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Galerie: Erster Test Opel Combo 2.0 CDTI

Erster Test: Opel Combo 2.0 CDTI

Rüsselsheimer Gastarbeiter

29.03.2012

Wie sich Zeiten ändern: Einst zog es Türken in großer Zahl nach Rüsselsheim, um den Nachkriegsdeutschen beim Wirtschaftswunder zu helfen und deren Autos zu montieren, die dann international Karriere machten. Doch mittlerweile vertreibt Opel in der Türkei produzierte Modelle, bei denen es sich zudem noch um waschechte Italiener handelt. Nur die modifizierte Frontschürze und der Austausch der Markenembleme suggerieren eine Pseudo-Opel-Identität, die vor allem Nutzwertorientierte mit Hang zur Blitzmarke verzücken soll.

Angesichts einer (in der Branche übrigens üblichen) Badge-Engineering-Neuauflage tut sich Opel etwas schwer, den Combo als Ausdruck eigener Autobaukompetenz zu lobpreisen. Die Marketing-Verantwortlichen sind dennoch bestrebt, entfernte Opel-Genealogie zu propagieren. Immerhin, so der etwas beschwörende Hinweis, war man in einer frühen Phase sogar an der Doblo-Entwicklung beteiligt gewesen, und haben auch teilweise die Motoren in gemeinschaftlichen Kooperationen von GM und Fiat ihre Wurzeln. So weit, so hergebetet: Beim Combo handelt es sich um einen Fiat Doblo – Punkt!

Immerhin hat der Umstand, dass der Combo nunmehr von Fiat kommt, für einen deutlichen Wachstumsschub gesorgt. Der über zehn Jahre gebaute Vorgänger basierte noch auf einem Corsa und war zwar innen mit viel Platz gesegnet, doch insgesamt ein noch recht kompakt gebauter Lademeister. Der neue Combo bringt es auf fast 4,40 Meter Länge in der Normalversion, die Variante mit langem Radstand legt für 1.550 Euro Aufpreis nochmals 35 Zentimeter drauf. Auch in Höhe und Breite kann sich die kubisch gestaltete Fahrgastzelle vom Vorgänger absetzen.

Bestmarken-Setzer

Galerie: Erster Test Opel Combo 2.0 CDTIUnd dieser Zuwachs geht einher mit einer deutlichen Vergrößerung des Innenraums und damit gleich noch mit einigen Bestmarken im Segment. So kann die Nutzfahrzeug-Variante stolze 4.600 Liter und sogar bis zu drei Meter lange Gegenstände aufnehmen. Immer noch eindrucksvoll sind die Eckdaten der auf Wunsch auch siebensitzigen Van-Version, die immerhin noch 3.200 Liter Gepäck schluckt. Der Wagen verfügt zudem über eine sensationell niedrige Ladekante, deren Höhe Opel mit bescheidenen 55 Zentimeter angibt.

Doch sind es nicht allein reine Literzahlen, der Wagen ist zudem hochvariabel, bietet selbst in der dritte Reihe zwei vollwertige Sitzgelegenheiten für Erwachsene und kann mit vielen Zusatzstaufächern und zwei serienmäßigen Schiebentüren für den Fond vor allem familienorientierten Mobilitäts-Phantasien eine vielseitige Projektionsfläche bieten. Wahlweise kann sich der Kunde zudem zwischen einer Flügel-Hecktür oder einer großen, nach oben öffnenden Klappe entscheiden.

Wer also gerne viel schieben und klappen will, für eigentlich jede Lebenssituation das richtige Fahrzeug wünscht und wer nebenbei noch gerne seinen halben Hausstand möglichst dabei haben will – der Combo kann für jedes denkbare Bepackungs-Szenario souveräne Lösungen anbieten. Und er gibt den Insassen so gar nicht das Gefühl, eingemauert zu sein. Allerdings ist es dem normalgewachsenen Fahrer deshalb auch kaum mehr möglich, den linken Ellenbogen entspannt auf der weit entfernten Oberkante der Türverkleidung abzulegen.

Top-Diesel mit Biss

Galerie: Erster Test Opel Combo 2.0 CDTIUnd trotz seiner grundsätzlich sehr nutzwertigen Auslegung vermag der Combo ebenso ob seiner Fahreigenschaften ein weitgehend Pkw-ähnliches Fahrgefühl vermitteln - obgleich der hohe Aufbau akustisch und bei schnellen Kurvenfahrten einen gewissen negativen Einfluss geltend macht und die auf Nutzlast hin optimierte Hinterachse bei manchen Unbilden der Straße mit einer gewissen Stößigkeit nervt. Ganz famos ist der 135 PS und 320 Newtonmeter starke 2.0 CDTI – ein bis auf eine leichte Anfahrschwäche angenehm starker Vortrieb –, der den 1,4-Tonner in 11,3 Sekunden auf Tempo 100 schickt und bis zu 179 km/h schnell macht. Erst bei höheren Geschwindigkeiten drängen die Windgeräusche den rund sechs Liter auf 100 Kilometer konsumierenden, etwas unfein rumpelnden Diesel akustisch in den Hintergrund.

Doch genau mit diesem rustikal wirkenden Diesel sollte der Combo motorisiert sein, denn alle anderen Alternativen (Diesel mit 1,3 oder 1,6 Liter, sowie die Benziner- und Erdgas-Versionen) sind doch etwas schwachbrüstig und wären eigentlich nur als Sprit- beziehungsweise Geldsparalternativen empfehlenswert. Herausragend bei den Energiekosten ist eine 120 PS starke Erdgas-Version, die  nahezu eine Halbierung des monetären Aufwands gegenüber einem vergleichbar motorisierten Benziner ermöglichen soll, bei gleichzeitig noch respektablem Vortrieb und deutlich feineren Akustikmanieren. Allerdings verlangen die Rüsselsheimer für die turbogeladene Gas-Version ebenso wie für den Top-Diesel mindestens 23.000 Euro. Die Basisversion des Combo ist mit dem dramatisch lustlosen 1,4-Liter-Benziner für deutlich günstigere 17.650 Euro zu haben.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Opel Combo   Opel Combo
Version / Ausstattung   2.0 CDTI, Pkw 5-Sitzer   1.4 CNG Turbo, Pkw 5-Sitzer
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.956 / R4-Turbodiesel   1.364 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS)   99 / 135   88 / 120
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   320 / 1.500   206 / 3.000
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   manuelle Sechs-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.390 / 1.831 / 1.845   4.390 / 1.831 / 1.845
Radstand (mm)   2.755   2.755
Wendekreis (m)   11,2   11,2
Leergewicht (kg)   1.415   1.415
Kofferraum (Liter)   790 - 3.200   790 - 3.200
Bereifung Testwagen   185/65 R 15   185/65 R15
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Erdgas
Kombiniert laut Werk (l/100km)   5,9   4,9 (kg/km)
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   154 / Euro 5   134 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   11,3   12,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   179   172
Preise        
ab (Euro)   24.450,00   23.100,00
Empfohlene Extras   k.A.   k.A.
 
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Hüttenzauber

Mag die recht frische aber letztlich doch auch etwas Lieferwagen-artige Außenoptik noch ein irgendwie glaubhaftes Opel-Gefühl suggerieren, hat man spätestens beim Entern des Innenraums keine Zweifel mehr an der Fiat-Herkunft. Stil und Materialien sind eben doch ganz nach Art der Italiener und verwöhnt das Ambiente nicht mit dem Premium-Niveau, welches bei Opel seit dem Insignia die Interieurs neuer Modelle erstaunlich wohnlich macht. Doch ist der Combo keineswegs eine triste Nutzwert-Hütte, viele pfiffige Details und ein anregender Materialmix machen den Aufenthalt durchaus vergnüglich. Da könnte man meckern, muss man aber nicht .

Magere Basis

Galerie: Erster Test Opel Combo 2.0 CDTIAllerdings haben wir auch ein besonders gut ausgestattetes Exemplar fahren dürfen, welches uns die gehobene Ausstattungsvielfalt aufzeigte, die ein Combo zu bieten im Stande ist. In der Basis sind das (nur!) zwei Airbags, ESP, elektrische Fensterheber vorne, zwei Schiebetüren, Zentralverriegelung und Laderaumabdeckung. 1.350 Euro kostet das nächsthöhere Ausstattungsniveau Edition, welches zwei Seitenairbags vorne, ein CD-Radio, elektrische Außenspiegel und Fondseitenfenster sowie einen höhenverstellbaren Fahrersitz beinhaltet.

Weitere rund 4.000 Euro muss man dann für die Wunschlos-Glücklich-Ausstattung einkalkulieren, die den Gesamtpreis des 2.0 CDTI auf stolze 29.000 Euro treibt. Dann können sogar Klimaautomatik, 16-Zoll-Alus, Sitzheizung, Tempomat, Lederlenkrad und die unbedingt empfehlenswerten Parkpiepser mit an Bord sein. Doch wie komfortabel auch immer: Das wirklich große Kino bietet der Combo, wenn es viel zu transportieren gibt, und dieser eigentlichen Bestimmung wird der Rüsselsheimer Gastarbeiter in vorzüglicher Weise gerecht.

 
Fazit

Mario Hommen

Stauraum-Maximierer werden vom neuen Doblo alias Combo begeistert sein, egal in welcher Karosserie- und Bestuhlungsvariante: Hier geht die Rechnung von Opel voll auf und werden nutzwertorientierte Kundenbedürfnis so souverän wie bei kaum einem anderen Kompakt-Pkw bedient.

Allerdings hat der Combo eben auch einen gewissen Nutzfahrzeug-Charme, welcher im Vergleich zu schicken Minivans wie dem Opel Meriva weniger Fahrvergnügen bei weniger Wohlfühl-Ästhetik bietet. Ein Bisschen laut, ein bisschen hart, ein bisschen wenig Premium – hier können andere stauraumoptimierte Opel-Modelle deutlich mehr bieten. Doch wer beim Zelturlaub Kinder, Kajaks und Campingküche mitnehmen will, wird die vergleichsweise konsequente Nutzwert-Optimierung des Combo sehr zu schätzen wissen.
 
 

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