Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Erster Test Peugeot 3008 Hybrid4

Erster Test: Peugeot 3008 Hybrid4

Erster

23.09.2011

Hybridtechnik ist schon lange keine Hexerei mehr, man nimmt einen Verbrennungsmotor, kombiniert ihn mit einem Elektromotor und fertig ist der, zumindest augenscheinlich, sparsame Antrieb. Bisweilen kamen allerdings nur Benziner zum Einsatz. Bis jetzt, denn Peugeot bringt mit dem 3008 Hybrid4 den ersten Diesel-Hybrid auf den Markt.

Eigentlich liegt es auf der Hand, für den Hybridantrieb einen Dieselmotor als Basis zu nehmen, schließlich arbeitet ein Selbstzünder per se effizienter als ein Benziner. Doch wie immer gilt: eigentlich ist eine Einschränkung. Und so gibt es mehrere gute Gründe, die gegen diese Kombination sprechen.

Zum einen reichen, zumindest die meisten, Dieselmotoren noch immer nicht an die Laufruhe eines Benziners heran, was aber wohl das kleinste Übel ist. Schwerer wiegt, im wahrsten Sinne des Wortes, der Gewichtsnachteil. Der Hybridantrieb leidet ohnehin unter den zusätzlichen Kilos des Elektromotors und der Diesel bringt von Haus aus mehr auf die Waage als ein Benziner. Und zu guter Letzt gilt es, beim Selbstzünder das leidige Thema Abgasnachbehandlung zu berücksichtigen.

Endlich serienreif

Galerie: Erster Test Peugeot 3008 Hybrid4Doch es scheint so, als ob der Effizienzvorteil langsam diese Schwierigkeiten aufwiegen dürfte; immer mehr Hersteller erproben derzeit die Kombination. Als erster wagt nun Peugeot das Abenteuer und bringt den Diesel-Hybrid im 3008 auf den Markt. Allerdings mit etwas Verzögerung, denn schon vor über einem Jahr haben die Franzosen den 3008 Hybrid4 für das Frühjahr 2011 angekündigt, der tatsächliche Marktstart ist allerdings erst gegen Ende des Jahres.

Und wenn der Hybrid dann endlich über die Straßen rollt, so wird er kaum Aufsehen erregen. Denn von seinen herkömmlichen Brüdern unterscheidet sich der Neue nur durch einen anderen Kühlergrill und dem Schriftzug Hybrid4, sowie im Cockpit durch eine Batterieanzeige anstelle des Drehzahlmessers. Die 4 im Namen steht übrigens für den Allradantrieb, denn der Diesel treibt konventionell die Vorderachse an und der E-Motor gibt seine Kraft an die Hinterräder. Koordiniert wird das Zusammenspiel situationsabhängig von einem Steuergerät.

Vier Kilometer rein elektrisch

Galerie: Erster Test Peugeot 3008 Hybrid4Der Diesel ist ein alter Bekannter, nämlich der 2.0 HDI mit 163 PS. Ihm zur Seite steht ein 27 kW/37 PS starker Elektromotor, die zusammen also 200 PS und ein kombiniertes Drehmoment von maximal 450 Newtonmeter leisten. Hinzu kommt eine unter dem Kofferraum positionierte Nickel-Metallhydrid-Batterie, die allerdings nicht an der Steckdose, sondern nur per Rekuperation aufgeladen werden kann. Durch die Stromspeicher sinkt der Stauraum um 55 auf maximal 1.186 Liter.

Ist der Akku voll, soll die Energie für rund vier Kilometer rein elektrischen Vortrieb reichen, den der Fahrer über einen Drehschalter in der Mittelkonsole erzwingen kann. Der sogenannte ZEV-Modus funktioniert allerdings nur bis zu einem Tempo von 60 km/h. Im Automodus gehen sogar zehn Kilometer pro Stunde mehr rein elektrisch, allerdings darf das Gaspedal nur gestreichelt werden, sonst wird sofort der Diesel angeworfen.

Starke Rekuperation

Galerie: Erster Test Peugeot 3008 Hybrid4Außerdem gibt es noch einen Sportmodus sowie die Option, den Allradantrieb zu erzwingen, was dem 3008 zusammen mit seiner ohnehin erhöhten Bodenfreiheit auch auf unwegsamen Straßen das Vorankommen erleichtern soll. Wirklich nötig ist der Allradmodus nicht, aber immerhin eine nette Spielerei. Auf einer Anzeige im Zentraldisplay oder im Bordcomputer zwischen den Rundinstrumenten sieht man, welcher Motor gerade arbeitet oder ob Energie zurück in die Batterie gespeist wird.

Apropos Energierückgewinnung: Sobald der Fahrer vom Gas geht, arbeitet der E-Motor als Generator und erzeugt so Strom. Allerdings ist die Bremswirkung des Motors relativ stark, so dass der 3008 nicht sanft dahinrollt, sondern spürbar verzögert. Einen Freilauf wie ihn etwa Volkswagen vorsieht, gibt es bei Peugeot nicht. Wer die Energie zum Rollen nutzen will, muss händisch das kleine Wählhebelchen des elektronisch gesteuerten Schaltgetriebes auf Neutral stellen.

Flotter Franzose

Galerie: Erster Test Peugeot 3008 Hybrid4Angesichts der kombinierten Motorleistung ist die hohe Längsdynamik des 3008 Hybrid4 nicht überraschend. Die zusätzliche Kraft des E-Motors macht den ohnehin flotten und antrittstarken Dieselmotor noch etwas spritziger und verleiht dem Vortrieb per Boost-Funktion einen Extra-Schub. Für den Spurt auf Tempo 100 gibt Peugeot achteinhalb Sekunden an, ein respektabler Wert in Anbetracht der mehr als 1,8 Tonnen Gewicht, die in Gang gesetzt werden wollen – übrigens rund 120 Kilogramm mehr als beim Nicht-Hybrid. Maximal läuft der 3008 Hybrid4 191 km/h.

Oberstes Ziel des E-Antriebes ist es aber nicht, den 3008 spritziger, sondern sparsamer machen. Ordert man den 4,37 Meter langen Wagen nur mit dem Zwei-Liter-Diesel, verbraucht er rund 6,7 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Durch das zweite Herz sinkt dieser Wert, im EU-Zyklus, auf vorbildliche 3,8 Liter. Vorausgesetzt, man greift zum Modell 3008 Hybrid4 99g mit rollwiderstandsoptimierten 16-Zoll-Rädern. Will man etwas mehr Komfort, sprich mehr Ausstattung, die zusätzliches Gewicht mit sich bringt und 17- oder 18-Zoll-Reifen steigt der Normverbrauch auf vier Liter.

In der Stadt profitabel

Natürlich profitiert der Peugeot, wie auch alle anderen Hybride, von dem großen Stadt-Anteil im EU-Zyklus, wo er seine Trümpfe Stopp-Start und das rein elektrische Fahren ausspielen kann. Auf der Landstraße und erst recht auf der Autobahn fällt ihm, wie all seinen Gattungsgleichen das Mehrgewicht zur Last, das geschleppt werden will. Bei unserer ersten Ausfahrt, vornehmlich über Land mit geringem Stadtanteil zeigte der Bordcomputer einen akzeptablen Wert von 5,2 Litern an. Das ist in Anbetracht von 200 PS nicht viel, allerdings erreichen einige moderne Diesel ähnlich niedrige Werte auch ohne elektrische Beihilfe.

Außerdem lässt sich Peugeot den elektrischen Helfer nicht schlecht bezahlen. Ein normaler 3008 mit dem gleichen Dieselmotor und einer richtigen Automatik, also nicht dem manchmal etwas ruppigen, automatisierten Schaltgetriebe, kostet in der höchsten Ausstattung Allure, die auch dem Hybrid zugrunde liegt, 31.850 Euro. Für den Hybrid4 in der 99g-Ausführung wird ein Aufschlag von 2.300 Euro fällig, der besser ausgestattete, für den es zum Beispiel auch das Head-Up-Display und ein Navigationssystem gibt, kostet 36.150 Euro. Immerhin: Klimautomatik und Tempomat hat auch der Basis-Hybrid schon an Bord.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Peugeot ist der erste Hersteller, der das Abenteuer Dieselhybrid wagt, aber sicher nicht der letzte. Volvo hat bereits den Serienstart des V60 mit dieser Technik angekündigt, Mercedes will dem E-Klasse-Diesel einen E-Motor beiseite stellen und auch der VW-Konzern arbeitet an entsprechenden Modellen. Ob die Kombination zweier Sparmodelle in der Praxis allerdings tatsächlich den gewünschten Effekt erzielt, muss sich erst noch zeigen. Die Probleme des hohen Gewichts und der Abgasnachbehandlung bestehen schließlich weiterhin.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.