kastenform ist beim Cube so ziemlich alles rund und sorgt die Optik mit gewollten Widersprüchen beim Betrachter vor allem für Stirnrunzeln. Eine rollende Provokation ist der Cube. Entsprechend findet das neue Nissan-Modell ob seiner Außenhaut sowohl Bewunderer als auch viele Kritiker. Letztere tun den Cube meist als hässlich ab – ein Dazwischen gibt es nicht.

Sonderbarer Mix

Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6Auch innen ist das drollige Design vor allem eines: Geschmacksfrage. Ganz objektiv würde der Hartplastiklandschaft etwas mehr Edel-Material gut tun. Dafür ist der Arbeitsplatz sehr übersichtlich, funktional und dank Klimaautomatik, optionalem Navisystem und weiteren nützlichen Details sogar komfortabel. Plüsch-Akzente zitieren Großmutters Sofa, Gummibänder in den Türen erinnern an Hightech-Outdoor-Kleidung, während eine Panoramadach-Blende in der Art lichtdurchlässiger Japantüren für behagliches Asia-Flair sorgt. Obwohl zutiefst krude, bietet dieser Stilmix faszinierende Momente.

Der wohl spektakulärste Designclou ist jedoch das rechte Fondfenster, das sich zusammen mit der Heckscheibe wie eine Einheit um die tatsächlich vorhandene D-Säule schmiegt. Besonders eindrucksvoll wirkt das, wenn die Fenster im Fond verdunkelt sind, was allerdings erst bei den höheren Ausstattungen Iki und Kaado der Fall ist. Optisch erweckt dieser Trick den Eindruck, als gäbe es auf der rechten Fahrzeugseite keine D-Säule.

Enorm viel Platz

Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6Ungewöhnlich ist auch der Zugang zum Kofferraum über die seitlich angeschlagene Hecktür, die sich vernünftiger Weise nach links öffnen lässt und man so den Kofferraum entsprechend gut vom Gehweg aus beladen kann. Das 260 Liter fassende Gepäckabteil ist dank der in Längsrichtung verschiebbaren Rückbank auf 410 Liter vergrößerbar. Zudem kann man die Rückbanklehne umklappen und so das Fassungsvermögen auf über 1.500 Liter erweitern. Für ein Fahrzeug dieser Größe ein Spitzenwert. Allerdings hat der Kofferraum eine tiefe Mulde mit entsprechend hoher Schwelle und bildet die umgeklappte Rückbank eine unpraktische Stufe im Gepäckraum.

Dort, wo sich in der Lenksäule das Zündschloss befindet, hat Nissan eine Plastikblende drauf gesetzt. Gestartet wird nämlich per Knopfdruck rechts vom Lenkrad. Der 1,6-Liter-Vierzylinder gibt sich sehr kultiviert und sorgt als Basismotorisierung mit seinen 110 PS für souveränen Vortrieb. Spontan in der Gasannahme und drehfreudig, zieht der Vierzylinder den 1,2-Tonner in gut elf Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit soll allerdings bei  bescheidenen 175 km/h liegen. Der Cube hängt nicht wirklich strömungsgünstig im Wind, was auch für ein etwas hohes Geräuschniveau bei Autobahntempo sorgt und zudem den Verbrauch auf immerhin noch akzeptable 6,6 Liter nach Norm hebt.

Kein Racer und kein Sparer

Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6Trotz seiner beachtlichen Antrittsstärke ist der Cube 1.6 kein Dynamiker. Bereits optisch kann und will er diesen Eindruck nicht vermitteln. Der dennoch straff gefederte Fünftürer mit Kleinwagen-Unterbau liegt zwar ausreichend satt auf dem Asphalt und bleiben Wankneigungen der Karosserie in Kurven gering, doch weder das Komfort- und noch das Querdynamik-Niveau kann gehobenen Ansprüchen gerecht werden. Einen flotten Kurvenstrich vermeidet man auch dank der leichtgängigen und nicht sonderlich feinfühligen Lenkung und der wenig konturierten Sitze.

Als cooles Design-Statement empfiehlt sich der Cube vor allem als lässiger Cruiser. Wer diese entspannte Art der Fortbewegung in Reinkultur genießen möchte, sollte deshalb das stufenlose CVT-Getriebe wählen. Es bietet mehr Komfort bei nahezu gleichen Fahrleistungen und nur etwas höherem Verbrauch. Für alle Spritknauser empfiehlt sich hingegen der Diesel 1.5 dCi in Kombination mit manuellen Sechs-Gang-Getriebe. Ebenfalls 110 PS stark, soll dieser Antrieb bei gleichen Fahrleistungen einen Normverbrauch von nur 4,7 Liter haben. Allerdings erfüllt er nur die Euro-4-Norm und werden im Vergleich zum Benziner gleich noch 2.000 Euro mehr beim Kaufpreis fällig.

Hoher Basispreis

Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6Andere Motorvarianten gibt es für den Cube in Deutschland übrigens nicht und sind laut Nissan auch in absehbarer Zeit nicht vorgesehen. Auch eine rein elektrisch betriebene Variante wird vorläufig ausgeschlossen. Eine bereits als Studie vorgestellte EV-Version des Cube wird also über das Prototypen-Stadium nicht hinauskommen.

Ein Schnäppchen ist der Cube übrigens nicht. Bereits der Basis-Benziner kostet 18.000 Euro. So kann man für dieses Geld bequem auch eine Klasse höher einsteigen und zum Beispiel einen stärker motorisierten Opel Astra Fünftürer bekommen. Andererseits kann der Cube bereits in der Grundversion einige erwähnenswerte Ausstattungsdetails bieten. Dazu gehören immerhin eine Klimaanlage, ein Tempomat, ein Panorama-Glasdach, sechs Airbags, ESP, ein CD-Radio und elektrische Fensterheber.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Nissan Cube 1.6
Ausstattungsvariante   KAADO
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   3.980/ 1.695 / 1.670
Radstand (mm)   2.530
Wendekreis (m)   10,2
Leergewicht (kg)   1.230
Kofferraum (Liter)   260 - 1.563
Bereifung Testwagen   195/55 R16
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   1.598 / 4, Reihe
Leistung kW (PS)   81 (110)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   153 / 6.000
Antriebsart   Frontantrieb
Getriebeart   manuelles 5-Gang-Getriebe
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   6,6
CO2-Emissionen (g/km)   151 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   11,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   175
Preise    
ab (Euro)   20.150
Empfohlene Extras   Die Topausstattung KAADO lässt eigentlich keine Wünsche mehr offen.
 
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Fazit

Wer sein Anderssein mit einem Auto zum Ausdruck bringen will, findet hierfür mit dem Nissan Cube eine spannende Möglichkeit. Angesichts der angepeilten Absatzzahlen von 2.000 Cubes wird er hierzulande ohnehin kein Massenphänomen werden. Doch kann der Nissan-Neuling nicht nur polarisieren, er bringt seine Fahrgäste auch in sehr manierlicher Weise von A nach B. Gute Platzverhältnisse, gehobene Variabilität, hohe Motorleistung und eine gute Komfortausstattung – das sind weitere Stärken des Cube. Zwar stört am geräumigen Kleinwagen der etwas happige Einstiegspreis, doch hat er neben einer guten Ausstattung noch ein extrovertiertes Design zu bieten. Bei Möbeln oder Kleidung ist Designerware in der Regel unerhört teuer, beim Cube bleibt der Aufschlag relativ gesehen gering.

Galerie: Erster Test Nissan Cube 1.6

 
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