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Galerie: Erster Test Nissan Micra

Erster Test: Nissan Micra

Günstiger, sicherer und langweiliger

10.09.2010

Nissan startet Ende November 2010 die vierte Generation des Kleinwagens Micra. Der Neue ist rund 1.000 Euro günstiger, besitzt 15 PS mehr und hat nun stets sechs Airbags sowie ESP an Bord. Wie Nissan das schafft? Produziert wird der 3,78 Meter Stadtfloh von nun an in Indien. Das spart offensichtlich viel Geld.

Und Geldsparen ist in dieser Fahrzeugliga das A und O, vor allem für die Kunden. Denn nachdem die Abwrackprämie überall in Europa der Vergangenheit angehört, schwächelt der Kleinwagen-Markt in unseren Breiten. Da kommt ein neues, kostengünstiges Modell wie gerufen, um den Absatz wieder in Schwung zu bringen.

Langweilig oder weltweit einsetzbar?

Doch zuerst einmal überrascht Nissan mit dem Design des neuen Micra. Stellt man Alt und Neu nebeneinander, würden viele Betrachter wohl tippen, dass das alte Modell der neuere Wagen ist. Der Micra, den Nissan von 2003 bis heute produziert, wirkt pfiffiger, besitzt mehr Charme und vor allem mehr Charakter. Der Neue sieht im direkten Vergleich belangloser aus.

Galerie: Erster Test Nissan Micra Laut Nissan ist das Design jedoch marktunabhängiger. Immerhin ist es geplant, den Kleinen in 160 Länder zu schicken. Ein Weltbürger sozusagen, was auch die vier Produktionsstandorte untermauern. In China, Thailand, Indien und Mexiko werden die neuen Micras gefertigt. Die indischen Fahrzeuge finden den Weg nach Deutschland, so wie es beim Nissan Pixo und dessen Zwilling Suzuki Alto bereits Usus ist.

Das sollte hierzulande aber niemanden pikieren. Denn die Verarbeitung des neuen Micra ist auf dem Niveau des alten. Und das war schon ordentlich. Klar, die Materialien im Innenraum versprühen keinesfalls Premiumflair, gefallen aber durch Robustheit und Praktikabilität. So stört es weder, dass die Armaturenlandschaft aus Hartplastik besteht, noch, dass die Heckklappe sich so leicht anfühlt, als sei sie aus Kunststoff.

35 Kilogramm leichter trotz mehr Ausstattung

Galerie: Erster Test Nissan Micra Immerhin haben die Japaner versucht, an allen Ecken und Enden Gewicht einzusparen. 35 Kilogramm sind es geworden. Und das, obwohl der mindestens 915 Kilogramm schwere Micra sechs Zentimeter in der Länge zugelegt hat, nur noch als Viertürer erhältlich ist und stets mit sechs Airbags zum Kunden in Europa anreist. ESP ist ebenfalls serienmäßig dabei.

Der Längengewinn kommt vor allem den Insassen zugute. Vier Personen sitzen gemessen an den Außenabmessungen bequem, für fünf ist er jedoch zu schmal. Der Kofferraum fasst 265 Liter und damit 14 Liter mehr als bislang. Schade, dass die Rückbank nicht mehr verschiebbar ist. Das wurde einem speziellen Umklappmechanismus geopfert, der das maximale Ladevolumen auf gut 1.132 Liter erweitert und damit den Wert des alten Modells um rund 150 Liter übertrifft. Aufgrund des geschwungenen Dachs ist die Kopffreiheit ordentlich, lediglich beim Ein- und Aussteigen in zweiter Reihe heißt es Birne einziehen, denn der typische Micra-Fensterschwung ist auch beim neuen Modell vorhanden.

Galerie: Erster Test Nissan Micra Die Sitze sind vorne und hinten ausreichend bequem, der Verstellbereich des vorderen Gestühls jedoch gering. Zudem lässt sich das Lenkrad lediglich in der Höhe justieren und passt daher nicht bei allen.

CVT empfehlenswert

Die Kunden haben die Wahl zwischen einem ordentlich schaltbaren Fünf-Gang-Getriebe und der stufenlosen Automatik, die Nissan für rund 1.200 Euro Aufpreis anbietet. Ein nützliches wie komfortables Extra, das vor allem für Stadtflitzer wie den Micra sinnvoll ist, jedoch wohl nur von rund zehn Prozent der Käufer gewählt wird. Dabei passt die stufenlose Automatik sehr gut zum neuen, 80 PS starken 1,2 Liter Drei-Zylinder. Rollt man mit konstanter Geschwindigkeit, dreht der Benziner kaum hörbar bei dezent erhöhter Leerlaufdrehzahl. Erst wenn der Motor gefordert wird, steigt Drehzahl und Lautstärke an, wirklich flott wird er aber dennoch nicht.

Galerie: Erster Test Nissan Micra Im Vergleich zur Handschaltung benötigt die Automatik für den Sprint 0,8 Sekunden länger und ist letztendlich neun km/h langsamer. Die angegebenen 161 km/h respektive 170 km/h reizen aber wohl sowieso nur die wenigsten Micra-Fahrer aus. Fünf Liter benötigt der Handschalter, 5,4 Liter die Automatik-Version. Im Alltag dreht sich das Bild wahrscheinlich um und der CVT-Micra ist genügsamer. Mit gut sechs Liter sollte man bei geschmeidiger Fahrweise rechnen. Der vierzylindrige Vorgänger mit 65 PS benötigt übrigens nach Norm 5,9 Liter.

Für einen Kleinwagen mit einem Radstand von nur 2,45 Metern federt der Micra anständig. Vor allem der Langsamfahrkomfort, also beispielsweise bei Fahrten in der Stadt, ist angenehm. Im City-Gewusel wirkt sich auch der geringe Wendekreis von neun Metern positiv aus. Die Lenkung wirkt hingegen teigig und vermittelt wenig Rückmeldung. Hoppeliger wird es auf der Autobahn. Dann steigen auch die Windgeräusche stark an, vor allem, wenn der Micra das Glasdach besitzt (Serie bei Tekna). Das Stahlblechdach ist leiser, zwei bumerangfömige Sicheln ziehen sich quer über die vordere Dachhälfte, sollen diesem Stabilität verleihen, die Aerodynamik verbessern und letztendlich das Geräuschniveau senken. Ein nennenswerter Vorteil gegenüber der Konkurrenz fiel uns jedoch nicht auf.

Der Nissan Micra vermisst die Lücken

Diesen Vorteil soll jedoch die kluge Einparkhilfe erzeugen. Mit Sensoren an Front und Heck vermisst der Micra Parklücken und zeigt an, in welche er passt. Das Einparken selbst, bleibt jedoch dem Piloten überlassen. Wirklich notwendig ist das System nicht, dafür aber einmalig in der Kleinwagenklasse.

Galerie: Erster Test Nissan Micra Neben dem 1,2-Liter-Startmotor mit 80 PS Leistung und 110 Newtonmeter Drehmoment, folgt zum Frühjahr 2011ein echter Knüllermotor. Nissan bietet dann den ersten Drei-Zylinder-Kompressor an. Der ebenfalls 1,2 Liter große Benziner soll einen ganzen Liter weniger verbrauchen als der Basis-Saugmotor. Mit vier Liter Benzin setzt er den Maßstab aller Ottomotoren. Gleichzeitig kann er mit 98 PS und 142 Newtonmeter protzen.

Direkteinspritzung, Stopp-Start und Kompressor

Das Zusammenspiel aus Direkteinspritzung (hat der Sauger nicht), Stopp-Start-Automatik (kommt beim Sauger erst 2011) und Kompressor mit kräftigem Drehmomentverlauf soll zu diesem beeindruckenden Wert führen. Einen teuren Diesel wird es beim Micra nicht mehr geben. Kein Wunder, die Spritersparnis liegt anhand solcher Werte im Promillebereich.

Drei Ausstattungslinien bietet Nissan im Micra an. Die Basis Visia gibt’s ab 10.740 Euro. Bei dem Modell fehlt lediglich die Klimaanlage. Für Verwöhnte gibt es den Acenta ab 13.240 Euro. Unter anderem mit Tempomat, Klimaautomatik, Freisprecheinrichtung und Bordcomputer. Für diese Variante werden sich rund 70 Prozent der Micra-Käufer entscheiden. Nur zehn Prozent entfallen auf die Topversion Tekna, die Sitzheizung, Navi, Einparkhilfe, elektrisch anklappbare Außenspiegel und schlüsselloses Zugangs- und Motorstart-System besitzt. 2011 hofft Nissan, rund 16.000 Micras in Deutschland, dem anspruchsvollsten Markt weltweit, verkaufen zu können. 60 Prozent davon werden finanziert oder geleast sein.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Nissan Micra 1.2   Nissan Micra 1.2
    Visia   Acenta CVT
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   3.780 / 1.665 / 1.520   3.780 / 1.675 / 1.520
Radstand (mm)   2.450   2.450
Wendekreis (m)   9   9
Leergewicht (kg)   ab 915   ab 940
Kofferraum (Liter)   265 - 1.132   265 - 1.132
Serien-Bereifung   165 / 70 R14   175 /60 R15
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.198 / 4, Reihe   1.198 / 4, Reihe
Leistung (kW / PS)   59 / 80   59 / 80
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   110 bei 4.000   110 bei 4.000
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   5-Gang-Handschalter   Stufenlose Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Benzin   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5   5,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   115 / Euro 5   125 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)        
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,7   14,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)        
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)        
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   170   161
Preise        
ab (Euro)   10.740,00   13.240,00
Empfohlene Extras        
 
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Fazit

Der neue Nissan Micra hat an Charisma verloren. Das Aussehen ist jedoch bei immer mehr Käufern ein Haupt-Argument, gerade in der Kleinwagen-Klasse. Gesteigertes Interesse wird der neue Kompressor-Motor wecken, der nur vier Liter pro 100 Kilometer benötigen soll. Zu haben ist er jedoch erst ab Frühjahr 2011.

Bis dahin müssen die Argumente Preis (minus 1.000 Euro), Leistung (plus 15 PS) und Ausstattung (vier Türen, ESP und sechs Airbags) herhalten.

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