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Galerie: Erster Test Opel GT

Erster Test: Opel GT

Vetter Volkssportler

30.01.2007

Wäre da nicht der Blitz am Kühlergrill, der neue Opel GT würde ohne weiteres als kleine Corvette durchgehen. Genau wie damals Ende der 60er Jahre, als der Ur-GT mit seiner Colaflaschen-Taille die volkseinkommensverträgliche Version der Corvette C3 mimte. Die Erwartungshaltung ist ebenfalls wie vor gut 40 Jahren: Der GT tritt wieder einmal an, das biedere Image von Opel aufzusporten. Ob das gelingt, klärt unser erster Fahrbericht.

Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich beim GT nicht um einen Gran Turismo, sondern um einen puristischen Roadster. In diesem Segment, mit Konkurrenten vom Schlage eines Mazda MX-5, BMW Z4, Audi TT Roadster, Alfa Spider und Mercedes SLK, dreht es sich im Wesentlichen um drei Dinge: Das Aussehen, die Sportlichkeit und einen gesunden Rest an Alltagstauglichkeit.

So subjektiv das Thema Design auch ist, beim neuen GT stimmt so ziemlich alles: Langer Radstand, kurze Überhänge, eine breite Spur, radhausfüllende 18-Zöller, ein aggressives, nicht übertrieben verkniffenes Gesicht und ein überaus wohlproportioniertes Heck - der Ästhet kniet nieder. Wohldosierte Details wie die Lüftungsschlitze in der Motorhaube und die Kiemen an den Flanken sowie die beiden Höcker hinter den Sitzen unterstreichen stilsicher den sportlichen Anspruch.

Amerikanische Gene

Galerie: Erster Test Opel GTBeim Blick ins Cockpit dann die Ernüchterung: Alles ist logisch angeordnet, sexy ist aber anders. Einzig die klassischen Rundinstrumente und der stummelkurze Schaltknauf mögen sportorientierte Schöngeister ansprechen. Der ganze Rest ist schlicht gewöhnlich, die Materialien entsprechen nicht der gewohnten Opel-Güte. Harter, kratzempfindlicher Kunststoff wohin man auch blickt. Anders ausgedrückt: typisch amerikanisch. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich teilt sich der GT die Plattform mit den GM-Geschwistermodellen Saturn Sky und Pontiac Solstice, wird wie diese im US-Werk in Wilmington gebaut.

Ureuropäisch sind dagegen die Fahreigenschaften. Motor vorne, Antrieb hinten, eine optimale Gewichtsverteilung von beinahe 50:50 Prozent auf Vorder- und Hinterachse, ein aufwändiges Fahrwerk mit doppelten Dreieckslenker rundum und eine direkte Lenkung - der neue GT bringt die besten Voraussetzungen für höchste Fahrdynamik mit. Und erfüllt die hohen Erwartungen: Agil wetzt der Roadster um die Ecken, lenkt spontan ein und schickt - falls gewünscht - schon mal das Heck hinterher.

Gepflegter Quertreiber

Galerie: Erster Test Opel GTWeil gepflegtes Quertreiben eben irre Spaß macht und der GT als ausgewiesenes Fun-Mobil firmiert, hat Opel das ESP entsprechend programmiert. Im Standard-Modus lässt es nur angedeutete Hüftschwünge zu, im Sportmodus dagegen durchaus aufreizende Wackler mit dem Hinterteil. Wer will, kann den Schleuderschutz ganz ausschalten und richtig räubern. Trotz aller Sportlichkeit bleibt der Komfort nicht auf der Strecke. Obwohl die Seitenneigung der Karosserie gering ausfällt, filtert das Fahrwerk holprigen Untergrund geschmeidig weg.

Galerie: Erster Test Opel GTFür sportlichen Vortrieb sorgt ein kerniger 2,0-Liter-Vierzylinder mit Turboaufladung und Benzindirekteinspritzung. Auch wenn 264 PS und der werksseitig angegebene Sprintwert (5,7 Sekunden von Null auf Tempo 100) etwas hoch gegriffen erscheinen, kommt der GT ausgesprochen gut vom Fleck. Vor allem die Durchzugskraft begeistert, das maximale Drehmoment von 353 Nm wird im breiten Drehzahlbereich von 2.000 bis 5.200 Touren und ohne nennenswertes Turboloch bereitgestellt. Da stört es nicht weiter, dass das knackig zu schaltende, manuelle Getriebe lediglich fünf Vorwärtsgänge aufbietet. Außer vielleicht der Umstand, dass der GT bei für Sportwagenverhältnisse langsamen 229 km/h den Vortrieb einstellt.

Die Schattenseiten

Galerie: Erster Test Opel GTAlles fein, wäre der Wagen denn nur ein bisschen praktisch. Die Enge im Innenraum steht im krassen Gegensatz zur Karosseriebreite von immerhin 1,81 Meter. Hauptschuld trägt der übertrieben wuchtige Mitteltunnel, an dem stets das Fahrerknie reibt. Auf der anderen Seite ist der Abstand zwischen Sitz und Tür so gering, dass man zur Lehnenverstellung die Tür öffnen muss.

Galerie: Erster Test Opel GTDie Fensterheber und Tasten für die elektrische Spiegelverstellung sind zu weit hinten in der Türverkleidung angebracht, das Lenkrad wiederum vergleichsweise weit vorne montiert und lediglich in der Höhe verstellbar. Cupholder und Ablagen fehlen gänzlich, das Handschuhfach ist mickrig und die ausreichend dimensionierte Klappbox zwischen den Sitzen nur mit Verrenkungen erreichbar.

Sturmhaube

Ganz Roadster, gibt es den Opel GT ausschließlich mit Stoffverdeck. Die potentiellen Vorteile der klassischen Mütze - schnelles Öffnen und geringer Bauraum - sucht man hier allerdings vergebens. Bevor der Wind kräftig durchs Haar wirbelt, steht Handarbeit an: Mit der Fernbedienung der Zentralverriegelung muss zuerst die Heckklappe, dann per Drehhebel die Haube an der Frontscheibe entriegelt werden. Nun aussteigen, den Heckdeckel hochheben, das Dach hinein- und die Abdeckung wieder zudrücken. Letzteres braucht in der Regel mehrere Versuche, da die Haltezapfen ausgesprochen schwer einrasten. Galerie: Erster Test Opel GT

Der Gepäckraum tendiert bei geöffnetem Dach gegen Null, die Wäsche für einen Wochenendausflug zu Zweit lässt sich im Grunde nur lose unter der Klappe verstauen. Bitter, schließlich packen MX-5, Z4 und Co. locker zwei bis drei Taschen ins Heckabteil, das dort zu Recht als Kofferraum bezeichnet wird.

Fazit

Mit dem neuen GT hat Opel ein im doppelten Wortsinn leidenschaftliches Auto auf die Räder gestellt. Das großartige Design und die dynamischen Fahreigenschaften begeistern, wecken Leidenschaft. Der ausgesprochen unpraktische Innenraum und der (bei geöffnetem Dach) schlicht nicht vorhandene Gepäckraum schränken den Alltagsnutzen allerdings enorm ein - was Leiden schafft. Galerie: Erster Test Opel GT

Interessant wiederum ist der Preis. 30.675 Euro kostet der 265-PS-Roadster - inklusive 18-Zöllern, MP3-fähiger CD-Audioanlage, Klimaanlage, Lederlenkrad und Nebelscheinwerfer. Lediglich für Metallic-Lack und ein Paket mit Lederausstattung sowie CD-Wechsler (€ 1.285) wird Aufpreis verlangt. So gesehen steht der Opel GT konkurrenzlos da, denn der 6.000 Euro günstigere Mazda MX-5 muss mit 100 PS weniger auskommen. Ein nackter BMW Z4 mit 150 PS kostet bereits ebenfalls rund 30.000 Euro, ein Alfa Spider (185 PS) startet bei 33.400 Euro, ein Audi TT Roadster (200 PS) bei 33.800 Euro und der günstigste Mercedes SLK (163 PS) kommt auf über 35.000 Euro.

 
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