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Galerie: Erster Test Opel Meriva Diesel (CDTI)

Erster Test: Opel Meriva Diesel (CDTI)

Für Randgruppen

21.09.2010

Schenkt man den nicht repräsentativen Umfragen im Freundes- und Bekanntenkreis Glauben, nagelt es in ganz Deutschland. Hier ein Diesel in der Luxusklasse, dort ein Ölbrenner im Kleinwagen, und im Vertreter-Passat und im SUV nageln die Motoren sowieso fast zu 100 Prozent nach dem Selbstzünder-Prinzip. Beim neuen Opel Meriva war das bislang anders und wird es in Zukunft auch bleiben – trotz der kommenden Dieseloffensive.

Denn die Rüsselsheimer, die ab sofort die Motorenpalette des neuen Meriva deutlich erweitern, können nach eigenen Angaben maximal 20 Prozent der Mini-Van-Käufer von ihren fünf neuen Selbstzündern überzeugen. Der Aufwand, den Opel dafür betreibt, ist jedoch groß.

Von 75 bis 130 PS

Die neue Dieselpalette startet mit dem nur auf speziellen Wunsch und hauptsächlich für Großkunden vorgesehenen 75-PS-CDTI. Gefolgt wird dieser vom sparsamsten Motor der Palette, dem ebenfalls 1,3 Liter großen CDTI-Ecoflex mit 95 PS – unserer Meinung nach der beste Diesel für den Meriva, aber dazu später mehr.

Galerie: Erster Test Opel Meriva Diesel (CDTI)Des Weiteren bieten die Rüsselsheimer drei 1,7-Liter-Diesel an. Wobei die 100-PS-Version ausschließlich mit einer Sechs-Gang-Automatik kombinierbar ist und im Grunde nur ein sanft überarbeiteter 1.7er aus alten Tagen ist. Auch daher verwundert es kaum, dass der Selbstzünder sich in Verbindung mit der modernen aber etwas trägen Wandler-Automatik 6,4 Liter nach Norm gönnt. Immerhin: Der Aufpreis zum 1.3 CDTI Ecoflex beträgt lediglich 1.000 Euro zuzüglich zu 1,9 Liter Diesel Mehrverbrauch auf 100 Kilometer Fahrt.

Deutlich sparsamer sind die komplett überarbeiteten 1.7er, die es in einer 110- und 130-PS-Version gibt. 5,2 Liter beträgt deren Verbrauch unisono. Somit bietet der hessische Autobauer insgesamt acht Motoren für den Meriva an, wobei die Benziner-Freunde, immerhin 80 Prozent beim Meriva, mit lediglich drei Aggregaten zu Rande kommen müssen. Seltsame Strategie. Eine LPG-Flüssiggas-Variante soll 2011 starten, ebenso wie ein Stopp-Start-System für alle.

Teurer als der stärkste Benziner

Ein Grund, warum die Mehrzahl der Kunden auch weiterhin zum Otto greifen wird, ist der Preis. So kostet der 1.3 CDTI Ecoflex mit 95 PS mindestens 200 Euro mehr als der derzeitige Top-Benziner mit 140-Turbo-PS.

Galerie: Erster Test Opel Meriva Diesel (CDTI)Kein Grund für Kaufzurückhaltung bietet hingegen die Performance des 95-PS-Diesels. Neben dem geringen Normverbrauch ist der Ecoflex, vor allem in Anbetracht von Hubraum, Drehmoment und Leistung, erfreulich frisch und kräftig. Sehr homogen baut er aus niedrigen Drehzahlen Kraft auf und gibt die 180 Newtonmeter gleichmäßig und unaufgeregt an die Vorderräder weiter. Wer kein Heizer ist, wird mit dem Motor glücklich. 95 PS können auch in so einem geräumigen und hohen Van ausreichen. Die Fahrleistungen bestätigen den Eindruck nur unzureichend. Für den Sprint braucht der 1.3 CDTI Ecoflex 13,9 Sekunden, in der Spitze rennt er auf deutschen Autobahnen 168 km/h.

Mehr gewünscht? Kein Problem. Der 1.7 CDTI mit 130 PS befriedigt auch dynamische Meriva-Fahrer. 300 Newtonmeter ab 2.000 Umdrehungen hören sich nach viel an, jedoch trübt ein spürbares Turboloch das Fahrvergnügen. Der Common-Rail-Diesel erinnert in dieser Disziplin ein wenig an die alten VW Pumpe-Düse-TDIs: erst einmal nichts, dann alles auf ein Mal. Schnell ist er. So marschiert der Top-Diesel in unter zehn Sekunden auf Tempo 100 und schafft knapp 200 km/h Spitze. Zwischen Ecoflex und 130-PS-CDTI rangiert mit ebenfalls 5,2 Liter Verbrauch der 110-PSler, der den Meriva 182 km/h schnell macht.

Weiche Verbrennung, gute Dämmung

Galerie: Erster Test Opel Meriva Diesel (CDTI)Die Geräuschentwicklung ist bei allen CDTIs angenehm. Recht weich sind die Verbrennungsgeräusche, die eher Passanten als die in dem gut gedämmten Innenraum sitzenden Passagiere mitbekommen. Selbst beim Ausdrehen nervt das sanfte Nageln kaum. Nichtsdestotrotz bietet beispielsweise der 140-PS-Benziner einen deutlich höheren Geräuschkomfort, denn sein Motor ist bei gleichmäßiger Fahrt fast unhörbar.

Apropos Fahrkomfort: Hier schlägt erneut die Stunde des Ecoflex-Modells. Mit schmalen 16-Zoll-Rädern (205/55 R16) liegt er gut ausbalanciert und satt auf der Straße. Die Feder-Dämpfer-Elemente sprechen feinfühlig an und vermitteln Langstreckentauglichkeit. Serienmäßig rollt er gar auf noch weicheren 15-Zöllern, die allerdings aus optischen Gründen keine Empfehlung sein können.

Zu hart, zu holperig

Anders der 130-PS-Diesel. Vor allem in Kombination mit den aufpreispflichtigen 17-Zöllern (Serie bei der Top-Ausstattung Innovation) ist es mit Fahrkomfort nicht weit her. Speziell auf der Rückbank und bei groben, kurzen Anregungen ärgert man sich über die zu bockige Abstimmung, die den Meriva zwar in Windeseile um die Ecken fegen lässt, den Fahrkomfort aber auf ein Minimum (für dieses Segment) reduziert. Gerade die angepeilte Klientel von Familien und älteren Personen dürfte sich darüber wenig freuen.

Galerie: Erster Test Opel Meriva Diesel (CDTI)Ansonsten entsprechen die Meriva-Diesel-Modelle den Benziner-Brüdern. Soll heißen: Man ärgert sich über die stämmigen A-Säulen, über die deplatzierten Türinnengriffe – bei vollständig geöffneten Vordertüren greift man zum Zuziehen in die Flaschenhalter –, über die schweißtreibenden Sitzbezüge, die fehlenden Dachhaltegriffe hinten und andere Kleinigkeiten.

Gleichzeitig freut man sich über die ordentliche Sitzposition, den supervariablen Innenraum und, über die in der Tat praktischen, gegenläufig öffnenden Flex-Doors. Ebenso freuen sich Investitionswillige über die vielen Extras, die der Meriva bietet. So bestellen immerhin 52 Prozent in Deutschland die Top-Ausstattung Innovation, 47 Prozent wählen die mittlere Linie Edition und nur ein Prozent greift zur Basisausstattung.

63.000 Meriva wurden seit Marktstart im Juni 2010 bis Anfang September europaweit ausgeliefert. 50.000 Meriva hatte Opel geplant – bis Ende 2010 allerdings. Jetzt soll der Diesel nochmals Schwung bringen. Die Produktionsbänder im spanischen Saragossa laufen auf Hochtouren, der Meriva ist ein Erfolg.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Opel Meriva 1.3 CDTI Ecoflex   Opel Meriva 1.7 CDTI
    Selection   Selection
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.288 / 1.812 / 1.615   4.288 / 1.812 / 1.615
Radstand (mm)   2.644   2.644
Wendekreis (m)   11,5   11,5
Leergewicht (kg)   ab 1.360   ab 1.360
Kofferraum (Liter)   400 - 1.500   400 - 1.500
Serien-Bereifung   195/65 R15   205/55 R16
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.248 / 4, Reihe   1.686 / 4, Reihe
Leistung (kW / PS)   70 / 95   74 / 100
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   180 / 1.750 - 3.500   260 / 1.700 - 2.550
Antriebsart   Front   Front
Getriebeart   5-Gang-Handschalter   6-Gang-Wandler-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,5   6,4
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   119 / Euro 5   168 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   13,8   13,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   168   172
Preise        
ab (Euro)   18.500,00   19.550,00
Empfohlene Extras        
    Radio CD 300 (730 Euro), Klimaanlage ( 1.140 Euro)    
 
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Fazit

Der Dieselaufpreis beim Opel Meriva ist happig. So bekommt man zum Preis des kleinen CDTI auch den großen 1.4-Turbo-Benziner (45 PS Unterschied). Kein Wunder also, dass Opel lediglich mit einer Randgruppe von 20 Prozent CDTI-Käufern kalkuliert. Die Kunden, die einen Diesel wählen, erhalten jedoch moderne, sparsame, leise und kräftige Aggregate die gut zum Opel Meriva passen. Das Haupt-Kauf-Argument des Rüsselsheimers ist aber nach wie vor die Variabilität des Innenraums und vielleicht noch das gelungene Design, und dafür muss es eben kein teurer Diesel sein.

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