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Galerie: Erster Test Opel Insignia Sports Tourer

Erster Test: Opel Insignia Sports Tourer

Runde Sache

19.03.2009

Schlagzeilen hin oder her, der Insignia ist ein überzeugendes Auto. Mit dem Sports Tourer genannten Kombi soll die hessische Automarke jetzt vermehrt die Konkurrenz aufmischen. Nachdem schon die Limousine viele Kunden von Premiummarken abwerben konnte, soll das dem Kombi auch im Segment des VW Passat gelingen. Vor allem mit zwei neuen Motoren, die wir vor der Markteinführung testen konnten.

Bei der ersten Sitzprobe in der Insignia-Limousine und dem Fließheck konnte ich mich mit der Heckgestaltung ehrlich gesagt nicht recht anfreunden. „Irgendwie zu amerikanisch“ sagte ich mir letzten Sommer, auf der London Autoshow. Mittlerweile würde das zum Schimpfwort gereichen, doch ich habe mich inzwischen mit dem neuen Opel-Hintern versöhnt - was am Ende für das Design spricht, wenn es einem mit der Zeit immer besser gefällt.

Erwartungshaltung

Opel InsigniaDer Kombi hat es da nicht so schwer auf Anhieb zu gefallen. Wie aus einem Guss wirkte er schon auf den ersten Fotos, auf dem Pariser Autosalon und schließlich in freier Wildbahn. Er sieht von außen hochwertiger aus, als sein Erzfeind, der VW Passat, und moderner als der Ford Mondeo.

Der Einstieg in den Innenraum kann da nicht enttäuschen, denn er erfüllt die von der Karosse genährte Erwartung auf ein Premium-Ambiente. Das fängt mit den ordentlichen Kunststoffen an und geht über die weiche Armaturentafel bis zu den Schaltern und dem Lenkrad. All das scheint schon gar nicht mehr Opel zu sein.

Erfüllung

Opel InsigniaAber beim Fahren heißt es, trenne sich die Spreu vom Weizen, die Erwartung von der Realität. Zur Wahl stehen mir ein hochaufgeladener Benziner, der aus 1,6 Litern Hubraum satte 180 PS realisiert und dem „Downsizing“-Trend der Branche folgt: Kleiner Hubraum (dadurch geringere Reibungsverluste) und effizienter Turbo sollen ordentliche Fahrleistungen bei niedrigem Verbrauch realisieren. Auch die zweite Motorisierung meiner Wahl folgt diesem Konzept, wird aber erst im Sommer auf den Markt kommen: Der per Doppelturbo aufgeladene Zwei-Liter Diesel mit vier Zylindern ersetzt den 6-Zylinder aus dem Vectra. 40 Kilogramm weniger Gewicht lasten auf der Vorderachse während 190 PS zunächst auf den Allradantrieb losgelassen werden, eine Frontantriebsversion folgt später. Schmankerl des 4x4: seine aktive Differentialsperre an der Hinterachse, die dem Kombi vor allem eine Extraportion Agilität bescheren soll.

Schlüsselfunktion

Opel InsigniaBeide Motoren werden für Opel eine Schlüsselfunktion übernehmen. Der 180 PS Benziner als kommender Volumenmotor, der Biturbo Diesel als Alternative zu den über 200 PS leistenden Pendants aus Stuttgart und München (250 CDI bei Mercedes, 23d bei BMW). Diese Motorengattung wird von der Mittelklasse aufwärts in Zukunft den Ton angeben und den Einstiegssechszylindern den Rang ablaufen.

Zunächst aber der kleine 1.6 T: 180 PS auf der Vorderachse sind bei betont sportlicher Fahrweise sogar für die breiten 245er Reifen auf schönen 18-Zoll Rädern zu viel. Dessen ungeachtet tritt der Vierzylinder ordentlich an und lässt auf der Autobahn kaum das Gefühl aufkommen schlecht motorisiert zu sein. Allein sein recht kerniger Motorlauf widerspricht ein wenig dem Wohlfühl-Ambiente des Wagens.

Sportliche Kennung

Dem elektronisch geregelten Fahrwerk kann der Fahrer entweder die volle Kontrolle überlassen oder wahlweise eine komfortablere oder sportlichere Kennung verpassen. Letztere lässt sich über den Zentralcomputer auch auf die Gasannahme und die Lenkung ausweiten. Auf der Autobahn verbleibt jedoch alles im Urzustand, der Sports-Tourer läuft unverzagt die linke Spur entlang, der Tipp-Binker muss kaum betätigt werden um freie Bahn zu bekommen. Auf dem Beifahrersitz räkelt sich Joachim „Jockel“ Winkelhock und freut sich über BMW-Fahrer, die den schicken Opel bestaunen. Wir vertreiben uns die Zeit im Mittagsverkehr mit Plaudereien, der Tempomat lässt mich auf wichtigeres als die Autobahn konzentrieren.

Kurvenverhalten

Opel InsigniaVon der Autobahn runter werden wir beide wacher. Hinter uns liegt Eltville, vor uns die vielversprechenden Kurvenkombinationen des Rheingau. Presberg. „Bergrennen!“ meint mein Beifahrer, der muss es ja wissen. Der Vierzylinder schiebt mächtig an, bergab haben die Bremsen gut zu tun. Das Fahrwerk verhält sich tadellos. Trotz der teils welligen und geflickten Streckenabschnitte zieht der Sports Tourer dort durch die Kurve wo ihn sein Fahrer hinhaben will. Das ganze auch im Sportmodus nicht übertrieben hart sondern durchaus kommod. Auch nahe dem physikalischen Grenzbereich verhält sich der Kombi handzahm und berechenbar, sein leicht untersteuernd ausgelegtes Fahrwerk zeigt ausgesprochen hohe Nehmerqualitäten mit einem breit angelegten Sicherheitsbereich. Allein die Sitze lassen ein wenig Seitenhalt vermissen, doch das ist weniger ein strukturelles Problem der bequemen und langstreckentauglichen Sessel als vielmehr der weit höher als üblich ausfallenden Fliehkräfte.

Bergauf zeigt sich rasch, dass die Vorderachse recht schnell von der Kraft des Antriebs überfordert ist. Ausgangs der Kurve gibt es heftiges Scharren und Zerren an der Lenkung, so dass dort der Gasfuß eher leicht eingesetzt werden sollte.

Fahrerwechsel

Opel InsigniaNach dem Fahrerwechsel tun sich allerdings nochmals neue Welten auf. „Jockel“ beweist als ehemaliger 24-Stunden Sieger (1991 und 1992 Nordschleife, 1995 Spa, 1999 Le Mans) weniger sein fahrerisches Können (das braucht er nicht) als das Potenzial des Opel-Tourers dessen „Sports“ im Namen nun wirklich eine Bedeutung bekommt. Das von mir noch deutlich wahrgenommene Turboloch schmilzt beim DTM-Schwaben auf ein Nadelloch zusammen, seine Bremsmanöver geraten dank perfektem Zwischengas zur reinen Freude.

Der anschließende Fahrzeugwechsel lässt mich mit dem Top-Diesel allein. Ich nehme mir nochmals die gleiche Strecke vor, Presberg runter und weiter, zurück und wieder rauf. Vom neuen Allradantrieb verspreche ich mir ein noch zügigeres Kurvenpeitschen, immerhin ist er mit einem e-LSD an der Hinterachse ausgestattet. Dieses elektronisch geregelte Sperrdifferenzial soll das Antriebsmoment in Abhängigkeit vom Fahrzustand immer an das traktionsstarke Außenrad verteilen und den großen Opel agiler machen. Und ihm gleichzeitig das den Allradantrieben anhaftende Manko des Untersteuerns abgewöhnen.

Dieselpower

Opel Insignia190 PS sind dazu wohl genug, denke ich mir, und sollte recht behalten. Tatsächlich zieht der Insignia ausgesprochen schnell und neutral um die Kurven und bleibt dabei handlich und agil, wie man es einem 4,90-Meter Auto kaum zutraute. Lastwechsel pariert der Hesse stoisch, unter Last dreht er sich willig in die Kurve hinein. Bei ausgeschalteter Traktionskontrolle ist kein Radschlupf festzustellen, ein Hinweis auf den perfekt regelnden Allradantrieb, der die 400 Newtonmeter maximales Drehmoment in effektiven Vortrieb umzuwandeln weiß.

Der Verbrauch des Euro-5-Biturbos liest sich vielversprechend: mit 6,7 Liter gesamt nach Normzyklus beläuft sich sein CO2-Ausstoß auf schmale 177 Gramm pro Kilometer. Der 180 PS Benziner kann für sich zwar die besseren Emissionswerte verzeichnen, doch liegt er mit 9,7 Litern im Gesamtverbrauch deutlich über dem etwas stärkeren Diesel, jedoch nur 0,2 Liter über dem nur 115 PS starken 1,6-Liter Basisbenziner.

Fazit

Opel InsigniaBei knapp 24.000 Euro liegt der Einstiegspreis für den größten Opel mit dem kleinsten Motor. Die hier vorgestellten Motorisierungen liegen zwischen 31.245 (Edition) und 34.230 Euro (Cosmo) für den 180 PS Benziner sowie 37.875 (Edition, Handschalter) und 42.910 Euro (Cosmo, Automatik) für den 190 PS Diesel.

Das Ladevolumen - bei einem Kombi nicht zu vernachlässigen - liegt trotz des dynamischeren Hecks mit gut nutzbaren 540 Litern über dem des Vectra Caravan. Damit ist der Opel Insignia Sports Tourer trotz marketingverdächtiger Namensgebung ein waschechter Wegschlepper, was durch die Zuladung von 555 Kilogramm unterstrichen wird.

Für das Konkurrenzumfeld, das mit VW Passat und Ford Mondeo gut bestückt ist, scheint Opel mit seinem neuesten Modell erstmals seit Jahrzehnten wieder gut gerüstet. Doch erweitert sich nicht zuletzt mit dem überzeugenden Biturbo dieses Feld auch in Richtung Mercedes C250 CDI. Wir bleiben gespannt.

Opel Insignia

 
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