Elektromobilität-Special
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Galerie: Erster Test Nissan eNV200

Erster Test: Nissan eNV200

Flott(e) unter Strom

17.06.2014

Ein gutes Drittel der Kleintransporter, die auf europäischen Straßen unterwegs sind, legt pro Einsatztag maximal 120 Kilometer zurück - aus Nissan-Sicht die ideale Voraussetzung für die Umstellung von Diesel- auf Elektroantrieb. Folgerichtig ist das nach dem Leaf zweite Vollzeit-E-Mobil des Unternehmens ein 4,56 Meter langer, 1,76 Meter breiter und 1,86 Meter hoher Kompaktvan.

Das neue Modell bietet als Kastenwagen üppige 4,2 Kubikmeter Laderaum, bis zu 770 Kilogramm Nutzlast und eine auf 52 Zentimeter Höhe liegende Ladekante: Das ist ein Wert, der allen gefällt, die schwere Gegenstände oder Pakete ins Wageninnere hieven müssen. Es gibt den e-NV200 wahlweise aber auch vollverglast als fünfsitzigen Kombi, und sogar mit vollwertiger Pkw-Inneneinrichtung kann er bestellt werden.

Leaf-Technik in neuer Form

Galerie: Erster Test Nissan eNV200Das neue Modell nutzt die mit NV200-Kleintransporter-Basis, ist jedoch zu 30 Prozent neu. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied zu den Stallgefährten mit Verbrennungsmotor in der Frontpartie, die Leaf-Züge trägt. Zu den Gen-Gemeinsamkeiten gehört außerdem, dass sich hinter dem mittig angebrachten Nissan-Logo der Stromanschluss verbirgt und dass das aus 48 Modulen bestehende, platzsparend im Unterboden eingebaute Lithium-Ionen-Akku-Paket 24 Kilowattstunden speichern kann - laut Nissan können deshalb zwischen zwei Lade-Phasen 160 bis 170 Kilometer Streckendienst liegen.

Auch das Antriebskonzept hat Nissan vom Leaf übernommen. Seit 2013 ist die aus E-Motor, Inverter und Onboard-Ladegerät bestehende Antriebseinheit so kompakt, dass sie im Fahrzeugbug unterzubringen ist. Im e-NV200 ist sie sogar noch kürzer und schmaler als im Leaf und mit 267,5 obendrein 7,5 Kilogramm leichter.

Prima Straßenlage

Galerie: Erster Test Nissan eNV200Der Wechselstrom-Synchronmotor stellt maximal 109 PS bereit und erweist sich damit der Van als flotter Sprinter, da der Antrieb von jetzt auf nachher seinen Zugkraft-Höchstwert von 254 Newtonmeter mobilisieren vermag. Im e-NV200 kommt deshalb bei jedem Ampel-Start diebische Freude auf, weil der große Kasten auf den allerersten Meter selbst PS-starke Pkw abhängt. Nach oben raus wird die Beschleunigung allerdings zäher, was auch der 0-auf-100-km/h-Wert bestätigt, der mit 14 Sekunden nämlich wenig dynamisches Potenzial verspricht.

Dafür ist die Straßenlage dank der Batterien im Untergeschoss erheblich besser als die eines Transporters mit konventionellem Antrieb. Mit dem e-NV200 sind schnell angegangene Autobahnausfahrten problemlos zu meistern. Im Stadtverkehr begeistert er vor allem durch das niedrige Geräuschniveau und die einfache Handhabung: Der Fahrer muss nicht schalten, aber er kann, wenn’s bergab geht, über den Grad der Bremsenergierückgewinnung entscheiden.

Batterie bleibt beim Schnellladen kühl

Galerie: Erster Test Nissan eNV200Weil Nissan davon ausgeht, dass etwa 70 Prozent der e-NV200 gekauft werden, um Handwerker zu mobilisieren, Waren zu befördern oder als Taxi beziehungsweise im Shuttle-Dienst eingesetzt zu werden, sind die fürs Schnellladen vorbereiteten Fahrzeuge mit einer Batterie-Kühlfunktion ausgerüstet, die beim Anschließen an 50 Kilowatt-Gleichstrom-Ladestationen (nach dem Chademo-Prinzip) automatisch aktiviert wird. Im Profi-Einsatz, erläutert Nissan, werde diese Option, bei der die Batterie nach 30 Minuten zu 80 Prozent wiederbefüllt ist, öfter gebraucht als im privaten Umfeld, in dem sich über zwei Drittel der Leaf bewegen. An einer 10-Ampere-Steckdose dauert das Nachladen rund zehn Stunden, und von einer 32-Ampere-Ladestation kann der e-NV200 nach vier Stunden wieder abdocken.  

Die preiswerteste Variante des e-NV200 ist nur mit einer Schiebetür auf der rechten Seite und Heckklappe ausgestattet und darf keine Stromanschlüsse benutzen, die mehr als 3,3 Kilowatt übertragen. Soll das Laden auf Sechs-Kilowatt-Basis möglich sein, erhöht sich der Fahrzeugpreis um rund 900 Euro. Ab der zweiten von vier Ausstattungsstufen (Pro+) ist der Ladeanschluss CHAdeMO-tauglich. Das bedeutet, dass das Batteriemanagementsystem dieser Fahrzeuge über eine Schnittstelle verfügt, die es erlaubt, den Akku mit Gleich- statt Wechselstrom und hoher Leistung - bis zu 62,5 Kilowatt - zu laden.

Die Fahrzeuge mit CHAdeMo-Ladevorrichtung bieten zudem einen Nebennutzen: Sie sind bidirektional ausgelegt, können also eingelagerten Strom wieder ins Netz abgeben. Damit lässt sich der stehende Wagen unter anderem als Energie-Zwischenlager und -transporter nutzen, wenn die Photovoltaikanlage auf dem Dach mehr Strom erzeugt, als im Haus darunter benötigt wird.

Akku: Kauf oder Miete

Galerie: Erster Test Nissan eNV200Die Lithium-Ionen-Batterie kann gekauft, aber auch gemietet werden - die Kosten sind nach Laufleistung und -zeit gestaffelt und liegen zwischen 73 und 126 Euro. Wer den Stromspeicher erwirbt, zahlt für den e-NV200 mit Grundausstattung 23.919 statt 20.100 Euro. Da es sich um Preise für gewerblich genutzte Fahrzeuge handelt, ist die Mehrwertsteuer in diesen Beträgen nicht enthalten.

Die Preisliste der Pkw-Variante, Evalia genannt, startet bei 30.870 Euro (einschließlich Mehrwertsteuer, zuzüglich Batterie-Miete). Wird der Akkublock mitgekauft, beträgt der Anschaffungspreis mindestens 36.766 Euro. Als Gegenwert gibt es innovative Technik in ansprechendem Ambiente und dazu viel Platz für Passagiere und Gepäck. Der Stauraum im Heck nimmt mindestens 2,27 Kubikmeter auf und ist durch Umklappen der Rücksitzbank auf 3,1 Kubikmeter zu erweitern. Damit schafft man beispielsweise Platz für drei Mountainbikes - und zwar mit montiertem Vorderrad.

Ab Pro+ gut ausgestattet

Galerie: Erster Test Nissan eNV200Die schon in den Nutzfahrzeugen ab Pro+-Niveau alles andere als spartanische Serienausstattung - Klimaautomatik, ein Multimedia-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen, Navigation, Sprachsteuerung, CD, MP3, Bluetooth, USB- und Audioeingang (iPod-kompatibel), 4 Lautsprecher, Rückfahrkamera - hat Nissan im Evalia Pkw-gemäß aufgestockt. Zwei Schiebetüren sind hier ebenso Serie wie 15-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein Reifendruckkontrollsystem, Nebelscheinwerfer, Licht- und Regensensor, Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer, beheizbare Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad und vieles mehr - darunter das Carwings-Telematiksystem, mit dem sich unter anderem Raumklimatisierung und Batterieladen aus der Ferne starten lassen.

Langstrecke im Visier

Im Privatkundenbereich - davon sind die Nissan-Leute überzeugt - wird die eingeschränkle Reichweite in einigen Jahren kein Grund mehr sein, aufs Elektroauto zu verzichten. Ein Netz von Schnellladestationen, das gerade aufgebaut wird, soll die Langstreckenfahrt ohne allzu lange „Tank“-Stopps ermöglichen. Ungeduldig dürfen die Passagiere jedoch nicht sein: Die Höchstgeschwindigkeit liegt Herstellerangaben zufolge bei 120 km/h.

 
Fazit
 

Gerlinde Fröhlich-Merz

Der Schlachtruf „Nie wieder Diesel“, der einem Nissan-Mann bei der Präsentation des neuen e-NV200 über die Lippen rutschte, erschallte sicherlich zu früh, aber als Stadtbewohner weiß man die Perspektive zu schätzen: Hier sind besonders viele Kleintransporter unterwegs, und es wäre eine feine Sache, würden sie ihre Arbeit nahezu lautlos und abgasfrei verrichten.

Für die Fahrer ist der flotte Stromer, der gemeinsam mit den Benziner- und Diesel-Varianten des NV200 in Barcelona vom Band läuft, ebenfalls eine verlockende Alternative zum Selbstzünder, denn er schont die Ohren und fährt sich prima. Kombi und erst recht Evalia bieten Pkw-Komfort. Schlicht und relativ unkomfortabel ausgestattet ist eigentlich nur die Basis-Version des Kastenwagens, doch schon ab Stufe 2 (Pro+) umgibt ihn reichlich arbeitserleichterndes wie auch zeitvertreibendes Zubehör: Klimaautomatik, Rückfahrkamera, Multimedia-System mit Sieben-Zoll-Touchscreen, Navigation, Sprachsteuerung, CD, MP3, Bluetooth, USB- und Audioeingang (iPod-kompatibel), vier Lautsprecher.
 
 
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