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Galerie: Erster Test Nissan Navara NP300

Erster Test: Nissan Navara NP300

Bergsteigen im Japan-Style

17.11.2015

Nissans Bergsteiger heißt Navara. Die neu aufgelegte Version des  Japan-Pick-up steht ab Januar 2016 beim Händler und kommt komfortabler denn je vorgefahren. Wer einen typischen Pick-up in der Hofeinfahrt stehen hat, der weiß, dass sein Kraftprotz nicht der bequemste im Innenraum ist. Anders der Navara: Die Nissan-Entwickler kennen sich nun mal aus mit Crossovern und SUVs. So wie Schokolade Spuren von Nüssen enthalten kann, weist der Navara im Interieur DNA-Spuren von Juke, Qashqai und X-Trail auf - ohne seinen Nutzfahrzeug-Genen untreu zu werden. So gestaltet sich selbst die Fahrt durch schwieriges Gelände äußerst entspannt. Als Zwei- (King-Cab) und Fünfsitzer (Double-Cab) ist er mit fünf Jahren Hersteller-Garantie (bis 160.000 Kilometer) ab 21.088 Euro erhältlich.

Die Automobilindustrie dreht sich um das Mysterium SUV, der Hype um die Hausfrauen-Panzer scheint nicht abreißen zu wollen. PKWs werden immer SUV-artiger und auch die Nutzfahrzeuge müssen sich vom Spagat zwischen sportlich und nützlich belehren lassen. Das bekam auch der Nissan Navara zu spüren, der zwar als N1-Lastkraftwagen zugelassen werden muss, aber mehr PKW ist, denn je zuvor. Doch verliert er bei aller Annäherung an den Mainstream seine Urigkeit nicht.

Bequem und nützlich

Galerie: Erster Test Nissan Navara NP300Viele schlagen die Hände über dem Kopf zusammen, wenn man ihnen erzählt, dass man einen Pick-up fährt. Und das zu Recht. Die Arbeitstiere sind eben praktisch ausgelegt und nicht sonderlich bequem. Alleine bei dem Gedanken daran dürften die meisten schon ein Stechen im Kreuz verspüren. Nissan aber ließ sich bei den Sitzen von der NASA inspirieren. So passen sich die Sessel ergonomisch der natürlichen Form der Wirbelsäule an und bieten guten Halt, selbst wenn das Fahrzeug durch große Schlaglöcher hoppelt. Auch die Passagiere im Fond sitzen in der Doppelkabine einigermaßen kommod (im King-Cab stehen nur zwei Not-Klapp-Sitze bereit) und dürfen ab sofort sogar frei durchatmen: Neben der eigenen Belüftung auf den hinteren Plätzen wurde der Winkel der Rücksitzlehnen von 18 auf 23 Grad vergrößert, was dem Komfort sehr zugute kommt.

Das Armaturenbrett ist zwar typisch asiatisch mit reichlich Plastik ausgekleidet, doch wirkt es keineswegs minderwertig. Alles ist präzise und sauber verarbeitet, wie in Nissans Crossover-Modellen üblich. In der Mittelkonsole ist ein großer Touchscreen integriert, alle Knöpfchen und Regler, die der Mensch so braucht, sind im Navara dort abgelegt, wo man sie vermutet. Und die großen Tasten vermitteln den typisch robusten Charakter, den man sich von einem Truck wünscht.

Schnittiger Kraftprotz

Aufgrund seiner muskulösen Motorhaube und den geschwungenen Seitenflanken macht der Navara trotz seines Nutzfahrzeugsaspekts eine schnittige Figur und dank des typischen V-Kühlergrills und den Bumerang-förmigen LED-Tagfahrlichtern kann er seine Nissan-Familienzugehörigkeit nicht leugnen. Unter der Haube hat der Navara einen 2,3-Liter-Dieselmotor, der je nach Wunsch mit 160 oder 190 PS geordert werden kann.  Beide machen akustisch aus ihrem Brennverfahren kein Geheimnis.

Lediglich die Einstiegsversion des King-Cab kann als Heckantrieb bestellt werden, alle anderen Modelle werden mit Allradantrieb ausgeliefert. Hat man sich gegen den 2WD-Einsteiger entschieden, kann der Japan-Truck bis zu dreieinhalb Tonnen an den Haken nehmen. Ebenfalls reichlich beladen werden kann die anderthalb Meter große Ladefläche – ihr kann man über eine Tonne zumuten, was in etwa dem Gewicht eines ausgewachsenen Eisbären entspricht.

  • Technische Daten

Länge/Breite/Höhe/Radstand/Bodenfreiheit in Metern: 5,30/1,85/1,81/3,15, 0,22 Leergewicht: ab 1.948 kg, zul. Gesamtgewicht: 3.010 kg, Kofferraumvolumen: k. A., Wendekreis: 13,1 m, Preis: ab 24.618 Euro.

Motoren:

Vierzylinder-Turbo-Dieselmotor, Hubraum: 2.298 ccm, Leistung: 120 kW/160 PS, max. Drehmoment: 403 Nm bei 1.500-2.500/min, Höchstgeschwindigkeit: 172 km/h, 0 bis 100 km/h: 12,0, kombinierter Verbrauch: 6,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 169 g/km, 6-Gang-Schaltgetriebe, Allradantrieb. Preis: ab 24.618 Euro

Vierzylinder-Twin-Turbo-Dieselmotor, Hubraum: 2.298 ccm, Leistung: 140 kW/190 PS, max. Drehmoment: 450 Nm bei 1.500-2.500/min, Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h, 0 bis 100 km/h: 10,8, kombinierter Verbrauch: 6,4 l/100 km, CO2-Ausstoß: 169 g/km, 6-Gang-Schaltgetriebe (7-Gang-Automatik optional), Allradantrieb. Preis: ab 27.756 Euro

Gepflegte Gemütlichkeit

Galerie: Erster Test Nissan Navara NP300Zugang verschafft man sich in den Navara dank Keyless-Go mit dem Schlüssel in der Hosentasche. Ein Druck auf den Start-Knopf und der Pick-up erwacht zum Leben. Bereits auf den ersten Metern ist festzustellen, dass der Truck aus Fernost einen sehr gemütlichen Eindruck macht. So leicht bringt den nichts aus der Ruhe. Dank der neuen Mehrlenker-Hinterradaufhängung mit Schraubenfedern gleitet er auch über größere Schäden im Asphalt dahin. Für einen flotten Sprint ist der Gemütliche allerdings selbst in der Twin-Turbo-geladenen Topmotorisierung nicht wirklich zu begeistern.

Kein Wunder: Denn die 450 Newtonmeter Drehmoment, die dem Navara zwischen 1.500 und 2.500 Umdrehungen zur Verfügung stehen, müssen gut zwei Tonnen in Wallung bringen. „Die Gemütlichkeit kennt keine Grenzen“, hören wir das Siebenstufen-Automatikgetriebe leise singen, denn auch das scheint es nicht sonderlich eilig zu haben. Diese Besonnenheit müssen wir ihm allerdings durchgehen lassen – er ist hier eben doch mehr Nutzfahrzeug als sportliches SUV. Nicht durchgehen lassen können wir ihm dagegen das ausgesprochen hakelige Sechsgang-Schaltgetriebe; den Aufpreis für die Automatik sollte man immer in Kauf nehmen.  

Der Berg ruft

Galerie: Erster Test Nissan Navara NP300Seine Stärke offenbart der Nissan Navara auf einer Offroad-Strecke durch die mallorquinischen Berge. Am Drehregler im Armaturenbrett stellen wir vom 2WD-Antrieb auf den permanenten Allradantrieb. Wer im besonders anspruchsvollen Terrain unterwegs ist, kann zusätzlich die Kraftverteilung im Verhältnis 50:50 sperren. Diese Maßnahme ist aber wohl nur selten nötig, denn schon im "normalen" 4x4-Betrieb kraxelt der Navara gemsengleich bergauf.

Höhenmeter um Höhenmeter arbeitet er sich hoch und scheint am Boden wie Kaugummi zu haften. Eine Rundum-Kamera zeigt dem Fahrer den Wagen dabei aus der Vogelperspektive und hilft beim Manövrieren; das ist besonders hilfreich, wenn an starken Steigungen der Blick nicht mehr gen Himmel denn auf die Straße fällt. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,4 Litern soll der Nissan sich zufrieden geben, was angesichts schwieriger Kraxelarbeiten allerdings nur schwer realisierbar sein dürfte. Acht Liter zeigte der Bordcomputer während unserer Testfahrt bei normaler Anforderung an.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Mit dem neuen Nissan Navara haben die Japaner ein Pick-up mit Komfort auf weite Flur gestellt. Er stellt sich willensstark allen ihm gestellten Anforderungen und trotzt dem SUV-Hype mit seinem robusten Erscheinungsbild. Ein Auto für Individualisten mit Hang zum Abenteuer. Zwar ist er nicht der schnellste und sein Schaltgetriebe ist nicht das einfachste, fest steht aber: Er macht einfach Spaß.
 
 

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