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Galerie: Erster Test Peugeot 208

Erster Test: Peugeot 208

Petit Beau

30.03.2012

Mit über 15 Millionen verkauften Exemplaren in den vergangenen drei Jahrzehnten ist Peugeots 200er-Serie eine Erfolgsgeschichte. Doch die Zeiten sind schwerer geworden, der Konkurrenzdruck enorm und für die erfolgsverwöhnten Franzosen das B-Segment keineswegs ein Selbstläufer mehr. Mit dem neuen 208 könnte den PSA-Konzern dennoch an alte Erfolge anknüpfen, denn der erfrischend auftretende Neuling ist ein durch und durch vernünftiger wie auch sehr emotionaler Kleinwagen.

Das größte und augenscheinlichste Dokument für einen Sprung in eine neue Zeit ist das umwerfend gut sitzende Blechkleid des 208, das mit frischer Eleganz, detailverliebter Rafinesse und tadellosen Proportionen beeindruckt. Feine Lichtkanten betonen eine dynamische Linie, die Lichter vorne und hinten wirken ausdrucksstark und schmiegen sich zugleich stilsicher und harmonisch in die Karosserie. Im direkten Vergleich zum ausgewogen und erfrischend designten 208 wirken viele Mitbewerber doch ziemlich blass.

Und dann hat Peugeot im Vergleich zum Vorgänger gleich noch die Karosserie um sieben Zentimeter auf 3,97 Meter schrumpfen lassen und zugleich mit diesem besonderen Extras aufgehübscht: LED-Akzente, ein kleiner Schwung in der Schulterlinie oder dieser wohlgeformte Kühlergrill mit Chromrand und edlem Marken-Schriftzug unter der fein kupierten Haifischnase runden das Design stilvoll ab. Keine Frage, der 208 sticht ins Auge, doch könnte er trotz einiger kühner Kniffe schon bald als durchaus konventionell empfunden werden. Vorerst entlockt das neue Design den meisten Betrachtern jedoch ein spontanes Wow.

Kleiner und doch mehr Platz

Galerie: Erster Test Peugeot 208Obwohl die Wohlgestalt im Vergleich zum 207 etwas an Länge einbüßen durfte, ist das Platzangebot im Innenraum deutlich großzügiger geworden. Ok, mit dem optionalen Glaspanoramadach wird es bei der Kopffreiheit für großgewachsene Passagiere schon etwas eng, doch passen vier Erwachsene problemlos auf die beiden Sitzreihen, die hintere lässt sich bei der 750 Euro teureren Fünftürer-Version sogar besonders leicht entern. Und auch der 285-Liter-Kofferraum darf sich einer klassenüblichen Aufnahmekapazität und Variabilität rühmen, die im Maximalfall für 1.076 Liter Gepäck gut ist. Nicht ganz State of the Art: Die etwas hohe Ladekante und die Rückbankstufe im erweiterten Gepäckabteil.

Doch was den 208 so besonders macht, sind neben einigen eigenwilligen Lösungen und einer gelungenen, modernen Architektur diese erfrischenden Premium-Details, die im Kleinwagen-Segment Ihresgleichen suchen. Blaue LED-Lichtstreifen im Dachhimmel, ein wohlgeformter Designer-Schaltknauf, oder galvanisierte Einfassungen für Belüftungsdüsen und Türinnenverkleidungen – die Sensorik der Insassen kann sich an sehr gefälligen allerdings auch überwiegend der Basisversion vorenthaltenen Feinheiten erfreuen.

Typisches und Untypisches

Galerie: Erster Test Peugeot 208Apropos Feinheiten: Hier zeigt der 208 auch Peugeot-typische Schwächen in der Verarbeitung, finden sich bei genauem Hinsehen auch einige nicht perfekt entgratete Ecken und gelegentliches Knarzen aus dem Armaturenbrett legt ebenfalls den Verdacht nahe, dass hier das in mehrfacher Hinsicht revolutionäre Auto doch einer gewissen französischen Tradition bei der Verarbeitungsqualität folgt.

Eine besondere Überraschung hält der 208 beim Justieren des ungewöhnlich kleinen Lenkrads für uns parat. Beim Blick aufs Kombiinstrument bleibt der obere Lenkradkranz nämlich darunter. Da kann man noch so viel Kraft einsetzen: Der Blick auf Tacho und Drehzahlmesser geht nicht durch, sondern im Idealfall über das Lenkrad. Was für die ersten fünf Minuten noch verwundern mag, entpuppt sich aber als durchaus praxistaugliche Lösung, die sogar das vielgerühmte Head-up-Display erübrigt, denn die fahrrelevanten Informationen sind so deutlich näher in das Blickfeld des Fahrers gerückt.

Neues Preiswert-Navi

Galerie: Erster Test Peugeot 208Ein weiteres Lob verdient eine weitere eigenständige wie in vielen Aspekten gut funktionierende Navi-Multimedia-Lösung. Für vergleichsweise günstige 490 Euro bietet Peugeot ein dank des großen Touchscreen schalterentfrachtetes System an, welches einer neuen von Peugeot entwickelten Bedienlogik folgt. Vieles ist dabei durchaus eigenwillig und mag so manche Fahrerintuition nicht gleich der vorgegebenen Struktur folgen können, doch nach einigen Versuchen klappt eigentlich alles wunschgemäß. Der Käufer eines 208 wird sich ohnehin mit Entdeckereifer ein Weilchen mit den in der Bedienanleitung aufgeführten Feinheiten auseinandersetzen.

Auseinandersetzen muss sich der Käufer zudem mit der Frage, ob er seinen 208 ans Internet anbindet. Hier bietet Peugeot ein interessantes Paket, welches für 350 Euro im ersten und für 150 Euro in den Folgejahren diverse onlinebasierte Dienste per 3G-Internetverbindung ermöglicht. Ob eine SOS-Funktion zur Benachrichtigung und Ortung für Rettungsdienste, eine Echtzeit-Verkehrsinformationen, den Hinweis auf die billigste Tankstelle in der Nähe, Infos über freie Parkplätze oder das Wetter am Zielort – viele Informationsdienste werden bereits im Sommer 2012 verfügbar sein, weitere sollen folgen.

Flotter Flitzer

Galerie: Erster Test Peugeot 208Bei dem eigentlich Wichtigsten, dem Fahren, gibt sich der 208 übrigens weitgehend konventionell, funktioniert alles so, wie man es bei Peugeot-Kleinwagen gewohnt ist, zum Teil sogar besser. So liegt der 208 im Vergleich zum Vorgänger um über 100 Kilogramm entschlackte Beau vergleichsweise erwachsen auf der Straße, geriert sich nicht als schaukeliger Hoppel, sondern kann mit tadellosem Abrollkomfort, einem für die flotte Gangart absolut gewachsenen Setup und einer dennoch kleinwagentypischen Leichtigkeit bewegt werden.

Ganz die gelassene, sänftenartige Art des französischen Way of Drive bietet der Kleinwagen allerdings nicht mehr, neigt die Hinterachse bei gröberen Fugen auch mal zum Poltern, doch dafür hat sich das Agilitäts-Niveau erhöht, kann man trotz einer bisweilen auch etwas synthetisch wirkenden elektrischen Servolenkung auf engen Kurvenstrecken durchaus verschärfte Pistengaudi zelebrieren.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Peugeot 208   Peugeot 208
Version / Ausstattung   e-HDi 115, 3-Türer Allure   1.2l Vti, 5-Türer Active
Motor        
Hubraum (ccm) / Bauart   1.560 / R4-Turbodiesel   1.199 / R4-Turbobenziner
Leistung (kW / PS)   84 / 115   60 / 82
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   270 / 1.750   118 / 2.750
Antriebsart   Frontantrieb   Frontantrieb
Getriebeart   manuelle Sechs-Gang-Schaltung   manuelle Fünf-Gang-Schaltung
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   3.962 / 1.739 / 1.460   3.962 / 1.739 / 1.460
Radstand (mm)   2.538   2.538
Wendekreis (m)   11,2   11,2
Leergewicht (kg)   1.268   1.153
Kofferraum (Liter)   285 - 1.076   285 - 1.076
Bereifung Testwagen   195/55 R 16   185/65 R15
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   3,8   4,5
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   99 / Euro 5   104 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   9,7   12,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   190   175
Preise        
ab (Euro)   19.300,00   14.900,00
Empfohlene Extras   Navi-Erweiterung 490 Euro   Panoramadach 410 Euro
 
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Genügsam sind alle

Die Lenkung ist Teil eines mittelprächtigen Spritsparpakets, welches den 208 zu einem dennoch genügsamen Auto qualifiziert. Neben Aerodynamik-Feinschliff und Start-Stopp-Automatik sind es die Motoren, die zum Teil für Bestmarken beim Verbrauch sorgen. Allen voran der e-HDi 68 mit dem automatisierten Schaltgetriebe, den Peugeot mit lediglich 3,4 Liter angibt. Zugegeben, hier bleibt der längsdynamische Fahrspaß auf der Strecke, doch wer mit dem etwas eigenwilligen Schaltcharakter und den lediglich 68 PS leben kann, wird mit besonders niedrigen Spritkosten belohnt.

Ein besserer Kompromiss scheint da der neue 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner zu sein, der überraschend lebendige 82 PS mobilisiert und trotz einer schwungvollen Gangart in Kombination mit einem manuellen Fünf-Gang-Getriebe nur 4,5 Liter verbrauchen soll. Nur noch knapp über vier Liter soll der von Peugeot entwickelte und angenehm kultiviert arbeitende Sparmotor konsumieren, wenn er dann 2013 mit Start-Stopp-System und automatisiertem Schaltgetriebe kommen wird.

Starke Turbomotoren

Galerie: Erster Test Peugeot 208Wer es lieber etwas spritziger mag, sollte besser zum 1,6-Liter-Turbobenziner mit 120 PS greifen. Hier hakt der nur knapp 1,2 Tonnen wiegende 208 den Sprint in bereits nach 8,9 Sekunden ab und wird 190 km/h schnell. Bis auf eine kleine Anfahrschwäche gibt sich der Vierzylinder angenehm spritzig und drehfreudig, kann sogar ein leicht sportliches Röhren aus dem Auspuff erklingen lassen. Einziger Wehrmutstropfen: Das etwas labberige manuelle Getriebe verfügt nur über fünf Stufen.

Erst mit der vorläufigen Topmotorisierung, dem 1.6l THP mit 156 PS gibt es eine manuelle Sechs-Gang-Schaltung. Darüber hinaus brennt diese Version fast schon sportwagenartige Fahrleistungen in den Asphalt, dauert der Sprint 7,3 Sekunden, während der Vortrieb erst bei 215 km/h endet. Günstig bleibt der Normverbrauch, den Peugeot mit lediglich 5,8 Liter angibt.

Eine richtig spritzige Alternative zu den Benzinern ist der 1,6-Liter-e-HDi, den es mit 92 oder 115 PS gibt. Die stärkere Variante hat uns auf unserer Testfahrt besonders viel Freude bereitet, sorgen doch immerhin 270 Newtonmeter für kräftigen Schub und wird der kleine Löwe damit schon zum echten Langstreckenbrüller. Immerhin 9,7 Sekunden für den Sprint und 190 km/h bei lediglich 3,8 Liter Normverbrauch sind Eckdaten, die vor allem Vielfahrer ansprechen dürften.

Angemessene Preise

Allerdings markiert dieser Top-Diesel auch das höchste Preisniveau beim 208, denn der Selbstzünder wird ausschließlich in Kombination mit dem höchsten von drei Ausstattungsniveaus (Allure) angeboten und damit als Fünftürer erst ab 19.950 Euro. Dann kann man noch zwei- bis dreitausend Euro drauflegen, um einen dann faszinierend gut und nahezu voll ausgestatteten 208 mit viel Premium und Luxus zu bekommen.

Galerie: Erster Test Peugeot 208Es geht aber auch deutlich billiger und spartanischer: Die Basisversion mit dem 68 PS starken 1,0-Liter-Benziner kostet als Dreitürer lediglich 11.600 Euro und bringt immerhin schon sechs Airbags, ESP/ASR, ein höhen- und tiefenverstellbares Lenkrad sowie eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung mit. Damit schlägt der 208 die meisten seiner Mitbewerber, bietet also ein durchaus attraktives Preisleistungsverhältnis.

Zwar bietet Peugeot beim 208 viel Sicherheits- und Komfortausstattung, doch entdeckt man bei der intensiven Preislistenstudie auch einige Lücken. So gibt es keine Bi-Xenon-Scheinwerfer, keine der derzeit so angesagten Assistenzsystem wie die City-Notbremsfunktion oder einen Tot-Winkel-Warner und es gibt zwar ein großes Glas-Panorama, jedoch kein ausstellbares Dach. Das tut der Begeisterung für den 208 allerdings keinen wirklichen Abbruch.

 
Fazit

Mario Hommen

Eindrucksvoll: Peugeot hat mit dem 208 den vielleicht attraktivsten Kleinwagen überhaupt in den Markt geworfen, dessen erfrischendes Blechkleid mit Harmonie und eigenständigen Details begeistert. Angesichts der Wettbewerbssituation eine bemerkenswerte Leistung, keine Frage.

Auch beim Interieur kann sich der Peugeot in sehr wohltuender Weise von seinen Mitbewerbern absetzen. Der Premium-Schick bei den höherwertigen Ausstattungen erreicht für dieses preissensible Segment ein überraschend hohes Niveau. Dabei ist der 208 nicht nur hübsch, sondern zudem noch praktisch, kann mit guten Platzverhältnissen und einigen Detaillösungen wie dem überm Lenkrad platzierten Kombiinstrument oder dem neuen Touchscreen-Navi beeindrucken.

Bei Fahrwerk und Antrieben bewegt sich der 208 auf weitgehend konventionellem Niveau. Der Kunde kann etwas schwachbrüstige Motoren mit besonders niedrigem Verbrauchsniveau, oder starke mit immer noch vergleichsweise zurückhaltendem Spritdurst ordern. Besonders gefallen hat uns der neue 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 82 PS, der bereits angenehm schwungvoll den 208 in Fahrt bringt, bei lediglich 4,5 Liter Normverbrauch.

Trotz vieler Neuerungen und einigen bemerkenswerten Höhepunkten bewegt sich der 208 preislich auf unteren Kleinwagen-Niveau, ist in der Basisversion sogar um einige 100 Euro günstiger als der Vorgänger 207.
 
 

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