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Galerie: Erster Test Opel Insignia Facelift

Erster Test: Opel Insignia Facelift

Gutes tun

02.10.2013

Der Insignia hat Opel gut getan, insofern ist es nur fair, wenn die Rüsselsheimer umgekehrt jetzt auch ihrem Flaggschiff etwas Gutes tun. Und davon gleich derart viel, dass der Insginia nach fünf Jahren sogar richtig gut geworden ist, wie wir auf einer ersten Ausfahrt erleben konnten.

Während manch Hersteller eine Baureihe nach fünf Jahren auch schon mal in einer Neuauflage präsentiert, hat Opel vordergründig dem Insignia lediglich ein Facelift angedeihen lassen. Zumindest optisch, während unter dem Blechkleid sich doch so viel getan hat, dass man auch schon von einer Neuauflage sprechen könnte.

Dieser Eindruck will sich von außen zumindest nicht einstellen, denn der Insignia bietet einen hohen Wiedererkennungswert. Doch anders als noch auf den Fotos spürt man in Natura einen zwar subtilen aber doch deutlichen Feinschliff, der den Insignia angenehm aufgewertet wirken lässt. Vor allem ein kräftiger Schuss mehr Chrom, neue Außenfarben und Designräder sorgen für edle Frische. Und auch die Leuchteinheiten sowie die Front- und Heckschürzen haben zusammen mit einem neuen Kühlergrilldesign dem Mittelklasse-Modell offensichtlich gut getan.

Schicker Allroad-Konkurrent

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftAls besonderes Schmankerl bietet Opel den Tourer nun auch in einer SUV-artig angehauchten Version namens Country Tourer an. Ähnlich wie Audi mit den Allroad-Modellen von  A4 und A6 oder VW mit dem Passat Alltrack hat Opel seinem Insignia Kombi mit einer Robustheit suggerierenden Rundumbeplankung, einer Fahrwerkshöherlegung, speziellen Farben und Felgen sowie der Kombination mit stärkeren Motoren und obligatorischem Allradantrieb zu einer freizeitorientierten Premium-Variante aufgewertet. Einen besonderen Nutzwert hat eine solche Modellvariante freilich nicht, doch wertet sie die Insignia-Baureihe in wohltuender Weise auf.

Am eindrucksvollsten ist der Innovationsschub beim Insignia im Innenraum wahrnehmbar. Besonders auffällig ist die im Vergleich zum Vorgänger sehr aufgeräumte Mittelkonsole. Statt der vielen Direktwahltasten beim Vorgänger hat Opel nun viele Funktionen in Untermenüs verfrachtet, die sich über gleich vier verschiedene Wege steuern lassen. So hat der Fahrer die Möglichkeit, direkt über den 8-Zoll-Touchscreen viele Funktionen per Zeigefinger oder Wischgesten zu steuern. Alternativ und ergänzend gibt es noch ein Touchpad, eine Sprachsteuerung und Tasten am Lenkrad. Wer sich an das alte Bediensystem gewöhnt hat, wird zunächst einmal gewisse Orientierungsprobleme haben und sorgt das redundante Bediensystem auch für eine Qual der Wahl. Soll ich jetzt via Touchscreen oder doch besser am Touchpad die Adresseingabe vornehmen? Ach nee, besser, ich mach das per Spracheingabe …

Viele Kompromisse

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftDer Markt der Möglichkeiten mag zunächst eine gewisse Verwirrung stiften, doch andererseits hatten wir trotz neuer Menüstruktur und neuer Symbole eigentlich keine ernsten Probleme, die wichtigen Audio- oder Navifunktionen zu aktivieren oder dem Bordcomputer den Verbrauchswert zu entlocken. Vielleicht hat es Opel etwas zu gut mit den vielen Bedienwegen gemeint, dennoch wird keiner ein Problem haben, den Insignia zu fahren und die elementaren Funktionen auf Anhieb zu finden. Und man hat sich bei Opel ohnehin für einen Kompromiss entschieden: So gibt es auch weiterhin echte Bedientasten, unter anderem für die Klima- und die Audioanlage.

Vielleicht kann man in diesem Kompromiss aber auch eine vertane Chance sehen, denn Peugeot/Citroën oder auch Tesla setzen noch deutlich konsequenter auf einen aufgeräumten Arbeitsplatz und wird hier eigentlich alles über berührungsempfindliche Bildschirme gesteuert. Tasten sind dann absolute Mangelware. Die Opelaner haben sich wohl nicht getraut, den klassischen Opel-Kunden zu verschrecken, der ja Direktwahltasten gewohnt ist.

Zweites Riesen-Display im Kombiinstrument

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftDoch ist das Multimedia-Display nicht der einzige Innovationsschub. Opel hat zusätzlich noch ein acht Zoll großes Display im Kombiinstrument, welches gegen Aufpreis ebenfalls einen technischen Schick und eine höhere Flexibilität ins Anzeigesystem zaubert. Flankiert wird dieses zentral die Geschwindigkeit anzeigende Display von Drehzahlmesser, Tank- sowie Kühlwassertemperaturanzeige in analoger Ausführung. Allerdings kostet dieser zweite Bildschirm im Kombiinstrument 235 Euro Aufpreis.

Kostenlos kann man übrigens sein Alleskönner-Infotainment-System Navi 900 IntelliLink im Insignia noch mit der Einbindung von Online-Funktionen und Apps aufwerten. Hier wird dann ein mit dem Bordsystem verbundenes Smartphone als Gateway ins Internet genutzt und kann man dann mit speziellen Apps im Insignia auch Internet-Radio (welches angesichts der geringen Datenmenge eine nur mäßige Klangqualität bietet) oder Wetterinformationen einspielen.

Augmented Reality

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftEin besonderer Clou ist die auf das Smartphone herunterladbare Bedienungsanleitung, die es dank einer Augmented-Reality-Funktion dem Nutzer ermöglicht, mit der Handykamera zum Beispiel einen Schalter zu filmen und sich dann die Erklärung seiner Funktionen auf dem Handy anzeigen zu lassen. Mit Spielereien und Nettigkeiten hat es Opel also dieses Mal besonders gut gemeint.

Es gibt zudem noch ein paar besonders nützliche, neue Helferlein. Richtig gut gefallen hat uns der Abstandstempomat, der im Geschwindigkeitsfenster zwischen 25 und 200 km/h die gewünschte Geschwindigkeit hält beziehungsweise durch Gas geben oder Bremsen an den Vordermann anpasst. In Kombination mit einem Automatikgetriebe sogar bis zum Stillstand. Zusätzlich ermöglicht dieses kamerabasierte System eine automatische Gefahrenbremsung, welche die Unfallschwere mindern kann.

Feiner SIDI-Benziner

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftEbenfalls richtig gut gefallen hat uns der neue 1,6-Liter-SIDI-Benzinmotor mit 170 PS. Im Insignia verfügt er über zwei Ausgleichswellen und sorgt damit für eine vorbildlich angenehme Laufkultur. Zugleich fährt er eigentlich turbolochfrei an und stellt bereits bei 1.650 Touren sein volles Drehmoment von 280 Newtonmeter zur Verfügung. Der Sprint des 1,6-Tonners soll knapp über neun Sekunden dauern, die Höchstgeschwindigkeit bei 220 km/h liegen und der Verbrauch wird mit knapp über sechs Liter angegeben.

Ein weiterer Höhepunkt der fünf Diesel und vier Benziner umfassenden und von 120 bis 325 PS reichenden Motorenpalette ist der Zwei-Liter-Diesel mit 140 PS, der trotz guter Fahrleistungen (10,5 Sekunden, 205 km/h) sich mit nur 3,7 Litern bescheiden soll. Zwar ist der Selbstzünder etwas ruppiger als der neue SIDI, aber dafür kann man auf flotten Autobahntouren mit vergleichsweise bescheidenen Verbrauchswerten unterwegs sein. Auf unserer Testfahrt waren wir trotz betont sparsamer Fahrweise allerdings mit 4,8 statt der proklamierten 3,7 Liter unterwegs. Ein paar Zehntelliter waren wohl den großen 19-Zoll-Rädern und der gehobenen Ausstattung geschuldet, doch dürfte es dennoch schwierig werden, praktisch Verbrauchswerte unterhalb von vier Litern heraus zu fahren.

Verbessertes Fahrwerk, heißer Preis

Galerie: Erster Test Opel Insignia FaceliftEinen recht gelungenen Eindruck hat, trotz der mit großen Rädern bestückten Testwagen, das Fahrwerk hinterlassen. Es meistert dank leichter Modifikationen den Spagat aus Fahrspaß und Komfort spürbar besser als bisher. Allerdings wirkt das Dickschiff bei Kurvenfahrten auch etwas schwer und könnte die Lenkung ruhig noch eine bessere Rückmeldung bieten.

Trotz der vielen Innovationen und Verbesserungen bleibt der Insignia auf einem preislich weiterhin niedrigen Niveau. Immerhin ist der große Opel ein Grenzgänger zwischen Mittel- und Oberer Mittelklasse. Dennoch bewegt sich der Rüsselsheimer preislich deutlich unterhalb des Niveaus der klassischen Mittelklasse-Vertreter wie dem VW Passat. Nimmt man den in Deutschland so gefragten Insignia Kombi, müsste man mit dem 170 PS starken 1.6 SIDI knapp 27.000 Euro berappen, während ein vergleichbar motorisierter VW Passat Variant 1.4 TSI über 4.000 Euro mehr kostet. Wobei der Insignia ausstattungsbereinigt darüber hinaus noch einen zusätzlich Preisvorteil von ein paar tausend Euro bietet.

 
Fazit

Mario Hommen

Für ein Facelift hat sich beim Opel Insignia viel getan, vor allem viel Gutes. Das kann man besonders Eindrucksvoll im Innenraum erleben, der sich, sofern man die entsprechenden Features bestellt hat, mit zwei großen Farbdisplays erfrischend aufgeräumt, modern und funktional präsentiert.

Ein weiterer Höhepunkt ist der neue 1,6-SIDI-Benziner, der ein spritziges Naturell mit hoher Laufkultur und niedrigen Verbrauchswerten kombiniert. Richtig günstig im Verbrauch ist der neue Zweiliter-Diesel mit 140 PS, der sich eigentlich mit 3,7 Litern bescheiden soll, der allerdings bei unserer ersten Ausfahrt deutlich durstiger war.

Zusammen mit optischen Verfeinerungen, neuen Assistenzsystemen und einem verbesserten Fahrwerk kann der neue Insignia seinem Besitzer dennoch viel Freude bereiten. Und die ganze Herrlichkeit gibt es für vergleichsweise günstiges Geld. Technisch ist der Insignia in vielen Punkten auf Augenhöhe mit den deutschen Premium-Mitbewerben. Wer also auf das teure Markenimage von Audi, VW oder BMW verzichten kann, kann mit dem Insignia vor allem auch seiner Haushaltkasse Gutes tun.
 
 

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