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Galerie: Erster Test Opel Cascada

Erster Test: Opel Cascada

Da fliegt mir doch das Blech weg

15.03.2013

Opel ist derzeit im Aufwärtstrend. Trotz anhaltend negativer Nachrichten lassen sich die Rüsselsheimer nicht beirren und setzen ihre Modelloffensive fort. Nach den gelungenen Modellen Adam und Mokka greift Opel erneut tief in die Tasche und holt zum Frühjahr das Cascada Cabriolet heraus. Lange Zeit war es bei Opel um das Thema Cabrio sehr ruhig geworden, denn nach dem Auslaufen des mit einem faltbaren Blechdach ausgerüsteten Astra TwinTop im Jahr 2010 hatten die Rüsselsheimer keinen offenen Pkw mehr im Programm. Der Cascada bedeutet somit einen Neuanfang, mit dem vor allem die Kunden von Premium-Mitbewerbern wie dem Audi A5 oder 3er BMW angelockt werden sollen.

Optisch steht der neue Cascada da, wie der Musterentwurf eines Cabriolets. Kein Bügel stört die Sicht nach hinten, die Frontscheibe ist schön schräg geneigt und auch die Proportionen lassen erkennen, dass das Opel-Design bestrebt war, dem Wagen einen großen Auftritt zu verschaffen. Die umlaufende Chromleiste betont die Eleganz des Opel und wertet die leicht nach hinten ansteigende Gürtellinie zusätzlich auf. Der lange Radstand und die breite Spur tragen ihren Teil zur sportlichen Linienführung bei. Keine Frage, hier ist Opel ein echtes Schmuckstück gelungen, das keine Spur mehr zeigt von der unsäglichen Plumpheit früherer Blechdachcabriolets. Lediglich die etwas beliebige Front, die letztlich nur durch das Markenemblem deutlich von anderen deutschen Angeboten zu unterscheiden ist, hätte etwas mehr Eigenständigkeit vertragen können, nur zu leicht besteht hier Verwechslungsgefahr.

Luxusverdeck mit Liebe zum Detail

Ein weiterer Baustein des Designs ist das mehrlagige, elektrisch zu bedienende Stoffdach. Das Verdeck mit seiner gläsernen Heckscheibe sieht optisch ansprechend aus und bringt das von vielen Kunden hoch geschätzte „Zelt Feeling“ ins Cabriolet zurück. Dafür, dass es im geschlossenen Cascada nicht zugig und flatterig zugeht, wie im Zelt vom Baumarkt, haben sich die Opel-Mannen neben einer wirkungsvollen Dämmung auch der Minimierung der Toleranzen bei den Dichtungen und Spaltmaßen gewidmet.

Galerie: Erster Test Opel CascadaMit Erfolg, denn selbst bei hohen Geschwindigkeiten säuselt kein unerwünschter Luftzug am Scheibenrand und auch der Balloneffekt, also das Aufblähen des Daches bei hohen Geschwindigkeiten, wurde wirksam unterbunden. Wer mag, kann das Verdeck zusätzlich mit einer verstärkten Dämmung bestellen, die das Innengeräuschniveau noch einmal um 30 Prozent reduziert.

Öffnen auf Knopfdruck

Daneben bietet das von Magna zugelieferte Cascada-Verdeck aber noch weitere Besonderheiten. Statt eines umständlichen Handbetriebes lässt es sich elektro- hydraulisch bedienen, bei Bedarf sogar ferngesteuert vom Schlüssel aus oder bei voller Fahrt bis 50 km/h. Dann öffnet oder schließt es nahezu lautlos binnen 17 Sekunden, schnell genug, um dem nächsten Schauer ein Schnippchen zu schlagen.

Angesichts von so viel Technik ärgert es dann schon, wenn es Opel nicht gelingt, die elektrischen Leitungen im Verdeckdeckelbereich so elegant zu verlegen, dass sie für den Betrachter der Klipp-Klapp-Show unsichtbar bleiben. Die herumliegenden Kabel und Stecker hinterlassen jedenfalls eher den Eindruck eines halbfertigen Prototypen, denn den eines ausgereiften Premiumproduktes.

Neue Eleganz im Innenraum

Galerie: Erster Test Opel CascadaGottlob setzt sich dieser Eindruck nicht im Innenraum fort . Bis auf ein paar ungünstig genarbte Plastikverkleidungen in der Mittelkonsole hat Opel einen guten Job gemacht und ein ansprechendes Design gefunden. Hochwertige Ledersitzbezüge mit hitzereflektierenden Oberflächen, optisch ansprechende Kunststoffe und satt einrastende Schalter lassen vergessen, dass Opel vor nicht allzu langer Zeit gerade im Bereich der Innenraum-Haptik erheblichen Nachholbedarf hatte. Und auch die Bedienung des Cascada gelingt, trotz der überfrachteten Mittelkonsole, problemlos. Schnell wird klar, dass das hier gewählte Konzept mit der direkten Funktionszuordnung der Tasten durchaus seine Vorzüge gegenüber verschachtelten Menüoberflächen hat.

Daneben bietet der Opel mit kleinen Annehmlichkeiten, wie dem elektrischen Gurtbringer oder der optionalen Lenkradheizung genau den Hauch von Luxus, den man sich in dem Segment der bezahlbaren Cabriolets wünscht. Da stören Petitessen, wie das bisweilen verwirrte Kollisionswarnsystem oder das nervtötende Gebimmel der diversen Warneinrichtungen beim Rangieren nur wenig.

Fahren ohne zu Leiden

Galerie: Erster Test Opel CascadaNeben einer hochwertigen Verarbeitung steht bei einem Cabriolet natürlich der ungetrübte Offenfahrspaß im Vordergrund. Klappern oder gar Knarzen im Gebälk der Karosserie gehört da sicher nicht zum Handwerk. Die Opel Ingenieure haben mit zahlreichen Versteifungen und dem Einsatz hochfester Stähle dafür gesorgt, dass der Cascada so schnell nicht die Biege macht. Selbst wenn das Auto mit geöffnetem Dach auf einem Bordstein parkt, öffnen und schließen die Türen problemlos.

Doch, was des einen Freud, ist des anderen Leid. Und so verwundert es angesichts üppiger Komfortausstattung und den zusätzlichen Versteifungsmaßnahmen nicht, dass der Opel Cascada reichlich Pfunde auf die Waage bringt. Stattliche 1.733 Kilogramm Leergewicht sind es beim 1,6-Liter-Benziner. Ein Wert, der auf der einen Seite beim Fahren Solidität suggeriert, auf der anderen aber auch gehörig auf die Fahrdynamik schlägt und nebenbei noch stummer Zeuge von weiterem Innovationsbedarf im Karosseriebau bei Opel ist.

Premiere einer neuen Motorengeneration

Galerie: Erster Test Opel CascadaAngesichts dieser wuchernden Pfunde sind die Erwartungen an die Fahrdynamik der 170-PS-Benzinerversion dann auch nicht allzu groß. Und die Befürchtungen werden bestätigt. Der komplett neu entwickelte 1,6-Liter-Turbomotor mit Direkteinspritzung müht sich in dem schweren Auto nach Kräften, doch so richtig will es mit der sportlichen Spritzigkeit nicht klappen. Bereits bei kleinen Steigungen geht dem Opel die Puste aus und die 260 Newtonmeter (Overboost : 280 Newtonmeter) müssen durch runter schalten aus ihrer Reserve gelockt werden. Unter fröhlichem Geheule des Turboladers geht es dann zwar wieder vorwärts in Richtung Höchstgeschwindigkeit (222 km/h), doch so richtig souverän ist der Antrieb in dem offenen Opel nicht, was auch daran liegt, dass der Motor im oberen Drehzahlbereich ein wenig zäh zur Sache geht.

Dabei hat Opel es eigentlich gut gemeint und dem Cascada als erstem Modell ein Aggregat aus der neuen Motorengeneration verpasst. Mit Abgasturboaufladung, vier Ventilen pro Zylinder und Benzin-Direkteinspritzung spiegelt der Motor dabei den aktuellen Stand der Technik wieder. Echte Innovationen sucht man an ihm jedoch vergeblich. So bleibt nur zu hoffen, dass die geplanten Ausbaustufen des 1,6-Liter dem Cascada etwas mehr Leben einhauchen, als die derzeitige Ausführung, die mit rund 8,5 Litern Verbrauch auch nicht zu den sparsamsten Vertretern ihrer Art gehört.

Power Diesel ab Sommer

Sparsamer und zugleich auch dynamischer ist der Cascada-Kunde vermutlich mit dem ab Sommer erhältlichem 2,0 BiTurbo CDTI mit 195 PS unterwegs. Der auch im Zafira verwendete Motor bietet deutlich mehr Drehmoment (380 Nm im Overboost Betrieb) aus dem Keller, was ihn für den Einsatz in dem schweren Cascada zu einer Idealbesetzung machen wird, die eigentlich nur noch von einer Kombination mit dem Sechsgang -Automatikgetriebe zu toppen sein dürfte. Doch ausgerechnet diese reizvolle Version findet sich derzeit noch nicht in der Opel Preisliste.

Galerie: Erster Test Opel CascadaDas Opel noch dynamischere Versionen des Cascada plant, macht die Konstruktion der Radaufhängung deutlich. Die aus dem Insignia OPC bekannte anspruchsvolle HiPerStrut-Vorderachse kommt selbst bei sportlicher Fahrweise problemlos mit der gebotenen Leistung zurecht und begeistert durch spontanes Einlenkverhalten, sowie durch gute Traktion der Antriebsräder. Seinen endgültigen Feinschliff erhält das Fahrwerk durch die gelungene Feder-Dämpfer-Abstimmung mit der der Opel ausreichend komfortabel ist, ohne aber zu einer schunkeligen Sänfte zu mutieren. Zusätzlich ist das aktive Dämpfersystem Flex Ride im Angebot, mit dem zwischen verschiedenen Dämpferabstimmungen gewählt werden kann.

Mut zur Lücke

Opel betritt mit dem Cascada bewusst ein ungewohntes Terrain. War der Vorgänger sowohl von der Größe, als auch vom Preis noch in der Kompaktklasse angesiedelt, soll es der 28.245 Euro teure Cascada (1,6 SIDI Turbo Sechsgang) nun mit Audi A5 und dem BMW Dreier Cabriolet aufnehmen. Preislich liegt er damit selbst mit einer umfangreichen Mehrausstattung deutlich unter diesen Mitbewerbern. Ob das allerdings ausreichen wird, um potentielle Kunden eines Audi-Jahreswagens zu einem Opel wechseln zu lassen, wird die Zukunft zeigen. Im Vergleich zu den Angeboten der Kompaktklasse, wie etwa dem Volkswagen Eos, dürfte der Cascada mit seinem besseren Raumangebot und einer Vielzahl von Premium-Sonderausstattungen dagegen schon eher punkten können.

 
Fazit
 

Sven Jürisch

Endlich gibt Opel wieder Gas. Nach Jahren der Lethargie pumpen die Rüsselsheimer derzeit ein neues Modell nach dem anderen in die Pipeline der Händler. Wie auch schon bei Adam, landen sie mit dem Cascada wieder einen Volltreffer. Mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, interessanten technischen Ausstattungsmöglichkeiten und einer soliden Verarbeitung sollte der Cascada seine Kunden finden.
 

Das der neue 1,6-Liter-Motor nicht so recht zu überzeugen vermochte, ist zu verschmerzen, kommt doch im Sommer 2013 der bärenstarke Dieselmotor. Bleibt das Imageproblem, dem sich Opel jetzt selbstbewusst entgegenstellen muss. Denn, wie die Rabattschlachten der Premiumhersteller derzeit zeigen: die Konkurrenz schläft nicht.

 
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