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Galerie: Erster Test Peugeot 508 RXH

Erster Test: Peugeot 508 RXH

Von allem etwas

02.03.2012

Es gibt kaum eine Eigenschaft, die sich Peugeots neuer 508 RXH nicht auf die Fahne schreiben darf. Er ist praktischer Kombi, hochbeiniger Allradler, Dynamiker, edler Wohlfühl-Schlitten, Spardiesel, Elektroauto und Hybrid in einem – es gibt also eigentlich nichts, was er nicht sein will. Praktisch haben wir allerdings den Eindruck gewonnen, dass dieses Talente-Potpourri in vielen Aspekten eher Mittelmaß bietet.

Optisch gibt sich der RXH als Abenteurer, kommt hochbeinig daher und macht mit seiner Kunststoffbeplankung auf unverwüstlich. Damit beschreitet der 508-Abelger den trendigen Weg zwischen Kombi und SUV wie es VW jüngst mit dem Passat Alltrack getan hat oder Audi schon länger mit seinen Allroad-Varianten von A4 und A6. Besonders auffällig zeigt der Allrad-Löwe seine Krallen in Form von Dreistreifen-LED-Tagfahrlichtern in der Frontschürze.

Ob man diesen Auftritt nun besonders schön findet oder nicht: Der 508 RXH strahlt mit den serienmäßigen 18-Zoll-Rädern, dem ebenfalls serienmäßigem Glasdach und dem aufpreispflichtigem Metallic-Lack gediegenes Premium-Flair aus, gibt sich zudem noch eigenständig und elegant. Vor allem aber im Innenraum kann der Franzose die Insassen mit einem gehobenen Wohlfühl-Feuerwerk verwöhnen, Peugeot hat sich hinsichtlich Materialwahl, Verarbeitung und Serienausstattung im 508 selbst übertroffen.

Viel drin, geht aber nicht viel rein

Galerie: Erster Test Peugeot 508 RXHUnd speziell im RXH sind viele Nettigkeiten bereits Serie. Zu den Ausstattungshöhepunkten gehören eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Head-up-Display, ein Drei-Speichen-Multifunktionslenkrad, elektrisch verstellbare Komfortsitze, eine elektrische Heckklappe, eine elektrische Feststellbremse, ein Super-Navi und eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Der moderne und schicke Arbeitsplatz wurde in unserem Testexemplar mit einigen weiteren Extras aufgewertet, was den Aufenthalt zu einem durchaus sinnlichen Erlebnis macht. Darüber hinaus ist der er in vielerlei Hinsicht praktisch und funktional. Allerdings schrumpft im RXH aufgrund der Batterie das Kofferraumvolumen von gut 1.600 auf 1.360 Liter. Für ein Kombi seiner Größe kein wirklich guter Wert.

Etwas umständlich muss der Fahrer den Motor-Startknopf suchen, der sich wie bei Porsche links vom Lenkrad versteckt. Und über den Druck wird nicht einfach ein Motor gestartet, sondern gleich ein komplexes Antriebssystem mit einem Elektroaggregat für die Hinterachse und einem Dieselmotor für die Vorderachse zum Leben erweckt. Zusammen ist dieser Doppelantrieb für eine Systemleistung von 200 PS und 450 Newtonmeter gut. Es gibt verschiedene Modi, bei denen E-Antrieb oder Dieselmotor jeweils alleine agieren, oder  im Zusammenspiel für besonders viel Schub oder einen traktionsstarken Allradantrieb sorgen.

E-Antrieb für mehr Effizienz

Galerie: Erster Test Peugeot 508 RXHWichtigste Aufgabe des E-Antriebs ist es jedoch, Bremsenergie in Strom zu wandeln, der dann in der 1,1-Kilowattstunden-Batterie zwischengespeichert und beim Beschleunigen wieder eingesetzt wird, um so den Verbrauch auf möglichst niedriges Niveau zu drücken. Der Normverbrauch ist mit 4,1 Liter angesichts von immerhin 200 PS und 1,8 Tonnen Gewicht eindrucksvoll niedrig. Allerdings zeigte sich bei unserer ersten Testfahrt in der Nähe von Marseille, dass dieser Wert praktisch sich kaum erreichen lässt. Selbst bei besonders zurückhaltender Fahrweise und ausgeschalteter Klimaanlage und frühlingshaften Außentemperaturen waren es noch 5,6 Liter. Bei normaler Fahrweise wäre wohl mindestens noch ein Liter mehr dazu gekommen. Auf der Pressekonferenz berichtete Peugeot von Werksfahrern, die auf Spritsparfahrten immerhin Werte um fünf Liter erreichten. Naja.

Verbrauchswunder bewirkt das technisch aufwendige Doppelherz also nicht. Zwar erreicht der Diesel-Hybrid-Antrieb auch praktisch einen niedrigen Verbrauch, doch sind konventionelle Diesel-Allradler nur geringfügig durstiger. So verbraucht ein Passat Alltrack mit 170 PS starkem Diesel, Allradantrieb und DSG-Getriebe laut Hersteller 5,9 Liter und dürfte praktisch wohl ein bis zwei Liter darüber liegen. Und ein 508 SW als HDi 160 kommt mit manuellem Sechsganggetriebe theoretisch mit fünf Litern aus und wird im Alltag also auf dem Niveau des RXH liegen.

Nur kurzzeitiger Extrakick

Galerie: Erster Test Peugeot 508 RXHAuch längsdynamisch geht der Dieselhybrid des RXH nicht ganz so forsch ans Werk, wie man sich das bei 200 PS eigentlich wünschen würde. 8,5 Sekunden dauert der Standardsprint, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 213 km/h – für sich gesehen ganz ordentliche Werte, doch gefühlt wirkt der Vortrieb verhaltener. Zunächst hilft der E-Motor mit einem spürbaren Extraschub, doch danach übernimmt allein der Diesel die Vortriebsarbeit im Zusammenspiel mit dem automatisierten Sechs-Gang-Schaltgetriebe, welches mit leicht störenden Zugkraftunterbrechungen beim Beschleunigen zudem etwas Trägheit ins Spiel bringt. Fordert man Leistung, wird der ansonsten sehr gut abgekapselte Vierzylinder bei höheren Drehzahlen zudem etwas dröhnig. Ein HDi 160 mit manuellem Schaltgetriebe hinterlässt da einen lebhafteren Eindruck und bietet zudem noch eine deutlich höhere Endgeschwindigkeit.

Eine Besonderheit des RXH ist sein rein elektrischer Antrieb, den man einfach per Drehschalter in der Mittelkonsole aktivieren kann, sofern die Batterie hierfür genügend Energie gespeichert hat. Maximal vier Kilometer weit und maximal bis zu 60 km/h schnell kann der 508 im ZEV genannten Zwangs-Elektromodus gefahren werden. Lautlos und ausreichend flott setzt sich dabei der große Kombi in Bewegung und kann man problemlos im Stadtverkehr mit schwimmen, ganz ohne Abgasemissionen. Allerdings wurde bei uns schon nach gut zwei Kilometern der Dieselmotor automatisch aktiv, was sich durch leichtes Vibrieren ankündigt. Für längere Null-Emissions-Fahrten ist die Batterie leider zu klein.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Peugeot 508 RXH
Version / Ausstattung    
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   1.997 / R4-Turbodiesel an der Vorderachse, Elektrmotor an der Hinterachse
Leistung (kW / PS)   120 / 163 Diesel, 27 / 37 E-Motor
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   300 / 1.750
Antriebsart   Allradantrieb
Getriebeart   automatisierte Sechs-Gang-Schaltgetriebe
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.823 / 1.864 / 1.525
Radstand (mm)   2.815
Wendekreis (m)   11,8
Leergewicht (kg)   1.770
Kofferraum (Liter)   400 -1.360
Bereifung Testwagen   245/45 R 18
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   4,1
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   107 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,5
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   213
Preise    
ab (Euro)   41.990,00
Empfohlene Extras   17-Zoll-Räder (kostenlos)
 
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Kein echter Kraxler

Auch mit seinem Allradantrieb kann der 508 RXH nicht die 4x4-Kompetenz  bieten, die man bei klassischen geländetauglichen Fahrzeugen erwarten darf. Hier kann man den Drehknauf in der Mittelkonsole auf 4x4 stellen und den Antrieb dazu zwingen, beide Achsen anzutreiben, doch gibt es keine mechanische Verbindung zwischen beiden Achsen und somit auch keine bedarfsgerechte Verteilung der Kräfte. Dennoch verringern sich auf Asphalt im Allradmodus die Antriebseinflüsse auf die Lenkung und meint man bei Peugeot, den RXH auch in seichtes Offroad-Terrain schicken zu können. Doch eine Demonstration auf staubigen Lehmhügeln mit 40- und 60-prozentiger Steigungen vermittelte nicht unbedingt den Eindruck, hier einen begnadeten Klettermax zu bewegen. Allein ob seiner höheren Bodenfreiheit dürfte er zwar weiter als ein normaler 508 kommen, doch so richtig mag man sich den RXH bei Geländeausflügen nicht vorstellen.

Galerie: Erster Test Peugeot 508 RXHAuch das Fahrwerk bietet einen irgendwie nicht ganz glücklich machenden Kompromiss. Wer das bei Peugeot über viele Jahrzehnte  gepflegte, sänftenartige Dahingleiten erwartet, wird enttäuscht. Peugeot versucht mit ungewöhnlich viel Härte den Wagen auf Agilität zu trimmen. Niederquerschnittsreifen, 18-Zöller und das hohe Gewicht auf den Achsen tun ihr Übriges und lassen das Fahrwerk häufiger Poltern als einem lieb ist. Trotz seiner Straffheit legt er im Gegenzug allerdings kein überragend dynamisches Fahrverhalten an den Tag.

Und dann wäre da noch der Preis, der mit mindestens 42.000 Euro recht hoch angesiedelt ist. Zwar bietet der 508 RXH eine besonders üppige Serienausstattung, doch qualifiziert ihn selbst dieser Umstand ausstattungsbereinigt nicht zum Schnäppchen. Für die besondere Antriebstechnik muss man letztlich doch etwas tiefer in die Tasche greifen, ohne allerdings damit überragende Vorteile zu bekommen.

 
Fazit

Mario Hommen

Allein mit der Kombination von Diesel und E-Antrieb lässt der 508 RXH aufhorchen und ist der Normverbrauch von 4,1 Liter eindrucksvoll niedrig. Eigentlich handelt es sich beim offroadig angehauchten Peugeot um eine technische Sensation, die sich allerdings nicht ganz so sensationell fährt. Der zunächst erhoffte Wow-Effekt blieb bei unserer ersten Praxisausfahrt auf der Strecke. Der Verbrauch war höher als erwartet, der reine E-Modus etwas kurz, das Fahrwerk zu hart, der Kofferraum zu klein, der Preis unserer Meinung nach etwas hoch.

Wer sich allerdings für die aufwendige Antriebstechnik erwärmen kann, wer gerne auch mal ein paar Kilometer rein elektrisch fahren will, wer einen üppig ausgestatteten Wagen mit besonders wohnlichem Innenraum will und wer dieses optische Versprechen von Freiheit und Robustheit besonders ansprechend findet, der darf auch ruhigen Gewissens sich für diesen innovativen Luxus-Löwen erwärmen.
 
 

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