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Galerie: Erster Test Porsche 718 Boxster GTS

Erster Test: Porsche 718 Boxster GTS

Darf’s ein wenig mehr sein?

22.12.2017

Ein wenig Unvernunft tut dann und wann auch mal gut, und so muss es manchmal eben einfach ein bisschen mehr sein. Auch Porsche weiß: mehr ist mehr, und genau deshalb gibt es den 718 Boxster GTS und seinen geschlossenen Bruder Cayman. Die neueste – und bislang stärkste – Ausgabe des Zuffenhausener Einstiegsmodells packt nochmal 15 PS drauf. Auf der Rechnung  stehen dafür fast 11.000 Euro mehr. Eine Investition die sich Lohnt?

„Darf’s ein wenig mehr sein“, könnte die Frage beim Porsche-Händler, wie an der Wursttheke, lauten. Und ganz bestimmt werden einige Kunden beim Kauf zu der stärker motorisierten Drei-Buchstaben-Variante greifen, frei nach dem Motto: Liebe vergeht, PS besteht. Aber seien wir mal ehrlich, 15 PS mehr für das GTS-Modell sind in diesem Fall nur der Tropfen auf den heißen Stein. Da müssen die Stuttgarter schon deutlich mehr auffahren, damit sich der höhere Einstiegspreis rechtfertigt. Und das tun sie auch!

Was ihn besonders macht

Galerie: Erster Test Porsche 718 Boxster GTSUm ihn von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden, haben die Porsche-Entwickler am Auftritt des GTS gearbeitet. Dazu zählen unter anderem schwarze Spoilerlippen im Gesicht, dazu dunkel umrandete Bi-Xenon-Scheinwerfer und Rückleuchten, schwarze Endrohre und ebenfalls schwarz lackierte 20-Zoll-Schlappen. Im Innenraum kommt feinstes Alcantara zum Einsatz, damit dürfen sich die gut anliegenden Sportsitze, die Armauflage, der Dachhimmel und die A-Säule schmücken. Das Sport-Chrono-Paket, was beim S-Modell für 1.798 Euro hinzu gebucht werden muss, ist im 718 Boxster und Caymann GTS außerdem serienmäßig mit dabei.

Wer allerdings denkt, dass der Einstiegspreis von 78.160 Euro für das Top-Modell nicht mehr in die Höhe zu treiben sei, der irrt. Die Aufpreisliste hält noch viele weitere Optionen parat, die sich Porsche natürlich fürstlich entlohnen lässt. Wer lieber mit LED-Scheinwerfern für eine gute Sicht sorgen möchte, legt 1.975,40 Euro drauf. Ein Parkassistent kostet weitere 1.535,10 Euro – wer will schon unliebsame Kratzer und Beulen in seinem GTS-Liebling verzeichnen. Doch besonders zur Kasse werden all diejenigen gebeten, die lieber das PDK (Serienmäßig kommen die 718 mit Sechs-Gang-Handschalter) für sich schalten lassen und den Wagen mit Keramik-Bremsen zum Stillstand bringen wollen: Das automatische Getriebe steht mit 3.254,65 Euro auf der Rechnung, die Keramik-Stopper mit 7.318,50 Euro. Mit wenigen Klicks bei der Bestellung lässt sich so der Preis in einen sechsstelligen Bereich bringen. Fast schon putzig wirken da die Cent-Beträge hinterm Komma.

Freudig mit dem Hintern wackeln

Galerie: Erster Test Porsche 718 Boxster GTSAlles andere als putzig ist der Antrieb. Wie im S werkelt hier der ohnehin schon reht potente 2,5-Liter-Vierzylinder-Motor, allerdings mit 15 Pferdestärken mehr. Macht also 365 PS, die am Ende die Höchstgeschwindigkeit nochmal um 5 km/h auf Tempo 290 höher legen. Um das zu schaffen, wurde der Ansaugtrakt größer dimensioniert und der Ladedruck des Turbos um 0,2 bar auf 1,3 bar erhöht. Doch trotz aller technischer Raffinesse, bleibt die Frage nach den ersten Kilometern: Geht Porsche und Vierzylinder wirklich zusammen?

Ja! Man muss neidlos anerkennen, dass der 718 GTS mit seinen Vieren nur sehr selten den Wunsch nach mehr Zylindern aufkommen lässt. Bereits nach 4,6 Sekunden fällt die 100-km/h-Grenze im 1.375 Kilogramm schweren Klein-Porsche. Dafür sorgt das maximale Drehmoment von 400 Newtonmeter, das im breiten Band von 1.900 bis 5.000 Umdrehungen anliegt. Viel Kraft also, die man unterm Hintern hat – und die man im Hinterkopf haben sollte: Springt man früh morgens ins Auto und legt nach wenigen Kilometern, noch leicht schlaftrunken, den Fuß am Bodenblech an, kann es schon mal vorkommen, dass der GTS freudig mit dem Hintern wackelt.

Galerie: Erster Test Porsche 718 Boxster GTSEinziges Manko des Vierzylinders: Mit den Ohren dagegen wackelt wohl keiner so richtig, wenn der 718 GTS vorbeirauscht und so richtig wollen sich die Ohren noch nicht an den neuen Klang gewöhnen. Das sonst so satte Brabbeln aus den Endtöpfen, das wir (noch) vom Elfer kennen, klingt dumpfer und ein wenig sonorer –vielleicht braucht es aber auch einfach noch ein wenig Eingewöhnungszeit.

Schneller mit PDK

Galerie: Erster Test Porsche 718 Boxster GTSKeine Gewöhnungsphase braucht es dagegen in Sachen Fahrdynamik: Der knackige Unterbau – serienmäßig mit adaptivem Fahrwerk – sorgt für besten Kontakt zur Straße und dank seiner großartig abgestimmten, direkten Lenkung durchpfeilt der GTS jede Biegung wie am Schnürchen. Kurz anbremsen, einlenken und federleicht wieder heraus beschleunigen – so geht Fahrspaß, und die Freude steigt von Kurve zu Kurve. Erst recht, wenn sich eine davon nahtlos an die andere reiht, wie auf der Rennstrecke von Ascari, wo uns Rallye-Ikone Walter Röhrl am Steuer des GTS gezeigt hat, was der 718 wirklich kann.

Wie nach jeder Taxi-Fahrt mit Walter stelle ich mir dagegen die gleich Frage: Kann ich überhaupt Autofahren? Denn wo Otto-Normal-Verbraucher hochkonzentriert versucht, die Ideal-Kennlinie zu fahren, sitzt der Ex-Weltmeister gerne mal mit nur zwei Fingern am Lenkrad hinterm Steuer, nestelt an seiner Armbanduhr herum und erzählt einem, alles wäre es ein Kaffeekränzchen, alle Infos zur Strecke. Nach der dritten gemeinsamen Runde wissen wir auch, was Walter da an seinem Handgelenk zu Fummeln hatte: Er hat nebenbei einfach mal die Zeit gestoppt – und freut sich wie ein Schneekönig, dass er mit dem PDK auf der Start- und Zielgeraden rund zwei Sekunden schneller beschleunigen kann als mit dem Handschalter. Wenn das mal kein Kaufgrund ist!

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Wer sich für einen Porsche 718 GTS entscheidet, der hat in der Regel noch ein Alltagsauto. Oder zwei. Denn mit seinen beiden kleinen Kofferräumen – 275 Liter beim Boxster, 425 beim Cayman – sind die Einstiegsmodelle nicht gerade praktisch. Darum geht’s aber auch nicht. Es geht um den Fahrspaß – und hier darf es eben gern auch ein bisschen mehr sein. Da kommt der kleine, flotte Drei-Buchstaben-Porsche also genau richtig: 15 PS mehr Leistung, 5 km/h mehr an der Spitze und Smokey-Eyes klingen verlockend. Wer jetzt gleich zum Händler rennt, sollte aber an Walters-Geheimtipp denken: PDK muss schon sein, um an geeigneter Stelle einfach mal zwei Sekunden schneller beschleunigen zu können.
 
 

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