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Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2

Erster Test: Porsche 911 GT2

Noch schneller

02.10.2007

Ich mag ja keine Turbos. Porsche weiß das und lädt mich trotzdem nach Niedersachsen ein. Denn sie haben den 911 Turbo nochmals verschärft, nennen das Teil GT2 und sind sich sicher, den besten Serien-Elfer überhaupt gebaut zu haben. Walter Röhrl geht sogar noch weiter.

Ich fahre nicht jeden Tag Porsche und als Kind war ich – ganz im Gegensatz zu meinen Freunden – immer schon 11er-immun. Daher ist mir auch die Nomenklatur fremd: GT3 hört sich nach mehr an, doch GT2 war bei Porsche immer schon die ultimative Ausbaustufe des 911.

Wissenswertes

Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2Sobald jedoch „GT“ im Namen eines 11ers auftaucht wissen die Kenner, dass es sich um einen auf Bestwerte getrimmten Porsche handelt, der schon serienmäßig alles für die Rennstrecke mitbringt.

So wundert es nicht, dass sich der GT2 die meisten seiner Eigenschaften mit dem GT3 teilt und nicht mit dem eher komfortablen Allrad-Turbo – abgesehen vom Motor. Für Porsche-GTs gilt Heckantrieb. Ebenso stehen beide GT-Varianten auf Supersportreifen, die bei Nässe und erst recht bei Aquaplaninggefahr nichts auf der Straße verloren haben. Bis zur Baureihe 996 war auch der Verzicht auf ESP in einem GT Ehrensache, womit der neueste GT2 jetzt Schluss macht.

Kompromisslos renntauglich

Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2Schon der GT3 überzeugte uns als Sportgerät, es scheint schwer, dessen Performance noch zu toppen. Dem GT2 fällt das jedoch leicht: 530 statt 415 PS, 329 statt 310 km/h, 3,7 statt 4,3 Sekunden… 190.000 statt 113.000 Euro.

Am meisten beeindrucken die Leistungswerte des Motors, der auf dem aus dem 911 Turbo bekannten Aggregat basiert. Der Doppelturbo mit variablen Schaufelrädern liefert sein maximales Drehmoment von 680 Newtonmetern bereits ab 2.200 Touren konstant ab, 530 PS stehen bei 6.500 Kurbelwellenumdrehungen zur Verfügung. Diese Mordskraft auf die Straße zu bringen ist Aufgabe der 19-Zoll Sportreifen mit 235 Millimeter Laufbreite vorne und 325 Millimeter hinten. In Verbindung mit einer Launchkontroll, die ESP-Rechner und Traktionskontrolle koordiniert, sind fantastische Sprintzeiten machbar. Dennoch weist sie ihr Profil, mit nur wenig Negativanteil, als Rennstreckenspezialisten aus. Alltagstauglichkeit stand also weniger fett im Lastenbuch der Entwickler.

Zu schnell für die meisten

Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2Umso erstaunter nimmt man Platz im Porsche GT2 der Baureihe 997, schon der Einstieg fällt leichter als in anderen Supersportlern. Nur Details unterscheiden ihn innen vom normalen 911er, überraschend viel Platz für lange Fahrer und perfekte Ergonomie geben sich ein Stelldichein. Hier kann man es auf langen Strecken aushalten.

Doch die schwergängige Kupplung beweist dem Unvorbereiteten schon beim Einlegen des ersten Gangs, dass er es mit einem Sportwagen ohne Mätzchen zu tun hat. Zum Shoppen eignet sich der neueste Brüller aus Zuffenhausen also weniger. Ansonsten fühlt er sich auf der Landstraße ebenso wohl wie auf der Autobahn – gleich welche Spur – oder auf abgesperrter Piste. Wenn 330 km/h auf der Uhr stehen, geht das überraschend unspektakulär von statten, so ruhig liegt der Wagen bei diesem Tempo auch auf suboptimalem Autobahnbelag. Der Weg dorthin ist jedoch von unbarmherziger Kraft geprägt.

Von Meisterhand geführt

Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2Diese pure Kraft ist es, die den Fahrer vor die größte Herausforderung stellt: Eine gesunde Selbsteinschätzung. Walter Röhrl spricht auch gerne von sittlicher Reife. Der Mann weiß das, denn er fährt zwar wie ein Verrückter, doch ist er auch im Grenzbereich immer Herr seines Gefährts. Das ist auch besser so, denn ich sitze neben ihm fest geschnallt, vor uns liegt ein abgesperrter Fliegerhorst und hinter uns laufen sich 530 Pferde warm.

Der GT2 geht wie die Sau, doch macht er das so zivil, wie man das einem giftigen Heckmotor-Layout gar nicht zutraut: Mit maximalem Gewicht auf den Antriebsrädern verweist dieses Konzept den Front- wie auch den Mittelmotor auf die Plätze. Kommt diese Masse bei Kurvenfahrt jedoch mal in Schwung und verlieren die Antriebsräder die Bodenhaftung, ist der Wagen kaum mehr abzufangen. Röhrls oberstes Ziel in der Feinabstimmung des GT2 war es daher, der tückischen Kombination aus Turbopower und grazilem Grenzbereich die Schärfe zu nehmen. „Der Übergang von Haft- zur Gleitreibung an der Hinterachse sollte so sanft und weich wie irgend möglich geschehen.“ Und tatsächlich benimmt sich der GT2 - bei aktiviertem ESP – handzahm, ohne übertrieben Tempo abzubauen.

Fein abgestimmt

Galerie: Erster Test Porsche 911 GT2Das Gripniveau der Sportreifen auf trockener Fahrbahn raubt einem schlicht den Atem. Die elektronische Traktionskontrolle wird dabei noch von einem Sperrdifferenzial unterstützt, das mehr Motorleistung an das kurvenäußere Rad überträgt und den Über-Elfer nochmals schneller und agiler um die Ecken brennen lässt. In der zweiten Abschaltstufe wird auch die Traktionskontrolle deaktiviert womit sich „individuelle Fahrmanöver“ bewerkstelligen lassen. Röhrl nennt das Drift und selbst dann benimmt sich der GT2 noch lammfromm – Aufbaubewegungen lässt das Sportfahrwerk nicht zu, berüchtigte Konterschwenks werden im Keim erstickt.

Die letzten Abstimmungsfahrten hat Röhrl auf der Nordschleife vorgenommen, dort trennt sich die Spreu vom Weizen. Am Ende fuhr der Ausnahmefahrer eine Zeit von 7:32 Minuten – Carrera GT Niveau! Und damit ist der GT2 für ihn „der schnellste Straßen-Porsche überhaupt“.

Fazit

Diese Einschätzung kann man getrost as Fazit stehen lassen. Dennoch sollte man darauf hinweisen, dass der Porsche GT2 nicht nur der schnellste Porsche ist, sondern eben auch ein typischer: Kein anderer Supersportler vereint solch überragende Fahrleistungen so gekonnt mit Alltagstauglichkeit. Die wird im Lambo-Killer lediglich durch die Semi-Slick Bereifung und die hohen Bedienkräfte eingeschränkt. Für knapp 190.000 Euro jedoch darf der GT2-Besitzer dann auch Turbo- und GT3-Piloten mit Fug und Recht als Weicheier bezeichnen.

 
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