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Galerie: Erster Test Porsche Cayenne S Diesel

Erster Test: Porsche Cayenne S Diesel

Der Imponator

13.11.2012

Bereits als V6-Diesel kann der Porsche Cayenne bei Drehmomentfreunden mächtig Eindruck schinden. Spritzig, durchzugsstark und dann noch effizient ist das Aggregat ein fast perfekter Allrounder – sofern man auf echtes Porsche-Feeling verzichten kann. Jetzt zünden die Zuffenhausener die zweite Dieselstufe und wollen mit einem V8 sportlicheres Image mit hoher Effizienz in Einklang bringen. Wirklich brauchen tät es den Antrieb freilich nicht, imponieren vermag er allemal.

Beim neuen Dieselmotor handelt es sich um ein üppig dimensioniertes 4,2-Liter-V8-Aggregat, welches allein schon durch die Zahl der Zylinder gehobenen Status und Prestige vermittelt. Dabei hat Porsche auf optischen Firlefanz verzichtet und weist allein im Modellnamen-Schriftzug ein eher unscheinbares S auf das Extrempotenzial des Kraftpakets hin. Bei diesem handelt es sich übrigens um ein Konzernaggregat, welches bereits unter andrem bei Audi Q7 und VW Touareg zum Einsatz kommt.

Galerie: Erster Test Porsche Cayenne S DieselPorsche hat es sich allerdings nicht nehmen lassen, hier einen leistungsmäßigen Höhepunkt zu setzen: Statt der 340 PS bei seinen Technik-Brüdern leistet das von zwei Turboladern zwangsbeatmete Hubraum-Monster im Cayenne 382 PS und wuchtet phänomenale 850 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Da Audi den V12 TDI nicht mehr anbietet, darf sich der Cayenne S Diesel damit die Krone als stärkstes Pkw-Dieselfahrzeug aufsetzen. Mit denkbar knappem Vorsprung: Nur eine Pferdestärke schwächer ist der Dreiliter-Triturbo von BMW.

So gar nicht nach Porsche-art ist das stolze Gewicht von 2,2 Tonnen, welches sich angesichts der überbordenden Kraft jedoch in drastischer Weise relativiert: 5,7 Sekunden dauert der Standardsprint und 252 km/h Top-Speed sind maximal drin. Letzteres konnten wir auf unserer Testroute rund ums österreichische Graz allerdings nicht ansatzweise testen. Doch ebenso kann die gewaltige und souveräne längsdynamische Performance des S Diesel auch auf Landstraßen dem Fahrer ein Dauergrinsen bescheren, denn bei Zwischensprints presst der mit einem hochvariablen Allradsystem bestückte Hochsitz seine Insassen mit Nachdruck ins sportlich konturierte Gestühl und meistert spontane Überholmanöver mit spielerischer Leichtigkeit.

Achtgänge-Menü

Galerie: Erster Test Porsche Cayenne S DieselDer Motor gibt sich in allen Lebenslagen angenehm drehfreudig, in der Sporteinstellung wirkt er fast schon übermotiviert. Dabei kann die sehr behände und schnell die Gänge wechselnde Achtgang-Automatik das eigentlich unsportlich kurze Drehzahlband wunderbar kaschieren. Im manuellen Gangwahlmodus lässt sich der Motor nur bis maximal 4.500 Touren hochjubeln. Wer volle Leistung abfragt, bekommt davon in jeder Fahrsituation also mehr als nötig geliefert. Mit Turbolöchern oder dieseltypischer Trägheit muss man sich nicht herumärgern.

Auch akustisch will der V8-Diesel den Eindruck vermitteln, ein hochpotentes Männerspielzeug zu sein. Beim Soundengineering hat Porsche nach eigenen Angaben keine synthetische Klangwelt erschaffen, sondern vielmehr einen authentischen Powersound aus der zweiflutigen Auspuffanlage herausgekitzelt. Zumindest Passanten drehen sich immer wieder um, wenn man kräftig aufs Gaspedal geht. Im Innenraum klingt das hingegen nur mäßig prickelnd und ist nicht ansatzweise vergleichbar mit den emotionalen Boxer-Arien eines 911 http://ww2.autoscout24.de/test/porsche-911-carrera-s/der-sportwagen/44459/318541/ . Und auch hinsichtlich der Akustikmanieren kann der S Diesel nicht mit denen von Benzinmotoren mithalten, wenn auch der stets präsente aber angenehm vibrationsarme Achtender nicht mit Diesel-typischen Klängen nervt.

Bis zu 1.200 Kilometer Reichweite

Galerie: Erster Test Porsche Cayenne S DieselDafür bietet das kraftstrotzende Schwergewicht einen dieseltypischen Verbrauch. Laut Hersteller liegt dieser bei bescheidenen 8,3 Litern, was nur um 0,9 Liter überm Verbrauch des Cayenne mit V6-Diesel liegt. Dennoch bietet Porsche für den Cayenne einen optionalen 100-Liter-Tank, der beim V8-Diesel zumindest theoretisch eine Reichweite von über 1.200 Kilometer ermöglichen könnte. Praktisch wird der Radius allerdings kleiner ausfallen, denn der Spritkonsum dürfte sich eher im zweistelligen Bereich bewegen.  

Auch sonst ist der komfortabel abgestimmte und mit Abstandstempomat aufrüstbare Cayenne S Diesel ein besonders langstreckentauglicher Linksspur-Express, den man mit Abstrichen sogar für die ambitioniertere Kurvengaudi hernehmen kann. Will man mit Vollgas aus engen Kurven rausfeuern, reagiert der Wagen trotz Allradantrieb gelegentlich etwas ungestüm und brutal. Um seitliches Auskeilen zu vermeiden, sollte man trotz der hervorragenden Traktion in manchen Situationen das Gaspedal mit Bedacht treten.

Übt den aufrechten Gang

Galerie: Erster Test Porsche Cayenne S DieselTrotz seines Gewichts und seines hohen Aufbaus sind mit dem V8-Diesel enorme Kurvengeschwindigkeiten möglich, das Urvieh lässt sich fast schon spielerisch von links nach rechts werfen. Doch in die Querdynamik-Sphären klassischer Porsche-Modelle  vermag der Cayenne trotz aufwändigster Fahrwerks-Finessen nicht vordringen.

Allein preislich dringt der Cayenne S Diesel in wahre Porsche-Regionen vor, denn für die prestigeträchtige Motorversion muss man für die bereits gut ausgestattete Basisversion fast 78.000 Euro hinblättern. Wer im Online-Konfigurator eifrig Häkchen setzt, kann sogar in sechsstellige Regionen vordringen. Ob man für den Extrakick des V8 allerdings derart tief in die Tasche greifen muss, scheint fraglich. Gut 16.000 Euro günstiger ist nämlich der V6 Diesel, der ja bereits mit gehobenem längsdynamischem Potential erfreuen kann.

Andererseits wird kein Stammtisch-Spezel  sonderlich beeindruckt sein, wenn man davon berichtet, einen V6-Diesel zu fahren. Beim V8 hingegen dürfte man von PS-Jüngern wohl häufiger begeistert gefragt werden: „Und wie fährt der?“ Dann darf man mit einer gewissen Großspurigkeit die Wörter „Absolut geil!“ entgegengrinsen.

 
Fazit

Mario Hommen

Wow! Dieser Selbszünder-V8 hat Bumms, mehr sogar als alle anderen derzeit am Markt verfügbaren Diesel-Pkw, und dies bekommt man auch eindrucksvoll zu spüren. Ob man die überbordende Power wirklich braucht? Nein, ganz sicher nicht und ist der V6-Diesel im Cayenne eigentlich völlig ausreichend. Doch wenn man schon ein paar Extra-PS hat, setzt man sie gerne auch mal ein, um Drängler auf der linken Spur lässig stehen zu lassen, oder auf der Landstraße souveräne Überholmanöver hinzulegen.

Ganz nach Porsche-Art muss man für diesen Prestige-Antrieb auch kräftig zahlen. Der Wunsch, sich am Ende der Nahrungskette zu bewegen, verlangt nach einer gewissen Investitionsbereitschaft.

Echtes Porsche-Feeling bietet der S Diesel, obwohl der Stärkste seiner Zunft ist, allerdings nur bedingt. Zwar lässt sich der Cayenne für einen SUV sogar meisterlich durch Kurven zirkeln, eine rattenscharfe Pistensau ist der mopsige Hochsitz aber nicht. Und auch der Klang ist zwar imposant, doch vermisst man das feinnervige, frivole Singsang eines Boxer-Motors. Porsche ist eben nicht gleich Porsche.
 
 

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