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Galerie: Erster Test Peugeot RCZ R

Erster Test: Peugeot RCZ R

Kurven ohne Ende

08.05.2014

Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass über 200 PS kaum sportlich über die Vorderräder auf die Straße gebracht werden können. Trotzdem bohrt Peugeot seinen wunderschönen RCZ auf 270 PS auf - und er geht dennoch bestens durch die Kurven. Das ist natürlich ein Trick.
Und er funktioniert bestens.

Perfektion kennen die Franzosen eigentlich nur in der Küche, doch auch ansonsten wissen sie gut zu leben, Taubenbrüstchen und Pétanque - also ist der Peugeot RCZ auch kein Audi TT. Doch als RCZ R ärgert der Franzose den auf Perfektion getrimmten Segmentbegründer als optisch gefälliger, frontgetriebener 2+2-Sitzer ganz gehörig.

Lasziv

Das Design des Peugeot RCZ R ist nicht nur expressiv, sondern - für den deutschen Geschmack - geradezu lasziv. Gerade Linien? Fehlanzeige.

Galerie: Erster Test Peugeot RCZ RDoch schon beim Entern des Cockpits spürt man eine Verbindlichkeit, die den offensichtlich sportlichen Anspruch auch haptisch sofort verdeutlicht. Das Lenkrad ist perfekt dimensioniert, keine Bedienelemente oder Dreh-Drück-Knöpfe lenken vom Lenken ab.

Außen setzt sich der RCZ R von seinen zivilen Brüdern durch leichte Modifikationen erfreulich dezent ab: Feststehender Heckspoiler, zweifarbige Alus, doppelflutige Abgasanlage, schwarze Dachholme und dazwischen Sichtkarbon der typisch ausgeformten Doppelkuppel.

Umstellung

Ein flaches, dynamisch gezeichnetes Sportcoupé mit hinteren Notsitzen und nennenswertem Kofferraum gab es bis zum Erscheinen des Audi TT in Europa nicht. Einzig Peugeot hat sich der Herausforderung gestellt und mit dem RCZ einen überzeigenden Gegenentwurf hingestellt.

Galerie: Erster Test Peugeot RCZ RDoch konzeptionell haben diese vom Kompaktsegment abgeleiteten Fronttriebler mit ihrem quer über der Vorderachse eingebauten Motor mit Kopflastigkeit zu kämpfen - was in einem Alltagsauto kein Nachteil ist, denn daraus resultiert ein gutmütiges Fahrverhalten. Doch genau das mag der sportlich versierte Fahrer eher weniger, vor allem wenn ihm an beherzter Kurvenfahrt gelegen ist. Und genau hier setzen - glücklicherweise - immer mehr Hersteller (Opel im Astra OPC, Renault im Mégane Sport) auf Rennsporttechnik: Um die Motorleistung nicht am entlasteten inneren Antriebsrad verpuffen zu lassen, wird sie über ein mechanisches Sperrdifferenzial an das traktionsstärkere Außenrad geleitet.

Der gewünschte Effekt der Beschleunigung in die Kurve hinein - statt aus ihr heraus - ist beeindruckend und lässt den Wunsch nach einem (schwereren) Allradantrieb gar nicht aufkommen. Und er ist so effektiv, dass es das typische Eigenlenkverhalten eines Fronttrieblers auf den Kopf stellt: Bei der Beschleunigung in der Kurve saugt sich das französische Batmobil förmlich in den Radius hinein, geht man vom Gas, drängt er zum Kurvenaußenrand. Dieses Wechselspiel gelingt einem schon bald intuitiv, denn der RCZ R lässt seinen Fahrer nie im Unklaren über seinen jeweiligen Gemütszustand. Auch Peugeot hat großes Zutrauen in die Rückmeldefähigkeit seiner Powerflunder und so kennt das ABS nur zwei Einstellungen: an oder aus.

Galerie: Erster Test Peugeot RCZ RJagt man den 270-PS-Sportwagen durch enge Kehren mit wechselnden Gripverhältnissen, mischt starke Beschleunigung mit Verzögerungen an der Grenze zur Gleitreibung, kann man den RCZ R zum Kunststück des sportlichen Übersteuerns überreden. Das verleiht dem kleinen Kraftmeier eine Handlichkeit, wie man sie in der Klasse der Frontmotor-2+2s noch nicht erleben konnte.

Zum größten Teil ist diese behände Kurvenbolzerei natürlich dem Torsen-Sperrdifferenzail zu verdanken, doch ohne eine entsprechende Unterstützung im restlichen Fahrwerksbereich bliebe sie bloß Potenzial. Direkte Lenkung, 19-Zoll Bereifung im Format 235/40 und eine eigene Feder-Dämpferabstimmung heben jedoch die sportlichen Anlagen des Antriebs ins Hier-und-Jetzt.

Galerie: Erster Test Peugeot RCZ RZudem verliert die R-Version des RCZ gegenüber der bisher stärksten Variante mit 200 PS nochmals fast 60 Kilogramm Gewicht, so dass ein Leistungsgewicht von 199 PS pro Tonne keinen Zweifel an der Spurtstärke des RCZ R aufkommen lässt. Nicht zuletzt sind auch die geschlitzten und ordentlich dimensionierten Bremsscheiben der deutlich gehobenen Fahrdynamik gewachsen und verzögern die 1.355 Kilo leichte Pistensau anstandslos und bei unserer ersten Ausfahrt fadingfrei.

Galerie: Erster Test Peugeot RCZ RMittels flink zu verwaltendem, manuellem (Danke!) 6-Gang-Getriebe soll man den Frankosportler in knapp 6 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen können, doch dieser Wert bleibt - bei allem Respekt dafür - natürlich ein Laborwert, will man nicht ständig eine neue Kupplung einbauen. Doch geradeaus beschleunigen können auch viele andere, ums Eck geht dagegen kaum einer so schnell. Weshalb der Standardsprint gerade in einem Auto wie dem Peugeot RCZ R tatsächlich eher für das Autoquartett als für den Alltagsspaß von Bedeutung ist.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

Ein Franzose, der dem Ingolstädter Primus die Stirn bietet? Sehr wohl. Das Gesamtpaket, das Peugeot mit dem RCZ R geschneidert hat, ist überaus sportlich und stimmig. Lenkrad, Schaltung, Sitze, Stauraum ohne Ende - das passt alles für den flotten Urlaub zu zweit oder ein Wochenende in den Bergen. Und für die Kurven zwischendurch oder den Spaß auf der Nordschleife liefert der Peugeot RCZ R überzeugende Fahrleistungen und die passende Traktion im Gegenwert von knapp 42.000 Euro.
 
 

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