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Galerie: Erster Test Porsche Cayenne

Erster Test: Porsche Cayenne

DNA-Test

22.06.2010

Bei neuen Porsche-Modellen wird gerne diskutiert, ob diese auch die DNA der Marke transportieren – also sportlich, leichtfüßig und 911ig sind. Das SUV Cayenne ist bekanntermaßen das genaue Gegenteil dieser Wertewelt und dennoch im Frühjahr 2010 in bereits zweiter Generation angetreten. Optisch kommt die Neuauflage erstaunlich gut rüber, bei den Antrieben sind allerdings wieder V6-Motoren von VW angesagt. Vor allem der Diesel dürfte Verfechter der reinen Porsche-Lehre weiterhin düpieren. Doch wer aufs Porsche-Erbe pfeift, könnte sich leicht in den Selbstzünder verlieben.

Allen Kritikern zum Trotz waren die Verkaufszahlen für den Cayenne aus Porsche-Sicht bislang recht erfreulich. Erstaunlicherweise führte der Tabubruch mit der Einführung des Dieselmotors Ende 2008 in Deutschland sogar zu einer fast schon einseitigen Kundenresonanz: Zuletzt waren rund drei Viertel aller hierzulande verkauften Cayenne nämlich Diesel.

Wenig verwunderlich also, dass der außen wie innen wesentlich ansehnlicher gewordene Cayenne in seiner zweiten Auflage wieder mit Diesel antritt. Dieser wurde ohne nennenswerte Änderungen vom ebenfalls neu aufgelegten und nahezu baugleichen VW Touareg übernommen. Damit ist eigentlich schon klar, dass der neue Cayenne-Diesel im Vergleich zur alten Version einen großen, spürbaren Fortschritt bietet.

Ein gehöriger Punch

Galerie: Erster Test Porsche CayenneGleich beim ersten Gasbefehl überrascht der Cayenne Diesel mit sprunghaftem Vorwärtstrieb. Seine stolzen 550 Newtonmeter katapultieren den 2,1-Tonner in lediglich 7,8 Sekunden auf Tempo 100. Maximal sind knapp 220 km/h möglich. Trotz der im Vergleich zum Vorgänger deutlich besseren Fahrleistungen ist der Verbrauch erheblich gesunken. Lediglich 7,4 Liter und damit zwei Liter weniger als bisher soll der V6-Diesel laut Porsche brauchen. Chapeau.

Darüber hinaus kann der Diesel mit seiner sehr ruhigen Arbeitsweise beeindrucken. Der bestens abgekapselte Selbstzünder ist als solcher akustisch kaum wahrnehmbar. Bei Ampelstopps schaltet sich der Motor zudem automatisch aus und springt erst beim Wechsel des rechten Fahrerfußes vom Brems- zum Gaspedal wieder an. Auch bei den Windgeräuschen bietet der neue Cayenne ein erfreulich niedriges Niveau. Lediglich unter Volllast verschafft sich das Drei-Liter-Aggregat durch ein herzhaftes Brummen etwas mehr Gehör.

Herrlich leise

Galerie: Erster Test Porsche CayenneUnd nicht zuletzt die serienmäßige Acht-Gang-Automatik wird selbst höchsten Komfortansprüchen gerecht. Die Gangwechsel sind sanft und kurzweilig und sorgen die als Overdrive ausgelegten Gänge sieben und acht auf der Autobahn für sehr niedrige Motordrehzahlen. Allerdings hängt der Wagen nicht so feinnervig am Gas, wie man es von einem Porsche erwarten würde. Fordert man spontan mehr Leistung, könnten gewisse Trägheitsmomente so manchen Speed-Neurotiker etwas enttäuschen. Wäre es kein Porsche, würde diese leichte Verzögerung im Leistungsaufbau kaum der Rede wert sein.

Auch bei der Fahrwerksabstimmung kann sich der Cayenne-Diesel nur beinahe als ernstzunehmender Vertreter der Marke empfehlen. Unser mit 19-Zoll-Rädern ausgestatteter Hochsitz-Porsche ist ganz eindeutig der Dynamiker unter den SUVs, das ist sicher. Fast spielerisch kann man das Lenkrad nach links und rechts werfen – der Cayenne folgt den Befehlen präzise und äußert willig. Im per Knopfdruck aktivierbaren Sportmodus liegt der Wagen nochmals straffer auf dem Asphalt, wankt kaum in Kurven und muss erst spät vom serienmäßigen ESP zur Kurseinhaltung diszipliniert werden. Doch in engen Serpentinen scheint der Schleuderschutz fast schon überfordert und bremst den Cayenne heftig aus. Spätestens hier verhindern die über zwei Tonnen Gewicht und der hohe Aufbau jegliches Porsche-Feeling. Wer einen König der Spitzkehre will, sollte lieber die Finger vom Cayenne lassen, auch wenn Porsche drauf steht.

V6-Benziner ohne Verve

Galerie: Erster Test Porsche CayenneBeim Komfort zeigt der eigentlich sehr geschmeidig anfedernde Unterbau höchstens bei groben Schlaglöchern und Unebenheiten leichte Verdauungsprobleme an der Hinterachse. Sprich: Ohne gelegentliches Poltern hinten wird man sich selbst mit der Luftfederung nicht durch den Großstadtdschungel kämpfen können. Noch etwas hoppeliger und noch mehr wie auf Schienen fährt sich unser zweites Testexemplar: der mit 20-Zoll-Rädern und den rund 8.000 Euro teuren Keramik-Stoppern ausgestattete V6-Benziner.

Auch hier sorgen im Vergleich zum Vorgänger die allgemeine Gewichtsreduzierung und die optionale Tiptronic S genannte Acht-Gang-Automatik für bessere Fahrleistungen bei weniger Verbrauch. Doch so recht überzeugen vermag der VW-Sechs-Zylinder nicht. Akustisch ist der Motor zu präsent, vermittelt eher das Gefühl, als wolle Porsche seine sportliche DNA mit einem eigentlich zu vulgären und aufdringlichen Klang vermitteln. Wenn schon laut, dann aber bitte mit genialem Boxer-Sound oder einem wummernden V8. Davon ist der V6 akustisch allerdings weit entfernt.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Porsche Cayenne Diesel   Porsche Cayenne V6 Tiptronic S
         
Abmessung und Gewicht        
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.846/ 1.939 / 1.705   4.846/ 1.939 / 1.705
Radstand (mm)   2.895   2.895
Wendekreis (m)   k.A.   k.A.
Leergewicht (kg)   2.100   2.030
Kofferraum (Liter)   670 - 1.780   670 - 1.780
Bereifung Testwagen   265/50 R19   275/45 R20
Motor        
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   2.967 / V6   3.598 / V6
Leistung kW (PS)   176 (240)   220 (300)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   550 / 2.000 - 2.250   400 / 3.000
Antriebsart   permanenter Allradantrieb   permanenter Allradantrieb
Getriebeart   8-Gang-Automatik   8-Gang-Automatik
Verbrauch        
Krafstoffart   Diesel   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   7,4   9,9
CO2-Emissionen (g/km)   195   236
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.   k.A.
Fahrleistungen        
Werksangabe 0-100km/h (s)   7,8   7,8
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   218   230
Preise        
ab (Euro)   59.596   58.073
Empfohlene Extras   Abstandsregeltempostat, regelt den Abstand zum vorausfahrenden Verkehr mittels Radarsensorik automatisch (2.035 Euro)   Acht-Gang-Automatik Tiptronic S für 2.641,80 Euro
 
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Und nach 300 PS fühlt sich die Leistung des drehfreudigen Benziners auch nicht an. Zumindest beim Sprint liegt der V6-Otto mit dem 60 PS schwächeren Diesel gleich auf. Lediglich bei der Endgeschwindigkeit schafft der Benziner zwölf km/h mehr. Doch Highspeed-Ambitionen auf der Autobahn sorgen wiederum für unschöne Verbrauchswerte. Mit Touren jenseits der 200 lassen sich die 9,9 Liter Normverbrauch problemlos verdoppeln. Trotz Start-Stopp-Automatik ist dieser Wert eigentlich zu hoch und kann hier im Vergleich der um zweieinhalb Liter sparsamere Diesel mit seinem vergleichsweise hohen Effizienz-Niveau deutlich mehr überzeugen.

Wahrlich kein Schnäppchen

Galerie: Erster Test Porsche CayenneImmerhin ist das V6-Einstiegsmodell der günstigste Weg, um in die Cayenne-Welt einzusteigen. Doch günstig ist in diesem Fall relativ. Der mit Sechs-Gang-Handschaltgetriebe etwas über 55.000 Euro teure V6-Benziner kostet mit der von uns gefahrenen Acht-Gang-Automatik gut 58.000 Euro, für den Diesel werden mit diesem einzig verfügbaren Getriebe fast 59.600mme Euro fällig. Der Aufpreis für den Selbstzünder von rund 2.000 Euro rechnet sich im Vergleich zum V6-Benziner schon nach wenigen zehntausend Kilometern. Mehr Spaß macht der Diesel außerdem.

Apropos günstigere Alternative: Wer sich statt des Porsche Cayenne Diesel den neuen VW Touareg V6 TDI kauft, muss 9.000 Euro weniger zahlen – zumindest beim Grundpreis. Es war immer schon teuer, einen Porsche zu fahren, selbst wenn dieser eigentlich kein echter Porsche ist.

Fazit

Schicker, schneller, stärker und sparsamer ist der Porsche Cayenne geworden. Die Neuauflage beeindruckt zudem mit ihren vielen Innovationen. Antriebsseitig vermag vor allem der V6-Diesel begeistern. Der neue Motor kann so ziemlich alles und das auch noch richtig gut. Lediglich echtes Porsche-Feeling kann er nicht vermitteln.

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